Beutelwolf

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Beutelwolf
Beutelwölfe im National Zoo in Washington, D.C. (1902)

Beutelwölfe im National Zoo in Washington, D.C. (1902)

Systematik
Unterklasse: Beuteltiere (Metatheria)
Überordnung: Australidelphia
Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
Familie: Thylacinidae
Gattung: Thylacinus
Art: Beutelwolf
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Thylacinus
Harris, 1808
Wissenschaftlicher Name der Art
Thylacinus cynocephalus
Harris, 1808
Historische Filmaufnahmen des Beutelwolfs im Zoo von Hobart in Tasmanien

Der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus), auch Tasmanischer Wolf, Beuteltiger oder Tasmanischer Tiger genannt, war das größte fleischfressende Beuteltier, das in geschichtlicher Zeit auf dem gesamten australischen Kontinent lebte. Das letzte bekannte Exemplar starb 1936 in einem Zoo.

Beschreibung[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Beutelwölfe erreichten eine Kopfrumpflänge von 85 bis 130 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 38 bis 65 Zentimetern und ein Gewicht von 15 bis 30 Kilogramm. Ihre Schulterhöhe betrug rund 60 Zentimeter. Ihr Fell war kurz und rau, grau oder gelbgrau gefärbt. Auffällig waren die 13 bis 19 schwarzbraunen Querstreifen am hinteren Teil des Körpers und an der Schwanzwurzel, denen er auch seinen Namen „Beuteltiger“ verdankt und die der Tarnung dienten. Im Gesicht hatte er weiße Zeichnungen um die Augen und Ohren. Der Beutelwolf wies im Körperbau verblüffende Ähnlichkeiten mit einigen Raubtieren aus der Familie der Hunde (Canidae) auf und stellt so ein Paradebeispiel für konvergente Evolution dar. Der Schädel war etwas breiter gebaut, die Zahnformel lautete 4/3-1/1-3/3-4/4 x2, insgesamt also 46 Zähne. Ähnlich wie bei Hunden waren die Eckzähne lang und die Backenzähne scharf. Bemerkenswert ist, dass die Tiere ihren Unterkiefer sehr weit aufklappen konnten, nach manchen Angaben bis zu 90 Grad. Die Gliedmaßen waren eher kurz, die Beine endeten jeweils in fünf Zehen. Die Tiere waren Zehengänger und erreichten wohl eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h.

Konvergenzen[Bearbeiten]

Vergleich der Schädel von Beutelwolf und Wolf aus dem Museum Wiesbaden

Nicht nur dem Namen nach gibt es Ähnlichkeiten zwischen Wolf und Beutelwolf. Obwohl die Vorfahren beider Tiere sich stammesgeschichtlich sehr früh in der Kreidezeit teilten, entwickelte sich in der Gruppe der Beuteltiere und der Höheren Säugetiere jeweils ein Raubtier mit verblüffenden Übereinstimmungen. Generell überwiegen beim Vergleich deutlich die Ähnlichkeiten in Ausbildung und Proportionen, so dass man in diesem Fall von einem Paradebeispiel für Konvergenz sprechen kann. Beide besitzen ein Raubtiergebiss mit sehr kleinen Schneidezähnen und großen, gebogenen Eckzähnen. Die Vorbackenzähne sind einhöckrig und die Backenzähne besitzen mehrere Höcker. Die Zahnformeln lauten:

  • für den Beutelwolf: 4 1 3 4 / 3 1 3 4 = 46
  • für den Wolf: 3 1 4 2 / 3 1 4 2 = 40.

Vergleicht man die Schädel dieser Tiere, fällt nicht nur Ungeübten die Unterscheidung sehr schwer. Nebenstehende Abbildung zeigt den Schädel von Beutelwolf (rote Markierung) und Wolf (grüne Markierung) in verschiedenen Ansichten. Die deutlichsten Unterschiede im Vergleich zum Wolf sind:

  • in der Seitenansicht: die Schädelbasisfläche knickt im Profil stärker zum Nasenrücken hin ab; der Stirnbereich ist voluminöser; Jochbogen reicht weiter nach hinten und erweitert sich dort; der Unterkiefer ist etwas schmaler.
  • in der Aufsicht: Insbesondere der Vorderschädel ist schmaler geformt; deutlicher ist der aufgewölbte Stirnbereich erkennbar; das Hinterhaupt wirkt im Vergleich abgestutzt. Der Hirnschädel des Wolfs ist proportional wesentlich größer als der des Beutelwolfs.
  • bei der Betrachtung der Schädelunterseite: im Bereich des Hinterrandes des Gaumens finden sich zwei Öffnungen, die sog. Gaumenfenster (Merkmal ursprünglicher Säugetiere); am Hinterrand der Jochbogen fallen die sehr kleinen Gehörblasen auf.
  • bei der Betrachtung von schräg hinten auf das Hinterhaupt: die Winkelfortsätze am Unterkiefer sind wie bei fast allen Beuteltieren nach innen gebogen.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Zur Zeit der Ankunft der Europäer in Australien lebte der Beutelwolf vermutlich nur noch in Tasmanien. Auf dem australischen Festland und auf Neuguinea verschwand er bereits vorher. Sein ursprünglicher Lebensraum waren offene Waldgebiete und Grasländer, in den letzten Jahrzehnten seiner Existenz wurde er aber durch den Menschen in dichte Wälder abgedrängt.

Lebensweise[Bearbeiten]

Jungtier im Zoo von Hobart, 1928

Beutelwölfe waren in der Regel nachtaktiv, konnten aber beim Sonnenbaden beobachtet werden. Über die Jagdtechnik gibt es unterschiedliche Berichte. Nach manchen Berichten verfolgte er seine Beute, bis sie ermüdet war und er sie überwältigen konnte, nach anderen Berichten schlich er sich an seine Opfer an und überrumpelte sie. Dabei half ihm sein kräftiger Kiefer – einem Bericht zufolge zermalmte er den Schädel eines Hundes mit einem einzigen Biss. Neuere Forschungen eines Teams um Marie Attard von der Universität von New South Wales in Sydney mit Computermodellen und Gebissvergleichen mit anderen Raubtieren widerlegen das aber und bescheinigen dem Beutelwolf eher geringe Bisskräfte. Den Analysen zufolge scheint der Beutelwolf vor allem kleinere Tiere, wie etwa Wallabys und Beuteldachse, erlegt zu haben. Selbst Schafe seien demzufolge als Beute zu groß gewesen, der Vernichtungsfeldzug gegen den Beutelwolf als angeblichen Schafkiller war nach heutigen Fakten ungerechtfertigt. Auf alle Fälle war er kein allzu schneller, sondern ein ausdauernder Läufer. Manchmal richtete er sich auch känguruartig auf seine Hinterbeine auf, wobei der Schwanz als Stütze diente. Er lebte vorwiegend allein, manchmal jagte er aber auch in Paaren oder kleinen Gruppen. Zu den bekannten Lauten zählten ein dumpfes Bellen während der Jagd, ein Knurren, wenn er verärgert war, und ein Jaulen, das vermutlich der Kommunikation mit Artgenossen diente.

Generell wurden Beutelwölfe als eher scheue und im Vergleich zum Beutelteufel als eher wenig aggressive Tiere beschrieben. Es existieren sehr wenige Berichte über Angriffe auf Menschen, auch Tiere in Gefangenschaft sollen sich sehr zahm benommen haben.

Nahrung[Bearbeiten]

Illustration aus Cassell’s Natural History (1854) - Beutelwolf attackiert Schnabeltier

Man vermutet, dass Beutelwölfe vorwiegend von Säugetieren wie Australischen Nasenbeutlern,[1][2] Possums,[1][2] Wallabys und anderen kleinen Kängurus lebten, daneben nahmen sie auch andere Säugetiere (darunter Wildkaninchen und eventuell auch Ameisenigel) und Vögel zu sich. In welchem Ausmaß er nach Ankunft der Europäer Schafe und andere Weidetiere jagte, ist umstritten, da viele dem Beutelwolf zugeschriebene Risse von Schafen tatsächlich auf verwilderte Hunde zurückgingen. Zudem nehmen Forscher der Universität von New South Wales, die eine Simulation mit einem 3D-Modell vom Kiefer des Beutelwolfs durchführten, an, dass dieser zu schwach war, um Schafe zu reißen.[2]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Weibliche Beutelwölfe hatten einen nach hinten geöffneten Beutel, der vier Zitzen enthielt. Die meisten Jungtiere kamen im Sommer (Dezember bis März) zur Welt, die Wurfgröße betrug zwei bis vier Junge. Nach drei Monaten verließen die Jungtiere den Beutel, blieben aber bei der Mutter, bis sie knapp ein Jahr alt waren. Die Lebenserwartung wird auf maximal zwölf bis vierzehn Jahre geschätzt.

Beutelwolf und Mensch[Bearbeiten]

Zeichnung eines Beutelwolfes an der Ubirr Felsformation.

Zeit vor den Europäern[Bearbeiten]

Als die ersten Menschen den australischen Kontinent besiedelten, waren Beutelwölfe in weiten Teilen Australiens und Neuguineas verbreitet, wovon auch Felszeichnungen der Aborigines Zeugnis ablegen. Aus unbekannten Gründen starben Beutelwölfe jedoch auf Neuguinea und dem australischen Festland aus, die jüngsten Fossilfunde vom Festland (aus dem Northern Territory) datieren auf 3000 v. Chr. Oft wird vermutet, dass der Dingo, der zeitgleich durch den Menschen in Australien eingeführt wurde,[3] den Beutelwolf durch Erhöhung des Konkurrenzdrucks verdrängt habe. Gestützt wird diese These durch die Tatsache, dass der Beutelwolf auf Tasmanien, wo Dingos nie auftauchten, bis ins 20. Jahrhundert überlebte.

Eine weitere Theorie zieht in Betracht, dass das Aussterben durch eine Zunahme der menschlichen Bevölkerung verursacht wurde. Es gibt Hinweise auf dramatische Veränderungen der menschlichen Population in vielen Gebieten Australiens, welche aber nie Tasmanien erreichten. Diese Veränderungen beinhalteten eine Vielfalt an Neuerungen von Jagdwerkzeugen, Populationsanstieg und Sesshaftwerdung in mehreren Gebieten, eine Intensivierung der Nutzung von Ressourcen und einer Besiedlung neuer Gebiete bis in die Wüsten hinein. So zeigen Funde, dass vor ca. 3000 Jahren praktisch alle Hauptgebiete des australischen Kontinents von Menschen genutzt wurden. Einerseits könnte das Aussterben durch direkten Jagddruck bewirkt worden sein (Felszeichnungen aus Nordaustralien zeigen, wie Beutelwölfe als Beute weggetragen wurden). Dieser Ansatz wird durch Grabfunde mit Schmuck aus Beutelwolfzähnen sowie der Tatsache unterstützt, dass Ureinwohner Tasmaniens Beutelwölfe gejagt und gegessen hatten. Andererseits könnte es zur Verringerung vieler Beutearten und somit zur Verdrängung des Beutelwolfs gekommen sein. Ein Beispiel sei mit dem Pfuhlhuhn ganannt: Da das Verbreitungsgebiet des Pfuhlhuhns womöglich schon vor der Ankunft der Dingos auf dem australischen Kontinent stark geschrumpft war, könnte die Intensivierung der Jagd zusätzlich zum Aussterben des Beutelwolfs geführt haben. Folglich könnte damit erklärt werden, weshalb der Tasmanische Teufel auf dem Festland soviel länger als der Beutelwolf überleben konnte, da dieser aufgrund seiner geringeren Größe weniger große Beute gebraucht hätte und daher wesentlich weniger anfällig auf den erhöhten Konkurrenzdruck gewesen wäre.

Die Intensivierung, die Ankunft des Dingos und das Aussterben des Beutelwolfs fallen ebenso mit einer Klimaveränderung hin zu kurzzeitig trockenerem Klima zusammen. Eine Klimaveränderung wird aber nicht als Hauptgrund für das Aussterben angesehen, da die Trockenheit verhältnismäßig mild war und Tasmanien ebenso beeinflusste. Es ist aber auch möglich, dass diese Veränderung die Auswirkungen der Intensivierung und des Dingos noch beschleunigte. Wahrscheinlich ist auch, dass die Auswirkungen der Intensivierung und des Dingos miteinander verbunden waren und der Dingo einer der Gründe für die Intensivierung war (neue Jagdwerkzeuge tauchten bereits vorher auf). Inwieweit das aber zusammenhängt, ist nicht klar, da man nicht weiß, wie schnell die Dingos wilde Populationen gebildet hatten bzw. wie stark sie an die Ureinwohner gebunden waren.[4]

Wann dieses Aussterben letztlich wirklich stattfand, ist umstritten; es gibt Behauptungen, wonach eine kleine Population im nördlichen Australien bis nach der Ankunft der Europäer überlebt haben könnte. Gelegentlich gibt es Behauptungen über Sichtungen auf dem Festland, dafür gibt es jedoch keine Belege.

Ausrottung[Bearbeiten]

Bestandsrückgang des Beutelwolfs, dokumentiert anhand der getöteten und gefangenen Tiere.

In Tasmanien, wo es nie Dingos gab, war die Art jedoch noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts weit verbreitet und häufig. Nach Einführung von Schafen auf der Insel bekam der Beutelwolf den Ruf eines blutrünstigen Jägers, obwohl in Wirklichkeit die meisten Schafe von verwilderten Haushunden getötet wurden. 1830 setzte die Regierung ein Kopfgeld von einem Pfund auf jeden erlegten Beutelwolf aus.[2] In den 1860er-Jahren war die Art auf die unzugänglicheren Bergregionen im Südwesten der Insel beschränkt, die Jagd mit Fallen und Hunden ging jedoch unvermindert weiter. Um das Jahr 1910 galt die Art als selten. Zoos auf der ganzen Welt machten sich auf die Suche nach diesen Tieren.

Obwohl die Art in verschiedenen Tiergärten gehalten wurden, kam es in ihrer Haltungsgeschichte nur zu einem einzigen Wurf in Gefangenschaft; dieser fiel 1899 im Zoo von Melbourne.[5] Die letzte bekannte Tötung eines Tieres in der Natur war im Jahr 1930; das bis heute letzte bekannte Exemplar – ein Weibchen namens Benjamin,[6][7] das zeitlebens für ein Männchen gehalten wurde – starb in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1936 im inzwischen geschlossenen Beaumaris Zoo von Hobart in Tasmanien. Es war am 19. Februar 1924 mit einem weiteren Beutelwolf, der bereits am 14. April 1930 starb, in den Zoo gekommen. Benjamin, der mit 12 Jahren und 4 Monaten am längsten in menschlicher Obhut lebende Beutelwolf, wurde nach seinem Tod präpariert und befindet sich heute in der Art Gallery des Museums in Hobart.

Es gibt auch Vermutungen, dass das Aussterben des Beutelwolfs durch eine Krankheit gefördert wurde. Hinweise darauf sind ein plötzlicher Rückgang der geschossenen Tiere um 1906, ein zeitgleiches Aussterben über Tasmanien verteilt und Augenzeugen, die von einer der Hundestaupe ähnlichen Erkrankung sprachen. Wie bei den anderen Vermutungen bleibt der Beweis für eine Epizootie als Ursache des Aussterbens auch hier aus; neuere Modelluntersuchungen kommen zum Schluss, dass ein derartiges Ereignis für sich alleine wohl nicht für das Aussterben verantwortlich gewesen sein kann.[8] DNA-Untersuchungen an Museumspräparaten lieferten Hinweise darauf, dass die auf Tasmanien lebende Population stark ingezüchtet war, so dass auch der Mangel an genetischer Diversität mit zum Aussterben beigetragen haben könnte.[9]

Beutelwölfe in Zoos[Bearbeiten]

Beutelwölfe besaßen keinen hohen Schauwert beim Publikum, lediglich während der Fütterung, Paarung, Jungtieren oder bei seltsamem Verhalten wie dem Wutgähnen, das meist leider nicht als Drohgebärde verstanden wurde, erhielten sie Aufmerksamkeit. Zwischen 1850 und 1936 lebten nachweislich 68 Beutelwölfe in Zoos, 18 von ihnen wurden während dieser Zeit in andere Zoos exportiert.

Bestätigte Haltungen (1)
Ort Zeitraum Exemplare
London 1850–1931
20
Hobart/Beaumaris 1910–1936
ca. 16
Melbourne 1864–1931
ca. 15
Adelaide 1886–1903
ca. 8
Washington 1902–1909
5
Bestätigte Haltungen (2)
Ort Zeitraum Exemplare
Berlin 1864–1908
4
Sydney 1885–1924
2
Köln 1903–1910
2
Paris 1886–1891
2
Antwerpen 1912–1914
1
Unbestätigte Haltungen
Ort Zeitraum Exemplare
Hobart/Wilmot 1843–1846
3
Launceston 1879–1900
3

Schutzmaßnahmen[Bearbeiten]

Die Schutzmaßnahmen, die zum Erhalt der Art ergriffen wurden, kamen zu spät. 1936 wurden Beutelwölfe gesetzlich geschützt, kurz bevor der letzte Beutelwolf in Gefangenschaft starb. Mehrere Expeditionen in den nachfolgenden Jahrzehnten fanden keine Anhaltspunkte mehr, die auf ein Überleben der Art hindeuten könnten. 1966 errichtete die tasmanische Regierung ein 647.000 Hektar großes Schutzgebiet im Südwesten der Insel für den Fall, dass sich manche Tiere noch in Rückzugsgebieten halten konnten.

Gegenwärtiger Stand[Bearbeiten]

Präparierter Beutelwolf im Natural History Museum at Tring (England)

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist der Beutelwolf ausgestorben. Dennoch wird immer wieder von Sichtungen lebender Tiere aus Tasmanien berichtet, eindeutige Fotografien oder Videoaufzeichnungen davon existieren jedoch nicht. Zuletzt sorgte eine angebliche Sichtung durch einen deutschen Touristen im Februar 2005 für Aufsehen.

Im Jahr 2000 begannen Wissenschaftler mit der Erforschung der DNA des Tieres, auch um die ausgestorbene Art vielleicht erneut züchten zu können.[10] Fünf Jahre später gaben sie den Versuch auf: Das vorliegende Genmaterial sei zu sehr zerstört, um es zu rekonstruieren. Die Forscher hatten unter anderem mit der DNA eines Fötus experimentiert, der 1886 in Alkohol eingelegt worden war. Bereits drei Monate später teilte Mike Archer von der University of New South Wales allerdings mit, dass das Projekt von einer anderen Gruppe weitergeführt wird.[11]

Am 22. März 2005 setzte die australische Zeitschrift The Bulletin eine Belohnung von umgerechnet 750.000 Euro für den Beweis eines lebenden und unverletzten Tieres aus. Über die Anerkennung würden Experten und schließlich auch ein DNA-Test entscheiden.

Im Jahr 2007 wollten australische Zoologen vom Australian Centre for Ancient DNA der University of Adelaide mit der DNA-Analyse von Kotproben beginnen, die während der 1950er- und 60er-Jahre gesammelt wurden und vom Beutelwolf stammen könnten. Das könnte helfen, die Frage zu klären, ob der Beutelwolf in freier Wildbahn möglicherweise erheblich länger überlebt hat als bisher angenommen.

2008 gelang es Forschern der University of Melbourne und der University of Texas, das aus in Ethanol konserviertem Gewebe isolierte Gen Col2A1 enhancer des Beutelwolfs in eine transgene Maus einzuschleusen, wo es in den Knorpelzellen der Maus die Funktion des orthologen Mausgens erfüllen konnte.[12][13] 2009 sequenzierte eine andere Gruppe aus Proben von zwei Museumsexponaten das mitochondriale Genom des Beutelwolfs.[14] Zurzeit wird an der Pennsylvania State University an der vollständigen Sequenzierung des Beutelwolf-Genoms gearbeitet.[15]

Systematik[Bearbeiten]

Der Beutelwolf war der einzige lebende Vertreter der Familie der Beutelwölfe (Thylacinidae), die zur Ordnung der Raubbeutlerartigen (Dasyuromorphia) gerechnet wird. Die Familie selbst ist seit dem Oligozän belegt und mit zahlreichen ausgestorbenen Gattungen bekannt. Es folgt eine kurze Auswahl von Arten:

  • Badjcinus turnbulli aus dem unteren Oligozän dürfte in Gestalt und Lebensweise den heutigen Beutelmardern entsprochen haben. Er war rund 25 Zentimeter lang.
  • Nimbacinus dicksoni lebte im unteren Oligozän und dem Miozän und erreichte eine Kopfrumpflänge von rund 50 Zentimetern. Fossile Überreste wurden in Riversleigh (Queensland) und im Nordterritorium gefunden.
  • Thylacinus potens lebte vor rund acht Millionen Jahren im späten Miozän. Mit 150 Zentimetern Länge und 40 Kilogramm Gewicht war die Art etwas größer als der spätere Beutelwolf und unterschied sich auch durch den kürzeren, breiteren Kopf.

Präparierte Beutelwölfe in Museen[Bearbeiten]

Präparat im Naturhistorischen Museum in Wien

Die meisten Präparate befinden sich wegen ihres schlechten Erhaltungszustands oder der wenig lebensnahen Ausführung lediglich in Magazinen. Exemplare, die gut erhalten sind, haben heute einen hohen Schauwert bei den Besuchern.

Zu besichtigen gibt es Beutelwolfpräparate in:

Weitere Präparate werden in Frankreich, Italien, England, Russland, Australien und den USA ausgestellt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der 2008 veröffentlichte australische Horrorthriller Dying Breed greift den Mythos des ausgestorben geglaubten Beutelwolfs auf. Die Zoologin Nina ist überzeugt, dass in den unberührten Wäldern Tasmaniens noch Tasmanische Tiger leben. Mit einem Foto ihrer Schwester, welche den Pfotenabdruck eines Tasmanischen Tigers festgehalten hat und anschließend tot in einem Fluss in Tasmanien aufgefunden wurde, macht sie sich mit ihrem Freund Matt und mit dem Paar Jack und Rebecca auf die Suche nach der ausgestorben geglaubten Beuteltierart und nach einer Erklärung für den Tod ihrer Schwester. Dass ihre Reise nicht ungefährlich ist und von blutrünstigen einheimischen Kannibalen begleitet wird, wissen die vier jungen Abenteurer zu Beginn ihrer Reise jedoch noch nicht.[16]

Im australischen Filmdrama The Hunter von 2011, der auf dem gleichnamigen Roman von Julia Leigh (Sleeping Beauty) basiert, jagt Willem Dafoe in der Hauptrolle den letzten lebenden Tasmanischen Tiger in den Wäldern Tasmaniens.[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Moeller: Der Beutelwolf. Thylacinus cynocephalus. Westarp-Wissenschaften, Magdeburg 1997, ISBN 3-89432-869-X (Die Neue Brehm-Bücherei, Bd. 642).
  •  Ronald M. Nowak: Walker’s mammals of the world. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9, LCCN 98-23686.
  • Ronald Strahan: Mammals of Australia. Smithsonian Books, Washington (DC) 1996, ISBN 1-56098-673-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beutelwolf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Selina Bryan: Tasmanian tiger was no sheep killer.
  2. a b c d Selina Bryan: Tassie tiger not so menacing after all.
  3. Peter Savolainen, Thomas Leitner, Alan N. Wilton, Elizabeth Matisoo-Smith, Joakim Lundeberg: A detailed picture of the origin of the Australian dingo, obtained from the study of mitochondrial DNA. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 101, Nr. 33, 2004, S. 12387–12390.
  4. C. N. Johnson, S. Wroe: Causes of extinction of vertebrates during the Holocene of mainland Australia: arrival of the dingo, or human impact? In: The Holocene. Bd. 13, Nr. 6, 2003, S. 941–948 (Zusammenfassung)
  5.  Robert Paddle: The Last Tasmanian Tiger: The History and Extinction of the Thylacine. Cambridge University Press, 2002, ISBN 0-521-53154-3, S. 231.
  6. http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=8651997&aref=image015/SP1997/005/SP199700501680168.pdf&thumb=false
  7. http://www.zoonews.co.uk/IZN/284/IZN-284.html
  8. T. A. Prowse, C. N. Johnson, R. C. Lacy, C. J. Bradshaw, J. P. Pollak, M. J. Watts, B. W. Brook: No need for disease: testing extinction hypotheses for the thylacine using multi-species metamodels. In: The Journal of animal ecology. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Januar 2013, ISSN 1365-2656. doi:10.1111/1365-2656.12029. PMID 23347431.
  9. B. R. Menzies, M. B. Renfree, T. Heider, F. Mayer, T. B. Hildebrandt, A. J. Pask: Limited genetic diversity preceded extinction of the Tasmanian tiger. In: PloS one. Band 7, Nummer 4, 2012, S. e35433, ISSN 1932-6203. doi:10.1371/journal.pone.0035433. PMID 22530022. PMC 3329426 (freier Volltext).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatForscher: Geklonter Tasmanischer Tiger noch in weiter Ferne. In: Vista Verde News. Vista Verde News, 6. Juni 2002, abgerufen am 20. April 2008 (deutsch).
  11. Researchers revive plan to clone tassie tiger. Sydney Morning Herald, abgerufen am 25. März 2013
  12. Pask, A. J., R. R. Behringer & M. B. Renfree: Resurrection of DNA function in vivo from an extinct genome. In: PLoS ONE. 3, Nr. 5, 2008, S. e2240. doi:10.1371/journal.pone.0002240. PMID 18493600. PMC: 2375112 (freier Volltext).
  13. Tasmanian tiger gene lives again Nature News, 20. Mai 2008
  14. Miller W, Drautz DI, Janecka JE, et al.: The mitochondrial genome sequence of the Tasmanian tiger (Thylacinus cynocephalus). In: Genome Res.. 19, Nr. 2, Februar 2009, S. 213–20. doi:10.1101/gr.082628.108. PMID 19139089. PMC: 2652203 (freier Volltext).
  15. Tasmanian Tiger Sequencing Project auf der Webseite der Pennsylvania State University, abgerufen am 25. März 2013
  16. Dying Breed. Abgerufen am 12. Juli 2014.
  17. The Hunter. Abgerufen am 2. Juli 2012.