Bernina Nähmaschinenfabrik

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BERNINA International AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1893
Sitz Steckborn, Schweiz
Leitung Hanspeter Ueltschi
(Inhaber und Präsident des Verwaltungsrats)
Claude Dreyer (CEO)
Mitarbeiter 1000 (Jahresdurchschnitt 2008, davon ca. 270 in Steckborn)
Umsatz 176 Mio. CHF (2012)
Branche Textilmaschinen
Website www.bernina.com

Bernina International AG (vormals Fritz Gegauf AG) mit Sitz in Steckborn in der Schweiz ist ein 1893 gegründeter Nähmaschinenhersteller. Der Ursprung des Unternehmens liegt in der Erfindung der Hohlsaum-Nähmaschine im Jahr 1893 durch Karl Friedrich Gegauf. Die bis heute entwickelten Näh- und Sticksysteme ermöglichen das Nähen, Sticken, Quilten und Overlocken.

Geschichte[Bearbeiten]

1890–1926: Karl Friedrich Gegauf und die Erfindung der Hohlsaum-Nähmaschine[Bearbeiten]

Unternehmensgründer Karl Friedrich Gegauf und seine Söhne

Die Anfänge der heutigen Bernina International gehen auf Karl Friedrich Gegauf zurück, der bereits als Kind seine Leidenschaft für Technik entdeckte. Nach seinem Abschluss arbeitete er in der Stickmaschinenfabrik Baum in Rorschach. 1890 machte sich Karl Friedrich Gegauf mit einer Stickerei und mechanischen Werkstatt zur Herstellung der von ihm erfundenen Monogramm-Stickapparate in Steckborn in der Schweiz selbständig. Gemeinsam mit seinem Bruder Georg Gegauf leitete Karl Friedrich Gegauf die Firma „Gebrüder Gegauf“. 1893 erfand Karl Friedrich Gegauf die erste Hohlsaum-Nähmaschine; damit konnten 100 Stiche pro Minute genäht werden. 1885 zerstörte ein Großbrand die Werkstatt der Gebrüder Gegauf vollständig, lediglich der Prototyp der Hohlsaum-Nähmaschine konnte gerettet werden. Ende der 1920er Jahre kam in der Textilbranche die Kunstseide auf, die für Hohlsäume nicht geeignet war. Im Zuge dessen überlegte Karl Friedrich Gegauf, wie einige Arbeiten bei der Herstellung von Kunstseide mit Maschinen erledigt werden könnten, wie beispielsweise das Fitzen (Unterbinden der Garnstränge). Er entwarf Pläne für eine Fitzmaschine und richtete eine neue Werkstatt für ihren Bau ein. Kurz bevor aber die erste Maschine hergestellt werden konnte, starb Karl Friedrich Gegauf. Seine Söhne Fritz und Gustav übernahmen das Unternehmen und produzierten unter anderem die Fitzmaschine.

1926–1947: Fritz Gegauf und die Entwicklung der ersten Haushaltsnähmaschine „Bernina“[Bearbeiten]

Fritz Gegauf führte 1932 den Markennamen Bernina ein

Fritz Gegauf, einer der Söhne Karl Friedrich Gegaufs, meldete bereits 1919 das Patent für die „Wotan-Hohlsaum-Nähmaschine“ an, die für die nun „Fritz Gegauf“ genannte Firma ein weiterer internationaler Erfolg wurde. Er übernahm 1926 nach dem Tod des Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Gustav die Fabrikleitung. In den Zeiten der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre tat sich Fritz Gegauf mit der Stickereifabrik Brütsch & Sohn in St. Gallen zusammen, die ebenfalls rote Zahlen schrieb. Bis Ende des Jahres 1932 entwickelten sie die erste Haushaltsnähmaschine, die sie Bernina nannten. Am 26. Oktober 1937 verließ die zwanzigtausendste Maschine die Steckborner Fabrik. 1938 brachte er die erste Bernina-Zickzack-Nähmaschine und 1945 die erste portable Zickzack-Nähmaschine der Welt auf den Markt. Bis Mitte 1963 wurden in Steckborn eine Million Bernina-Zickzack-Nähmaschinen produziert – landläufig wurde das Unternehmen seither „Bernina“ genannt.

1959–1988: Odette Gegauf-Ueltschi, der Anstecknähfuß und die vollautomatische Nähmaschine[Bearbeiten]

Odette Ueltschi übernahm 1965 die Unternehmensleitung

Odette Ueltschi wurde seit 1959 mit der Unterstützung ihres Vater Fritz Gegauf mit der Führung der Bernina vertraut gemacht und übernahm nach dem Tod ihres Bruders 1965 die Unternehmensleitung. Seit 1954 waren Bernina-Nähmaschinen mit dem Patent eines Nähfußes, den man nur anzustecken brauchte, verkäuflich, die zudem eine Funktion hatten, die das halbautomatische Nähen von Knopflöchern ermöglichte. Weitere wichtige Entwicklungen kamen unter der Leitung der Firma durch Odette Ueltschi-Gegauf auf den Markt: 1963 erschien die erste Bernina-Nähmaschine mit patentiertem knieaktiviertem Nähfußheber, ihr folgte 1971 die erste Bernina mit elektrischer Fußsteuerung, die sich elf Jahre lang als Spitzenmodell etablierte. Nach der Entwicklung des Modells 930 im Jahre 1982, das erstmals über eine Stretchstich-Funktion und einen besonders leistungsstarken Motor verfügte, war die erste vollautomatische Bernina-Nähmaschine 1130 ein nächster großer Schritt in der Weiterentwicklung der Nähmaschinentechnik.

1988–2009: Hanspeter Ueltschi und der erste Nähcomputer, der Ausbau der Märkte und die Erweiterung der Produktion[Bearbeiten]

Hanspeter Ueltschi (rechts) und CEO Claude Dreyer lancierten 2008 das Modell Bernina 830

Hanspeter Ueltschi übernahm die Führung der Firma 1988 nach seiner Mutter Odette Gegauf-Ueltschi. Die Führungsposition der Firma in Nähmaschinentechnologie baute er weiter aus. So läutete er mit der artista 180, dem ersten Nähcomputer, das Computerzeitalter im Unternehmen ein. Außerdem wurde neben dem Stammwerk in Steckborn eine Produktion in Thailand aufgebaut. Um dem Trend der Internationalisierung und dem Erfolg der eigenen Marke Rechnung zu tragen, wurde die Fritz Gegauf AG unter Hanspeter Ueltschis Federführung in Bernina International AG umbenannt. In Anknüpfung an das erfolgreichste Bernina-Modell 830 aus den 1970er Jahren erschienen 2009 die Bernina 830 sowie die Bernina 820. 15 Patente wurden insgesamt auf die neue Bernina 830 angemeldet.

Unternehmen[Bearbeiten]

Firmenprofil[Bearbeiten]

Die Bernina International ist ein unabhängiges Familienunternehmen. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt hochwertige Güter und Dienstleistungen für den textilen Markt, in erster Linie Haushaltsnäh- und Sticksysteme sowie nähverwandte Produkte. Die Marktleistung ist ausgerichtet auf die Bedürfnisse des textilen Gestaltens in den Bereichen Sticken, Quilten, Heimtextilien, Kleider nähen und Basteln.

Zielgruppe[Bearbeiten]

Vorwiegend kreative Hobbyschneiderinnen, aber auch Designer realisieren mit den Näh- und Sticksystemen der Bernina-Nähmaschinen ihre schöpferischen Ideen.

Vertrieb[Bearbeiten]

Die Bernina International beliefert 80 Märkte weltweit über Business-to-Business-Geschäftsbeziehungen. Demnach gibt es weltweit ein starkes Netzwerk selbständiger Händler und keinen Direktverkauf durch das Unternehmen an die Kunden. Der Verkauf erfolgt sowohl in Multibrandstores, also im Mehrmarkenumfeld, als auch vorwiegend in der Schweiz in Monobrandstores, in denen ausschließlich die rund 300 Artikel der Bernina-Textil-Gruppe verkauft werden.

Produktionsstandorte[Bearbeiten]

Die Bernina-Werke befinden sich in Steckborn in der Schweiz sowie in Lamphun in Thailand.

Tochterunternehmen[Bearbeiten]

Die Bernina-Textil-Gruppe ist eine global agierende Gruppe von 15 Unternehmen und in rund 80 Ländern tätig. Tochtergesellschaften sind in Australien, Belgien, Deutschland, Japan, Neuseeland, den Niederlanden, Österreich, in der Schweiz und in den USA angesiedelt. Das Tochterunternehmen Benartex mit Sitz in den USA vertreibt bedruckte Textilien, insbesondere Quiltstoffe. Das Tochterunternehmen OESD entwickelt und vertreibt Stickdesigns. Die Firma Brewer beschäftigt sich mit der Distribution von Kurzwaren, vorwiegend in den USA. Eine weitere Tochtergesellschaft, die Melco Embroidery Systems, stellt 1-Kopf- und Mehrkopfstickmaschinen sowie Sticksoftware her.

Modelle[Bearbeiten]

Zeitleiste[Bearbeiten]

Jahr 1932 1938 1945 1954 1963 1971 1982 1986 1989 1993 1998 2001 2002 2004 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Modelle Modell 105


Modell 117
Modell 125
Modell 530
Modell 730
Modell 830
Modell 930
Modell 1130


Modell 1230
Modell 1630
artista 180
activa 145
artista 200
artista 640

aurora 440 QE


artista 730

Modell 830
Modell 820
B 530

B 550 QE


B 580

B 710

B 750 QE


B 780

Modellreihen[Bearbeiten]

Bauzeit Baureihe Anmerkung Bild
1932-1945 Modell 105 Die erste Haushaltsnähmaschine mit dem Markennamen Bernina.

Manuelle Nähmaschine, hergestellt von Fritz Gegauf.

105 sw ori.jpg
1938–1945 Modell 117 Die erste Bernina-Zickzack-Nähmaschine. 117 sw ori.jpg
1945–1963 Modell 125 Erste elektrische Bernina-Freiarm-Zickzack-Nähmschine. 125 sw ori.jpg
1960–1963 Modell 600 und 610 610 wie 600 nur zum Einbau in Nähtisch.
1954–1963 Modell 530 Erste Bernina mit patentiertem Ansteck-Nähfuß und Funktion für halbautomatisches Nähen von Knopflöchern. 530 sw ori.jpg
1963–1982 Modell 730 Das Modell 730, mit patentiertem knieaktiviertem Nähfuß. 730 sw ori.jpg
1971–1982 Modell 830 Erste Bernina mit elektronischer Fußsteuerung – 11 Jahre das Spitzenmodell. 830 sw ori.jpg
1982–1989 Modell 930 Die erste Bernina mit Stretchstich-Funktion und besonders leistungsfähigem Motor. 930 sw ori.jpg
1986–1989 Modell 1130 Erste computerisierte Bernina mit vollautomatischen Einstufen-Knopflöchern und Stichmusterspeicher. 1130 sw ori.jpg
1989–1998 Modell 1230 Modell mit erweiterter Speicherkapazität und vollautomatischen Einstufen-Knopflöchern inkl. Augenknopfloch. Modell1230.jpg
1993–1998 Modell 1630 Topmodell: 9-mm-Stichbreite, über 400 Stichmuster, Monogramme, 5 Alphabete, Nähen in 16 Richtungen möglich. 1630 f ori.jpg
1998–2002 artista 180 Topmodell mit CPS-Software für kundenspezifische Einstellungen (Customized-Pattern-Selection-Software), optionales Stickmodul, Umwandlung gescannter Vorlagen in Stickmuster. Artista180 f gr.jpg
2001–2002 activa 145 Einfache Kompakt-Nähmaschine: computerisiert, individuell einstellbarer Speicher für Stichmuster, Knopflochwiederholung, Stichbibliothek, Patchwork-Nähfuß. Activa145 f gr.jpg
2002–2006 artista 200 Weltweit erster Näh- und Stickcomputer: Microsoft-Windows-Betriebssystem, CD-ROM-Laufwerk, LC-Display, mehr als 850 Stiche, programmierbare Funktionstaste, Speicherfunktion für Stichkombinationen und Stickmotive. Artista200 f gr.JPG
2004–2006 Aurora 440 QE Weltweit erster Nähcomputer mit BSR-System für gleichbleibende Stichlängen bei variablen Nähgeschwindigkeiten, speziell für Quilter. Modell QE.jpg
2004 artista 640 Hochentwickelter Nähcomputer: umfangreiche Nutz- und Zierstichprogramme, optionales Stickmodul mit integrierter Sticksoftware und optionalem BSR-System. Artista640 f gr.jpg
2006 artista 730 High-End-Näh- und Sticksystem: Nutz- und Zierstiche, Stickmuster, viele automatische Einstellungen, z. B. Fadenschneider, Touchscreen, BSR-System, CFL-Licht. Optionales Stickmodul. Artista730 f ori.jpg
2008 Modell 830 Weltgrößtes und -schnellstes Näh- und Sticksystem für Heimanwender: 1100 Nähstiche/min, 1000 Stickstiche/min, extragroße Unterfadenspule (40 % mehr Kapazität als zuvor), vollautomatischer Nadeleinfädler, 360°-Richtungsnähen, 7-Zoll-TFT-Screen, besonders heller Arbeitsbereich (30 LED-Lampen), mehr als 1000 Sticharten, 150 vorinstallierte Stickmotive von internationalen Designern. Bernina 830.jpg
2009 Modell 820 Wie Bernina 830, jedoch ohne Stickfunktionalität (nicht aufrüstbar), ohne Quertransport (Richtungsnähen), mit kleinerem Bildschirm und mit weniger Sticharten. Bernina820.jpg
2011 Modell 580 Näh- und Stickmaschine, Topmodell der Bernina-5er-Serie: 227 Stiche, davon 186 Zierstiche, optionales Stickmodul, großer TFT-Touchscreen, Memory-Funktion, Stickfunktion integriert und 100 Stickmotive. Modell-580.jpg
2012 Modell 780 Näh- und Stickmaschine mit Bernina Dual Transport, Bernina-9-Greifer, großem Stickmodul, BSR, 1306 Stichen, 130 integrierten Stickmustern, inklusive Nähberater und Tutorial. Topmodell der Bernina-7er-Serie. Bernina780.jpg

Weblinks[Bearbeiten]