Besteigungsgeschichte des Mount Everest

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Der Mount Everest war als höchster Berg der Erde stets ein attraktives Ziel. Die ersten Besteigungsversuche wurden in den 1920er Jahren unternommen, jedoch dauerte es bis zum 29. Mai 1953, als Edmund Hillary und Tenzing Norgay als Erste auf dem Gipfel standen. Seit den 1960er Jahren wurden zahlreiche neue Routen eröffnet. Die Besteigung von der chinesischen Nordseite aus gelang 1960 einer chinesischen Expedition. Am 8. Mai 1978 erreichten Reinhold Messner und Peter Habeler den Gipfel erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff.

Die Nordseite des Mount Everest

Frühe Besteigungsversuche[Bearbeiten]

Die 1920er Jahre[Bearbeiten]

Karte des Mount Everest

Britische Bergsteiger versuchten erstmals Anfang der 1920er Jahre, den Mount Everest zu besteigen. 1921 wurde eine Erkundungsexpedition in das Gebiet entsandt. Hier stand noch nicht die Besteigung des Berges im Mittelpunkt, sondern geologische Vermessungen, die Kartierung des Gebietes und eine erste Erkundung möglicher Aufstiegsrouten. Teilnehmer der Expedition beendeten die Vermessung von 31.000 Quadratkilometern. Im Verlaufe dieser Expedition entdeckte George Mallory vom Lhakpa La aus eine, seiner Meinung nach, gangbare Route zum Gipfel. Diese wurde später, nach den ersten Begehungen 1960 und 1975, die Standard-Nordroute durch das Tal des Östlichen Rongpu-Gletschers auf den Nordsattel. Ein kurzfristig angegangener Besteigungsversuch scheiterte auf dem Nordsattel am einsetzenden Monsun.[1]

1922 waren keine topographischen Untersuchungen mehr geplant und die Expedition in die Vormonsunzeit gelegt. Die Besteigungsversuche wurden in kleinen Gruppen unternommen. Den ersten Versuch machten Mallory, Somervell, Norton und Morshead ohne die Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff. Sie errichteten auf 7600 m Höhe ein kleines Lager und setzten am folgenden Tag den Aufstieg fort. Morshead musste die Besteigung recht schnell abbrechen, die anderen Bergsteiger kamen an diesem Tag auf eine Höhe von 8225 m. Dies war ein neuer Höhenweltrekord für Bergsteiger.

Der zweite Versuch wurde von George Ingle Finch, Geoffrey Bruce und dem Gurkha Tejbir mit Sauerstoffflaschen durchgeführt. Obwohl sie zunächst gut vorankamen, konnten sie auf Grund starker Winde das Lager nur auf 7460 m errichten. Den Aufstieg konnten sie erst zwei Tage später fortsetzen. Da Tejbir keine winddichte Kleidung besaß, begann er früh zu erlahmen. Auf 7925 m brach er zusammen. Finch und Bruce schickten ihn zurück zum Lager und setzten ihren Aufstieg fort. Sie kamen bis auf eine Höhe von 8326 m, ein erneuter Höhenrekord.


Den dritten Besteigungsversuch führten Mallory, Somervell und Crawford durch. Mallory war beeindruckt von den Leistungen Finchs – dieser war höher als er selbst gekommen und auch horizontal näher am Gipfel gewesen – und wollte nun ebenfalls Sauerstoff mitnehmen. Beim Aufstieg von Lager III löste sich eine Lawine und riss sieben Träger mit sich, die nicht gerettet werden konnten. Die Expedition war damit beendet.[1]

1924 wurden das letzte Mal in diesem Jahrzehnt Bergsteiger zum Mount Everest geschickt. Auf dieser Expedition sollte eine Gruppe von acht Bergsteigern versuchen, den Gipfel zu erreichen (Somervell, Norton, Bruce, Mallory, Odell, Beetham, Hazard, Irvine).

Am 1. Juni unternahmen Mallory und Bruce einen Besteigungsversuch, den sie jedoch recht schnell abbrachen. Norton und Somervell kamen im nächsten Versuch besser voran, jedoch konnte Somervell mit der Zeit nicht mehr folgen. Norton drehte auf 8573 m um – eine Höhe, die bis 1952 kein anderer Bergsteiger nachweislich erreichte.

Den letzten Besteigungsversuch unternahm wiederum Mallory, diesmal aber mit Irvine. Sie wollten diesmal mit künstlichem Sauerstoff steigen. Odell sah die beiden nach eigenen Angaben am 8. Juni gegen 12:50 Uhr, wie sie eine Felsstufe am Grat erkletterten. Über den weiteren Verbleib von Mallory und Irvine ist nichts bekannt, da sie von ihrem Besteigungsversuch nicht zurückkehrten. Mallorys Leiche wurde 1999 ohne eindeutigen Beweis für eine Gipfelbesteigung gefunden, Irvine ist nach wie vor verschollen.[1]

Die 1930er und 1940er Jahre[Bearbeiten]

Basislager (untere linke Bildecke), Westflanke des Mount Everest und Khumbu-Eisbruch auf nepalesischer Seite vom Kala Patthar aus.

Auch in den 1930er Jahren waren britische Bergsteiger am Berg aktiv. 1933 wagten neue Bergsteiger aus Großbritannien den Aufstieg zum Everest. Es waren Longland, Smythe, Shipton, Wyn-Harris und Wager. Lager VI wurde auf einer Höhe von 8320 m errichtet. Am 30. Mai startete die Gruppe den ersten Versuch. Wyn Harris und Wager stiegen zunächst am Grat und dann in Richtung Norton-Couloir. Dabei verstiegen sie sich und kehrten um. Am 1. Juni wagten Shipton und Smythe den zweiten Versuch. Sie verbrachten zwei Nächte in der sogenannten Todeszone. Als sich das Wetter besserte, stiegen sie höher, mussten aber nach einer Traverse des Großen Couloirs aufgeben. Frank Smythe erreichte 8573 m, die gleiche Höhe wie Norton 1924.

1934 versuchte der britische Abenteurer Maurice Wilson, den Mount Everest zu besteigen. Sein Plan war es, mit einem Flugzeug von Großbritannien nach Tibet zu fliegen, in der Nähe des Everests eine Bruchlandung zu machen und von dort aufzusteigen. Bis dahin war er noch nie geflogen und hatte keinen Berg bestiegen. Nachdem er Flugunterricht genommen hatte, gelang es ihm, nach Indien zu fliegen. Nach einigen Komplikationen schaffte er es, ein Lager am Fuße des Nordsattels zu errichten. Von dort unternahm er mehrere Versuche, um auf den Nordsattel zu kommen. Am 31. Mai 1934 machte er eine letzte Eintragung in sein Tagebuch. Er schrieb, dass er erneut aufsteigen wolle. Seine Leiche wurde ein Jahr später gefunden. Wie er gestorben und wie hoch er gekommen ist, ist nicht bekannt.[2]

1935 stand eine erneute britische Expedition zum Everest an. Erstmals als Träger war Tenzing Norgay dabei. Das Ziel dieser Expedition war nicht die Besteigung des Everest, da sie erst Anfang Juli und damit in der Monsunzeit stattfand. Die Ziele waren Erforschung, Landesaufnahme und Klettern in der gesamten Region. Es sollte ebenfalls erkundet werden, ob eine Nachmonsunexpedition Erfolg haben könnte. Man kletterte deshalb bis zum Lager III.

1936 sollte wieder die Besteigung angegangen werden. Als Bergsteiger dabei waren Smythe, Shipton, Wyn Harris, Kempson, Warren, Wigram, Oliver und Gavin. Tenzing Norgay war erneut als Träger dabei. Da der Monsun bereits am 25. Mai einsetzte, scheiterte die Besteigung früh.

1938 bestand das britische Team aus Shipton, Smythe, Warren, Floyd, Oliver und Odell, der trotz seines fortgeschrittenen Alters mitgenommen wurde. Als Träger wieder dabei war Tenzing Norgay. Man war bereits am 6. April in Rongpu. Die Verhältnisse sahen zunächst gut aus, und drei Wochen später waren Bergsteiger im Lager III. Da viele Bergsteiger krank waren, stieg man zunächst wieder ab. Eine Woche später (am 5. Mai) brachte der Monsun schon Schnee. Trotzdem wurde ein Versuch unternommen, bei dem Lager VI auf 8290 m errichtet wurde. Der viele Schnee machte dann das letzte Stück aber unpassierbar.

In den 1940er Jahren gab es zwar Besteigungsversuche am Everest, doch kann man sie aus heutiger Sicht nicht ernst nehmen. Auf abenteuerlichen Wegen und ohne Genehmigung wurde der Berg von Einzelnen erfolglos angegangen.

Die 1950er Jahre[Bearbeiten]

Bis zur ersten Besteigung des Gipfels versuchten in diesem Jahrzehnt vermutlich zwei Nationen den Gipfel zu erreichen. 1952 wurden zwei Schweizer Expeditionen genehmigt. Sie durften aber nicht über die Nordroute aus Tibet steigen, sondern mussten einen neuen Weg aus Richtung Süden zum Berg finden (dieser war von einer britischen Expedition 1951 erkundet worden). Zunächst waren die Bergsteiger Chevalley, Lambert, Dittert, Flory, Aubert, Roch, Asper, Hofstetter und erneut Tenzing Norgay (diesmal als Führer der Sherpas) am Berg. Lager 6 wurde am South Col errichtet, Lager 7 auf 8382 m am Südostgrat. Tenzing Norgay hatte sich in dieser Expedition auch als Bergsteiger hervorgetan und versuchte mit Lambert den Aufstieg zum Gipfel. Sie kamen nach einer Nacht ohne Schlafsäcke und Kocher bis kurz unter den Südgipfel. Dabei wurde ein neuer Höhenrekord aufgestellt: 8600 m. Die zweite Expedition stieg erstmals über die heutige Standardroute südlich des Genfer Sporns durch die Lhotseflanke. Aber auch sie scheiterte. Die bei dieser Expedition gewonnenen Erkenntnisse über die Route halfen der britischen Expedition im folgenden Jahr.[3]

Es gibt Berichte, dass eine sowjetische Expedition im gleichen Jahr ohne Genehmigung über die Nordroute eine Besteigung versuchte. Es wurden aber nie Artefakte dieser Expedition gefunden und sie wurde auch immer dementiert.[4]

Die erfolgreiche Erstbesteigung[Bearbeiten]

Route der Everest-Besteigung im April/Mai 1953
Edmund Hillary, 1957 (vier Jahre nach der Erstbesteigung) in der Antarktis.

1953 wurde die neunte britische Expedition zum Mount Everest, diesmal unter der Leitung von John Hunt, ausgerichtet. Nachdem mehrere Hochlager errichtet worden waren, wurden zwei Seilschaften gebildet. Die erste Seilschaft sollte eine Art Schnellschuss wagen, die zweite dann bei Misserfolg das letzte Hochlager weiter nach oben verlegen. So sollte der Erfolg sichergestellt werden.

Die erste Seilschaft bestand aus Tom Bourdillon und Charles Evans. Sie erreichten am 26. Mai den Südgipfel, mussten aber aufgeben, weil die von Bourdillon und seinem Vater entwickelten geschlossenen Sauerstoffsysteme infolge Vereisung versagten. Dies kostete sie so viel Zeit, dass ein weiterer Aufstieg keine Chance für einen sicheren Abstieg gelassen hätte. Die zweite Seilschaft verwendete nun ein traditionelles, offenes Sauerstoffsystem. An den folgenden zwei Tagen schafften es der Neuseeländer Edmund Hillary und die Sherpas Tenzing Norgay und Ang Nyima, das letzte Lager auf eine Höhe von 8510 Meter zu verlegen. Ang Nyima stieg dann wieder ab, während Hillary und Norgay am 29. Mai um 6:30 Uhr gen Gipfel aufbrachen. Da sie weiter oben am Berg losstiegen, erreichten sie den Südgipfel bereits um 9:00 Uhr. Gegen 10:00 Uhr erreichten sie eine Felsstufe, die später Hillary Step genannt wurde und die das letzte bergsteigerische Hindernis darstellt. Gegen 11:30 Uhr standen sie auf dem Gipfel.

Hillarys erste Worte an seinen langjährigen Freund George Lowe nach seiner Rückkehr waren: „Well George, we finally knocked the bastard off.“ (George, wir haben den Bastard letztlich doch bezwungen). Die Meldung von der erfolgreichen Erstbesteigung erreichte London am Morgen der Krönung von Elisabeth II.. Am 16. Juli 1953 wurde Hillary der Order of the British Empire verliehen, der gleichzeitig seine Erhebung in den Adelsstand des britischen Königreichs bedeutete. Norgay wurde daraufhin die George Medal verliehen. Die Erstbesteigung löste ein großes internationales Echo aus und wurde als Eroberung des „dritten Pols“ (nach Nord- und Südpol) gefeiert.[5]

Wer von beiden zuerst auf dem Gipfel stand, war Gegenstand eines heftigen Disputs. Ein Gipfelfoto existiert nur von Tenzing Norgay, da dieser nicht in der Lage war, die Kamera zu bedienen und somit Hillary abzulichten. Norgay wurde von asiatischer Seite als Erstbesteiger gefeiert und ihm sogar eine Unterschrift unter ein entsprechendes Dokument abgenötigt. Er gab aber 1955 zu, dass Hillary zuerst seinen Fuß auf den Gipfel setzte.[6] Beide betonten aber, dass die erfolgreiche Erstbesteigung die eines gemeinsamen Teams war und blieben lebenslang befreundet.

Weitere Besteigungen[Bearbeiten]

1956 war erneut eine Schweizer Expedition am Berg. Den Bergsteigern Ernst Schmied und Jürg Marmet am 23. Mai sowie einen Tag später Dölf Reist und Hansruedi von Gunten gelang die zweite beziehungsweise dritte Besteigung auf der Route der Erstbesteiger. Ernst Reiss und Fritz Luchsinger gelang im Rahmen dieser Expedition am 18. Mai die Erstbesteigung des benachbarten Lhotse.[7]

Die 1960er Jahre[Bearbeiten]

Nordseite des Mt. Everest

1960 wurde der Mount Everest erstmals von tibetischer Seite aus (Nordostgrat) durch eine chinesische Expedition bestiegen. Die Bergsteiger Wang Fuzhou, Konbu und Qu Yinhua waren vermutlich die ersten, die den Second Step erklettern konnten. Diese Besteigung wurde jedoch vereinzelt angezweifelt, da es keine sichere Dokumentation für den Gipfelerfolg gibt. Ein damals veröffentlichtes Foto zeigt aber den Berg oberhalb des Second Step. Mittlerweile wird diese Besteigung offiziell anerkannt. Besser dokumentiert und daher vereinzelt noch als Erstbegehung dieser Route angesehen, ist die einer ebenfalls chinesischen Expedition im Jahr 1975.[4][8]

Im Jahre 1962 wagte sich eine sehr improvisiert organisierte Expedition von 3 Amerikanern und einem Schweizer ohne Bewilligung von der tibetischen Seite her an den Everest. Der Schweizer Hans-Peter Duttle hatte sich innert eines Tages zu entscheiden und folgte den Anderen ab Kathmandu mit nur zwei Trägern und nur einem Touristenvisum nach Khumbu. Zur Täuschung der Behörden besaßen die Amerikaner eine Bewilligung für den Gyachung Kang. Am Fusse des Übergangs Nup La wurden die letzten zwei Träger ausbezahlt und die vier Bergsteiger kämpften sich eine Woche lang zur Grenze hoch. Über tibetisches Gebiet gelangten sie zum Nordsattel des Everest. Dort, nach drei Wochen, stürzten der Leiter der Expedition, Woodrow Wilson Sayre[9] sowie Roger Hart bei einem Materialtransport ab. Duttle und der vierte Mann, Norman Hansen, hatten sie schon aufgegeben, aber die Zwei konnten sich retten. Die Gruppe stieg trotz ungeeigneter Ausrüstung - abgesehen vom nicht vorhandenen Sauerstoff!- weiter. Einige Tage später stürzte Sayre auf 7700 Metern noch einmal. Mit den zugezogenen Schürfungen, welche nicht heilten, war klar, dass umgekehrt werden musste. Mit kaum mehr Material schafften alle vier die Rückkehr in die Zivilisation. [10]

1963 startete die erste amerikanische Expedition unter der Leitung von Norman Dyhrenfurth. James Whittaker erstieg als erster Amerikaner zusammen mit Nawang Gombu auf der traditionellen Route den Gipfel. Tom Hornbein und Willi Unsoeld stiegen vom Tal des Schweigens aus auf die Westschulter, folgten dann dem Westgrat, mussten dann aber wegen zu großer technischer Schwierigkeiten auf dem Grat in die Nordwand ausweichen. Sie stiegen in der seither „Hornbein-Couloir“ genannten Schlucht der Nordwand zum Gipfel und führten dann die erste Überschreitung des Everest durch, indem sie ihren auf der Südroute angestiegenen Kameraden im Abstieg folgten. Diese Überschreitung war zugleich die erste Überschreitung eines Achttausenders überhaupt. Alle Mitglieder der Expedition wurden von Präsident John F. Kennedy mit der selten verliehenen Hubbard-Medaille ausgezeichnet.[3][8]

Die 1970er Jahre[Bearbeiten]

Am 16. Mai 1975 stand mit der Japanerin Junko Tabei die erste Frau auf dem Gipfel. Wenig später erreichte die Tibeterin Phantog als Teilnehmerin der chinesischen Nordgrat-Expedition als zweite Frau den Gipfel. Von der chinesischen Expedition wurde eine Leiter am „Second Step“ des Nordostgrates befestigt, die diese im Freiklettern nur sehr schwer ersteigbare Stelle auch für weniger gute Kletterer passierbar macht. Im gleichen Jahr wurde die Südwestwand, die sich 2500 m aus dem Tal des Schweigens erhebt, zum ersten Mal von einer britischen Expedition unter Chris Bonington durch Doug Scott, Dougal Haston und zwei Tage später durch Peter Boardman und Sirdar Pertemba bewältigt. An dieser Wand waren zuvor bereits sechs Expeditionen gescheitert. Die Schlüsselstelle in der Route ist die Überwindung eines gewaltigen Felsbandes oberhalb der schneegefüllten Rinne. Doug Scott und Dougal Haston biwakierten beim Abstieg eine Nacht in einer Schneehöhle am Südgipfel (8750 Meter). Die Briten fanden erstmals das von den Chinesen zuvor auf dem Gipfel montierte Vermessungsstativ.[3][8]

Am 3. Mai 1978 war mit Robert Schauer der erste Österreicher auf dem Gipfel. Schauer glückte 18 Jahre später eine zweite und 2004 eine dritte Besteigung. Nur fünf Tage später, am 8. Mai 1978, bezwangen Reinhold Messner und Peter Habeler den Gipfel erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff. Weitere drei Tage später erreichte Reinhard Karl aus derselben Expedition als erster Deutscher den Gipfel[3]; im Oktober erreichte Hans Engl als erster Deutscher ohne Zuhilfenahme von zusätzlichem Sauerstoff den höchsten Punkt. Die erste deutsche Frau stand 1979 auf dem Gipfel, Hannelore Schmatz kam aber beim Abstieg ums Leben.[8]

Die wohl schwierigste Grat-Route, der direkte Westgrat, wurde ebenfalls 1979 durch eine jugoslawische Expedition gemeistert. Andrej Štremfelj und Jernej Zaplotnik überwanden die wohl schwierigsten Felspassagen am Everest überhaupt.[3][8]

Die 1980er Jahre[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren gelangen die erste Winter- und die erste Alleinbegehung sowie neue, schwierige Routen auf den Gipfel. Die erste Winterbegehung der Südsattelroute praktizierte 1980 eine polnische Expedition. Am 17. Februar erreichten Leszek Cichy und Krzysztof Wielicki den Gipfel, wobei sie mit Temperaturen von bis zu -45 °C und Windgeschwindigkeiten von fast 200 Kilometer pro Stunde zu kämpfen hatten. Im gleichen Jahr gelang Reinhold Messner die erste Alleinbegehung des Berges im reinen Alpinstil. Zudem wurde die Nordwand von den Japanern Takashi Ozaki und Tsuneo Shigehiro erstmals vollständig durchstiegen. Jerzy Kukuczka war mit einer polnischen Expedition am Südpfeiler erfolgreich. 1982 eröffnete eine sowjetische Expedition eine neue Route über den Südwestpfeiler. Die Ostwand wurde 1983 durch die US-Amerikaner Louis Reichardt, Kim Momb und Carlos Buhler bezwungen. 1986 durchstiegen Erhard Loretan und Jean Troillet das Hornbein-Couloir.[3][8] Als erster Frau gelang der Neuseeländerin Lydia Bradey die Besteigung ohne zusätzlichen Sauerstoff am 14. Oktober 1988.[8]

Die 1990er Jahre[Bearbeiten]

1990 bestieg Andrej Štremfelj den Mount Everest ein zweites Mal, diesmal zusammen mit seiner Frau. Beide waren das erste verheiratete Paar auf dem höchsten Gipfel der Erde. Im Jahr 1995 wurde der lange Nordostgrat vollständig bis zum Gipfel begangen. Im gleichen Jahr schaffte es die Schottin Alison Hargreaves als erste Frau ohne zusätzlichen Sauerstoff über die Nordroute auf den Gipfel. 1996 brauchte Hans Kammerlander nur 16 Stunden und 45 Minuten, um vom vorgeschobenen Basislager über die Nordroute auf den Gipfel zu steigen. Danach fuhr er teilweise auf Skiern hinab. Der Schwede Göran Kropp fuhr im gleichen Jahr mit dem Fahrrad von Stockholm zum Mount Everest und bestieg diesen anschließend. 1998 war der Brite Tom Whittaker der erste Beinamputierte, der den Gipfel erreichte. Babu Chiri Sherpa verbrachte ein Jahr später 21 Stunden ohne zusätzlichen Sauerstoff auf dem Gipfel. Am 27. Mai 1999 schaffte Helga Hengge als erste Deutsche über die Nordroute die erfolgreiche Besteigung.[3][8]

Die 2000er Jahre[Bearbeiten]

2000 fuhr Davo Karničar den kompletten Berg mit Skiern hinab. Ein Jahr später erreichte mit Erik Weihenmayer der erste Blinde den Gipfel und Marco Siffredi fuhr das große Couloir mit dem Snowboard ab. Evelyne Binsack erreichte am 23. Mai 2001 als erste Schweizerin den Gipfel.

2004 eröffnete eine russische Expedition eine neue Route durch die Nordwand, die weitgehend eine Direttissima darstellt. Am 30. Mai erreichten Pawel Schabalin, Ilja Tukhvatullin und Andrej Mariew den Gipfel.[3][8]

Im Jahr 2006 stand mit Mark Inglis der erste doppelt Beinamputierte auf dem Gipfel, während der Skyrunner Christian Stangl vom vorgeschobenen Basislager nur 16 Stunden und 42 Minuten für die Besteigung über die Nordroute benötigte[11].

Nach mehreren gescheiterten Versuchen beging Park Young-Seok im Jahr 2009 eine neue Route in der Süd-West-Wand.[12]

Olympische Sommerspiele 2008[Bearbeiten]

Anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking wurde die Olympische Fackel während des Fackellaufes am 8. Mai 2008 von Bergsteigern von der tibetischen Seite auf den Gipfel gebracht.[13] Um dies medial besser präsentieren zu können, wurde die Straße zum nördlichen Basislager im Rongpu-Tal befestigt. Das Training chinesischer Bergsteiger für diesen Fackellauf geschah in der Saison 2007 erstmals mit militärischen Absperrmaßnahmen, privilegiertem Zugang und bewachten Posten am chinesischen Basislager, ein für Bergsteiger ungewohnter und kritisch betrachteter Umstand, den es zuvor an keinem Berg gab. Im Frühjahr 2008 wurden zunächst alle Expeditionen über die Nordroute bis zum 10. Mai untersagt, später schloss sich auch Nepal an und untersagte das Bergsteigen am Mount Everest.[14] Somit gab es im Frühjahr außer der Fackellauf-Expedition kaum Gipfelchancen für auswärtige Bergsteiger. Auch die Besteigung des Cho Oyu wurde bis zum 10. Mai untersagt.[15] Zudem wurde den Bergsteigern die Benutzung von modernen Kommunikationsmitteln sowie das Fotografieren untersagt.[16]

Zusammen mit dem Fackellauf sollten auch technische Höchstleistungen präsentiert werden. Deshalb hat der Mobilfunkanbieter China Mobile im Jahr 2007 insgesamt drei Sendemasten installieren lassen (auf 5200 Meter Höhe, 5800 Meter Höhe und 6500 Meter Höhe). Damit soll es künftig möglich sein, auf der gesamten Aufstiegsroute bis zum Gipfel ein Mobiltelefon zu benutzen.

Kommerzielle Besteigungen[Bearbeiten]

Seit den 1980er Jahren ist eine regelrechte Everest-Euphorie ausgebrochen, was zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Gipfelbesteigungen geführt hat. Das Spektrum der Gipfelaspiranten reicht von erfahrenen Alpinisten bis zu Anfängern, die sich darauf verlassen, von ihren bezahlten Führern zum Gipfel gebracht zu werden. Ein häufig genannter Preis hierfür sind 45.000 US-Dollar. Nachteilig an dieser Art von „Tourismus“ ist jedoch, dass die Umweltverschmutzung durch Müll der Lager rapide zugenommen hat. Etwa ein Drittel aller Bergsteiger am Everest gehören zu einer kommerziellen Expedition. Nach wie vor sind Besteigungen ohne künstlichen Sauerstoff selten.

Das Expeditions-Bergsteigen am Everest in der klassischen „Himalaya-Belagerungstaktik“ wird seit den Erfolgen Messners (1978 Besteigung mit Habeler, 1980 Alleingang, beides ohne zusätzlichen Sauerstoff) immer kritischer betrachtet: Die Anziehungskraft des höchsten Berges der Erde lockt zu viele, die sich dieser Herausforderung nur stellen können, wenn sie sich umfangreich Hilfe kaufen; Träger, die sie vom Schleppen aller Lasten außer der minimalen persönlichen Ausrüstung entbinden, sogar die Zelte und die Schlafsäcke werden von Sherpas getragen, damit der teuer zahlende Kunde seine Kräfte für den Gipfel aufsparen kann. Von vielen großen Bergsteigern wird der Mount Everest wegen des großen Andrangs mittlerweile gemieden.

Die Probleme rund um den Everest kulminierten in der Katastrophensaison 1996, als auf beiden Seiten des Everest acht Menschen in einer einzigen Nacht ihr Leben ließen, weil sie von plötzlichen Wetterumschwüngen hoch oben überrascht wurden (→ Unglück am Mount Everest 1996). Diese Ereignisse sind in dem IMAX-Film „Everest – Gipfel ohne Gnade“ und in den Büchern von Jon Krakauer „In eisige Höhen“ und Anatoli Boukreev "Der Gipfel" markant beschrieben.

Region Khumbu mit Mount Everest

Die Routen auf den hohen Hängen des Mount Everest sind von den Leichen verunfallter oder erschöpft erfrorener Bergsteiger gesäumt: Über 200 Menschen ließen beim Versuch der Besteigung ihr Leben. Zu groß ist ganz offenkundig die Versuchung für viele nicht ausreichend Erfahrene, unbedingt auf dem höchsten festen Punkt der Erdoberfläche stehen zu wollen. Obendrein wird die Entscheidung zur Umkehr bei widrigen Verhältnissen wegen der schlechteren Reaktion und des eingeschränkten Denkvermögens infolge Anstrengung und Sauerstoffmangels erschwert. An manchen der jeweils sehr wenigen „Fenster-Tage“ im Jahr (im Mai, vor dem Aufkommen des Monsuns) stauen sich an den klettertechnisch schwierigeren, mit Fixseilen gesicherten Stellen die Aufstiegswilligen teils mehrere Stunden lang: Die Zeit verrinnt, das Warten kühlt die Bergsteiger aus, und die Gefahr steigt, nicht mehr im Tageslicht absteigen zu können. Wer hoch oben am Everest in die zweite Nacht gerät (der Endaufstieg muss in der Nacht davor vor Mitternacht beginnen), hat extrem schlechte Aussichten, ohne schwere körperliche Schäden (erfrorene Zehen, Füße, Finger, Nase) wieder vom Berg herabzukommen. Auch die Hilfsmöglichkeiten der Bergführer sind in der extremen Umgebung auf den letzten zwei Höhenkilometern sehr begrenzt. Hilfeleistung unterbleibt oft auch deshalb, weil es zu riskant wäre, Hilfe zu leisten, da keine Kräfte mehr vorhanden sind oder auch weil dem Hilfeleistenden die Chance, selbst noch auf den Gipfel zu kommen, verwehrt bleiben könnte.

Statistik[Bearbeiten]

Insgesamt wurde der Mount Everest bisher (Stand: 31. Dezember 2008) 4109 Mal bestiegen, aber nur 133 Mal nicht über eine der beiden Standardrouten, sondern eine der 18 weiteren Routen. Dabei kamen 211 Menschen am Berg ums Leben. Am 22. Mai 2003, dem bisher größten Ansturm, standen 116 Menschen auf dem höchsten Berg der Erde.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c Breashers, Salkeld: Mallorys Geheimnis
  2. Meier-Hüsing: Wo die Schneelöwen tanzen - Maurice Wilsons vergessene Everest-Besteigung
  3. a b c d e f g h Messner: Alle 14 Achttausender, Seite 64
  4. a b J. Hemmleb: Tatort Mount Everest: Der Fall Mallory
  5. Hillary: Wer wagt, gewinnt
  6. Tenzing Norgay und James Ramsey Ullman, Man of Everest (1955)
  7. 50 Jahre Everest-Lhotse-Expedition
  8. a b c d e f g h i www.8000ers.com mit Statistiken zum Mount Everest
  9. SAYRE EXPEDITION CELEBRATES 40th REUNION, EverestNews.com, 2001
  10. Der Versuch eines Ausbruchs - Wie ein Schweizer illegal den Everest bezwingen wollte, Die Alpen (SAC), November 2014
  11. www.skyrunnig.at von Ch. Stangl
  12. http://www.mounteverest.net/news.php?id=18361
  13. Bericht über die Besteigung mit Video auf Tagesschau.de (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  14. Bericht zur Schließung des Mount Everest auf tagesschau.de (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  15. Bericht zur Sperrung des Mount Everest im Frühjahr 2008
  16. Bericht zur Beschlagnahme von Kommunikationsmitteln

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mount Everst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien