Berzdorfer See

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Berzdorfer See
Schönau-Berzdorf - Berzdorfer See (Aussichtsturm Neuberzdorfer Höhe) 05 ies.jpg
Geographische Lage Görlitz, Sachsen (Deutschland)
Zuflüsse künstlich durch Überleitungen aus der Lausitzer Neiße, Pließnitz und weiteren kleinen Zuflüssen
Abfluss künstlich durch Überleitung in die Lausitzer Neiße
Orte am Ufer Görlitzer Ortsteile Hagenwerder, Klein Neundorf, Tauchritz sowie die Gemeinden Jauernick-Buschbach, Schönau-Berzdorf
Größere Städte in der Nähe Görlitz
Daten
Koordinaten 51° 5′ 24″ N, 14° 57′ 36″ O51.0914.96186.0Koordinaten: 51° 5′ 24″ N, 14° 57′ 36″ O
Berzdorfer See (Sachsen)
Berzdorfer See
Höhe über Meeresspiegel 186 m ü. NHN
Fläche 960 hadep1f5
Volumen 330 Mio.dep1f8
Umfang 18 kmdep1f9
Maximale Tiefe 72 mf10
Besonderheiten

gefluteter Braunkohletagebau

Der Berzdorfer See befindet sich an der südlichen Stadtgrenze von Görlitz in der Oberlausitz. Er besteht aus dem bis Anfang 2013 gefluteten Restloch des ehemaligen Braunkohletagebaus Berzdorf. Der See bildet den südöstlichen Eckpunkt des Lausitzer Seenlandes. Mit seinem Volumen von etwa 330 Mio. Kubikmetern und einer Wassertiefe von max. 72 Metern auf einer Fläche von 960 Hektar ist er einer der größten Seen in Sachsen.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Der Berzdorfer See liegt mit etwa fünf Kilometern Länge und zwei Kilometer Breite an der südlichen Grenze der Stadt Görlitz in der Östlichen Oberlausitz. Die Görlitzer Ortsteile Hagenwerder, Klein Neundorf und Tauchritz sowie die Gemeinden Markersdorf und Schönau-Berzdorf auf dem Eigen grenzen an den ehemaligen Tagebau. Der Seewasserstand liegt auf 186 m ü. NHN.[2]

Freizeitangebote[Bearbeiten]

Das Regierungspräsidium Dresden hat einer saisonalen Nutzung des Tagebaurestgewässers mit Einschränkungen zugestimmt, seit August 2007 kann daher auf dem Berzdorfer See gesegelt werden. Der Zugang für Segler erfolgt über den momentanen Sportboothafen Deutsch-Ossig am Neißeeinleiter.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Geschichte des Tagebaus[Bearbeiten]

Die Lagerstätte ist ein tektonischer Lagerstättentyp. Das Becken ist ein tektonisch nordost-südwest gerichteter Graben, der an den Rändern durch zahlreiche Störungen mit unterschiedlichen Streichrichtungen begrenzt wird. Die Lagerstätte wurde im Pleistozän stark durch das Gletschereis beansprucht, was Auswirkungen auf die geomorphologischen und geologischen Eigenschaften des Beckens hatte.

Das Berzdorfer Kohleflöz weist auf deutscher Seite eine durchschnittliche Mächtigkeit von 80 Metern auf und hat eine Ausdehnung von etwa drei mal acht Kilometern. Im Vergleich dazu besitzen die Flöze der Niederlausitz eine Mächtigkeit von zehn Metern auf etwa hundert Kilometern Länge.

Um das Jahr 1835 begann südlich von Görlitz am Standort der ehemaligen Ortslage Berzdorf der Abbau von Braunkohle, damals noch in Schächten untertage.[4] 1919 wurde auf Tagebau umgestellt. Im Jahr 1927 wurde der Tagebau aus Gründen der Rentabilität geflutet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1946 erfuhr der Tagebau eine Reaktivierung. Der Grundwassersee wurde trockengelegt und der Braunkohleabbau im Dreischichtsystem stark vorangetrieben.

Im Jahr 1958 wurde zur Nutzung der Braunkohle vor Ort das Kraftwerk I in Betrieb genommen. Der Flächenbedarf für den Tagebau war groß: 1962 bis 1965 wurde der Ort Berzdorf nach Schönau-Berzdorf umgesiedelt. In diesen Jahren erfolgte bereits die Inbetriebnahme des Werks II, Werk III folgte 1970. So entwickelte sich der Tagebau zum Großtagebau, wobei Fördermengen von bis zu 7 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr erreicht wurden. Technologisch löste der Förderbandbetrieb den aufwändigen Zugbetrieb ab und moderne Großbagger förderten bis zu 50.000 Tonnen Kohle pro Tag. Der Tagebau war während des Förderhöhepunkts in den 1980er Jahren Arbeitsplatz von rund 7.000 Menschen. 1988 musste auch der Ort Deutsch-Ossig dem Kohleabbau weichen.[5]

Nach über 150 Jahren Braunkohleabbau wurde im Dezember 1997 die Kohleförderung eingestellt. Es verblieb eine förderbare Braunkohlemenge von 60 Millionen Tonnen. Die Menge hätte in den veranschlagten 10 bis 15 Jahren eine Umrüstung des Kraftwerkes auf Entschwefelungstechnologie notwendig gemacht. Dies wäre wirtschaftlich nicht tragbar gewesen.

Als technisches Denkmal dieser Zeit kann der Bagger 1452 besichtigt werden.

Entwicklung zum Naherholungsgebiet[Bearbeiten]

Verbliebener Förderturm am Seeufer
Badestrand am See

Durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft wurde die ehemalige Grube in ein Naherholungsgebiet umgestaltet. Im Jahr 2002 wurde mit der Flutung des Tagebaulochs mit Wasser aus der Pließnitz begonnen. Die Flutung aus der Neiße mit einer einen Kilometer langen Überleitung durch zwei 1,6 Meter dicke Rohre begann am 18. Februar 2004.[6] Der maximale Durchfluss betrug 10 Kubikmeter pro Sekunde. Abzweigwasser aus der Neiße kann ab einem Mindestdurchfluss der Neiße von 13,3 Kubikmetern pro Sekunde entnommen werden.

Der See dient, wie viele andere ehemalige Tagebaurestlöcher, neben der optischen Landschaftsgestaltung der Freizeitnutzung. Im Süden wurde ein Bootshafen mit einer 150 Meter langen Kaimauer angelegt. An dem 18 Kilometer langen Seeuferweg gibt es mehrere Aussichtspunkte mit Informationstafeln, unter anderem bei Deutsch-Ossig und bei Klein Neundorf.

Ein weiterer Golfplatz und ein Badestrand am nördlichen Ufer sowie ein Campingplatz sind geplant. Die Freigabe der Badebereiche an der sogenannten Blauen Lagune an der Südseite sowie an der Ostseite in Hagenwerder erfolgte 2010.[7]

Im Jahr 2008 wurde am Westufer auf der Neuberzdorfer Höhe der über zwanzig Meter hohe Aussichtsturm Neuberzdorfer Höhe fertiggestellt.

Am 6. Februar 2013 teilte die LMBV mit, dass das Flutungsziel des Berzdorfer Sees (186 m NHN) erreicht wurde.[8] Als Bewirtschaftungs-Wasserstand gilt der Pegel von 186,2 m üb. NHN.[9]

Quellen[Bearbeiten]

  1. berzdorfersee.eu: Aktuelle Flutungsdaten. Abgerufen am 16. Dezember 2011.
  2. berzdorfersee-info.de: Flutungsdaten. Abgerufen am 7. Februar 2013.
  3.  Curt Thomas Zimmer: Das erste Segelboot ist auf dem Berzdorfer See unterwegs. In: Sächsische Zeitung. 20. August 2007 (http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=1579970).
  4. Oberflächennahe Böschungssicherung in Tagebaufolge (PDF; 302 kB)
  5. berzdorfersee.eu: Bewegte Geschichte. Abgerufen am 16. Dezember 2011.
  6.  Anett Böttger: Neiße speist jetzt Berzdorfer See. In: Sächsische Zeitung. 18. Februar 2004 (http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=575634).
  7.  Ab in den Berzdorfer See! In: Sächsische Zeitung. 28. Juni 2011 (http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2798232).
  8. Oberlausitz TV: Flutung erfolgreich beendet - 6. Februar 2013
  9. Das östlichste, künstliche Revier, der Berzdorfer See erreicht seinen Zielwasserstand. In: Segler-Zeitung, Heft 4/2013, S. 92, Service-Verlag GmbH, Lübeck 2013, ISSN 0930-2891

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berzdorfer See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien