Bernstadt a. d. Eigen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bernstadt a. d. Eigen
Bernstadt a. d. Eigen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bernstadt a. d. Eigen hervorgehoben
51.04583333333314.826388888889231Koordinaten: 51° 3′ N, 14° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Bernstadt/Schönau-Berzdorf
Höhe: 231 m ü. NHN
Fläche: 51,89 km²
Einwohner: 3510 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 68 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02748
Vorwahl: 035874
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 030
Stadtgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bautzener Straße 21
02748 Bernstadt a. d. Eigen
Webpräsenz: www.bernstadt.info
Bürgermeister: Gunter Lange (parteilos)
Lage der Stadt Bernstadt a. d. Eigen im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Sachsen) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Sachsen) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
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Bernstadt auf dem Eigen (amtlich: Bernstadt a. d. Eigen, sorbisch: Benadźice[2]) ist eine sächsische Landstadt im Landkreis Görlitz. Sie gehört zur Oberlausitz und liegt inmitten des Städtedreiecks Görlitz-Zittau-Löbau. Sie ist Teil und Verwaltungssitz der Verwaltungsgemeinschaft Bernstadt/Schönau-Berzdorf, die der kulturhistorischen Landschaft des Eigenschen Kreises weitgehend entspricht.

Geographie[Bearbeiten]

Stadtgliederung und Eingemeindung[Bearbeiten]

  • Bernstadt auf dem Eigen,

1957:

1994:

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von Oberreit mit Bernstadt auf dem Eigen um 1845

Bernstadt auf dem Eigen wurde am 22. September 1234 erstmals in einer Urkunde des Bischofs von Meißen als »Bernhardistorf« erwähnt.[3] Das Landstädtchen gehörte Jahrhunderte zur Herrschaft der Äbtissinnen des Klosters St. Marienstern. Gegen den Willen ihrer Herrschaft führten die Bernstädter in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation ein, was zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit den Äbtissinnen führte.

Ortsnamenformen[Bearbeiten]

1234: Bernhardistorf, 1245: Bernardistorf, 1280: Bernhartstorf, 1285: Bernhardus et Otto fratres dicti de Bernhartsdorf, 1290: Bernhardsdorph, 1339: civitas Bernardi, 1352: Bernhartsdorff, 1384: Bernersdorf, 1401: Bernstorph, 1425: Bernsdurff, 1497: Bernstat, 1516: Bernstadt, 1566: Bernstettel

Den sorbischen Namen gab Filip Rězak 1920 mit Bjenadźicy und Bjarnaćicy an,[4]Walter Wenzel gab ihn 2008 als Benadźice wieder.[2] Da die Stadt außerhalb des sorbischen Siedlungsgebietes liegt, gibt es keine amtlich verbindliche Form.

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten]

1835–1932: Kreishauptmannschaft Bautzen, 1932–1943: Kreishauptmannschaft Dresden-Bautzen, später Regierungsbezirk Dresden-Bautzen, 1952–1994: Kreis Löbau (Landkreis Löbau), 1994–2008: Landkreis Löbau-Zittau, seit 2008: Landkreis Görlitz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1600 34 besessene Mann
1777 304 besessene Bürger
1834 1608
1871 1731
1890 1228
1910 1435
1925 1548
1939 1518
1946 1994
1950 2127
1964 2565
1990 2342
2000 4435
2007 3959

Quelle: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen[5]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat besteht aus 14 Mitgliedern. Seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 verteilen sie sich folgendermaßen auf die einzelnen Listen und Parteien:

Freie Wählergemeinschaft Bernstadt 5 Sitze
Christlich Demokratische Union (CDU) 3 Sitze
Kemnitzer Liste 3 Sitze
Freie Liste Altbernsdorf 1 Sitz
Dittersbacher Liste 1 Sitz
Bürgerinitiative (BI) 1 Sitz

[6]

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappengeschichte des Oberlausitzer Ortes Bernstadt ist inhaltlich ein wenig kurios. Bernstadt trägt zwar auf blauem Feld eine feste Mauer und einen Turm, die den Stadtstatus besonders unterstreichen – aber Bernstadt besaß nie eine geschlossene Mauer, nur drei Stadttore „schützten“ die Stadt. Diese fielen jedoch dem großen Stadtbrand von 1828 zum Opfer.

Im Jahr 1900 wurde das heute gültige Wappen bestätigt, das sich aber sehr eng an eine seit 1538 bestehende Form anlehnt. Zwischenzeitlich existierte ein Wappen mit waagerecht verlaufender zinnenloser Mauer. Ein Verleihungszeitpunkt ist nicht bekannt. Mit Sicherheit aber ist anzunehmen, dass das Wappen vom damaligen Besitzer Bernstadts, dem Kloster Marienstern bei Kamenz, verliehen wurde.[7]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Bernstadt unterhält Partnerschaften mit zwei Gemeinden, die ebenfalls den Namen Bernstadt tragen. Dies sind seit 1. Juni 1991 Bernstadt in Baden-Württemberg und seit 10. Mai 1997 die Stadt Bierutów (deutsch: Bernstadt an der Weide) in Polen.

Seit dem Oktober 2005 gibt es weitere Beziehungen zur Gemeinde Zawidow (deutsch: Seidenberg) in Polen, das betrifft die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Freiwilligen Feuerwehr und der Schulen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Erdachsenbrunnen auf dem Marktplatz

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Marktplatz mit dem Erdachsenbrunnen und der evangelischen Kirche (800 Jahre)
  • die historische geschlossene Stadtanlage aus dem Mittelalter
  • und die einzigartige „Dachlandschaft“
  • das Pließnitztal in Kunnersdorf (einige Fachwerkhäuser)
  • der Kulturpark in Kemnitz
  • Dittersbach mit einigen Umgebinde- und Fachwerkhäusern
  • Altbernsdorf mit den typischen 3- und 4-Seitenhöfen

Museen[Bearbeiten]

Museum in der Kirchgasse
  • Heimatmuseum Bernstadt auf dem Eigen und Umgebung
  • Heimatstube Dittersbach

Bauwerke[Bearbeiten]

Restaurierte Häuser am Markt mit Turm der Marienkirche
  • St.-Marien- und Heiligkreuz-Kirche der evangelischen Pfarrgemeinde mit ihrem 64 m hohem Turm, dem sie umgebenden Kirchplatz und der Kirchmauer aus dem 12. Jh.[8]
  • Weitere Kirchbauten in Dittersbach und Kemnitz mit Friedhofsanlagen
  • Kleine katholische Kirche in Kunnersdorf
  • Bernstädter Friedhof mit der Kapelle
  • 1993 errichtete die Stadt Klaus Riedel ein Denkmal.[9]
  • Königlich-sächsischer Meilenstein (Abzweigstein) vom Postkurs Bernstadt–Löbau an der Russenstraße (Russenhäuser)
  • Reste der ehemaligen Schmalspurbahn Herrnhut–Bernstadt

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Erdachsenschmieren (Veranstalter: Stadtverwaltung Bernstadt/OFW Bernstadt)
  • Oberlausitzer Oktoberfest in Kemnitz O/L
  • Hexenfeuer mit Hexencontest am 30. April
  • das Traktortreffen in Kemnitz (Ende August)
  • Reit- und Fahrsportveranstaltungen in Kemnitz und Dittersbach
  • unzählige Sportveranstaltungen Handball/Fußball/Volleyball/Badminton u.v.m.
  • Wettkampf der Feuerwehren unter Flutlicht in Altbernsdorf (im September)
  • Rassegeflügelausstellungen (Januar und Oktober)
  • Fotoausstellung (Januar)

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Waldbad
  • Heimatmuseum
  • Stadthaus mit Saal
  • Sporthalle Pließnitztal in Kunnersdorf
  • Ortschaftszentrum Dittersbach mit Heimatstube
  • Ortschaftszentrum Kemnitz mit Kindergarten
  • Sport- und Mehrzweckhalle in Dittersbach
  • Sportplätze in Bernstadt, Dittersbach und Kemnitz
  • Ortsfeuerwehren der Freiwilligen Feuerwehr in Altbernsdorf, Bernstadt (Kunnersdorf), Dittersbach und Kemnitz
  • Kindergarten in Bernstadt und Kemnitz
  • Jugendclub in Kunnersdorf, Altbernsdorf, Dittersbach
  • "Berzdorfer See" Badestrand "Blaue Lagune"

Bildung[Bearbeiten]

  • Grundschule Schönau-Berzdorf
  • Oberschule „Klaus Riedel“ Bernstadt. Hier erfolgt zur Zeit die umfassenden Sanierung. Das ehemalige Gebäude der Grundschule ist komplett saniert und wird als Haus I genutzt. Die Sanierung des Hauses II wird 2014 fortgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Folgenden Personen wurde das Ehrenbürgerrecht zugesprochen[10]:

  • 1849: Carl Friedrich Braeske, Verdienste um die Entwicklung des Tuchhandels und für seine Tätigkeit als Senator (Stadtrat)
  • 1864: Karl Theophil Borott, Direktor der Bernstädter Schule von 1823–1867
  • 1874 (2. Januar): Adolf Hanspach, Mitglied des Stadtrates
  • 1895: Otto von Bismarck
  • 1999: Dr. Karl-Werner Günzel (* 4. Oktober 1914 in Bernstadt; † 29. März 2013 in Höxter), Maler, Arzt und Schriftsteller, Stifter der Karl-Werner Günzel-Stiftung[11]
  • 2002: Peter Schöne (Kunnersdorf a. d. Eigen) Ortschronist seit 1960, Mitbegründer des Heimatmuseums Bernstadt 1986

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Johann Mentzer (1658–1734), Pfarrer in Kemnitz (1696–1734), Kirchenlieddichter (1704 „O daß ich tausend Zungen hätte“)
  • Adolf Ernst Hensel (1811–1862), deutscher Politiker, Präsident der II. Kammer des Sächsischen Landtags

Quellen und weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Folgende Publikationen sind über Bernstadt erschienen:[12]

  • Christian Richter: Geschichte Bernstadts und des „Eigenschen Kreises“
  • Heft Bernstadt in der Oberlausitz
  • Heft Aus der Geschichte der Stadt Bernstadt auf dem Eigen
  • Heft Aus der Geschichte der Stadt Bernstadt auf dem Eigen, Teil 2
  • Heft Aus der Geschichte der Stadt Bernstadt auf dem Eigen, Teil 3
  • Heft Aus der Geschichte von Kunnersdorf
  • Bildband Rund um die Bernstädter Erdachse
  • Cornelius Gurlitt: Bernstadt. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 34. Heft: Amtshauptmannschaft Löbau. C. C. Meinhold, Dresden 1910, S. 9.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Walter Wenzel: Oberlausitzer Ortsnamenbuch (2008), ISBN 978-3-7420-2067-3
  3. Zur Stadtgeschichte. Online auf bernstadt.info.
  4.  Filip Rězak: Deutsch-wendisches encyklopädisches Wörterbuch der oberlausitzer Sprache. Bautzen 1920, S. 157.
  5. Bernstadt a. d. Eigen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  6. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014 in Bernstadt a. d. Eigen auf www.statistik.sachsen.de. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 28. Mai 2014.
  7. Geschichtliches zu Stadtwappen und Erdachsenbrunnen
  8. Evang. Kirche Bernstadt. Online auf bernstadt.info.
  9. Alexandra Sillgitt, Jochen Leffers: Raketenbauer der Nazis ist Namenspate einer Schule. Online auf Der Spiegel vom 5. Februar 2008.
  10. Ehrenbürger. Online auf bernstadt.info.
  11. Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren 1750 bis 1950: Karl Werner Günzel. Online auf lwl.org, abgerufen am 31. Mai 2013.
  12. Publikationen über Bernstadt a.d. Eigen und die Orte des Eigenschen Kreises. Online auf bernstadt.info.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernstadt a. d. Eigen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien