Bernhard der Däne

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Bernhard der Däne (Bernard le Danois) ist ein normannischer Adliger aus der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts.

Quellen[Bearbeiten]

Die Person Bernhard ist aus der Chronik des Dudo von Saint-Quentin, De moribus et actis primorum Normanniae ducum bekannt, von der allerdings einige Passagen mit Vorsicht zu betrachten sind. Die Gesta Normannorum ducum von Wilhelm von Jumièges und der Roman de Rou von Wace erwähnen ihn zwar ebenfalls, doch stützen sie sich dabei weitgehend wiederum auf Dudo.

  • Dudo von Saint-Quentin, De moribus et actis primorum Normanniae ducum, Éd. Jules Lair, Caen, F. Le Blanc-Hardel, 1865
  • Wilhelm von Jumièges, Histoire des Normands, Éd. Guizot, Brière, 1826, Buch IV (Französische Übersetzung der Gesta Normannorum ducum).

Biographie[Bearbeiten]

Sein Beiname deutet auf seine Herkunft aus Dänemark. Er gehört zu den Gefolgsleuten Rollos, des Begründers der normannischen Herrschaft, und kann sich mit seinen Landsleuten frühestens um 900 in der Normandie niedergelassen haben[1].

Zu Beginn der 930er Jahre konnte er den Sohn und Nachfolger Rollos, Wilhelm I. beim Angriff des Wikingers Riouf aus der westlichen Normandie auf Rouen vom Sinn eines Ausfalls überzeugen: Riouf wurde vor den Mauern der Stadt besiegt. Bernhards Einfluss wuchs nach der Ermordung Wilhelms im Dezember 942 als Angehörigem des Regentschaftsrats für den minderjährigen Nachfolger Richard I.[2] Dudo von Saint-Quentin beschreibt ihn als omnipräsenten Akteur in den Jahren 942 bis 946 an der Seite von Anslech, Osmond de Conteville und Raoul Taisson. In dieser Zeit zeigte er eine taktische Intelligenz, die – nach Aussagen Dudos – es der Normandie ermöglichte, als Einheit die Machtansprüche des karolingischen Königs Ludwig IV. und des Herzogs Hugo der Große zu überleben.

Zwei Mal empfängt Bernhard den König in Rouen und garantiert ihm die Loyalität der Normannen. Französisches Militär wird in der Normandie stationiert, während der junge Jarl zur Erziehung nach Frankreich gebracht wird. Im Geheimen jedoch nimmt Bernhard Kontakt zum dänischen König Harald Blauzahn auf, um die Macht zurückzuerhalten[3]. Mit Hilfe der Dänen kann sich Bernhard des Königs bemächtigen, ein Pfand, mit dem die Rückkehr Richards in die Normandie verhandelt werden kann. Der König wird erst wieder freigelassen, nachdem Richard sich wieder in seinem Land befindet.

Danach verschwindet Bernhard der Däne aus den Chronik Dudos.

Nachkommen[Bearbeiten]

Bernhard der Däne wird als Vater von Torf und damit als Stammvater zweier großer normannischer Familien angesehen, des Hauses Beaumont und des Hauses Harcourt. Auch wenn kein Beweis für die Filiation zwischen Bernhard und Torf vorliegt, so wird sie doch in zahlreichen Genealogien erwähnt[4] und auch von den französischen Königen anerkannt, so zum Beispiel von Ludwig XIV. in seinem Patentbrief aus dem Jahr 1700 zur Errichtung des Herzogtums Harcourt: sa maison tire son origine de Bernard le Danois, un des seigneurs de Danemark, qui vinrent en Normandie avec Rollon, qui en fut le premier duc, en l'an 876, de qui Bernard le Danois eut la seigneurie d'Harcourt et plusieurs autres terres; il fut aussi fait gouverneur de Normandie et tuteur de Richard Ier, petit-fils du duc Rollon, et les descendants de ce Bernard ont été revêtus des premières charges et alliances fort illustres.[5].

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Dudo von Saint-Quentin, De gestis Normanniae ducum seu de moribus et actis primorum Normanniae ducum, J. Lair (Hg.), Mémoire de la Société des Antiquaires de Normandie, Band XXIII, 1865, S. 189–190. Die Liste der Begleiter Rollos ist umstritten, aber seine Erwähnung durch Dudo fügt Bernhards Erscheinen auf dieser Liste eine gewissen Glaubwürdigkeit zu.
  2. Wilhelm von Jumièges, Histoire des Normands, Hg. Guizot, Brière, 1826, Band IV, S.79 (französische Übersetzung der Gesta Normannorum ducum)
  3. Wilhelm von Jumièges, ibid, S. 88. Flodoard von Reims stellt ihn hier als einen normannischen Anführer aus der Region von Bayeux dar
  4. Gilles-André de La Roque, Histoire Généalogique de la Maison de Harcourt, 1662, Band I, III und IV
  5. in Père Anselme, Histoire généalogique et chronologique de la maison royale de France, des pairs, grands officiers de la Couronne, de la Maison du Roy et des anciens barons du royaume..., 1726–1733