Turnierform

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Eine Turnierform, ein Turnierformat oder Turniermodus beschreibt den Aufbau eines Turniers oder einer Liga, mit dem der beste Spieler, Sportler, oder das beste Team ermittelt werden soll. Meist geht es dabei um Sportarten, die keine direkte Messung erlauben, sondern bei denen jeweils zwei Teilnehmer gegeneinander antreten müssen.

Anforderungen an eine Turnierform[Bearbeiten]

Der Vergleich sportlicher Leistungen ist – je nach Sportart – unterschiedlich schwierig. Beim Marathonlauf etwa ist der Leistungsvergleich vergleichsweise einfach, da die Tatsache, dass alle Turnierteilnehmer zugleich gegeneinander antreten, einen direkten Leistungsvergleich zulässt. Eine objektive Leistungsmessung, wie eine Zeitnahme ist prinzipiell nicht einmal notwendig.

Die Möglichkeit, alle Teilnehmer gegeneinander antreten zu lassen, ist jedoch vielfach nicht gegeben. Auch kann die Leistung oft nicht objektiv gemessen werden, sondern nur relativ zu einem Gegner (Fußball, Tennis, Schach, Bridge). Dadurch kann der „beste“ Teilnehmer in diesen Sportarten nur durch ein Turnier bestehend aus mehreren Vergleichskämpfen ermittelt werden.

Wünschenswerte Eigenschaften eines Turnierformats sind daher:

  • Der beste Spieler soll gewinnen; d. h. wenn in jeder einzelnen Begegnung der jeweilige Favorit gewinnt, dann soll der Top-Favorit den Turniersieg davontragen.
  • Der zweitbeste Spieler soll den zweiten Platz erreichen.
  • Der drittbeste Spieler soll den dritten Platz erreichen und entsprechendes gilt für die weiteren Plätze.
  • Die Anzahl der Spiele oder Spielrunden soll – aus organisatorischen Gründen – möglichst klein sein.
  • Die Entscheidung über den Turniersieg soll – zur Erhöhung der Spannung – erst am Ende des Turniers in einem Finale der beiden besten Spieler fallen.
  • Es sollen keine Möglichkeiten zur Kollusion existieren. Kein Spieler soll aus dem Verlust einer Partie für sich einen Vorteil ziehen können. Zwei Spieler sollen durch eine vorherige Vereinbarung des Spielausgangs ihre eigenen Chancen auf den Turniersieg zu Lasten eines dritten nicht verbessern können. Derartige Beispiele finden sich sehr häufig im Fußball (vgl. etwa der berüchtigte Nichtangriffspakt von Gijón).

Die folgenden unterschiedlichen Turnierformate erfüllen diese Kriterien jeweils nur zum Teil, weswegen es kein „ideales“ Turnierformat gibt.

K.-o.-System[Bearbeiten]

Hauptartikel: K.-o.-System

Das K.-o.-System (von englisch knock out; etwa: „außer Gefecht setzen“) ist eine Turnierform, bei der in jeder Spielrunde jeweils zwei Teilnehmer aufeinandertreffen und der Verlierer ausscheidet, bis schließlich im Finale der Sieger des Turniers ermittelt wird.

Best-of-Modus[Bearbeiten]

Im Best-of-x-Modus (Bester aus x) steht x für eine ungerade Zahl, die die maximale Anzahl der Spiele oder Durchgänge angibt, die benötigt wird, um ein Spiel oder eine Serie (beispielsweise Play-off-Runde) zu entscheiden. Danach ist Sieger, wer zuerst mehr als die Hälfte von x gewonnen hat. Bei den meisten Sportarten wird auf die Austragung der nicht mehr entscheidenden Spiele verzichtet, wenn eine Seite bereits die erforderliche Anzahl an Siegen errungen hat.

Prinzipiell lässt sich über den Best-of-Modus praktisch jede Form einer Ausscheidung umschreiben. Ein einfaches K.-o.-Rundenspiel ist somit „Best-of-One“, eine sehr hohe Best-of-Serie wird im Finale der Snooker-Weltmeisterschaft gespielt. Dort gewinnt der Spieler, der zuerst 18 Frames gewonnen hat („Best-of-35“).

Best-of-Three[Bearbeiten]

  • Im Tennis muss man normalerweise zwei von bis zu drei Sätzen gewinnen, um ein Match zu gewinnen.
  • Im Floorball werden die Playoffrunden der 1. MaXxPrint Floorball-Bundesliga und der 2. MaXxPrint Floorball-Bundesliga nach dem Modus „Best-of-Three“ ausgetragen.
  • Im Eishockey wird in einigen unteren Ligen in den Play-Offs nach dem Modus „Best-of-Three“ gespielt.
  • Im deutschen Damen-Basketball (DBBL) werden bis auf das Finale der 1. Liga (Best-of-Five) und das Viertelfinale der 2. Ligen alle Playoffrunden im Modus „Best-of-Three“ gespielt.
  • In der Volleyball-Bundesliga der Herren wird das Viertelfinale der Play-offs als Best-of-three gespielt. Halbfinale und Finale werden in einer Serie Best-of-Five entschieden.
  • Beim E-Sport werden auch viele Spiele wie Unreal Tournament 2004 im Best-of-Three-Modus gespielt.
  • Beim Wrestling wird dieser Modus 2 out of 3 Falls genannt.
  • Bei der Bahnradsport-Disziplin Sprint werden mindestens ab dem Halbfinale, bei Weltmeisterschaften ab dem Viertelfinale jeweils zwei Läufe mit zwei Fahrern ausgetragen. Bei Gleichstand nach diesen beiden Läufen entscheidet ein dritter Lauf über den Sieg.

Best-of-Five[Bearbeiten]

  • Im Tennis wird heute nur noch in der Herrenkonkurrenz aller vier Grand Slams, im olympischen Einzelfinale, sowie im Davis Cup auf drei Gewinnsätze gespielt.
  • Im Basketball wurde in der NBA bis zur Saison 2001/02 in der ersten Runde der Play-offs im Modus Best-of-Five gespielt.
  • Im Tischtennis wird in der Regel (z.B. international bei den Olympischen Sommerspielen, aber auch im Lokalsport) im Modus Best-of-Five gespielt.

Best-of-Seven[Bearbeiten]

  • Im Eishockey wird meist im Modus Best-of-Seven gespielt.
  • In der NBA seit der Saison 2002/2003 in den gesamten Play-Offs, vorher nur ab der 2. Runde
  • Im US-amerikanischen Baseball wird das Halbfinale (Championship Series) und das Finale (World Series) als Best-of-Seven gespielt.

Double knock out[Bearbeiten]

Hauptartikel: Double knock out

Als Double knock out (auch Double-elimination) bezeichnet man eine Turnierform, die in ihren Grundzügen auf dem K.-o.-System beruht, jedoch versucht, dessen Schwächen zu umgehen. Die wesentlichen Unterschiede des Double-knock-out-Formates im Gegensatz zum einfachen K.-o.-System (Single knock out oder Single elimination) sind:

  • Ein Teilnehmer scheidet erst nach der zweiten Niederlage aus dem Turnier aus.
  • Ein Teilnehmer kann trotz eines einmaligen Verlustes das Turnier gewinnen. Das ist im einfachen K.-o.-System auch dann ausgeschlossen, wenn zusätzliche Spiele abgehalten werden, um eine durchgehende Reihung zu erhalten: Der Verlierer eines Semifinalspieles kann bestenfalls den 3. Platz belegen, der Verlierer eines Viertelfinalspiels bestenfalls den 5. Platz etc.
  • Es ist auch ohne Seeding (Setzen) sichergestellt, dass der zweitbeste Spieler den zweiten Platz belegt (vorausgesetzt bei jeder einzelnen Begegnung gewinnt der jeweilige Favorit).
  • Bei gleicher Teilnehmeranzahl sind etwa doppelt so viele Spiele zu absolvieren wie beim K.-o.-System. (Nehmen n Spieler teil, werden 2n-2 Spiele benötigt.)

Rundenturnier[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rundenturnier

Als „Rundenturnier“ (auch „Jeder gegen jeden“, englisch Round Robin oder Liga-System) wird eine Turnierform bezeichnet, bei der jeder Turnierteilnehmer gleich oft gegen alle anderen Turnierteilnehmer antritt.

Dieses System wird in den meisten Ligasystemen beim Fußball angewandt, wo anhand eines festen Spielplans jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft einmal zuhause und einmal auswärts spielt (exakte Bezeichnung: „Double Round Robin“, da jede Mannschaft jede andere zwei Mal trifft). Dies wird auch beim Bowling angewandt.

Ein Turnier „jeder gegen jeden“ benötigt in der einfachen Durchführung (ohne Rückspiele) bei n Teilnehmern \begin{matrix} \frac{n}{2} \end{matrix}(n - 1) Spiele. Für jeden Sieg und jedes Unentschieden werden Punkte vergeben. Am Ende gibt es eine vollständige Rangliste nach Punkten, bei Punktegleichstand werden weitere Kriterien herangezogen, das Torverhältnis oder die direkten Begegnungen.

Kombinationen aus K.-o.- und Rundenturnierformat[Bearbeiten]

In vielen Fällen wird eine Kombination aus K.-o.-System und Rundenturnier verwendet. Zumeist wird der erste Abschnitt des Turniers als Rundenturnier, ein weiterer als K.-o.-Turnier durchgeführt. Beispiele hierfür sind die Fußball-Weltmeisterschaft, Fußball-Europameisterschaft und die meisten europäischen Fußball-Pokalwettbewerbe. Hier werden die Mannschaften in Gruppen von je vier Mannschaften aufgeteilt. Zwischen den Mannschaften einer Gruppe spielt jeder gegen jeden („Vorrundenspiele“). Die Gruppenersten und Gruppenzweiten spielen dann im K.-o.-System gegeneinander („Ausscheidungsspiele“).

Dieses Mischsystem hat den Vorteil, dass ein zu frühes Ausscheiden guter Mannschaften weitgehend vermieden werden kann, indem die Gruppensieger so spät wie möglich aufeinandertreffen. So spielen in der ersten Ausscheidungsrunde stets Gruppenerste gegen Gruppenzweite.

Durch geeignetes Setzen kann man außerdem erreichen, dass zwei Mannschaften, die in der Vorrunde in derselben Gruppe gegeneinander gespielt haben, nur im Finale erneut aufeinandertreffen können. Vor Beginn des eigentlichen Turniers finden vielfach Qualifikationsspiele statt, in denen als Modus wiederum entweder das K.-o-System oder das Rundenturnier angewendet wird. Selbstredend gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, diese beiden Turnierformen zu kombinieren; vor allem im nordamerikanischen Vereinssport werden hierzu verschiedene Varianten angewendet (National Basketball Association, National Hockey League, Major League Baseball, National Football League oder Major League Soccer).

Schweizer System[Bearbeiten]

Das „Schweizer System“ lässt sich am besten als Sonderform des Rundenturniers beschreiben. Die erste Runde wird gesetzt oder gelost, danach wird nach jeder Runde der Zwischenstand bestimmt. In den folgenden Runden spielt stets der Führende gegen den Zweitplatzierten, der dritte gegen den vierten und in dieser Reihe jeweils weiter.

Es wird allerdings ausgeschlossen, dass zwei Spieler zweimal aufeinander treffen, die Paarungen werden daher vor jeder Runde wie folgt festgelegt

  • der Führende spielt gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat,
  • der Führende unter den verbleibenden Spielern spielt gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat.

Liegen also nach einer Runde dieselben Spieler in Führung, so spielt nun der erste gegen den dritten (falls er gegen diesen noch nicht gespielt hat, daher: gegen den bestplatzierten Spieler, gegen den er noch nicht gespielt hat), der zweite gegen den vierten. Beim Schweizer System ist ein wiederholtes Aufeinandertreffen der gleichen Teilnehmer ausgeschlossen. Das ähnliche Dänische System unterscheidet sich vom Schweizer System dadurch, dass dieselben Paarungen mehrfach auftreten können: Es spielen also in jeder Runde der erste gegen den zweiten und so weiter jeweils die Nächstplazierten.

Eine Sonderform des Schweizer-Systems ist das Mac-Mahon-System, das bei Go-Turnieren häufig angewendet wird, hierbei starten die Spieler nicht mit null Punkten, sondern beginnen das Turnier mit gemäß ihrer Einstufung in Kyu- oder Dan-Grade unterschiedlichen Punktezahlen.