Bettwil

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Bettwil
Wappen von Bettwil
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Muriw
BFS-Nr.: 4227i1f3f4
Postleitzahl: 5618
Koordinaten: 662634 / 23819447.291668.266664688Koordinaten: 47° 17′ 30″ N, 8° 16′ 0″ O; CH1903: 662634 / 238194
Höhe: 688 m ü. M.
Fläche: 4.25 km²
Einwohner: 559 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 132 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 8,9 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.bettwil.ch
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Bettwil (in einheimischer Mundart: [ˈb̥ɛpməl])[3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Das Dorf am Ostrand des Seetals ist das höchstgelegene des Kantons.

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt auf einer Hochebene am westlichen Hang des Lindenbergs, rund drei Kilometer östlich des Hallwilersees. Die flache Ebene wird in Richtung Norden durch den Erusbach entwässert. Gegen Osten hin steigt das Gelände flach zum Kamm des Lindenbergs an, gegen Nordosten zum Niesenberg. Das Dorf Bettwil befindet sich im äussersten Westen des Gemeindegebiets, einen halben Kilometer südlich davon liegt der Weiler Königsberg (692 m). Etwa zweieinhalb Kilometer südöstlich liegt Brandholz (694 m), nochmals einen Kilometer weiter Guggibad (712 m). Die beiden letztgenannten Weiler an der östlichen Gemeindegrenze gehören geographisch bereits zum Bünztal.

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 425 Hektaren, davon sind 91 Hektaren bewaldet und 41 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 760 m ü. M. im Gebiet Junkholz, der tiefste auf 649 m ü. M. im äussersten Nordwesten.

Nachbargemeinden sind Sarmenstorf im Norden, Kallern im Nordosten, Boswil im Osten, Buttwil im Südosten, Schongau im Süden Fahrwangen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wird erstmals 924 in einem Zinsrodel des Fraumünsterstifts zu Zürich erwähnt (de Petiwilare/Pettewilare). Beim Ortsnamen handelt es sich um eine althochdeutsche Zusammensetzung aus dem Personennamen Beto/Petto und dem bei alamannischen Gründungen häufigen Hinterglied -wīlāri zur Bezeichnung neuer Hofsiedlungen. [3][4]

Wichtigster Grundherr im Mittelalter war das Kloster Einsiedeln, das die Zehnten zur Hälfte mit dem Spital in Bremgarten teilte. Von 1200 bis 1412 war Bettwil im Besitz der Herren von Heidegg, die auf dem Schloss Heidegg oberhalb von Gelfingen residierten. Die Bettwiler kauften sich dann frei und unterstellten sich den Habsburgern.

Deren Herrschaft dauerte jedoch nicht lange, denn 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Bettwil wurde ein eigenes Amt innerhalb der Freien Ämter, einer Gemeinen Herrschaft. Während der Reformationswirren von 1529 bis 1531 blieben die Bettwiler dem katholischen Glauben treu. Als Anerkennung erhielten sie 1547 ein eigenes Dorfrecht. Ohne Einmischung des Landvogtes durften sie den Untervogt, die Richter und alle Dorfbeamten selbst wählen. Die Wahlen erfolgten demokratisch alle zwei Jahre an Wahlversammlungen. Kein Dorf in der näheren und weiteren Umgebung besass diese Fülle an Freiheiten.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Bettwil bildete zusammen mit dem Niesenberg (heute zu Kallern gehörend) eine Munizipalität im Distrikt Sarmenstorf des kurzlebigen Kantons Baden. 1799 trennte sich die Pfarrei von Sarmenstorf. Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 wurde Niesenberg wieder von Bettwil getrennt. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Bettwil landwirtschaftlich geprägt und die Einwohnerzahl stagnierte bei rund 400. Nach der Erschliessung eines neuen Wohngebiets im Jahr 1981 wuchs die Einwohnerzahl um rund die Hälfte. Von Mitte der 1960er bis Ende der 1990er Jahre waren bei Bettwil zwei Batterien mit Bloodhound-Flugabwehrlenkwaffen stationiert.[5]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Pfarrkirche St. Josef

Die Pfarrkirche St. Josef, die zusammen mit Pfarrhaus und -scheune eine intakte Baugruppe bildet, entstand 1788/89 unter der Leitung des Baumeisters Franz Joseph Rey. Dieser errichtete eine schlichte Saalkirche mit spätbarocker Innenausstattung. Das Baumaterial lieferte die ehemalige, aus dem Jahr 1496 stammende Kapelle, die 1729 neu gebaut worden war, dann aber nur 60 Jahre später doch abgebrochen wurde.[6]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg drei grüne Tannen mit roten Stämmen.» Auf einer Wappenscheibe aus dem Jahr 1561 sind fünf Tannen abgebildet, das Wappen des ehemaligen Amtes Bettwil. Auf dem Gemeindesiegel von 1811 erschienen dann noch drei Tannen, ab 1872 auf blauem Grund. 1950 wurde die Schildfarbe in Weiss geändert und der flache Boden durch einen Dreiberg ersetzt. Dadurch ergibt sich allerdings eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Wappen von Olten.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 421 400 396 414 381 347 376 492 576 560

Am 31. Dezember 2013 lebten 559 Menschen in Bettwil, der Ausländeranteil betrug 8,9 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 67,5 % römisch-katholisch und 21,2 % reformiert; 0,5 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 97,6 % gaben Deutsch als ihre Hauptsprache an.[10]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Bettwil gehört zum Friedensrichterkreis Boswil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ortseinfahrt von Bettwil von Brandholz her über den Lindenberg kommend

In Bettwil gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 160 Arbeitsplätze, davon 33 % in der Landwirtschaft, 39 % in der Industrie und 28 % im Dienstleistungssektor.[11] Etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den umliegenden Gemeinden, vor allem in Wohlen und Villmergen.

Verkehr[Bearbeiten]

Bettwil liegt abseits des Durchgangsverkehrs und befindet sich etwa zwei Kilometer östlich der wichtigen Hauptstrasse von Wohlen ins Seetal. Eine Nebenstrasse führt von Fahrwangen über Bettwil und den Lindenberg nach Muri. Bettwil ist Endstation einer Buslinie der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg, die von Lenzburg aus durch das untere Seetal verkehrt.

Bildung[Bearbeiten]

Schulanlage Bettwil

Die Gemeinde verfügt einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Sarmenstorf oder Meisterschwanden besucht werden, die Bezirksschule in Fahrwangen. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bettwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 85ff. Angegebene Lautschrift: bę́pməl.
  4. a b Andres Kristol: Bettwil AG (Muri) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 138f. Angegebene Lautschrift: [ˈbɛpməl].
  5. Durchlöchert. Der Spiegel, 12. Dezember 1962, abgerufen am 13. Januar 2014.
  6.  Georg Germann, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967, S. 76–82.
  7.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 118.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.