Bernkasteler Doctor

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49.9166666666677.0783333333333Koordinaten: 49° 55′ 0″ N, 7° 4′ 42″ O

Blick vom Bernkasteler Doctor auf Bernkastel-Kues und die Mosel
Telegramm vom 7. November 1900, in dem Karl Wegeler seinem Bruder Julius Wegeler den erfolgreichen Kauf des Bernkasteler Doctor mitteilt

Der Bernkasteler Doctor ist eine deutsche Einzellage innerhalb der Großlage Badstube, direkt über dem historischen Ortskern von Bernkastel-Kues an der Mittelmosel. Sie gilt als eine der berühmten und einst teuersten Weinbergslagen der Welt.[1][2] [3] Einige der dort erzeugten Rieslingweine werden von Weinkritikern und Experten des Weinmarktes zu den besten Weißweinen gezählt.[4]

Weinbau[Bearbeiten]

In der 3,25 Hektar großen Steillage wird ausschließlich Riesling kultiviert. Die Exposition ist Süd-Südwest. Der Boden aus verwittertem Tonschiefer ist von steinig-lehmigem Charakter. Er bringt Weine hervor, die oft feinnervig strukturiert sind und zugleich ein kräftig-würziges Geschmackbild entwickeln können. Erzeugt werden in der Regel Prädikatsweine. Wegen der Steigung und dadurch bedingten Handarbeit in der Lage ist der Anbau kostenintensiv und sehr aufwändig (→ Steillagenweinbau).

Der Bernkasteler Doctor wird weinbaulich bewirtschaftet von den Weingütern Geheimrat J. Wegeler (1,1 ha), Wwe. Dr. H. Thanisch – Erben Thanisch, Weingut Wwe. Dr. H. Thanisch – Erben Müller-Burggraef, Patrick Lauerburg und Reichsgraf von Kesselstatt. Eine Parzelle von 0,26 ha ist im Besitz der Heilig-Geist-Stiftung, sie wurde 2006 für zehn Jahre an die Weingüter Wegeler und Witwe Dr. Thanisch – Erben Müller-Burggraef verpachtet. Der Pachtzins beträgt hierfür durchschnittlich 5,40 € pro Jahr und m², das sind etwa sieben Euro pro Rebstock. Das Weingut Reichsgraf von Kesselstatt hat 0,06 ha von Wegeler gepachtet.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ursprung des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Dass der Wein des Doctorberges bereits den Trierer Kurfürsten Boemund II. während eines Aufenthaltes auf der Burg Landshut von einer schweren Krankheit geheilt haben soll, gehört ins Reich der Legende. Die erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 1677. Damals erbte ihn der Geistliche Rat Heinrich Linden. Belegt ist allerdings, dass ihn König Edward VII. von Großbritannien als „Medizin“ trank. Im Jahr 1900 erwarb Geheimrat Julius Wegeler, Mitinhaber der Sektkellerei Deinhard, eine 43,22 Ar große Parzelle am Doctorberg zum Preis von 100 Goldmark pro Rebstock inklusive der im Keller befindlichen Weine.[6] Seither hat die Steillage den Ruf, Deutschlands teuerster Weinberg zu sein, da dieser Kaufpreis bislang (Stand 2012) für einen deutschen Weinberg nie wieder erreicht wurde.[7]

Wertschätzung erfuhren die Doctor-Weine auch von Kaiser Wilhelm II., General Dwight D. Eisenhower, Konrad Adenauer und König Eduard VII. Belegt ist, dass die Adenauer-Delegation auf ihrer Moskau-Reise im September 1955 Flaschen der 1950er Bernkasteler Doctor Spätlese mitführte, die bei den entscheidenden diplomatischen Gesprächen am 11. September beim deutschen Mittagessen in der Datscha gereicht und auch als Gastgeschenke an Bulganin, Chruschtschow und Molotow überreicht wurden.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Prößler: Bernkasteler Doctor. Der „kurfürstliche“ Weinberg. Deinhard & Co., Koblenz 1990

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Braatz, Ulrich Sauter, Ingo Swoboda, Hendrik Holler: Weinatlas Deutschland. Hallwag, München 2007, S. 55.
  2. Horst Dippel: Das Weinlexikon. 4. Aufl., Fischer, Frankfurt am Main 2000, S. 32.
  3. Hugh Johnson, Stephen Brook: Der große Johnson. Enzyklopädie der Weine, Weinanbaugebiete und Weinerzeuger. 17. Auflage., vollständig überarbeitet von Stephen Brook, Hallwag, München 2004, S. 256
  4. Michael Broadbent: Große Weine. Notizen aus 50 Jahren zu Weinen aus drei Jahrhunderten. Hallwag Verlag, München 2004, S. 413 ff.
  5. Internetseite des Weingutes Reichsgraf von Kesselstatt
  6. Helmut Prößler: Bernkasteler Doctor. Der „kurfürstliche“ Weinberg. Deinhard & Co., Koblenz 1990, S. 21
  7. Bernkasteler Doctorweinberg: Berühmter Riese aus Schiefer Trierischer Volksfreund, 13. Januar 2010.
  8. Werner Kilian: Adenauers Reise nach Moskau. Verlag Herder, Freiburg 2005, S. 153.