Bessastaðir

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Hauptgebäude von Bessastaðir
Kirche, im Hintergrund das Hauptgebäude

Bessastaðir ist ein Herrenhof in der isländischen Gemeinde Garðabær (bis 2012 Álftanes) wenige Kilometer südwestlich von Reykjavík. Er wird heute als Amtssitz des isländischen Präsidenten genutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Besiedelung[Bearbeiten]

Die Gegend um Bessastaðir dürfte noch vor dem Jahr 1000 erstmals besiedelt worden sein.[1] Vermutlich war es der offizielle erste Siedler Islands Ingólfur Arnarson, der Anspruch auf das Land erhob.[2]

Im Mittelalter[Bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert besaß hier Snorri Sturluson einen Hof. Belegen lässt sich dies mit der Erwähnung in der Íslendinga saga seines Neffen Sturla Þórðarson. Der mittelalterliche Herrenhof fiel nach dem Tod Snorris 1241 dem König von Norwegen zu. Bessastaðir wurde in der Folge Sitz der Vertreter des Königs (zuerst des norwegischen Königs, später des dänischen) und blieb dies bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.[3]

Höhere Schule[Bearbeiten]

1805 wurde die damals einzige Sekundarschule des Landes unter dem Namen Lærði Skólinn (dt. die Gelehrtenschule) in Bessastaðir nach der Niederlegung ihres Vorgängers, der Hólavallarskóli, gegründet.[4]

Sie befand sich 40 Jahre lang an dieser Stelle, wurde jedoch 1846 zurück nach Reykjavík verlegt. So entstand dort schließlich die Sekundarschule Menntaskólinn í Reykjavík, die noch heute im Stadtzentrum der Hauptstadt ihren Sitz hat.[3]

Weitere Besitzer[Bearbeiten]

1867 ging der Besitz in das Eigentum des Schriftstellers Grímur Thomsen (1820–1896) über, der hier zwei Jahrzehnte lang lebte.[5]

Spätere Eigentümer waren Skúli Thoroddsen und seine Frau Theodóra Thoroddsen.

1940 wurde der Hof von Sigurður Jónasson erworben und später dem isländischen Staat geschenkt.[6]

Präsidialsitz[Bearbeiten]

Seit 1944 befindet sich hier der Sitz des Staatspräsidenten.[6]

Der erste dieser Präsidenten, Sveinn Björnsson (1881–1952), hatte hier genaugenommen schon ab 1941 seinen Wohnsitz. Zu dieser Zeit war er noch nicht Staatspräsident, sondern Ministerpräsident der damaligen isländischen Regierung vor der Unabhängigkeit von Dänemark. Diese erfolgte per Volksabstimmung erst 1944.

Derzeit (Juli 2011) residiert hier in 4. Amtszeit Ólafur Ragnar Grímsson. Er wurde zunächst 1996 für eine vierjährige Amtszeit gewählt, 2000 und 2004 wiedergewählt und blieb 2008 mangels eines Gegenkandidaten automatisch im Amte.[7]

Gebäude in Bessastaðir[Bearbeiten]

Auf dem Gelände befinden sich verschiedene Gebäude, darunter eine kleine Kirche.[8]

Hauptgebäude Bessastaðastofa[Bearbeiten]

In den Jahren 1761 bis 1766 wurde das heutige Hauptgebäude für den Amtmann Magnús Gíslason errichtet.[9]

Es diente bis 1989 als Wohn- und Amtsgebäude. 1989 wurde es gründlich umgebaut und modernisiert, was unter der Präsidentschaft von Vigdís Finnbogadóttir in Angriff genommen wurde,[10] und hat seit 1990 nur noch die letztere Funktion.[9]

Kirche[Bearbeiten]

Wie bei Herrenhöfen meist üblich, befand sich seit dem Mittelalter eine Eigenkirche in Bessastaðir. Diese gehört inzwischen zur Gemeinde von Garðabær (Garðasókn oder Garðaprestkall).[6][11]

Die derzeitige Kirche wurde 1777 aus Stein errichtet. Der Grundriss entstammt der Feder des dänischen Architekten G.D. Anthon, der auch die Kirche auf der Insel Viðey entworfen hat. In der Folge wurde das Bauwerk oft umgebaut, zuletzt Ende der 1940er Jahre.

In der öffentlich zugänglichen Kirche befinden sich eine Kanzel und ein Kreuz des Steinmetzen Ríkarður Jónsson, eine Altartafel des Malers Guðmundur Thorsteinsson sowie bunte Glasfenster der Künstler Guðmundar Einarsson frá Miðdal und Finnur Jónsson, welche nachträglich 1956 installiert wurden. Ähnlich wie im Dom von Akureyri werden auch hier wieder teilweise Szenen aus der Kirchengeschichte Islands dargestellt.[6]

Übersicht über die isländischen Staatspräsidenten mit deren Amtszeit[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bessastaðir – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielle Webseite des isländischen Präsidenten
  2. Off. Website der Gemeinde Álftanes (englisch), abgerufen am 2. Juli 2011
  3. a b T. Einarsson, H. Magnússon (Hrsg.): Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, S. 71
  4. Hólavallarskóli in der isländischsprachigen Wikipedia
  5. T. Einarsson, H. Magnússon (Hrsg.): Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, S. 71f.
  6. a b c d T. Einarsson, H. Magnússon (Hrsg.): Íslandshandbókin. Náttúra, saga og sérkenni. 1. bindi. Örn og Örlygur, Reykjavík 1989, S. 72
  7. vgl. Isländisches Wahlrecht (isländisch), abgerufen am 2. Juli 2011
  8. vgl. Zeichnung Tímarit Morgunblaðsins, 15. Januar 1995 (isländisch), abgerufen am 2. Juli 2011
  9. a b vgl. Tímarit Morgunblaðsins, 15. Januar 1995 (isländisch), abgerufen am 2. Juli 2011
  10. Páll Valsson: Vigdís. Kona verður forseti. JPV Útgáfa, Reykjavík 2009, S. 373.
  11. vgl. auch Evangelisch-lutherische Kirche Islands / Þjóðkirkjan (isländisch), abgerufen am 2. Juli 2011

64.105833333333-21.995555555556Koordinaten: 64° 6′ 21″ N, 21° 59′ 44″ W