Bertrand Cantat

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Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben
Horizons (mit Détroit)
  FR 2 30.11.2013 (… Wo.)
  CH 10 01.12.2013 (… Wo.)
  BEW 5 30.11.2013 (… Wo.)
Singles[1]
Droit dans le soleil (mit Détroit)
  FR 9 23.09.2013 (… Wo.)
  CH 62 13.10.2013 (… Wo.)
  BEW 14 12.10.2013 (… Wo.)
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Bertrand Cantat (* 5. März 1964 in Pau, Frankreich) ist ein französischer Sänger, der Mitglied der Rock-Gruppe Noir Désir war.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Jugend und musikalische Laufbahn bis 2003[Bearbeiten]

Cantat verbrachte seine Kindheit aufgrund der beruflichen Militär-Laufbahn des Vaters in der Normandie. 1980 kehrte die Familie (Vater Guy, Mutter Daniele sowie ein älterer Bruder, Xavier, und eine jüngere Schwester, Anne) nach Südfrankreich zurück und ließ sich in Bordeaux nieder.

Im Gymnasium lernte Cantat die zukünftigen Mitglieder seiner Band kennen: Denis Barthe (Schlagzeug), Serge Teyssot-Gay (Gitarre) und Frédéric Vidalenc (Bassgitarre). Sie gründeten Psychoz, so der erste, vom in den 1980er-Jahren hippen Punk inspirierte Name ihrer Band. In den ersten Jahren zeichnete sie sich musikalisch durch einen zeitgemäßen New-Wave-Stil aus. Sie tourten durch südfranzösische Bars und Clubs, gewannen mehrfach Radio- und Musiksenderwettbewerbe und fielen 1987 dem Musikmanager Théo Hakola auf, der ihr erstes Minialbum mit sechs Titeln, „Où veux tu qu’je r’garde?“ produzierte. Zu diesem Zeitpunkt erfolgte die Umbenennung in Noir Désir.

Was als Hobby neben der Schule begonnen hatte, trat zunehmend in den Lebensmittelpunkt. Cantat, ein sensibler Jugendlicher durchlebte eine schwierige Pubertät mit depressiven Phasen inklusive eines Suizidversuches. Cantat wurde mit Jim Morrison verglichen.

Tod der Freundin Marie Trintignant[Bearbeiten]

Cantats wohlgehütetes Privatleben im Hinterland Südfrankreichs („Ich will für meine Musik beachtet werden. Alles andere geht niemanden etwas an.“) schien bis 2002 so integer wie die gesamte Persönlichkeit des Sängers. 1993 lernte er die ungarische Übersetzerin Kristina Rády (* 1968) kennen, die er nach der Geburt von Sohn Milo 1997 heiratete. Kristina war mit dem zweiten Kind schwanger, als Cantat im Juli 2002 nach einem Konzert die ebenfalls verheiratete Schauspielerin Marie Trintignant vorgestellt wurde. Beide verliebten sich ineinander. Kurz nach der Geburt von Tochter Alice im September ließ Cantat seine Familie in Bordeaux zurück und zog zu Trintignant nach Paris, die ihrerseits ihren Ehemann, den Filmemacher und Schriftsteller Samuel Benchetrit, bat, aus ihrem Haus auszuziehen.[2]

Während eines Aufenthalts in der litauischen Hauptstadt Vilnius, in der sich Trintignant in Begleitung von Cantat zu Dreharbeiten aufhielt, kam es schließlich in der Nacht des 26. Juli 2003 aufgrund einer SMS, die Trintignant von ihrem Noch-Ehemann erhalten hatte, zu einer Eifersuchtsszene, die in körperlicher Gewalt eskalierte. Cantat schlug Marie dabei so heftig, dass sie ins Koma fiel; stundenlang erkannte er ihren lebensbedrohlichen Zustand nicht. Erst am Morgen riefen er und ihr Bruder, den er inzwischen informiert hatte, medizinische Hilfe. Trotz zweier Operationen verbesserte sich Marie Trintignants Zustand nicht. Sie verstarb kurz nach der Überführung in die Hartmann-Klinik in Neuilly bei Paris am 1. August. Nachdem er von der Schwere der Verletzungen Maries erfahren hatte, versuchte Cantat, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen, wurde aber rechtzeitig von der Polizei gefunden. Gegen ihn wurde Anzeige wegen Totschlags und unterlassener Hilfeleistung erhoben. Die Tat sowie der im März 2004 in Vilnius abgehaltene Prozess (eine Auslieferung an Frankreich lehnte die litauische Justiz ab) sorgten für große mediale Aufmerksamkeit in Frankreich. Die Affaire Cantat-Trintignant beherrschte wochenlang sämtliche Zeitungsschlagzeilen und Nachrichtenmagazine Frankreichs. Beide, sowohl der Sänger als auch die Schauspielerin, waren gewissermaßen Nationalsymbole, dementsprechend polarisierend in ihren Schuldzuweisungen debattierten Medien und Öffentlichkeit über den Fall.[3] Die Beerdigung Trintignants auf dem Pariser Prominentenfriedhof Père Lachaise glich einem Nationalereignis, an dem hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Kultur teilnahmen.

Verurteilung, Haft und Entlassung[Bearbeiten]

Am 29. März 2004 wurde Bertrand Cantat aufgrund Totschlags (vergleiche unter Tötungsdelikt) und unterlassener Hilfeleistung zu acht Jahren Haft verurteilt. Er saß im Lukiškės-Gefängnis. Im September 2004 wurde dem Auslieferungsgesuch seines Anwaltes Olivier Metzner stattgegeben und er in das südfranzösische Gefängnis Muret bei Toulouse verlegt.[4]

Zwei Jahre nach dem Drama beendete Cantats Band Noir Désir die Arbeit an der ursprünglich für 2003 geplanten CD Noir Désir en public, einem Live-Zusammenschnitt ihrer letzten Tournee 2002. Die CD erschien im September 2005 zusammen mit der Doppel-DVD Noir Désir en images. Cantat konnte aufgrund einer Ausnahmegenehmigung ebenfalls an der Zusammenstellung der beiden Veröffentlichungen mitwirken. Für Serge Teyssot-Gay war die Geschichte von Noir Désir damit noch nicht zu Ende: „Uns hat es 25 Jahre gegeben. Wir werden wieder zusammenkommen – mit Bertrand. Und ohne Mauern.“

Im September 2007 stellte Cantat einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung.[4] Am 16. Oktober 2007 wurde er aus der Haft entlassen.[5] Der Bandleader von Noir Désir war nach Angaben der Justizvollzugsbehörden ein „Vorzeigehäftling“. Er werde wegen seiner guten Aussichten „auf gesellschaftliche und berufliche Wiedereingliederung“ unter Auflagen frühzeitig entlassen. Öffentliche Äußerungen oder Interviews zur Straftat musste er unterlassen. Zudem musste er die bereits während der Haft begonnene Psychotherapie fortsetzen.[5] Diese vorzeitige Entlassung wurde von französischen Feministinnenverbänden kritisiert.[6]

Am 10. Januar 2010 verstarb auch Cantats erste Ehefrau Krisztina Rády. Sie wählte den Freitod.[2]

Musikalische Laufbahn ab 2008[Bearbeiten]

Bereits im November 2008 wurden auf der offiziellen Internetseite der Gruppe Noir Désir zwei neue Titel („Gagnants - Perdants“ und „Le temps des Cerises“) zum kostenfreien Download bereitgestellt.[6] Es handelte sich hierbei um das erste künstlerische „Lebenszeichen“ der Gruppe seit der Entlassung von Bertrand Cantat aus dem Gefängnis. Im November 2010 kündigte Serge Teyssot-Gay allerdings wegen persönlicher und musikalischer Differenzen mit Bertrand Cantat seinen Ausstieg an, woraufhin die verbliebenen drei Bandmitglieder die Auflösung der Gruppe bekanntgaben.

Im Oktober 2010 gab Cantat bei einem kleinen Festival in Bègles zusammen mit der Band Eiffel sein Bühnencomeback.[7] Bereits 2009 hatte er zusammen mit Eiffel den Titel À tout moment la rue eingespielt, der als Single sowie auf Eiffels viertem Studioalbum À tout moment erschien. 2011 nahm Cantat mit der Crossover-Band Shaka Ponk für deren Album The Geeks & the Jerkin’ Socks den Titel Palabra mi amor auf. Dieser wurde im November 2013 zusammen mit zwei weiteren 2013 bei einem Konzert in Bercy gemeinsam gespielten Titeln auch auf Shaka Ponks Live-DVD Geeks on Stage veröffentlicht.

Détroit[Bearbeiten]

Zusammen mit Pascal Humbert, zuvor Bassist von 16 Horsepower und Passion Fodder, gründete Cantat das Projekt Détroit. Ende September 2013 veröffentlichten sie die Single Droit dans le soleil, die sich auf Anhieb in den Top Ten der französischen Charts platzieren konnte. Das Lied war ein Vorgriff auf das gemeinsame Album Horizons,[8] das am 18. November 2013 erschien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stéphane Bochet, Frédéric Vézard: Marie Trintignant - Bertrand Cantat : l'amour à mort, 2013, ISBN 978-2809812381.
  • Andy Vérol: Un noir désir, Bertrand Cantat, 2008, ISBN 978-2350122311.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Chartquellen: FR CH BE (Wallonien)
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAnn-Catherine Cavalli: Frau des Rocksängers Bertrand Cantat begeht Selbstmord. rfi.fr, 11. Januar 2010, abgerufen am 12. August 2013.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDie Nacht, in der zwei Leben endeten. tagesspiegel.de, 18. März 2004, abgerufen am 12. August 2013.
  4. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGerd Kröncke: Stiller Häftling Nr. 8274. Süddeutsche.de, 16. Dezember 2008 (?), abgerufen am 12. August 2013.
  5. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Formatpad/dpa: Tote Schauspielerin Trintignant: Verurteilter Rocksänger Cantat frei. Spiegel Online, 16. Oktober 2007, abgerufen am 12. August 2013.
  6. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatElizabeth Pineau, édité par Yves Clarisse: Bertrand Cantat refait surface à la tête de Noir Désir. LePoint.fr, 13. November 2008, abgerufen am 12. August 2013.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGerd Niewerth: Bertrand Cantat: Der Rockstar mit den zwei Gesichtern. wz-newsline.de, 3. Oktober 2010, abgerufen am 12. August 2013.
  8. Cantat revient avec un titre d'une sobre gravité, Stéphane Davet, Le Monde, 30. September 2013