Beudantit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Beudantit
Beudantite-170099.jpg
Beudantit aus der Tsumeb Mine (Tsumcorp Mine), Tsumeb, Oshikoto-Region, Namibia; Größe: 2 x 2 x 1 cm.
Chemische Formel

PbFe3[(As,S)O4]2(OH)6

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.BL.05 (8. Auflage: VII/B.35) nach Strunz
43.04.01.01 nach Dana
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin ditrigonal-skalenoedrisch 32/m[1]
Farbe grün, braun bis rot
Strichfarbe graugrün bis grün
Mohshärte 3,5 bis 4,5
Dichte (g/cm3) 4,48
Glanz Glasglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit gut nach {0001}
Bruch muschelig
Habitus würfelig, oktaedrisch, tafelig oder derbe Massen
Kristalloptik
Brechungsindex 1,943 bis 1,957
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
0,014; einachsig negativ, oft anormal zweiachsig
Pleochroismus rotbraun – blass gelb

Beudantit (Bieirosit) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Phosphate, Arsenate und Vanadate. Es kristallisiert im rhombischen (hexagonalen) Kristallsystem und hat die chemische Zusammensetzung Pb(Fe,Al)3[(As,S)O4]2(OH)6. Die würfeligen oder oktaedrischen Kristalle sind meist tafelig bis isometrisch.[2]

Beudantit ist grün bis rot-braun durchsichtig bis durchscheinend und besitzt Glasglanz. Die Strichfarbe ist blass grün. Die Dichte beträgt 4,48 g/cm3 und die Mohshärte liegt zwischen 3,5 und 4,5.[2]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Entdeckung des Minerales Beudantit geht zurück auf die umfangreiche Sammlung von Adolarius Jacob Forster, nach dem später das Mineral Forsterit benannt wurde. Im Jahre 1806 erbte der führende Mineralienhändler des 19. Jahrhunderts, John Henry Heuland (das Mineral Heulandit wurde nach ihm benannt), diese Sammlung von seinem Onkel Jacob Forster. Er erweiterte sie erheblich und verkaufte sie 1820 an Charles Hampden Turner mit der Auflage, einen Katalog nach der Klassifikation von René-Just Haüy (Haüyn) zu erstellen. Mit der Erstellung dieses Kataloges wurde der damals in London lebende Mediziner, Mineraloge und Mathematiker Armand Lévy beauftragt. Im Zuge dieser Arbeit entdeckte Lévy neben einigen anderen Mineralien 1826 auch ein neues arsen- und eisenhaltiges Bleisulfat, das er nach dem französischen Mineralogen François Sulpice Beudant Beudantit nannte.[3]

Klassifikation[Bearbeiten]

Nach der Systematik von Strunz gehört Beudantit zur Mineralklasse 8 (Phosphate, Arsenate. Vanadate), mit zusätzlichen Anionen, ohne H2O (B) mit mittelgroßen bis großen Kationen und einem Verhältnis von (OH, etc.) : RO4 von 3:1 (L). Zusammen mit den Mineralen Corkit, Gallobeudantit, Hidalgoit, Hinsdalit, Kemmlitzit, Orpheit, Schlossmacherit, Svanbergit und Woodhouseit gehört es zur Beudantituntergruppe der Alunitfamilie.[4]

Nach der Systematik von Dana gehört Beudantit in der Klasse Phosphate, Arsenate und Vanadate (43) zur Gruppe der wasserfreien Phosphate, die Hydroxyl- oder Halogenanionen enthalten (4).

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Beudantit bildet sich sekundär in der Oxidationszone von Sulfidlagerstätten (Eiserner Hut), wo es zusammen mit Olivenit, Carminit, Scorodit, Azurit, Mimetesit, Dusserit, Arseniosiderit, Pharmacosiderit, Bayldonit, Duftit, Anglesit und Cerussit auftritt.[2]

Die Typlokalität ist die Grube "Luise" bei Bürdenbach im Landkreis Altenkirchen (Westerwald), Rheinland-Pfalz. Weitere Fundstellen in Deutschland sind vor allem im Schwarzwald (Baden-Württemberg) und bei Bensheim (Hessen).[4] Darüber hinaus findet man Beudantit weltweit als Verwitterungsprodukt in polymetallischen Sulfidlagerstätten.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Kristallographische Daten[5]
Kristallsystem trigonal
Raumgruppe R3m
Gitterparameter
a = 7.315 Å
c = 17.035 Å
Zahl (Z) der Formeleinheiten Z = 3

Beudantit kristallisiert rhomboedrisch in der Raumgruppe R3m isotyp zu Alunit.

Verwendung[Bearbeiten]

Beudantit ist nur von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. In Erzen der Oxidationszone von Sulfidlagerstätten (Eiserner Hut) ist Beudantit der Hauptträger von Silber und wird in einigen Lagerstätten abgebaut.[6][7]

Die Minerale der Jarusit- und Beudantitgruppe können neben Blei und Arsen noch weitere hochgiftige Schwermetalle (z.B. Thallium) enthalten und sind nahezu unlöslich in Wasser.[8] Sie spielen daher eine wichtige Rolle bei der Fixierung von Schwermetallen aus Industrieabfällen und Halden und können verhindern, dass Schwermetalle ins Grundwasser ausgespült werden.[9][10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Beudantite
  2. a b c Handbook of Mineralogy: Beudantite.
  3. Curits Schuh’s Biobibliography of Mineralogy: LÉVY, Armand.
  4. a b MinDat - Beudantite
  5. Szymanski 1988
  6. Characterization and alkaline decomposition/cyanidation of beudantite–jarosite materials from Rio Tinto gossan ores
  7. Sulphidization-cyanidation of jarosite species
  8. U. Kolitsch, A. Pring 2001.
  9. Minerals controlling arsenic and lead solubility in an abandoned gold mine tailings
  10. Why a fern (Pteris multifida) dominantly growing on an arsenic heavy metal contaminated soil does not accumulate arsenic?

Literatur[Bearbeiten]

  •  Anthony, J.W., Bideaux, R.A., Bladh, K.W., and Nichols, M.C.: Handbook of Mineralogy: Beudantite. American Mineralogical Society, 2000. (PDF (65 KB))
  •  John L. Jambor: Nomenclature of the Alunite Supergroup. Canadian Mineralogiste, Vol. 37, 1999, S. 1323–1341. (PDF (1,7 MB))
  •  Keith M. Scott: Nomenclature of the Alunite Supergroup: Discussion. Canadian Mineralogiste, 2000, S. 1295–1297. (PDF (672 KB))
  •  U. Kolitsch, A. Pring: Crystal chemistry of the crandallite, beudantite and alunite groups: a review and evaluation of the suitability as storage materials for toxic metals. Journal of Mineralogical and Petrological Sciences, Vol. 96, 2001, S. 67–78. (PDF (537 KB))
  •  Jan T. Szymanski: The Crystal Structure of Beudantite, Pb(Fe,Al)3 [(As,S)O4]2(OH)6. Canadian Mineralogiste, Vol. 26, 1988, S. 923–932. (PDF (978 KB))
  •  P. Leverett, A.R. McKinnon & P.A. Williams: Supergene geochemistry of the Endeavor ore body, Cobar, NSW, and relationships to other deposits in the Cobar Basin. Proceedings of the CRC LEME Regional Regolith Symposia 2005, 2005, S. 191–194. (PDF (94 KB))

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beudantite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien