Besitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Habe ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum österreichischen Journalisten und Schriftsteller siehe Hans Habe.
Dieser Artikel erläutert den Begriff Besitz. Zur Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim siehe Besitz (Mecklenburg).

In der juristischen Fachsprache bezeichnet der Begriff Besitz (lat. possessio) die tatsächliche Herrschaft über eine Sache, auch wenn diese Herrschaft gegebenenfalls nicht rechtmäßig besteht.[1] „Besitz“ bedeutet also, dass jemand tatsächlich über eine Sache verfügt, sie in seiner Gewalt hat. Dies gilt unabhängig davon, ob die Sache sein Eigentum ist oder nicht, also beispielsweise auch dann, wenn die Sache gemietet oder unrechtmäßig angeeignet ist.

In der juristischen Fachsprache bedeutet der Begriff Besitz oft zusätzlich den Willen, „diese Sache für sich zu behalten“ (Eigenbesitzwillen, lat. animus rem sibi habendi), also die „gewollte Sachherrschaft“.

Merkmale[Bearbeiten]

Der Besitzer muss einerseits ein Naheverhältnis zu einer Sache haben, diese also in seiner Macht oder in seinem Gewahrsam haben, d. h. „tatsächliche Gewalt über die Sache“ (corpus) haben.[2] Andererseits muss der Besitzer auch einen Besitzwillen haben, das heißt den Willen, die Sache als die seinige zu behalten (animus possidendi, animus rem sibi habendi).

Auf einen Rechtsgrund kommt es hierbei nicht an. Auch der Dieb einer Sache ist nach dieser Definition ihr Besitzer. Der Besitz ist kein subjektives Recht.

Unterschied zum Eigentum[Bearbeiten]

Beim Eigentum hat der Eigentümer die Verfügungsgewalt über ein Objekt aufgrund eines Rechts erhalten, z. B. durch einen Vertrag. Andere sind von der freien Verfügung über die Sache ausgeschlossen. Die gesellschaftliche Zuschreibung des Verfügungsanspruchs ist beim Eigentum abstrakt; zwischen Person (Eigentümer) und Sache (Eigentum) muss kein direkter Bezug bestehen.

Wenn beispielsweise jemand in Europa lebt und ein Reisfeld in Japan kauft, ist dieses Feld nicht sein Besitz, aber sein Eigentum. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Besitzmittlungsverhältnis. Ein Bauer, der das Reisfeld in Japan bewirtschaftet, wäre unmittelbarer Besitzer; der Eigentümer des Reisfelds in Europa ist dann mittelbarer Besitzer.

Andere Bedeutungen[Bearbeiten]

Laien verwechseln oft die Begriffe Besitz und Eigentum oder halten sie von vornherein für gleichbedeutend. Folgerichtig verzeichnet beispielsweise der Duden – kein juristisches Fachwörterbuch, sondern ein Wörterbuch des allgemeinen Sprachgebrauchs – unter den Synonymen des Stichworts Besitz auch Eigentum. Entsprechend wird beim Stichwort Eigentum unter anderem Besitz als Synonym angegeben.[3] Die differenzierteren Angaben zur Bedeutung sind im Duden jedoch deutlich an der rechtlichen Definition orientiert.

Gelegentlich wird auch in wissenschaftlichen Texten der Begriff Besitz im Sinne von Eigentum benutzt. Dies liegt unter anderem daran, daß es verschiedene Eigentumstheorien gibt. In historischen Zusammenhängen und auf bestimmte Gesellschaften bezogen ist eine Anwendung der Begriffe Besitz und Eigentum im modernen Sinne nicht möglich.[4]

Umgangssprachlich und wissenschaftlich außerhalb der juristischen Fachsprache bezeichnet „Besitz“ auch die Dinge, über die man unmittelbare Verfügungsgewalt hat: die Habe, rechtlich die Innehabung oder ein Sachinbegriff (mathematisch gesprochen: eine „Menge“ von Dingen).

Rechtslage in einzelnen Ländern[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dieter Krimphove: Das europäische Sachenrecht. Eine rechtsvergleichende Analyse nach der Komparativen Institutionenökonomik. Eul, Lohmar 2006, ISBN 3-89936-429-5, S. 45 ff..
  •  Therese Müller: Besitzschutz in Europa. Eine rechtsvergleichende Untersuchung über den zivilrechtlichen Schutz der tatsächlichen Sachherrschaft. Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150220-0 (Zugl. Diss. Freiburg 2009).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Besitz – Zitate
 Wiktionary: Besitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden - Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage, Mannheim 2001.
  2. Siehe in Deutschland: § 854 Absatz 1 BGB; in Österreich § 309 ABGB und in der Schweiz Art. 919Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche Absatz 1 ZGB
  3. Vgl. Besitz und Eigentum bei Duden online, jeweils Abschnitt „Synonyme“.
  4. W. Theil: Eigentum und Verpflichtung: einige juristische Aspekte. In: H.J. Stadermann, O. Steiger: Verpflichtungsökonomik. Eigentum, Freiheit und Haftung in der Geldwirtschaft. S. 175–200 (Online-Version, PDF; 187 kB)
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!