Bethlem-Myopathie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
G72.8 Sonstige näher bezeichnete Myopathien
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Bei der Bethlem-Myopathie handelt es sich um eine seltene Muskelerkrankung, die zur Gruppe der angeborenen Muskeldystrophien gehört. Sie wird autosomal-dominant vererbt. Die Erkrankung ist durch einen relativ milden Verlauf mit proximaler Muskelschwäche und distalen Gelenkkontrakturen gekennzeichnet. Ursache für die Erkrankung sind Mutationen in einem von 3 Genen, die für Kollagen VI, ein Protein der extrazellulären Matrix, kodieren. Die Erkrankung ist sehr selten. Bisher wurden weniger als 100 Fälle beschrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Erstbeschreibung der Erkrankung stammt von J. Bethlem und G. K. Wijngaarden und erfolgte 1976 anhand der Untersuchung von 3 Familien mit insgesamt 28 Patienten.[1] In einer Publikation aus dem Jahr 1988 über eine große Familie mit 33 betroffenen Patienten wurde die Bezeichnung Bethlem-Myopathie für dieses Krankheitsbild vorgeschlagen.[2]

Ursache[Bearbeiten]

Die Ursache für die Erkrankung sind Mutationen in den Genen, die für Kollagen-VI kodieren. Kollagen VI besteht aus 3 Untereinheiten, die von 3 verschiedenen Genen kodiert werden: COL6A1 und COL6A2 auf dem langen Arm von Chromosom 21 (21q22.3) und COL6A3 auf dem langen Arm von Chromosom 2 (2q37). Für alle 3 Gene wurden Mutationen beschrieben, sowohl Punktmutationen als auch Spleißmutationen, die zur Erkrankung führen. Die Erkrankung wird autosomal-dominant vererbt.[3] Kollagen VI ist ein Protein der extrazellulären Matrix, das unter anderem für die Verbindungen zwischen den Zellen (Zell-Zell-Verbindung) eine Bedeutung hat.

Krankheitsbild und Verlauf[Bearbeiten]

Die Bethlem-Myopathie ist durch eine leichtgradige Muskelschwäche der proximalen Extremitätenmuskulatur gekennzeichnet. Darüber hinaus treten Kontrakturen auf, insbesondere im Bereich der Fingergelenke, aber auch im Bereich anderer Gelenke. Die Bethlem-Myopathie ist durch einen relativ gutartigen, nur langsam fortschreitenden Verlauf gekennzeichnet. Im Durchschnitt sind die Patienten mit 25-40 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen.

Quellen[Bearbeiten]

  • F. Jerusalem, S. Zierz: Muskelerkrankungen. Thieme-Verlag 3. Auflage 2003, S. 127 ff. ISBN 978-3-13-567803-0
  • A. H. Ropper, M. A. Samuels: Adam's and Victor's Principles of Neurology. McGraw-Hill Companies, 9. Auflage, S. 1374. ISBN 978-0-07-149992-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bethlem J, Wijngaarden GK.: Benign myopathy, with autosomal dominant inheritance. A report on three pedigrees. Brain. 1976 Mar;99(1):91-100. PMID 963533.
  2. Mohire MD et al.: Early-onset benign autosomal dominant limb-girdle myopathy with contractures (Bethlem myopathy). Neurology. 1988 Apr;38(4):573-80. PMID 3352914
  3. Jöbsis et al.: Type VI collagen mutations in Bethlem myopathy, an autosomal dominant myopathy with contractures. Nat Genet. 1996 Sep;14(1):113-5. PMID 8782832

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Baker NL: Molecular consequences of dominant Bethlem myopathy collagen VI mutations. Ann Neurol. 2007 Oct;62(4):390-405. PMID 7886299
  • Hicks D et al.: A refined diagnostic algorithm for Bethlem myopathy. Neurology. 2008 Apr 1;70(14):1192-9. PMID 18378883
  • Jobsis GJ et al.: Bethlem myopathy: a slowly-progressive congenital muscular dystrophy with contractures. Brain. 1999 Apr;122 ( Pt 4):649-55.. PMID 10219778.
  • Lampe AK et al.: Collagen VI related muscle disorders. J Med Genet. 2005 Sep;42(9):673-85. PMID 16141002.
  • Merlini L et al: Therapy of collagen VI-related myopathies (Bethlem and Ullrich). Neurotherapeutics. 2008 Oct;5(4):613-8. PMID 19019314
  • van der Kooi AJ et al.: Cardiac and pulmonary investigations in Bethlem myopathy. Cardiac and pulmonary investigations in Bethlem myopathy. Arch Neurol. 2006 Nov;63(11):1617-21. PMID 17101832