Beteiligte am Ersten Weltkrieg
Beteiligte am Ersten Weltkrieg waren diejenigen Staaten, Gebiete und Volksgruppen, die sich direkt oder indirekt am Ersten Weltkrieg beteiligten oder von ihm betroffen waren.
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Entente und mit ihr verbündete (alliierte) Mächte [Bearbeiten]
Die Entente bestand ursprünglich (bis 1914) nur aus Frankreich, Russland und Großbritannien. Im Kriegsverlauf stießen zahlreiche Staaten oder Nationalitätengruppen als Alliierte hinzu.
- Andorra – kein militärisches Engagement.
- Armenien – auf russischer Seite armenische Freiwilligenbataillone (einer der Vorwände für den Völkermord an den Armeniern).
- Belgien.
- Brasilien.
- China – kein militärisches Engagement, aber Entsendung von ca. 185.000 Arbeitskräften nach Großbritannien, Russland und Frankreich, die auch in Frontnähe (v.a. Westfront) z.B. zu Schanzarbeiten eingesetzt wurden. In Reaktion auf den Versailler Vertrag entstand die Bewegung des vierten Mai.
- Costa Rica – kein militärisches Engagement.
- Frankreich.
- Griechenland – die griechische „Bewegung der Nationalen Verteidigung“ erklärt den Mittelmächten am 24. November 1916 den Krieg, das Königreich am 29. Juni 1917.
- Großbritannien / Britisches Weltreich.
- Australien – britisches Dominion. Erste Militäraktion: Schlacht von Gallipoli, seitdem Gedenktag (ANZAC Day).
- Kanada – britisches Dominion. 600.000 Mann unter Waffen, starke Beteiligung an der Westfront.
- Britisch-Indien – unter britischer Kolonialherrschaft, (heute Indien, Bangladesh, Teile von Burma und Pakistan).[1]
- Neufundland – britisches Dominion. Praktisch vollständige Vernichtung des Kontingents am 1. Juli 1916 (Gedenktag).
- Neuseeland – britisches Dominion. Erste Militäraktion: Schlacht von Gallipoli, seitdem Gedenktag (ANZAC Day).
- Südafrikanische Union – im Gegensatz zu den anderen Dominions eigenständige Kriegserklärung; pro-deutscher Buren-Aufstand (Maritz-Rebellion) 1914.
- Irland – Großbritannien schloss seinerzeit Irland mit ein, die „Home Rule Bill“ vom Mai 1914 wurde aufgrund des Kriegsausbruchs nicht umgesetzt. Etwa 70 Prozent der irisch-republikanischen Irish Volunteers und die loyalistische Ulster Volunteer Force traten in die britische Armee ein. – Der Osteraufstand 1916 kann nicht als Parteinahme für die Mittelmächte verstanden werden.
- Britische Kolonien und Protektorate (heute teilweise Britische Überseegebiete).
- Anglo-Ägyptischer Sudan – Kondominium Großbritanniens und Ägyptens, de facto aber britische Kolonie; Eingliederung Darfurs nach gescheiterter, pro-osmanischer Erhebung des Fur-Sultanats unter Ali Dinar 1916.[2]
- Guatemala – kein militärisches Engagement.
- Haiti – 1915 bis 1934 von den Vereinigten Staaten von Amerika besetzt. Kein militärisches Engagement.
- Hedschas.
- Honduras – kein militärisches Engagement.
- Italien.
- Libyen – Kolonie Italiens, teilweise durch pro-osmanischen Senussi-Orden unter deutscher Hilfe kontrolliert.
- Japan.
- Kuba – kein militärisches Engagement. Starker wirtschaftlicher Aufschwung durch Zuckerexporte an die Entente.
- Liberia – kein militärisches Engagement.
- Luxemburg – kein militärisches Engagement.
- Montenegro.
- Nepal – erklärte bereits am 3. August 1914 dem Britischen Weltreich seine Unterstützung und stellte bis Kriegsende insgesamt 55.000 Gurkha-Soldaten der Armee Britisch-Indiens zur Verfügung.[3] Eine offizielle Kriegserklärung erfolgte jedoch nicht.
- Nicaragua – kein militärisches Engagement.
- Panama – kein militärisches Engagement.
- Polen – zunächst Widerstand von Teilen der Armee und der Bevölkerung innerhalb des Regentschaftskönigreiches Polen. Anerkennung des Polnischen Nationalkomitees durch die Alliierten Anfang 1918, Einheiten der Blauen Armee kämpften 1918 an der Westfront. Am 7. Oktober 1918 Proklamation des unabhängigen polnischen Staates durch den Regentschaftsrat, Anerkennung als Zweite Polnische Republik im Friedensvertrag von Versailles.
- Portugal.[4]
- Rumänien – Separatfrieden im Mai 1918, Wiedereintritt in den Krieg im Oktober 1918.
- Russisches Kaiserreich.
- Russische Republik.
- Sowjetrussland bis zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk – vorzeitiger Separatfrieden der Ukraine.
- San Marino.
- Serbien.
- Siam (heute Thailand) – kein militärisches Engagement.
- Tschechoslowakische Legion.
- Vereinigte Staaten von Amerika.
- Alaska.
- Hawaii.
- Philippinen.
- Puerto Rico.
- Weitere Territorien und Außengebiete der Vereinigten Staaten.
Mittelmächte und Verbündete [Bearbeiten]
Der Zusammenbruch des Bündnissystem Bismarcks und die ungeschickte Außenpolitik seit 1890 hatten das Deutsche Reich in eine nahezu isolierte außenpolitische Situation gebracht. Die Mittelmächte setzten sich ursprünglich (1879) aus Deutschland und Österreich-Ungarn zusammen (Zweibund). Italien sah die Voraussetzungen des 1882 geschlossenen Dreibundes als Defensivbündnis nicht gegeben und erklärte sich im Ersten Weltkrieg zunächst als neutral, um später zu den Alliierten zu stoßen (Londoner Vertrag von 1915). Da das Osmanische Reich und Bulgarien auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg eintraten, wurde auch der Begriff Vierbund verwendet.
- Österreich-Ungarn – umfasste die heutigen Staaten Österreich, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Tschechische Republik, Ungarn, Teile des nordöstlichen Italiens bzw. Südtirol, Teile des heutigen Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien und Ukraine.
- Königreich Bulgarien – umfasste die heutige Republik Bulgarien, Teile von Griechenland sowie Teile von Mazedonien.
- Deutsches Kaiserreich – das Staatsgebiet von Deutschland umfasste 1914 auch Gebiete, die heute zu Belgien (Eupen-Malmedy), Dänemark (Nordschleswig), Frankreich (Elsass-Lothringen), Litauen (Memelland), Polen (u.a. Teile Ostpreußens und Schlesiens) und Russland (Teile Ostpreußens) gehören. Ferner umfasste der deutsche Machtbereich 1914 neben dem eigentlichen Staatsgebiet die folgenden Kolonien bzw. „Schutzgebiete“:
- Deutsch-Neuguinea – heute Karolinen (Teil Mikronesiens), Nördliche Marianen, Marshallinseln, Nauru, Palauinseln, Papua-Neuguinea–Nordteil, Salomonen-Nordteil
- Deutsch-Ostafrika – heute Burundi, Mosambik (Kionga-Dreieck), Ruanda, Tansania (→ siehe auch: Erster Weltkrieg in Ostafrika).
- Deutsch-Samoa – heute unabhängiger Staat Samoa.
- Deutsch-Südwestafrika – heute Botswana-Nordgrenze, Namibia (→ siehe auch: Erster Weltkrieg in Südwestafrika).
- Kamerun – heute Gabun-Nordteil, Kamerun, Republik Kongo-Nordostteil, Nigeria-Ostteil, Tschad-Südwestteil, Zentralafrikanische Republik-Westteil (→ siehe auch:Kamerun im Ersten Weltkrieg).
- Kiautschou – heute Teil von China (→ siehe auch: Belagerung von Tsingtau).
- Togo – heute Ghana-Ostteil, Togo (→ siehe auch: Togo im Ersten Weltkrieg).
- Osmanisches Reich – umfasste die heutigen Staatsgebiete von: Irak, Israel, Jordanien, Libanon, Teile von Saudi-Arabien, Syrien, Großteil der Türkei. Die Beschießung russischer Häfen durch deutsche Schiffe unter türkischer Fahne erfolgte Ende Oktober 1914 noch ohne Kriegserklärung. Bis zum Völkermord an den Armeniern dienten auch Armenier in der osmanischen Armee.
- Polnische Legionen – nach Gründung des Regentschaftskönigreiches Polen die Polnische Wehrmacht.
- Demokratische Republik Georgien – 1918 diplomatische Anerkennung durch Deutschland und weiterer Staaten; Militärbündnis mit Deutschland bis Kriegsende.
Neutrale Staaten [Bearbeiten]
- Afghanistan – Scheitern des Versuches der Niedermayer-Hentig-Expedition, in Afghanistan einen Freundschafts- und Beistandsvertag mit Lokalfürsten zu schließen und damit auch Britisch-Indien zu gefährden.
- Argentinien.
- Belgien – erklärte zunächst bewaffnete Neutralität, die von Deutschland nicht respektiert wurde.
- Bolivien.
- Bhutan.
- Chile – Häfen für deutsche Kriegsschiffe geöffnet.
- Kolumbien.
- Dänemark – Handel mit beiden Seiten; Verkauf Dänisch-Westindiens an die USA 1917.
- El Salvador.
- Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien) – empfing eine deutsche diplomatische Mission, die das Land zu Aktionen gegen die Briten in Afrika zu überreden suchte.
- Liechtenstein – seinerzeit in Zoll- und Handelsunion mit Österreich. Alliierte unterbanden Zufuhr für Textilindustrie über die Schweiz.
- Luxemburg – trotz Invasion und Besetzung durch deutsche Truppen keine Kriegserklärung an Deutschland, pro-deutsche Haltung der Großherzogin Marie Adelheid.
- Mexiko – lehnte eine Allianz mit Deutschland ab (Zimmermann-Depesche).
- Niederlande – Mobilmachung, nahm Flüchtlingswelle aus Belgien auf. Handel mit beiden Seiten, aber auch von der Seeblockade betroffen (Hungerunruhen 1917).
- Norwegen – indirekt über Handelsflotte beteiligt, vorwiegend auf Seiten der Entente. 1200 Seeleute im Rahmen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges verschollen.
- Paraguay.
- Iran – von britischen und russischen Truppen besetzt. Im Nordiran unterstützten Deutschland und das Osmanische Reich die Rebellen von Mirza Kutschak Khan, der dort die Truppen des zaristischen Russland vertreiben konnte (→ siehe auch: Erster Weltkrieg in Persien).
- Spanien – wirtschaftlicher Aufschwung durch Rohstofflieferungen an die Kriegsparteien, vornehmlich an die Entente.
- Schweden – Teilmobilmachung auf dem Festland, Mobilmachung auf Gotland. Unterstützte finanziell und mit strategisch wichtigen Erzlieferungen Deutschland. Schwedische Ausbilder und Kommandeure im Iran unterstützten pro-deutsche Bewegung.
- Schweiz – Die Schweiz erklärte den Belagerungszustand und eine „bewaffnete Neutralität“. Militärische Zusammenarbeit mit Deutschland für den Fall, dass Frankreich oder Italien Deutschland über die Schweiz angreift (→ siehe auch: Schweiz im Ersten Weltkrieg).
- Venezuela – Unterstützte die Alliierten mit Öllieferungen.
Kriegserklärungen [Bearbeiten]
Kriegserklärungen sind formlose Willenserklärungen, die den Eintritt des Kriegszustandes ankündigen. In einigen Fällen ist es zu einem militärischen Engagement ohne Kriegserklärung, in anderen zu Kriegserklärungen ohne tatsächlichen Eintritt in Kampfhandlungen gekommen oder der Beginn der Kampfhandlungen ging den Kriegserklärungen voraus (vergleiche obige Abschnitte).
Die folgende Tabelle zeigt das Datum der jeweiligen Kriegserklärungen unter den beteiligten Staaten. Einträge mit gelbem Hintergrund bedeuten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen ohne Kriegserklärung. In der Literatur variieren die Angaben zum genauen Datum bzw. zur genauen Uhrzeit in manchen Fällen geringfügig.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich und Irina Renz in Verbindung mit Markus Pöhlmann (Hrsg.): Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2009, ISBN 978-3-8252-8396-4.
Einzelverweise/Anmerkungen [Bearbeiten]
- ↑ Die indischen Truppen an der Artois-Front
- ↑ Darfur 1916 (engl.)
- ↑ Madan Kumar Bhattarai: Diplomatic history of Nepal, 1901–1929. A critical appraisal of Nepal-British India relations. New Delhi 1990, ISBN 81-85304-11-4, S. 33.
- ↑ Die Portugiesen im Ersten Weltkrieg
- ↑ Abgang des Telegramms von Wien. Der österreichische Gesandte hatte Belgrad schon zuvor verlassen.
- ↑ Zeitverschiebung Berlin - St. Petersburg: drei Stunden.
- ↑ Die deutsche "Sommation" wird in der Literatur ganz überwiegend nicht als Kriegserklärung gewertet.
- ↑ Zeitverschiebung Berlin - London: eine Stunde, Dominions bis zu 11 Stunden (Neuseeland).
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 7. August.
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 12. August.
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 758): 2. November.
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637, 726): 29. Oktober.
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 637): 6. November.
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 99, 637): 28. August.
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 638): 28. August.
- ↑ Divergierende Daten in der Literatur. Enzyklopädie Erster Weltkrieg (S. 638): 28. August.