Betz-Zelle

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Betz-Zelle in Golgi-Färbung
Betz-Zelle

Die Betz-Zelle (nach dem Anatom Wladimir Betz, 1834–1894), auch betzsche Riesenpyramide, ist ein neuronaler Zelltyp, der nur im Primär-motorischen Cortex vorkommt. Die Zellleiber (Perikaria) dieser sehr großen (bis 100 µm) Pyramidenzellen liegen in der 5. Schicht der Großhirnrinde. Ihre Axone projizieren auf das Rückenmark oder die motorischen Hirnnervenkerne und können länger sein als ein Meter. Betz-Zelle ist in erster Linie ein histologischer Begriff, funktionell entspricht dem die Bezeichnung als erstes Motoneuron. Ihre Anzahl ist vergleichsweise gering und wird beim Menschen auf etwa 30.000 geschätzt.

Betz-Zellen bilden exzitatorische Synapsen aus und benutzen Glutamat als Neurotransmitter.

Aufbau[Bearbeiten]

In der gezeichneten Abbildung rechts umfasst der Bildausschnitt von oben nach unten beinahe die gesamte Dicke der Großhirnrinde, das heißt etwa 2,5 bis 3 Millimeter. Man kann sich die Oberfläche des Gehirns nach oben und die Grenze zum Marklager nach unten denken. Die zwiebelartige Verdickung in der Bildmitte ist der Zellleib, das sogenannte Perikaryon oder Soma, das auch den Zellkern beherbergt. Der kräftige nach oben ziehende Fortsatz ist ein apikaler Dendrit, der vor allem durch thalamische und prämotorische Afferenzen (Zugänge) gespeist wird. Die dornigen Ausstülpungen sind postsynaptische Auftreibungen. Der apikale Dendrit ist der hauptsächliche Informationseingang der Zelle. Es lassen sich einige weitere Dendriten erkennen, die jedoch in der Schicht des Perikaryons verbleiben.

Das Axon als einziger Informationsausgang zieht nach unten (Beschriftung). Es entsendet rechtwinklig einige Kollateralen. Der Maßstab entspricht je nach Bildschirmauflösung etwa vierzigfacher Vergrößerung. Unter Beibehaltung dieses Maßstabes kann das Axon beim Menschen 500mal so lang werden wie der Bildausschnitt von oben nach unten reicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wladimir Betz: Anatomischer Nachweis zweier Gehirncentra. Centralblatt für die medizinischen Wissenschaften. (1874) 12:578-580, 595-599.