Bariumborat

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Kristallstruktur
Keine Zeichnung vorhanden
Allgemeines
Name Bariumborat
Andere Namen
  • Bariummetaborat
  • Bariumdibortetraoxid
Verhältnisformel BaB2O4
CAS-Nummer
  • 13701-59-2
  • 26124-86-7 (Monohydrat)
  • 23436-05-7 (Dihydrat)
Kurzbeschreibung

weißer geruchloser Feststoff (Monohydrat)[1]

Eigenschaften
Molare Masse 222,95 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Dichte
  • 3,85 g·cm−3 (α)[2]
  • 3,35 g·cm−3 (Monohydrat)[1]
Schmelzpunkt
Löslichkeit
  • schlecht löslich in Wasser (Monohydrat)[3]
  • unlöslich in organischen Lösungsmitteln (Monohydrat)[3]
Brechungsindex

1,55 − 1,60 (Monohydrat)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​332
P: 261​‐​264​‐​304+340​‐​301+312​‐​312​‐​501Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5][1]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)

Monohydrat

R- und S-Sätze R: 20/22
S: 28
Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Bariumborat (genauer Bariummetaborat) ist eine chemische Verbindung des Bariums aus der Gruppe der Borate. Sie kommt in verschiedenen Modifikationen vor, die sich durch ungewöhnliche Eigenschaften wie optische Doppelbrechung und optische Nichtlinearität[6] auszeichnen.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Bariumborat kann durch Reaktion einer Borsäurelösung mit Bariumhydroxid gewonnen werden. Das entstehende γ-Bariumborat enthält Kristallwasser, das durch Erhitzen auf 300-400 °C entfernt werden kann. Bei Erhitzung auf 600 bis 800 °C setzt sich dieses vollständig zu β-Bariumborat um.[2] Bariumborat-Monohydrat wird aus einer Lösung von Bariumsulfid und Natriumtetraborat hergestellt. Das Dihydrat entsteht durch Ausfällung aus einer Bariumchloridlösung durch Zugabe einer Natriummetaboratlösung bei 90 bis 95 °C. Bei Raumtemperatur fällt das Tetrahydrat aus.[7]

Eigenschaften[Bearbeiten]

Kristallstruktur von β-Bariumborat nahezu senkrecht zur c-Achse gesehen.
Farben: grün – Barium, pink – Bor, rot – Sauerstoff
Kristallstruktur von β-Bariumborat entlang der c-Achse.

Bariumborat-Monohydrat ist ein weißer Feststoff, der wenig löslich in Wasser ist. Das ebenfalls weiße[8] Dihydrat verliert bei 140 °C Kristallwasser.[7] Die Hochtemperaturform α-Bariumborat hat gute mechanische Eigenschaften (Mohs-Härte von 4,5), eine hohe Doppelbrechung und ist in einem sehr weiten Bereich zwischen 189 bis 3500 nm durchsichtig.[2] Ähnlich wie die α-Form besitzt die Niedertemperaturform β-Bariumborat (BBO) eine trigonale Kristallstruktur mit der Raumgruppe R3c.[6] Sie weist nichtlineare optische Eigenschaften auf. Im Vergleich zu Kaliumdihydrogenphosphat (KDP) hat die Verbindung eine nahezu sechs mal so hohe Nichtlinearität und einen weiten Bereich von Wellenlängen (ca. 210 bis 2100 nm), in dem der Kristall transparent ist. Ähnlich wie KDP kann BBO auch bei Laserpulsen sehr hoher Energiedichte eingesetzt werden (hohe Zerstörschwelle: ca. 5 GW/cm2 bei 1064 nm Wellenlänge und 10 ns Impulsdauer).

Die Brechungsindices no und ne von BBO werden durch die Sellmeier-Gleichung


n^2(\lambda) = A + \frac{B}{\lambda^2 + C} + D\lambda^2

beschrieben. In Veröffentlichungen werden unterschiedliche Werte für die experimentell ermittelten Sellmeier-Koeffizienten (A, B, C, D) angegeben. Beispielhaft die Werte von Kato:[9]

A B/µm2 C/µm2 D/µm−2
no 2,7359 0,01878 −0,01822 −0,01354
ne 2,3753 0,01224 −0,01667 −0,01516

Verwendung[Bearbeiten]

Bariumborat-Monohydrat wird als Pigment, Korrosionshemmer (durch seine alkalischen Eigenschaften[10]), Flammschutzmittel, Tannin-Verfärbungsblockierungsmittel für Lacke und weiteres verwendet.[11] Das Dihydrat wird als Flammschutzmittel in Farben, Papier, Textilien und Plastik verwendet.[7] Bariumborat ist seit den 1960er-Jahren in den USA als Bakterizid und Fungizid zugelassen. α-Bariumborat ist ein nützliches Material für Hochleistungs-UV-Licht-Polarisationsoptiken[2] und Akustooptiken.[12] β-Bariumborat wird verwendet für:

Verwandte Verbindungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Datenblatt Barium metaborate monohydrate bei AlfaAesar, abgerufen am 8. Juni 2014 (JavaScript erforderlich).
  2. a b c d e  Richard C. Ropp: Encyclopedia of the Alkaline Earth Compounds. Newnes, 2012, S. 511 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. a b c d e  W. Paulus: Microbicides for the Protection of Materials: A Handbook. Springer, 1993, S. 429 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Eintrag zu CAS-Nr. 13701-59-2 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 8. Juni 2014 (JavaScript erforderlich).
  5. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  6. a b  Govindhan Dhanaraj, Kullaiah Byrappa, Vishwanath Prasad, Michael Dudley: Springer Handbook of Crystal Growth. Springer, 2010, S. 729ff (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. a b c  Dale L. Perry: Handbook of Inorganic Compounds, Second Edition. CRC Press, 2011, S. 498 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8.  William M. Haynes: CRC Handbook of Chemistry and Physics, 93rd Edition. CRC Press, 2012, S. 50 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. K. Kato: „Second-Harmonic Generation to 2048 Å in β-BaB2O4“, IEEE Journal of Quantum Electronics, 1986, 22 (7), S. 1013–1014, doi:10.1109/JQE.1986.1073097.
  10.  Amy Forsgren: Corrosion Control Through Organic Coatings. CRC Press, 2006, S. 42 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11.  Michael Ash, Irene Ash: Handbook of Green Chemicals. Synapse Info Resources, 2004, S. 132 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. I. Martynyuk-Lototska: Highly efficient acoustooptic diffraction in alpha-BaB2O4 crystals: improving of geometry of acoustooptic interaction. In: Ukrainian Journal of Physical Optics. 13, 2012, S. 28, doi:10.3116/16091833/13/1/28/2012.
  13.  Mark Peltz: Charakterisierung von neuen nichtlinearen Kristallen zur Frequenzkonversion .... Tenea Verlag Ltd., 2004, S. 148 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).