Beyoğlu

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis

Beyoğlu
Wappen von Beyoğlu Karte der Türkei, Position von Beyoğlu hervorgehoben
Taksim Square.jpg
Basisdaten
Provinz (il): İstanbul
Koordinaten: 41° 2′ N, 28° 59′ O41.03694444444428.9775Koordinaten: 41° 2′ 13″ N, 28° 58′ 39″ O
Telefonvorwahl: (+90) 212 (europäischer Teil)
(+90) 216 (asiatischer Teil)
Postleitzahl: 34 xxx
Kfz-Kennzeichen: 34
Struktur und Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Ahmet Misbah Demircan (AKP)
Webpräsenz:
Landkreis Beyoğlu
Einwohner: 246.152[1] (2012)
Fläche: 8,96 km²
Bevölkerungsdichte: 27.472 Einwohner je km²
Kaymakam: Hasan Şenses
Webpräsenz (Kaymakam):

Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/EinwohnerOrtFehlt

Beyoğlu ist die Hauptstadt des gleichnamigen Kreises der türkischen Provinz İstanbul sowie ein Stadtteil auf der europäischen Seite von İstanbul. Beyoğlu hatte laut dem türkischen statistischen Institut Ende Dezember 2012 246.152 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Karte von Pera im 16. Jahrhundert

Das Gebiet des heutigen Stadtteils Beyoğlu am nördlichen Ufer des Goldenen Horns wurde seit Jahrtausenden bewohnt.

Beyoğlu wurde zunächst unter seinem griechischen Namen Pera bekannt. Es war bereits im 5. Jahrhundert ein Vorort von Byzanz. Das griechische Wort Pera bedeutet gegenüber (von Konstantinopel). Im 13. Jahrhundert wurde dort eine genuesische Handelskolonie gegründet. Im 14. Jahrhundert wurde der Stadtteil umfriedet. Als letzte Spur des Festungswalls ist der Galataturm erhalten. Galata (türkisch: Karaköy) ist jener Teil Peras, der sich vom Ufer des Goldenen Horns und des Bosporus bis zu der Anhöhe erstreckt, auf welcher sich der Turm erhebt. Der Name Galata ist möglicherweise vom griechischen Wort Gálaktos abgeleitet, das so viel wie „aus der Milch“ bedeutet. Die Italiener, die auf der dem alten Konstantinopel gegenüber liegenden Seite des Goldenen Horns ihr Territorium hatten, glaubten, dass sich der Name aus Calata, zu deutsch: „die Abdachung“, herleite. Dies entspräche der Topographie, da die Festung der Kolonie der Genueser auf einer Anhöhe lag, die nach unten zum Meer abfällt.

Pera wurde ein wichtiger Knotenpunkt der europäischen – vor allem genuesischen und venezianischen – Händler. Nach dem vierten Kreuzzug 1204, der unter dem Einfluss des venezianischen Dogen Enrico Dandolo durchgeführt wurde, und während des lateinischen Kaiserreichs von Konstantinopel (1204–1261) nahm die Zahl der Venezianer in Pera stark zu. Die Dominikanerkirche St. Paul (1233), heute bekannt als Arap Camii (Arabische Moschee), stammt aus dieser Zeit. Nach Rückeroberung Konstantinopels durch die Byzantiner 1273 wurde Pera vom byzantinischen Kaiser Michael VIII. der Republik Genua überlassen. Es entwickelte sich unter einem genuesischen Podestà zu einer blühenden Handelskolonie. Der Genueser-Palast (ital. Palazzo del Comune) wurde 1316 von Montano de Marinis, dem Podestà von Pera, erbaut. Seine Überreste stehen heute noch zusammen mit jenen angrenzender genuesischer Gebäuden von 1300 in der Bankalar Caddesi in Galata. 1348 bauten die Genueser den berühmten Galataturm, eines der bekanntesten Wahrzeichen Istanbuls. Pera blieb bis zur Belagerung und Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 unter Kontrolle der genuesischen Kolonie.

Während der byzantinischen Periode waren die Genueser unter ihrem Podestà traditionelle Verbündete der Byzantiner. Bei der osmanischen Belagerung Konstantinopels verteidigten sie gemeinsam mit den Byzantinern die Stadt. Der osmanische Sultan Mehmed II. erlaubte den Genuesern, die in die Ägäis zu ihren Kolonien Lesbos und Chios geflohen waren, wieder zurück nach Konstantinopel zu kommen. In der Folgezeit wurde Pera das Wohnviertel der europäischen Kaufleute und Diplomaten. Die Republik Venedig ging mit dem Osmanischen Reich politische und wirtschaftliche Beziehungen ein; ein venezianischer Bailo wurde Peras politischer und wirtschaftlicher Botschafter und übernahm so die Rolle der genuesischen Podestà während der byzantinischen Periode. Die Venezianer schickten Gentile Bellini nach Konstantinopel, der das berühmte Porträt von Sultan Mehmed II. schuf, welches sich heute in der National Portrait Gallery in London befindet. Den Venezianern wurde von Sultan Bayezid II. vorgeschlagen, Leonardo da Vinci Skizzen und Zeichnungen für einen Brückenbau über das Goldene Horn anfertigen zu lassen, die Leonardo 1502 mit der Galatabrücke verwirklichte. Die Skizzen und Zeichnungen befinden sich heute im Nationalmuseum der Wissenschaft und Technik (ital. Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia) in Mailand. Der Bailo-Sitz des venezianischen Palastes beherbergte bis 1923 die italienische Botschaft und heute das italienische Konsulat. Der türkische Name Beyoğlu leitet sich vom Palast des Bailo ab, der ein markantes Bauwerk des Viertels darstellte. Der Name Bey Oğlu bedeutet Sohn des Herrn. Der türkische Ausdruck Venedik Beyleri, die Herren von Venedig (das venezianische Patriziat), war der diplomatische Terminus für die Republik Venedig. Mit beyoğlu war Luigi Giritti gemeint, der während der Regierungszeit von Sultan Süleyman I. der venezianische Bailo in Pera war. Luigis Wohngebäude befand sich in der Nähe des heutigen Taksim-Platzes. Auch wenn das Osmanische Reich und die Republik Venedig schon öfters Kriege und Schlachten geführt hatten, pflegten sie intensive Beziehungen zueinander. Die Venezianer waren schon vor der Schlacht vor Wien 1683 die ersten Europäer, die den Geschmack osmanischer Köstlichkeiten wie Kaffee probierten. Dies kann als Beginn der heutigen reichen Kaffeekultur in Venedig und später im gesamten Italien angesehen werden.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Beyoğlu gliedert sich in 45 Stadtteile (Mahalle), darunter auch die berühmten Viertel Cihangir, Karaköy (das vormalige Galata), Kasımpaşa und Taksim, das mit dem Taksim-Platz fast identisch ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Beyoğlu ist das Zentrum des westlich geprägten Istanbul, was sich auch in den zahlreichen Gebäuden aus der Wende zum 20. Jahrhundert zeigt, die im Jugendstil oder dem des Historismus errichtet wurden, nachdem 1870 die meisten der bis dahin vorherrschenden Holzhäuser durch einen Großbrand vernichtet worden waren. Vom höchsten Punkt, dem Taksim-Platz im gleichnamigen Viertel Taksim, führt ein moderner Einkaufsboulevard mit Kaufhäusern und internationalen Geschäften, die İstiklâl Caddesi, zum Tünel-Platz hinunter. Sie ist seit Anfang der 1990er Jahre für den Straßenverkehr gesperrt, wird aber seitdem wieder von einer historischen Straßenbahn befahren. In den Straßen um die İstiklâl Caddesi herum gibt es zahllose Fachgeschäfte, Restaurants, Imbisse, christliche Kirchen, wie die Krim-Gedenkkirche, und einen Basar. Im traditionsreichen Pera Palace Hotel stiegen Agatha Christie, Greta Garbo, Mata Hari, Sarah Bernhardt und Mustafa Kemal Atatürk ab. Auf halber Strecke zwischen Tünel- und Taksim-Platz befindet sich der Galatasaray-Platz mit der Istanbuler Eliteschule, dem Galatasaray-Gymnasium. In unmittelbarer Nähe befinden sich das britische Konsulat und das Goethe-Institut. In einer Seitenstraße, die vom Tünel-Platz abgeht, findet man die Deutsche Schule Istanbul (Alman Lisesi).

In Beyoğlu lebten seit Beginn der genuesischen Handelskolonie traditionell die Europäer Istanbuls, ein beliebtes Wohnquartier für Europäer ist der Doğan-Apartmanı-Komplex, in dem bereits vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche europäische Führungskräfte in Wirtschaft und Medien lebten. Das Viertel ist – neben Ortaköy – auch Zentrum des Nachtlebens mit Kneipen, Bars, Clubs und Diskotheken. Es gibt dort zu Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Geschäftspassagen, z. B. die Markiz-Passage. Östlich der İstiklâl Caddesi befindet sich in einem ehemaligen Wohnhaus in der Dalgıç Çıkmazı Orhan Pamuks „Museum der Unschuld“, eine fiktive Dokumentation des Lebens der Protagonisten des gleichnamigen Romans anhand von Alltagsgegenständen.

Das größte Gotteshaus der Juden in der Türkei, die Neve-Schalom-Synagoge sowie das einzige jüdische Museum (türk. Türk Musevileri Müzesi) des Landes befinden sich in Beyoğlu. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Synagoge am 25. März 1951 fertiggestellt und ihrer Bestimmung übergeben. Das Museum für Kunst der Gegenwart, Istanbul Modern, befindet sich ebenso in Beyoğlu im Viertel Karaköy.

Sport[Bearbeiten]

Der 19-fache türkische Meister, UEFA-Pokal- und Supercup-Sieger, Galatasaray Istanbul kommt aus Beyoğlu aus dem namensgebenden Viertel Galata. Jedoch befand sich die Heimstätte des Fußball-Traditionsclubs Aslanlar („Die Löwen“), das Ali-Sami-Yen-Stadion, bis Januar 2011 im benachbarten Stadtteil Şişli im Viertel Mecidiyeköy. Die neue Heimstätte, die im Januar 2011 eröffnete "Türk Telekom-Arena", liegt im noch weiter vom Stadtzentrum entfernten Maslak.

Der Fußballclub Kasımpaşa Istanbul ist in Beyoğlu im gleichnamigen Viertel Kasımpaşa beheimatet. Die Heimstätte des Vereins, das Recep-Tayyip-Erdoğan-Stadion, liegt ebenfalls in Kasımpaşa. Die Arena wurde nach dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan benannt, der seine Jugend in Kasımpaşa verbrachte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Zug der Standseilbahn Füniküler Kabataş–Taksim in der Bergstation Taksim

Vom Tünel-Platz führt eine der ältesten U-Bahnen der Welt hinunter zur Galatabrücke, die in die Altstadt führt. Die Tünel genannte Standseilbahn wurde 1875 eröffnet und überwindet mit zwei durch ein Stahlseil verbundenen Wagen einen Höhenunterschied von 62 m. Anfangs wurde die Bahn mithilfe einer Dampfmaschine, deren Schornstein man noch gegenüber der "Bergstation" sieht, betrieben, heute – einem Sessellift vergleichbar – elektrisch über das Rad in der Bergstation, das von dem Stahlseil umwunden wird. Die Fahrt zwischen den beiden etwa 500 m voneinander entfernten Stationen dauert nur gut eine Minute. Außerdem verkehrt auf der Istiklâl Caddesi eine historische Straßenbahn, die vom Taksim-Platz bis zur Tünel-Station fährt. Viele Stadtbusse halten ebenso am Taksim-Platz.

Im Viertel Galata, das westlich des Tünel-Platzes liegt und bis in den alten Hafen am Goldenen Horn reicht, befinden sich in enger Folge meist Großhandels-Geschäfte für neue Werkzeuge, Eisenwaren, Musikinstrumente, Elektro- und Haushaltsgeräte, Baumaterial, Fischerei- und Anglerbedarf.

Nordwestlich der İstiklâl Caddesi, jenseits der verkehrsreichen Parallelstraße Tarlabaşı Bulvarı, befinden sich einige der ärmsten Viertel Istanbuls, Dolapdere, Kasımpaşa und Halıcıoğlu.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beyoğlu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Türkisches Institut für Statistik, abgerufen am 25. September 2013