Bethlehem

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Dieser Artikel behandelt die Stadt im Westjordanland; Für weitere Bedeutungen siehe Bethlehem (Begriffsklärung).
Bethlehem
بيت لحم
בֵּית לֶחֶם
Bethlehem BW 1.JPG
Geburtskirche in Bethlehem
Verwaltung: Palästina Paläst. Autonomiegebiete
Gebiet: Westjordanland
Gouvernement: Bethlehem
Koordinaten: 31° 42′ N, 35° 12′ O31.70305555555635.195555555556Koordinaten: 31° 42′ 11″ N, 35° 11′ 44″ O
 
Einwohner: 25.266 (2007)
 
Zeitzone: UTC+2
Telefonvorwahl: (+970) 02
 
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Vera Baboun
Webpräsenz:
Bethlehem (Palästinensische Autonomiegebiete)
Bethlehem
Bethlehem

Bethlehem (auch Betlehem, Efrata; arabisch ‏بيت لحم‎ Bait Lahm, DMG Bayt Laḥm; hebräisch בית לחם, Beth Lechem) ist eine Stadt im Westjordanland mit 29.930 Einwohnern. Die Stadt gehört zu den Palästinensischen Autonomiegebieten und grenzt im Norden an Jerusalem. Sie beheimatet zwei Universitäten. Zur Agglomeration Bethlehem gehören auch Beit Dschala und Beit Sahur; letzterer Ort hat wie Bethlehem biblische Bedeutung. Bürgermeisterin der Stadt Bethlehem ist seit November 2012 die arabische Christin Vera Baboun. Für die 2,2 Mrd. Christen ist die Stadt von besonderer Bedeutung, weil sie der Überlieferung nach der Geburtsort Jesu Christi ist.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Bedeutung des Namens Bethlehem ist bisher ungeklärt. Während bet das Wort für „Haus“ ist, steht im Arabischen laḥm für „Fleisch“, im Hebräischen lechem dagegen für „Brot“, in manchen südarabischen Dialekten für „Fisch“. Das heißt, die Wurzel bezeichnet ursprünglich das Grundnahrungsmittel. In den modernen Sprachen hat Bethlehem die Bedeutung von Haus des Fleisches oder Haus des Brotes.

Möglich ist aber auch eine Ableitung des zweiten Wortbestandteils aus der homonymen Wurzel lḥm mit dem semantischen Feld „kämpfen“; Bethlehem hätte dann die Bedeutung „Haus des Kampfes“. Weitere Deutungen beziehen das Götterpaar Lahmu/Lahamu in ihre Überlegungen ein, Bethlehem wäre demnach das „Haus der Gottheit L.“.[1]

Biblische Überlieferung[Bearbeiten]

Stern von Bethlehem in der Geburtsgrotte
Altar über dem Stern von Bethlehem in der Geburtsgrotte
Hauptsitz des Gouvernements Bethlehem

Der Ort wird in der Bibel erstmals in Gen 35,19 EU erwähnt. Dort heißt es, dass Jakobs geliebte Frau Rahel „an der Straße nach Efrata, das jetzt Betlehem heißt“, begraben wurde. Nach der Eroberung Kanaans durch die israelitischen Stämme fiel das Städtchen dem Stamm Juda zu. Auch das Geschehen aus dem Buch Rut spielt sich zu einem großen Teil in Betlehem ab und sowohl Ruts Schwiegervater Elimelech wie auch ihr späterer Mann Boas kamen aus diesem Ort (Rut 1,1 EU).

Betlehem war nach 1 Sam 16,1 EU der Herkunftsort Davids, wo auch der erwartete Messias als Nachkomme („Sohn“) Davids zur Welt kommen sollte (Mi 5,1 EU). In diesem Vers wird es als „Betlehem-Efrata“ bezeichnet, um es von einem anderen Ort mit Namen Betlehem zu unterscheiden, der im Stammesgebiet von Sebulon, ca. 11 km westnordwestlich von Nazareth, lag.

Nach Matthäus 2,1 EU und Lukas 2,4-11 EU wurde Jesus Christus in Betlehem geboren. Der wahrscheinlich genaue Geburtsort in einer Höhle wird schon ab dem 2. Jahrhundert verehrt.[2] Seit dem Jahr 333 steht an der Stelle die Geburtskirche. Am 29. Juni 2012 wurde die Geburtskirche in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen.[3] Umstritten ist, ob Betlehem tatsächlich der Geburtsort Jesu ist.

Ein 3000 Jahre altes Siegel ist der älteste außerbiblische Hinweis auf die Existenz des Ortes im Königreich Juda.[4]

Universitäten[Bearbeiten]

Seit 1973 gibt es die vom Vatikan gegründete Katholische Universität Bethlehem. Es sind 3.014 Studenten immatrikuliert; davon ein Drittel Christen und zwei Drittel Moslems (Stand 2010). Es wird Philosophie, Wirtschafts- und Naturwissenschaften, Erziehung, Krankenpflege und Tourismus gelehrt. Außerdem wird ein Studiengang von acht Semestern mit theologischen, religiösen und soziologischen Fächern angeboten, der mit einem Bachelor of Arts abgeschlossen wird.

Im September 2007 wurde von der palästinensischen Administration die Gründung einer zweiten Universität in Bethlehem bekannt gegeben. Die Aufnahme des Studienbetriebs an der Ahliya-Universität erfolgte mit unmittelbarer Wirkung.[5]

Krankenhäuser[Bearbeiten]

Schon 1882 eröffneten französische Vinzentinerinnen ein Krankenhaus, aus dem 1990 das Krankenhaus „Zur Heiligen Familie“ (Holy family hospital), eine Geburtsklinik mit Außenstationen des Malteserordens, hervorging.

Die Kinderhilfe Bethlehem betreibt seit 1952 das Caritas Baby Hospital, das einzige palästinensische Kinderspital im Westjordanland, welches die Mütter in die Behandlung der Kinder miteinbezieht. [6]

Tourismus[Bearbeiten]

Omar-Moschee und Omar-Platz gegenüber der Geburtskirche Jesu
Fünfsternehotel 'Intercontinental', 2010

Der Fremdenverkehr war für die Stadt immer eine wichtige Einnahmequelle. Durch die Nähe zu Jerusalem wohnten viele Reisegruppen früher lieber in den günstigeren palästinensischen Hotels als in der Hauptstadt. Nach der Autonomie entstanden deswegen große Hotelneubauten, die von zurückgekehrten Auswanderern errichtet wurden, z. B. Hotel Bethlehem, Hotel Nativity. Der Krippenplatz wurde nach dem Bau einer Parkgarage autofrei. Die vielen Andenkenläden lebten auch von den Tagestouristen gut. Mit großem Eifer wurde das Jubiläumsjahr 2000 vorbereitet und eröffnet, doch der Ausbruch der Zweiten Intifada zerstörte alle Bemühungen. Die mehrmalige Besetzung der Stadt (einmal mit Belagerung von Geburtskirche und St. Katharinenkirche) verursachte große Schäden. Die große Mauer behinderte den Tourismus massiv und das umständliche Durchqueren der Grenzkontrollstelle führte dazu, dass die Gruppen nur noch selten in der Stadt übernachteten. Die großen Hotels mussten wieder schließen bzw. ihre Kapazität reduzieren. Tagesgäste mussten an der Grenze zu Jerusalem den Bus und den Reiseführer wechseln. Die großen Werkstätten für Olivenholz-Schnitzereien mussten viele Mitarbeiter entlassen. Sie konnten ihre Produkte zwar noch in Jerusalem vermarkten, aber mit weniger Gewinn.

Im Jahre 2010 hat sich die touristische Lage wesentlich verbessert: etwa die Hälfte der Touristen übernachtet in Bethlehem und besucht die dortigen Restaurants; viele Souvenirläden bieten ihre Waren an. Die palästinensische Autonomiebehörde rechnet bis zum Jahreswechsel mit einem Besucherrekord von bis zu zwei Millionen.[7] Des Weiteren finden seit dem Jahr 2000 wieder Touristenführungen durch israelische Reiseleiter statt.[8]

Wirtschaftskonferenz[Bearbeiten]

Bethlehem war 2008 Gastgeber der größten jemals in den Palästinensischen Autonomiegebieten stattgefundenen Wirtschaftskonferenz, der Palestine Investment Conference.[9] Die Initiative dazu ging vom palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fayyad aus. Es nahmen über 1000 Geschäftsleute, Banker und Regierungsbeamte überwiegend aus dem mittleren Osten teil. Die Konferenz wurde 2010 unter der Schirmherrschaft von Präsident Mahmud Abbas mit nahezu 2000 Teilnehmern aus 32 Ländern fortgesetzt.[10][11]

Aktuelle Lage[Bearbeiten]

Die Mauer von Bethlehem
Passierpunkt der Mauer von Bethlehem

Nördlich der Stadt verläuft die Israelische Sperranlage, die mit einer bis zu acht Meter hohen Mauer Bethlehem von Jerusalem und kleineren palästinensischen Dörfern wie Walaja und Jaba trennt. Die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bewohner der Stadt Bethlehem wird dadurch eingeschränkt.[12]

In der Agglomeration Bethlehem gab es vor 50 Jahren nur wenige Moscheen. Heute sind es etwa 100.[13] Am Tag der Ankunft Arafats am 23. Dezember 1994 wurde auf dem Dach der Geburtskirche Bethlehems ein 4x4 Meter großes Modell des muslimischen Felsendoms aufgestellt. Die Christen antworteten mit dem Aufstellen großer beleuchteter Kreuze auf ihren Privathäusern. Im Januar 1994, wenige Tage nach der Übergabe Bethlehems an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), wohnten genau 49.654 Christen in den palästinensisch-kontrollierten Gebieten im Westjordanland und in Gaza. Seitdem sollen 10.754 Christen diese Gebiete verlassen haben, etwa die Hälfte von ihnen seit Ausbruch der El-Aksa-Intifada im September 2000. Allein in Bethlehem, der größten Konzentration von Christen, sank deren Zahl von 29.401 auf 23.659. Die Gründe dafür sind umstritten. Während die israelische Regierung und pro-israelische Gruppen die Spannungen zwischen Christen und Moslems aufgrund der Stärkung islamistischer Strömungen sowie das soziale Gefälle zwischen eher wohlhabenden Christen und ärmeren Moslems dafür verantwortlich machen, ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2006 unter christlichen Bewohnern der Stadt, durchgeführt vom Palestinian Centre for Research and Cultural Dialogue, dass 78 % der Christen die israelischen Reiserestriktionen für den Exodus ihrer Glaubensgenossen verantwortlich machen. Des Weiteren gaben 90 % an muslimische Freunde zu haben, und weitere 73,3 % der Christen Bethlehems glauben, dass die PA das christliche Erbe in der Stadt mit Respekt behandelt.[14]

Seit langem ist festgelegt, dass der Bürgermeister, sein Vize und auch die Mehrheit des Gemeinderates der Stadt Christen sein müssen.[15] Sogar die Konfession des Bürgermeisters ist festgelegt: Griechisch-orthodox oder römisch-katholisch.[16] In Anbetracht der Bevölkerungsentwicklung regt sich von Seiten der Muslime Widerstand gegen dieses Statut. Andererseits erlaubt dieser Umstand den Partnerstädten, die politischen Kontakte mit der von der Hamas dominierten Gemeinde aufrechtzuerhalten.[17]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Bethlehem hat über 30 Partnerstädte in aller Welt:[18]

Daneben bestehen auch partnerschaftliche Beziehungen zu den Regionen Umbrien in Italien und KwaZulu-Natal in Südafrika.

In Verbindung mit Friedensaktionen junger Menschen steht die ökumenisch angelegte Aktion „Friedenslicht aus Betlehem“, die 1986 in Österreich ihren Anfang nahm. Träger sind in Deutschland die Kirchen sowie die Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hanswulf Bloedhorn: Art. Bethlehem. In: RGG4 I, Tübingen 1998, 1377f.
  • Siegfried Mittmann: Art. Bethlehem. In: Theologische Realenzyklopädie 5 (1980), S. 759-763 (Geschichte u. Bibel)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bethlehem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bethlehem – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erasmus Gaß: Die Ortsnamen des Richterbuchs in historischer und redaktioneller Perspektive (APDV 35). Wiesbaden 2005.
  2. Justin »der Märtyrer«, Dialog mit Trypho (ca. 155–161 n. Chr.) Kap. 78, in: Joan E. Taylor, Christians and the Holy Places. Oxford University Press Oxford 1993, S. 99-100. Origenes, schreibt 248 n. Chr. über die Geburtshöhle in Bethlehem (Contra Celsum, Buch I, Kap. 51).
  3. FAZ.net
  4. http://www.livenet.ch/themen/wissen/archaeologie/216251-aeltester_archaeologischer_hinweis_auf_bethlehem.html (abgerufen am: 25. Mai 2012).
  5. Neue Universität in Bethlehem Generaldelegation Palästinas, 20. September 2007
  6. Caritas Baby Hospital kinderhilfe-bethlehem.ch, 20. September 2011
  7. Jede Menge Weihnachtstouristen. Bethlehem hat kein Zimmer frei n-tv, 17. Dezember 2010
  8. Israelische Führungen in Bethlehem. Tourismus besiegt Terrorismus n-tv, 25. Juni 2010
  9. Palestinians bidding for business. BBC News, 21. Mai 2008.
  10. Palästinensische Investmentkonferenz erfährt große Aufmerksamkeit. Germany Trade and Invest, 14. Juni 2010
  11. Palestine is open for business. Huffington Post, 17. Juni 2010
  12. http://stopthewall.org/enginefileuploads/bethlehem.jpg
  13. Kath.net: In Bethlehem feiern die Kirchen dreimal Weihnachten 16. Dezember 2007
  14. Americans not sure where Bethlehem is, survey shows. Ekklesia. 20. Dezember 2006. Abgerufen am 7. Mai 2007.
  15. http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/4548312.stm http://www.crystalinks.com/bethlehem.html
  16. http://www.israeltoday.co.il/Default.aspx?tabid=128&view=item&idx=498
  17. http://web.archive.org/web/20090523082740/http://www.ajn.com.au/news/news.asp?pgID=3469 Nicole Breskin: Sydney local council to partner Bethlehem
  18. Liste der Partnerstädte