Bezirk Spandau

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Wappen von Spandau

Spandau
Bezirk von Berlin

Lage des Bezirks Spandau in Berlin
Koordinaten 52° 32′ 0″ N, 13° 10′ 0″ O52.53333333333313.166666666667Koordinaten: 52° 32′ 0″ N, 13° 10′ 0″ O
Fläche 91,9 km²
Einwohner 223.646 (30. Nov. 2008)
Bevölkerungsdichte 2434 Einwohner/km²
Website BA Spandau
Bezirksschlüssel 05
Politik
Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU)
Sitzverteilung (BVV 2006)
CDU SPD Grüne Panther FDP Linke
23 20 4 3 4 1
Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
Hakenfelde Falkenhagener Feld Spandau Haselhorst Siemensstadt Staaken Wilhelmstadt Gatow Kladow
Ortsteile im Bezirk Spandau

Spandau ist der fünfte Verwaltungsbezirk von Berlin. Er wurde 1920 aus dem ehemaligen Stadtkreis Spandau und mehreren umliegenden Gemeinden und Gutsbezirken gebildet.

In der „Vier-Sektoren-Stadt“ Berlin von 1945 bis 1990 gehörte der Bezirk Spandau zum Britischen Sektor.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Spandau liegt zum größten Teil am westlichen Ufer der Havel an der Grenze zum Bundesland Brandenburg, Landkreis Oberhavel, Landkreis Havelland und der Stadt Potsdam.

[Bearbeiten] Ortsteile

05 Bezirk Spandau Statistische Gebiete
  • 0505 Gatow
    • Alt-Gatow
    • Siedlung Habichtswald
    • Hohengatow

[Bearbeiten] Geschichte

Der Bezirk Spandau ging aus der Besiedlung Spandaus hervor. Siehe Details zu dessen Geschichte unter Berlin-Spandau.

Geografische Situation im Brandenburger Raum um 1150
Die Stadt Spandau und die Zitadelle Spandau, Matthäus Merian, 1633
Katasterkarte Spandau Intra moenia innerhalb der Stadtmauer, 1728
Briefmarke der Deutschen Bundespost Berlin (1982): 750-Jahr-Feier der Stadt Spandau

Die Besiedlung des Gebietes lässt sich bis ins 6. Jahrhundert zurückverfolgen, als das Havelland von den Sprewanen und Hevellern (slawische Stämme) besiedelt wurde. Albrecht der Bär soll hier eine Burg errichtet haben, aus der die namensgebende Burganlage Spandow entstand, die im Jahr 1197 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Um diese Burg entwickelte sich die Stadt Spandow, die zum Zentrum des Gebietes wurde. Entgegen allgemein verbreiteter Ansicht wurde in der am 7. März 1232 von den Markgrafen Johann I. und Otto III. ausgestellten Urkunde Spandau nicht das Stadtrecht erteilt. Der Text der Urkunde – sofern die erhaltene deutsche Übersetzung authentisch ist, was teilweise angezweifelt wird – macht vielmehr deutlich, dass Spandau bereits Stadtrechte besaß und hier noch zusätzliche Rechte – vor allem der Bau einer Flutrinne, der Vorgängerin der Schleuse – gewährt wurden. Wann die Verleihung der Stadtrechte erfolgte, geht daraus nicht hervor. Da jedoch für das Alter von Städten die förmliche Verbriefung (das Urkundsprinzip) gilt, und in der genannten Urkunde Spandau zum ersten Male als Stadt erwähnt wird, ist es erst ab 1232 als Stadt anzusehen. Am 1. November 1539 trat Kurfürst Joachim II. in der Spandauer Nikolaikirche zum protestantischen Glauben über, wodurch die Mark Brandenburg ebenfalls protestantisch wurde.

Der Zustand der Stadt und Umgebung um 1728 wird in beeindruckender Weise in einem Katasterwerk für die befestigte Stadt Spandau dokumentiert, womit erstmals ein komplettes Liegenschaftskataster mit den beiden großmaßstäblichen Karten Spandau Intra moenia (1:1000) und Spandau extra moenia sowie entsprechenden Eigentümerverzeichnissen geschaffen wurde. Dieses liegt heute noch vor (Stadtarchiv Spandau, Vermessungsamt Spandau). Erarbeitet wurde dieses Werk von dem Landmesser Gustav Haestskau.

Die Schreibweise des Namens wurde im Jahr 1878 von Spandow in Spandau geändert. Am 1. April 1887 schied die Stadt aus dem Landkreis Osthavelland aus und wurde ein Stadtkreis.

Mit Bau der Berlin-Hamburger Bahn erhielt Spandau am Bahnhof Stresow im Jahr 1846 einen Eisenbahnanschluss, 1871 folgte die Berlin-Lehrter Eisenbahn. Der mit der Industrialisierung Spandaus stetig steigende Pendlerverkehr führte zwischen 1909 und 1911 zum Bau der Spandauer Vorortbahn, die 1928 als S-Bahn elektrifiziert wurde. Während des Ersten Weltkriegs wuchs vor allem die Rüstungsindustrie, sodass Spandau zum Ende des Krieges ein bedeutendes Rüstungszentrum des Deutschen Reichs geworden war. Ab 1897 siedelte das Elektrounternehmen Siemens & Halske Produktion und Verwaltung im Osten Spandaus auf den Nonnenwiesen an. Ein Novum war der mit dem Aufbau dieses Industriegebiets einhergehende Bau einer Wohnsiedlung durch Siemens. Dazu gehörte auch deren Infrastruktur: der Bahnhof Fürstenbrunn, die Straßenbahn an der Nonnendammallee und 1929 die S-Bahn zum neuen Ortsteil Siemensstadt.

Im Rahmen der Bildung von Groß-Berlin am 1. Oktober 1920 wurde aus den folgenden Gebietseinheiten der Bezirk Spandau, damals der achte Bezirk Berlins, gebildet:

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der Bezirk Spandau zum Britischen Sektor von Berlin und verlor West-Staaken an die Sowjetische Besatzungszone. Bis 1987 befand sich an der Wilhelmstraße das Kriegsverbrechergefängnis Spandau, in dem die Alliierten zuletzt nur noch den zu lebenslanger Haft verurteilten Rudolf Heß bewachten. Sofort nach dessen Tod wurde das Gefängnis abgerissen und ein Einkaufszentrum für die in Spandau stationierten britischen Truppen errichtet. 1990 erhielt Spandau das seinerzeit abgetrennte West-Staaken zurück.

Der gesamte S-Bahnverkehr im Bezirk kam 1980 auf den drei Strecken von Jungfernheide nach Gartenfeld (Siemensbahn) sowie über Fürstenbrunn nach Spandau und von Friedrichstraße über Westkreuz - Spandau nach Staaken völlig zum Erliegen. 1980 erhielt der Bezirk mit der Verlängerung der U-Bahnlinie U7 zum U-Bahnhof Rohrdamm erstmals Anschluss an das Berliner U-Bahnnetz. 1984 wurde die U7 bis zum Endbahnhof Rathaus Spandau fertiggestellt. Seit 1998 fährt die S-Bahn wieder über die Gleise der Spandauer Vorortbahn bis zum neu errichteten Fernbahnhof Spandau.

Der Bezirk Spandau ist mit seinen Ver- und Entsorgungseinrichtungen wie dem Kraftwerk Reuter, dem Müllverbrennungs- und Klärwerk Ruhleben sowie zahlreichen Produktionsstätten (z. B. Siemens, Osram, BMW-Motorräder) ein bedeutender Wirtschaftsstandort für Berlin. Gleichzeitig besitzt der Bezirk auch große Wald- und Wasserflächen, die als Ausflugsgebiet genutzt werden.

Das kulturelle Zentrum des Bezirks ist die Spandauer Altstadt, von deren ursprünglicher Bausubstanz allerdings aufgrund der Kriegsereignisse des Zweiten Weltkriegs wenig erhalten geblieben ist. Dennoch gelang mit der Sanierung in den 1970er-Jahren und der Beseitigung der nach dem Krieg in Baulücken entstandenen eingeschossigen Behelfsbauten für Geschäfte ein überzeugendes Bild der neuen Altstadt. Sie wurde gleichzeitig vom Durchgangsverkehr weitgehend befreit und in eine Fußgängerzone umgewandelt. Sie bietet daher ausreichend Platz für Wochenmärkte und den alljährlich in der Adventszeit stattfindenden Spandauer Weihnachtsmarkt. Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg hat Spandau immer noch eines der ältesten Häuser in ganz Berlin, das als Museum genutzt wird.

Wasserstadt Berlin Oberhavel
Zitadelle Spandau

Im Süden des Bezirks befindet sich seit 1995 auf dem ehemaligen Flugplatz Gatow, der während der Teilung von der Royal Air Force genutzt wurde, das Luftwaffenmuseum.

Ein ehrgeiziges Projekt ist seit Anfang der 1990er-Jahre die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme „Wasserstadt Berlin-Oberhavel“, die im Jahr 2008 weitgehend abgeschlossen wurde. Das zu gestaltende Areal erstreckt sich beidseits der Insel Eiswerder sowie nördlich davon auf ehemaligen, für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Industrie- und Brachflächen an der Havel. Der hier vollzogene Stadtumbau ist ökologisch orientiert. Besonders attraktiv sind die Wohnquartiere unmittelbar am Ufer der Havel. Geboten werden neben städtebaulichen Standards, wie Spielplätzen und Parks, neue Wassersportmöglichkeiten (z. B. seit 2007 der Maselakepark). Die Entwicklungsmaßnahme hat dem Land Berlin hohe Investitionen abverlangt, die sich – bei sinkenden Grundstückspreisen in Berlin seit ca. 1995 – nicht aus Wertsteigerungen der entwickelten Grundstücke refinanzieren ließen. Auch sind die neuen Wohnbaugebiete in Teilen nur sehr zögerlich vom Grundstücksmarkt angenommen worden, sodass im Jahr 2009 noch große Flächen (in der Anflugschneise des Flughafens Tegel) brachlagen.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Verkehr

Wasserstraßen in Berlin

In Spandau gibt es Anbindungen zu folgenden öffentlichen Verkehrsmitteln:

Durch Spandau führen folgende Bundeswasserstraßen: Untere Havel-Wasserstraße, Obere Havel-Wasserstraße und Spree-Oder-Wasserstraße

[Bearbeiten] Wappen

Wappen des Bezirks Spandau

Das Wappen des Bezirks Spandau leitet sich von dem Wappen der Stadt Spandau ab, dessen heraldischen Elemente schon im 13. Jahrhundert belegt sind – der Helm und die Mauern verweisen auf die Festungsstadt, das blaue Wellenband auf den Fluss Havel, und der rote märkische Adler auf die Gründungsherren.

In der heutigen Form wurde das Wappen am 4. Februar 1957 durch den Berliner Senat verliehen, dabei steht „in silbernem Schild über blauen Wellen eine nach außen ansteigende rote Stadtmauer; vor deren offenem, breitem, oben mit einem Zinnenkranz abgeschlossenem Mitteltor steht ein silberner Dreieckschild mit dem brandenburgischen goldenbewehrten roten Adler, dessen Flügel mit goldenen Kleestengeln belegt sind. Das Tor ist beseitet von zwei hinter der Mauer hervorkommenden goldenbeknopften roten spitzbedachten befensterten Türmen, zwischen denen auf dem Zinnenkranz des Tores ein naturfarbener Topfhelm – der brandenburgische Wappenhelm – sitzt. Er trägt als Helmzier einen mit goldenen Lindenblättern besäten schwarzen Flug. Auf dem Schild ruht eine rote dreitürmige Mauerkrone, deren mittlerer Turm mit einem kleinen Berliner Wappenschild belegt ist.“[1]. Die Mauerkrone wurde dem Wappen dabei am 1. Januar 2001 im Rahmen der Bezirksreform als verbindendes Element aller Berliner Bezirke hinzugefügt.

[Bearbeiten] Partnerstädte

Schautafel mit den Partnerstädten Spandaus am Rathaus Spandau

Siegen und Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen seit 1952

Luton im Vereinigten Königreich seit 1959

Asnières-sur-Seine in Frankreich seit 1959

Aschdod in Israel, seit 1968

Boca Raton in Florida/USA von 1979 bis Mai 2003

İznik in der Türkei seit 1987

Nauen in Brandenburg seit 1988

[Bearbeiten] Söhne und Töchter Spandaus

[Bearbeiten] Sonstiges

Spandau wird auch „Zitadellenstadt Spandau“ genannt. Um die Eigenständigkeit Spandaus zu betonen, wird oft – sowohl von Spandauern als auch von den restlichen Berlinern – von „Spandau bei Berlin“ bzw. scherzhaft von „Berlin bei Spandau“ gesprochen.

Die englische Musikgruppe Spandau Ballet wählte ihren Namen nach einer Berlinreise, bei der sie u. a. den – nahe der damals noch existierenden Berliner Mauer gelegenen – Flugplatz Gatow besuchte. Der Name sollte nach Auffassung der Bandmitglieder keine direkten politischen Anliegen verkörpern, sondern auf das Romantische und Düstere der Grenzsituation anspielen.

Der LSV Spandau gewann 1939 den Titel des ersten deutschen Basketballmeisters, der durch einen deutlichen 47:16 Sieg über Bad Kreuznach errungen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein aufgelöst.

[Bearbeiten] Literatur

  • Rainer Fliegner: Spandau – Geschichte und Geschichten. Sutton Verlag, Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-122-6.
  • Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Slawenburg – Landesfestung – Industriezentrum. Untersuchungen zur Geschichte von Stadt und Bezirk Spandau. Colloquium: Berlin 1983, ISBN 3-7678-0593-6.
  • Ralf Schmiedecke: Spandau bei Berlin. Sutton Verlag, Erfurt 2002, ISBN 978-3-89702-463-2.
  • 777 Jahre Spandau im Kartenbild der Jahrhunderte, DVD, Hrsg. Vermessungsamt Spandau, 2009

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Bezirk Spandau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Spandau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Hoheitszeichen von Berlin – Bezirkswappen Spandau
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