Berylliumchlorid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Struktur polymeren Berylliumchlorids
Allgemeines
Name Berylliumchlorid
Andere Namen

Chlorberyllium

Summenformel BeCl2
CAS-Nummer 7787-47-5
Kurzbeschreibung

süß schmeckende, farblose, zerfließende Kristalle[1]

Eigenschaften
Molare Masse 79,92 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,9 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

405 °C[1]

Siedepunkt

482 °C[1]

Löslichkeit

leicht löslich in Wasser, Ethanol und anderen organischen Lösungsmittel[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 350i​‐​330​‐​301​‐​372​‐​319​‐​335Vorlage:H-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​315​‐​317​‐​411
P: 201​‐​260​‐​273​‐​280​‐​284​‐​301+310Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [2]
Sehr giftig Umweltgefährlich
Sehr giftig Umwelt-
gefährlich
(T+) (N)
R- und S-Sätze R: 49​‐​25​‐​26​‐​36/37/38​‐​43​‐​48/23Vorlage:R-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze​‐​51/53
S: 45​‐​53​‐​61
Toxikologische Daten
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−490,4 kJ/mol[7]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Berylliumchlorid ist das Berylliumsalz der Salzsäure mit der Summenformel BeCl2. Das Salz dient unter anderem zur Herstellung von metallischem Beryllium durch Schmelzflusselektrolyse.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

BeCl2 wird technisch aus Berylliumoxid, Kohlenstoff und Chlor bei ca. 800 °C hergestellt[8]:

\mathrm{ BeO + C + Cl_2 \longrightarrow \ BeCl_2 + CO\uparrow}

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Die Be-Cl-Bindung hat stark kovalente Bindungsanteile. Berylliumchlorid bildet daher auch kein Ionengitter wie etwa Magnesium- oder Calciumchlorid, sondern eine kettenförmige polymere Struktur, in der jeder Berylliumkern tetraedrisch von vier Chloratomen umgeben ist. Die Struktur entspricht in ihrem Aufbau der faserigen Form von Siliciumdioxid.

In der Gasphase finden sich monomere und dimere BeCl2-Einheiten, in denen der intrinsische Elektronenmangel am Berylliumatom durch partiellen Doppelbindungscharakter der Be-Cl-Bindung verringert wird. Die Bindungslänge im Monomer beträgt 170 pm.[9]

Struktur monomeren Berylliumchlorids

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Berylliumchlorid geht in einer stark exothermen Hydrolyse in Lösung, wobei die wässrige Lösung sauer reagiert.

\mathrm{ BeCl_2 + 4\ H_2O\ \rightleftharpoons \ [Be(H_2O)_4]^{2+} + 2\ Cl^-}

\mathrm{ [Be(H_2O)_4]^{2+} + H_2O\ \rightleftharpoons \ H_3O^+ + [Be(H_2O)_3(OH)]^+}

Die Tetraaquaberyllium-Kationen reagieren dabei als Aquasäure und dissoziieren.

Als Lewis-Säure löst sich BeCl2 in Donorlösungsmitteln, wie z.B. Alkoholen oder Ethern, wobei Addukte gebildet werden. BeCl2 kann dementsprechend als Katalysator in einer Friedel-Crafts-Alkylierung eingesetzt werden.

Berylliumchlorid wird beim Schmelzen mit Natrium unter Luftabschluss zu elementarem Beryllium reduziert.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Beryllium-Verbindungen. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 13. Juni 2014.
  2. a b Nicht explizit in EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) gelistet, fällt aber dort mit der angegebenen Kennzeichnung unter den Sammelbegriff „Berylliumverbindungen“; Eintrag aus der CLP-Verordnung zu Berylliumverbindungen in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. April 2012 (JavaScript erforderlich).
  3. Datenblatt Berylliumchlorid bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 13. März 2011 (PDF).Vorlage:Sigma-Aldrich/Name nicht angegeben
  4. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. Eintrag zu CAS-Nr. 7787-47-5 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 13. März 2011 (JavaScript erforderlich).
  6. Hygiene and Sanitation. Vol. 30(1-3), S. 169, 1965.
  7. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-6.
  8. Harry H. Binder: Lexikon der chemischen Elemente, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0736-3.
  9. Holleman, Wiberg, Lehrbuch der Anorganischen Chemie, S. 1108f, 101. Auflage, 1995, deGruyter Verlag.
  10. L. F. Nilson, O. Petterssen: "Ueber die specifische Wärme des Berylliums" in Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft 1878, 11, S. 381-386. Volltext

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berylliumchlorid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien