Bertuccio Valier

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Bertuccio Valier

Bertuccio Valier (* 1. Juli 1596; † 29. März 1658) war der 102. Doge von Venedig. Er regierte von 1656 bis 1658.

Familie[Bearbeiten]

Bertuccio war der erste Doge der Valier, die sich für eine der ältesten Familien Venedigs hielten und ihre Ursprünge bis auf die Römer zurückführten. Er war einziger Sohn von Silvestro Valier. Mütterlicherseits stammte er von den Priuli ab, wenngleich nicht von dem Zweig der Familie, die Mitte des 16. Jahrhunderts nacheinander zwei Dogen gestellt hatten. Sein einziger Sohn Silvestro folgte ihm als 109. Doge von Venedig 1688 auf den Dogenthron.

Leben[Bearbeiten]

Valier hatte eine glänzende politische und militärische Karriere durchlaufen. Vor seiner Wahl war er Podestà verschiedener Städte auf der Terraferma und Botschafter am Vatikan unter Alexander VII. gewesen.

Das Dogenamt[Bearbeiten]

Valier wurde im ersten Wahlgang zum Dogen gewählt gegen seinen stärksten Konkurrenten Leonardo Foscolo, der als venezianischer Seeheld beim Volk außerordentlich beliebt war und der von einer bewaffneten Truppe Dalmatiner in der Stadt lautstark unterstützt wurde. Wie bei seinem Vorgänger und seinem Nachfolger stand seine Regierung im Zeichen der Bedrohung durch das Osmanische Reich. Zunächst war es der venezianischen Flotte gelungen die türkische Flotte ins Schwarze Meer zurückzudrängen und gegen die türkischen Truppen in Kreta eine Blockade aufzubauen. Bei einem Gegenangriff der Türken wurde der venezianische Befehlshaber Lorenzo Marcello tödlich verwundet, wie wenige Monate später der Generalkapitän Lazzaro Mocenigo bei der Schlacht um die Dardanellen. Die venezianische Flotte war jetzt führerlos. Bertuccio Valier vertrat im Rat der Zehn die Partei, die in der Kretafrage dafür plädierte, ein Friedensangebot des türkischen Großwesirs Mohammed Köprülü anzunehmen. Er war wie viele Patrizier der Meinung, dass Kreta aufgegeben werden sollte. Er hielt den Kampf gegen die Türken für aussichtslos, konnte sich aber gegen die Kriegspartei, zu der auch sein Nachfolger Giovanni Pesaro gehörte, nicht durchsetzen. Obwohl er mit seiner Meinung unterlegen war, subventionierte er die venezianische Kriegskasse mit 100 000 Dukaten aus seinem privaten Vermögen. Dieser Zuschuss und die Sonderzahlungen verschiedener Patrizier reichten aber nicht aus, um die Flotte zu finanzieren. Venedig musste gezwungenermaßen die vom Vatikan angebotene finanzielle Hilfe mit der Wiederzulassung der Jesuiten in der Republik erkaufen.

Valier starb am 29. März 1658 und wurde in der Kirche San Giobbe begraben.

Grabmal[Bearbeiten]

Sein Sohn Silvestro ließ in Zanipolo ein monumentales Grabmal für sich, seinen Vater und seine Frau errichten, wohin die sterblichen Überreste von Bertuccio Valier schließlich überführt wurden. Es ist das letzte der großen Dogengrabmäler Venedigs.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrea da Mosto: I Dogi di Venezia. Florenz 1983.
  • Helmut Dumler: Venedig und die Dogen. Düsseldorf 2001.


Vorgänger Amt Nachfolger
Francesco Cornaro Doge von Venedig
1656–1658
Giovanni Pesaro