Bewegung zur Vereinigung von Rumänien und Moldawien

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Die hypothetische Karte von Rumänien nach einer Vereinigung mit Moldawien

Die Bewegung zur Vereinigung von Rumänien und Moldawien entstand in der Phase der Perestroika, als die lokalen Eliten, maßgeblich die moldauische Nationalbewegung, in Chișinău zunehmend politische Freiheiten erlangten. Die Unabhängigkeitsbewegung in der Republik Moldau war von Anfang an gespalten, in diejenigen, die Moldawien als eigenen Staat sahen und diejenigen, die eine Vereinigung mit Rumänien forderten. Nach der staatlichen Unabhängigkeit infolge der Auflösung der Sowjetunion gewann die Bewegung zur Vereinigung von Rumänien und Moldawien an Zulauf, konnte sich jedoch nicht gegenüber den Bestrebungen zur Eigenstaatlichkeit (Moldovenismus) der moldauischen Elite durchsetzen und verlor gegen Ende der 1990er Jahre an Bedeutung.[1]

Ursprung[Bearbeiten]

Das Fürstentum Moldau umfasste ursprünglich sowohl Gebiete, die heute zu Rumänien (West-Moldau) als auch zu Moldawien (Bessarabien/Ost-Moldau) gehören. Im Jahr 1812 (Friede von Bukarest) wurde Bessarabien durch das Osmanische Reich an Russland übertragen. Bei der Vereinigung der rumänischen Fürstentümer Moldau und Walachei 1859 blieb der östliche Teil Moldaus daher ausgeschlossen. Bessarabien wurde 1918 von Rumänien während des Ersten Weltkriegs besetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Rumänien Bessarabien an die Sowjetunion abtreten (erstmals 1940; endgültig ab 1944; formal ab 1947 in der Pariser Friedenskonferenz). 1991 wurde das Gebiet als Moldawien (Republik Moldau) ein unabhängiger Staat.

Nach dem Ende der UdSSR[Bearbeiten]

Die Moldauer sprechen die rumänische Sprache und gehören kulturell zur rumänischen Ethnie. Sie stellen die absolute Mehrheit der Landesbevölkerung. In den Städten und im Landesteil Transnistrien haben sie zwar die relative Mehrheit (40% in 1989) inne, bei der restlichen Bevölkerung bilden aber Russen und Ukrainer den weit überwiegenden Anteil. Dieses Territorium liegt östlich des Flusses Dnister, der bis 1812 die östliche Grenze des Fürstentums Moldau bildete, und stand zwischen 1941 und 1944 unter rumänischer Verwaltung, als Teil des Gouvernements Transnistrien.

Am 6. Mai 1990 wurden an beiden Ufern des Flusses Pruth, der die Grenze zwischen Rumänien und der Moldauischen Sowjetrepublik darstellte, Großdemonstrationen organisiert, an denen Hunderttausende Demonstranten aus beiden Staaten teilgenommen haben. Diese Demonstrationen sind in der Geschichte unter dem Namen "Podul de Flori" (übersetzt: "Die Blumenbrücke") eingegangen. Die Grenze, die während der sowjetischen Herrschaft jahrzehntenlang fast ausschließlich nur für den Güterverkehr geöffnet war, da man beiderseits die menschlichen Kontakte gezielt unterbrochen hatte, wurde an acht Grenzübergängen geöffnet (Miorcani-Pererita, Stânca-Costești, Sculeni-Sculeni, Ungheni-Ungheni, Albița-Leușeni, Fălciu-Stoianovca, Oancea-Cahul and Galați-Giurgiulești). Getrennte Familien konnten nach einer jahrzehntelangen Trennung wieder zusammenfinden und es entstand eine Stimmung, die an den Berliner Mauerfall erinnerte. Eine ähnliche Demonstration wurde auch am 16. Juni 1991 organisiert.

Nachdem sich die Sowjetunion 1991 auflöste, kam von der Moldauischen Volksfront die Forderung auf, dass sich Rumänien und Moldawien nach deutschem Vorbild vereinigen sollten. In Moldawien wird dies heute vor allem von den Liberalen und Christlich-Demokratischen Parteien unterstützt, während die Kommunistische Partei sich offen dagegen ausspricht.

Die Angst vor einer möglichen Vereinigung Moldawiens und Rumäniens war ein Grund für die Abspaltung der separatistischen Region Transnistrien von der Republik Moldau. Die dort lebenden Russen und Ukrainer lehnten eine solche Vereinigung ab und fürchteten, in einem Großrumänien marginalisiert zu sein und ihre Interessen nicht mehr wirksam vertreten zu können.

Entwicklung seit 2000[Bearbeiten]

Demonstration der PPCD - „Rumänisches Volk - Rumänische Sprache“ in Chișinău/Moldau (Februar 2002)

Ende 2005 schlug der rumänische Präsident Traian Băsescu dem moldauischen Amtskollegen Vladimir Voronin eine solche Vereinigung vor,[2] die von der moldauischen Seite jedoch abgelehnt wurde. Bei einer Umfrage im November 2006 in Moldawien hatten 48 % der Befragten den Wunsch ausgedrückt, rumänische Staatsangehörige zu werden, während 46 % dagegen waren und weitere 5 % unentschieden.[3] Bei einer Umfrage aus dem März 2006 in Rumänien hatten 51 % der Befragten den Wunsch für eine Vereinigung ausgedrückt, während 27 % sich für die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustands aussprachen.[4]

Nach den moldawischen Parlamentswahlen im April 2009 flammte die Debatte über eine mögliche Vereinigung beider Staaten erneut auf. Die regierenden Kommunisten warfen der Opposition vor, von Rumänien bezahlt zu sein und die Eigenstaatlichkeit Moldawiens aufgeben zu wollen. Angesichts der anhaltend schlechten Wirtschaftslage in Moldawien, verstärkt durch die Weltwirtschaftskrise, wuchs in der moldawischen Bevölkerung der Wunsch nach Annäherung an die Europäische Union und deren Mitgliedsstaat Rumänien. Bei den Protesten gegen die vermuteten Wahlfälschungen waren zahlreiche rumänische Flaggen zu sehen.

Karten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lenore A Grenoble: Language Policy in the Soviet Union. Springer, 2003, ISBN 1-4020-1298-5.
  • Peter Cross John Mackinlay: Regional Peacekeepers. United Nations University Press, 2003, ISBN 92-808-1079-0.
  • Stefan Troebst: Der Transnistrienkonflikt und seine Bearbeitung durch die OSZE. In: Afrikanische Perspektiven - Theorie und Praxis ziviler Konfliktbearbeitung in Osteuropa. Rüegger Verlag, Zürich 1998, ISBN 3-7253-0604-4, S. 347-382.
  • Kilian Graf: Der Transnistrien-Konflikt: Produkt spätsowjetischer Verteilungskämpfe und Zerfallskonflikt der implodierten Sowjetunion. Disserta-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-942109-30-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Ihrig: Rediscovering History, Rediscovering Ultimate Truth History, Textbooks, Identity and Politics in Moldova (PDF; 277 kB)
  2. George Damian: President proposed unification with Basarabia. ZIUA, 3. Juli 2006.
  3. Unul din doi moldoveni vrea cetatenie romana. BBC, 11. Dezember 2006.
  4. Romanians want Basarabia to unify with Romania. ZIUA, 3. April 2006.