Betzenberg (Schönbuch)

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Betzenberg
Unterwegs auf dem Betzenberg

Unterwegs auf dem Betzenberg

Höhe 499,5 m ü. NHN
Lage Landkreise Böblingen und Esslingen, Baden-Württemberg, Deutschland
Gebirge Schönbuch
Koordinaten 48° 37′ 3″ N, 9° 8′ 35″ O48.6173888888899.1430833333333499.5Koordinaten: 48° 37′ 3″ N, 9° 8′ 35″ O
Betzenberg (Schönbuch) (Baden-Württemberg)
Betzenberg (Schönbuch)
Besonderheiten Standort des Fernmeldeturms Waldenbuch

Der Betzenberg, in den Landkreisen Böblingen und Esslingen gelegen, ist ein 499,5 m ü. NHN[1] hoher Berg im Schönbuch, einem bergigen Waldgebiet des süddeutschen Keuperberglands im Naturpark Schönbuch in Baden-Württemberg.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Innerhalb des Schönbuchs erhebt sich der Betzenberg südsüdwestlich des kleinen Dorfs Glashütte, einem südöstlichen Stadtteil des nördlich des Berges gelegenen Waldenbuch im Landkreis Böblingen, bzw. westlich der Ortschaft Neuenhaus, einem Stadtteil von Aichtal im Landkreis Esslingen. Südöstlich und südsüdöstlich des Bergs liegen im angrenzenden Landkreis Reutlingen jenseits von Fließgewässer Schaich, Höhenrücken Schaichberg (456 m) und B 27 die Dörfer Häslach und Walddorf, den beiden Gemeindeteilen von Walddorfhäslach. Westsüdwestlich des Bergs liegt im benachbarten Landkreis Tübingen die Gemeinde Dettenhausen.

Über den Betzenberg verläuft von Nordosten kommend die Grenze der Landkreise Böblingen und Esslingen. Sie knickt auf der Bergkuppe nach Süden ab, um im Schaichtal an der Grenze zum Landkreis Reutlingen zu enden. Etwa 1,5 km westsüdwestlich dieser Endstelle liegt unterhalb der Südflanke des Bergs im selben Tal mit der Grenze der Landkreise Böblingen, Reutlingen und Tübingen ein Dreiländereck.

Die höchste Stelle des Betzenbergs liegt rund 1,7 km südsüdwestlich des manchmal zur großflächigen Schönbuchlichtung gezählten Dorfs Glashütte, von wo das Gelände zur Bergkuppe hin ansteigt. Sie befindet sich direkt auf dem Waldweg Dettenhäuser Sträßle.

Die Nachbarn des Betzenbergs sind – mit Höhe in Meter über Normalhöhennull (NHN): Uhlberg (469,6 m) im Nordosten, Steinenberg (383,1 m; mit Aichtalbrücke) im Osten, Schaichberg (456 m) im Südosten, Eichenfirst (502 m) im Südwesten und Günzberg (490,5 m) im Westen.

Nördlich des Betzenbergs fließt etwa in West-Ost-Richtung durch das Tal von Waldenbuch, Glashütte und Neuenhaus die Aich, ein westlicher bzw. linker Neckar-Zufluss; die oberhalb der Aich gelegene Nordostflanke des Berges heißt Neuhauser Wand. Auch ungefähr in dieser Richtung verläuft südlich des Berges zwischen Dettenhausen und Neuenhaus der vom Bromberg kommende Aich-Zufluss Schaich.

Zu den Straßen rund um den Betzenberg gehören die Bundesstraße 464 im Süden und die bereits genannte B 27 im Südosten. Von ersterer zweigt die Landesstraße 1208 in Richtung Nordosten ab, die durch Dettenhausen nach Waldenbuch führt. Dort kreuzt die L 1185, die nördlich vorbei an Glashütte entlang der Aich nach Neuenhaus verläuft, um kurz darauf unter der vierspurigen B 27 (1.161 m lange Aichtalbrücke) hindurchzuführen. Weil aber keine Straßen auf den Berg führen, ist er ausschließlich auf Waldwegen zu erreichen.

Geologie[Bearbeiten]

Der Betzenberg liegt nordöstlich der Brombergspalte, einer wichtigen tektonischen Bruchlinie, die sich durch den Schönbuch zieht. Damit liegt der Berg auf der nördlichen Schönbuchscholle, die sich gegenüber den südlichen stark abgesenkt hat. Auf der nördlichen ist im Gegensatz zur südlichen Scholle die älteste Schicht des Jura, der Schwarze Jura, großflächig erhalten geblieben. Letzterer bildet auch die Decke des Betzenbergs. Erst darunter folgen die für den Schönbuch typischen Keuperschichten. Die südlich des Bergs fließende Schaich schneidet diese Schichten bis zum Stubensandstein an, große Teile des Südhangs werden durch Knollenmergel gebildet.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Am Betzenberg finden sich mehrere Grabhügel und Überreste aus der Hallstattzeit und ein Friedhof aus der Römerzeit.

Zudem gibt es auf dem Berg eine keltische Viereckschanze, die sich rund 1,8 km ostnordöstlich von Dettenhausen nahe dem Südrand der Braunäcker am Dettenhäuser Sträßle befindet. Einer Schautafel vor Ort ist zu entnehmen: Die ungefähr quadratische Anlage ist ein von Erdwall und Graben umfriedeter Tempelbezirk aus spätkeltischer Zeit (1. Jahrhundert n. Chr.). Auf Grund von Ausgrabungen in anderen gleichen Schanzen ist bekannt, dass sich darin ein viereckiger Holztempel und tiefe Opferschächte befanden. Auf der Südseite ist ein Tor mit durchlaufendem Graben davor.

Der waldreiche Betzenberg ist Teil des 1972 gegründeten Naturparks Schönbuch.

Am 26. Dezember 1999 zog Orkan Lothar auch durch Deutschland. Im Schönbuch, so auch am Betzenberg, hinterließ er großflächigen Windwurf. Anschließender Borkenkäferbefall verschärfte die Situation. In Erinnerung an Lothar wurde auf dem Berg rund 500 m südlich vom Weißen Häusle am Waldweg Siebenbuchenwasenstraße ein Gedenkstein aufgestellt: Auf einer auf dem Stein montierten Holztafel befindet sich ein Gedicht von Goethe.

Flora[Bearbeiten]

Neben den heimischen Baumarten wachsen am Betzenberg aus Nordamerika importierte Riesenmammutbäume (Sequoiadendron giganteum). Nachdem diese Baumart erst 1850 von den Europäern entdeckt worden war, ließ König Wilhelm I. Samen nach Europa bringen und in der Wilhelma aussäen. Im kalten Winter 1879/80 erfroren allerdings die meisten dieser Bäume, die wenigen verbliebenen wurden unter anderem am Betzenberg verteilt. Darunter ist der zurzeit mit 50 m höchste Baum im Schönbuch[3], der rund 2,3 km ostnordöstlich von Dettenhausen nahe dem Südrand der Braunäcker am Dettenhäuser Sträßle steht. Etwa 1,2 km südöstlich des Dorfs Glashütte stehen am Weißen Häusle direkt nebeneinander drei weitere Exemplare dieser Gattung.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Der Betzenberg gehört ganz zum nordöstlichen Bereich des mehrteiligen und 112,471 km² großen Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Schönbuch (FFH-Nr. 7420341). Seine Südflanke ist Teil des 1995 gegründeten und 2,619 km² großen Naturschutzgebiets Schaichtal (NSG-Nr. 1.210), das sich durch üppige Ufervegetation, Seen und Tümpel, seltene Arten wie Eisvogel, Feuersalamander und Wasseramsel und zudem die bisher in Württemberg nur dort gefundene Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulisiana) auszeichnet. Ein etwas größeres Gebiet seiner Südflanke ist Teil des mehrteiligen 153,764 km² großen Vogelschutzgebiets Schönbuch (VSG-Nr. 7420441). Auf dem Ostteil des Bergs liegt das 1961 gegründete und 8,96 km² große Landschaftsschutzgebiet LSG Schönbuch vom 1. Dezember 1961 (LSG-Nr. 1.16.037) und in seinem Westteil das 1995 gegründete und 10,44 km² große Landschaftsschutzgebiet Waldenbuch/Steinenbronn (LSG-Nr. 1.15.083).[4]

Waldlehrpfad Betzenberg[Bearbeiten]

Auf dem Nordhang des Bergs befindet sich östlich der bei Glashütte gelegenen Breitwiesen der Waldlehrpfad Betzenberg. Der nahe der Burkhardtsmühle am Wanderparkplatz Scheerwässere (zu erreichen von der L 1185) beginnende Lehrpfad mit sieben Schautafeln ist 3,5 km lang. Auf dem Rundweg kann man sich über Geschichte, Geologie, Flora und Fauna des Bergs informieren. Der Pfad führt unter anderem entlang der Neuhauser Wand und an einen Steinbruch des Stubensandsteins heran, der das Schaich- und Aichtal weithin bekannt gemacht hat, und passiert einen Tümpel. Leicht verständlichen Texten sind Informationen zu wichtigen Siedlungsepochen wie Hallstatt-, Kelten- und Römerzeit, das Hoch- und Spätmittelalter und zur Bedeutung von Flurnamen wie Mädleswiesen zu entnehmen. Je ein Kinderspiel- und Grillplatz sorgen für Abwechslung. Ein Spaziergang auf dem Waldlehrpfad dauert etwa 1,5 bis 2 Stunden.

Steine und Brunnen[Bearbeiten]

Am und auf dem Betzenberg gibt es viele alte forstwirtschaftliche Abteilungssteine, an unterschiedliche Ereignisse erinnernde Gedenksteine und zudem mehrere alte Brunnen. Neben zuvor erwähntem Gedenkstein zum Orkan Lothar gibt es beispielsweise den Stein für Jak. Kayser (Südrand der Braunäcker am Dettenhäuser Sträßle, nahe dortigem Mammutbaum), der dort im Jahr 1919 von einer Tanne erschlagen wurde. Zu den Brunnen des Berges gehören: Neubrunnen (an Neuer Walddorfer Schneise oberhalb vom Schaichtal), Scheerwässerebrunnen (an der Neuhauser Wand oberhalb vom Aichtal) und Stellenbrunnen (knapp 750 m nordöstlich vom Weißen Häusle südlich der Neuhauser Wand; mit Inschriften 1905 und 1909).

Fernmeldeturm Waldenbuch[Bearbeiten]

Auf der Kuppe des Betzenbergs steht seit 1976 auf der Gemarkung Neuenhaus am Waldweg Dettenhäuser Sträßle der 128,6 m hohe, in Stahlbetonbauweise errichtete Fernmeldeturm Waldenbuch. Der von Weitem sichtbare Turm dient dem Mobil- und BOS-Funk.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kartendienste des BfN
  2. Hermann Grees: Der Schönbuch als Naturraum und Kulturlandschaft. In: Wallert, Lorenz (Hrsg.): Der Schönbuch: Mensch und Wald in Geschichte und Gegenwart. Seite 16–33, siehe Literatur
  3. Tourismus Baden-Württemberg, Naturpark Schönbuch, die grüne Insel zwischen Stuttgart und Tübingen; 1. Auflage; procom Verlag
  4. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Baden-Württemberg