Bernoullische Ungleichung
In der Mathematik versteht man unter der bernoullischen Ungleichung eine einfache, aber wichtige Ungleichung, mit der sich eine Potenzfunktion nach unten abschätzen lässt.
Für jede reelle Zahl
[1] und jede nicht negative ganze Zahl
gilt
.[2]
Benannt ist die Ungleichung nach dem schweizer Mathematiker Jakob Bernoulli.[3]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Beweis
Die bernoullische Ungleichung lässt sich mit vollständiger Induktion beweisen.[4] Der Induktionsanfang
ist erfüllt:
.[2]
Als Induktionsvoraussetzung gelte nun
für
,
und
. Dann folgt wegen
und der Induktionsvoraussetzung
Nach dem Induktionsprinzip gilt die Behauptung für alle
.
[Bearbeiten] Beispiel
Behauptung:
für alle reellen
.
Beweis: Zunächst sei
definiert durch
.
Dann gilt nach der Bernoulli-Ungleichung
,
also
.
Es ist aber
.
Damit ist dann auch
und letztlich
[Bearbeiten] Verwandte Ungleichungen
[Bearbeiten] Strikte Ungleichung
Ebenfalls als bernoullische Ungleichung wird folgende Ungleichung bezeichnet, die ein „strikt größer“ statt eines „größer gleich“ verwendet:
Für alle reellen Zahlen
,
und alle natürlichen Zahlen
gilt
.
Der Beweis lässt sich ebenfalls mit Induktion nach dem gleichen Muster wie der Beweis für die Formulierung mit „größer gleich“ durchführen.[3]
[Bearbeiten] Reelle Exponenten
Für reelle Exponenten lassen sich folgende Verallgemeinerungen durch Vergleich der Ableitungen zeigen: Für alle
gilt
,
wenn
, und
,
wenn
.
[Bearbeiten] Variable Faktoren
Betrachtet man keine Potenz, sondern ein Produkt unterschiedlicher Faktoren, so lässt sich folgende Verallgemeinerung mittels vollständiger Induktion zeigen:
falls
für alle
oder falls
für alle
und
.[3]
Setzt man dabei
und betrachtet den Spezialfall
, also
, so erhält man die sogenannte Weierstraß-Produkt-Ungleichung[5][6][7]
[Bearbeiten] Anwendungen
[Bearbeiten] Exponentialfunktion
Die bernoullische Ungleichung ist bei vielen Abschätzungen hilfreich. Fixiere ein festes
. Dann ist
für alle
. Mit der bernoullischen Ungleichung gilt daher
für alle
.
Wegen
ist somit die Ungleichung
für alle 
bewiesen.
[Bearbeiten] Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel
→ Hauptartikel: Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel - Beweis aus Bernoulli-Ungleichung
Unter Verwendung einer Abschätzung mit der bernoullischen Ungleichung lässt sich die Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel induktiv beweisen.
[Bearbeiten] Quellen und Bemerkungen
- ↑ In der Tat gilt die Ungleichung sogar für
und ungerade
, allerdings lässt sich dies nicht mehr mit vollständiger Induktion, sondern nur durch Vergleich der Ableitungen zeigen. Dazu zeigt man, dass
für
negative Ableitung und damit keine Extrema hat, während der Wert für
und
positiv ist. In diesem Fall hat
ein lokales Maximum in
. - ↑ a b Für den Fall
und
muss
vereinbart werden. - ↑ a b c Harro Heuser, Lehrbuch der Analysis, Teil 1., B. G. Teubner Stuttgart, 1984, ISBN 3-519-22221-3, S. 61, Kapitel 7.9 und S. 68, Aufgabe 7.17
- ↑ http://mo.mathematik.uni-stuttgart.de/inhalt/erlaeuterung/erlaeuterung39/
- ↑ http://planetmath.org/encyclopedia/WeierstrassProductInequality.html
- ↑ http://mathworld.wolfram.com/WeierstrassProductInequality.html
- ↑ http://www.cut-the-knot.org/Generalization/wineq.shtml
.
![\lim_{n \to \infty}\sqrt[n]{a} = 1](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/1/6/0/16026c088fbbca47d7fbe73413059ea3.png)
.
,
.
.
![\lim_{n \to \infty}\sqrt[n]{a} = 1 + \lim_{n\to\infty}x_n = 1 + 0 = 1.](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/f/1/b/f1b8076249eb07cf0c9bcf520e5174ba.png)
.
,
,

für alle 
für alle 

für
negative Ableitung und damit keine Extrema hat, während der Wert für
und
positiv ist. In diesem Fall hat
ein
vereinbart werden.