Bezugsgröße

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Dieser Artikel behandelt den Rechtsbegriff; zu Referenzgrößen im Allgemeinen und in speziellen Fachgebieten siehe Bezugswert

Bezugsgröße im Sinne der Vorschriften der Sozialversicherung ist das Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr. Die Anbindung an eine Bezugsgröße erspart die jährliche Anpassung von Rechengrößen in anderen Vorschriften der Sozialversicherung (§ 18 SGB IV).

Bestimmung und Berechnung[Bearbeiten]

Die Bezugsgröße wird für jedes Kalenderjahr durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erarbeitet und im Voraus durch Gesetz oder Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates bestimmt (§ 17 Abs. 2 SGB IV). Bezugsgröße ist das Durchschnittsentgelt aller Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr, Anlage 1 zum Sechsten Buch Sozialgesetzbuch, aufgerundet auf den nächsthöheren durch 420 teilbaren Betrag.

Für das Beitrittsgebiet[1] gilt eine niedrigere Bezugsgröße. Sie wird dadurch ermittelt, dass die Bezugsgröße (West) durch einen bestimmten Umrechnungswert (Anlage 10 SGB VI) geteilt und das Ergebnis auf den nächsthöheren durch 420 teilbaren Betrag aufgerundet wird.

Sinn und Anwendung[Bearbeiten]

Sinn der Bezugsgröße ist, der allgemeinen Einkommensentwicklung Rechnung tragen zu können, ohne dazu jedes einschlägige Gesetz gesondert ändern zu müssen. Für bestimmte von der Bezugsgröße abhängige Größen ist auch im Beitrittsgebiet die Bezugsgröße West maßgebend.

Aufrundung der Bezugsgröße[Bearbeiten]

Das Aufrunden auf einen durch 420 teilbaren Betrag hat zur Folge, dass die Teilung der Bezugsgröße durch 7 (Tage pro Woche), durch 5 (Arbeitstage pro Woche), durch 30 (Tage pro Monat) oder durch 12 (Monate pro Jahr) immer einen vollen Eurobetrag ergibt (§ 223 Absatz 3 SGB V). Mathematisch gesehen ist die Bezugsgröße eine Flussgröße, ihre Einheit ist zu Euro und Jahr kompatibel.

Werte[Bearbeiten]

Jahr Alte Bundesländer Neue Bundesländer + Ost-Berlin
 monatlich      jährlich      monatlich      jährlich    
2015[2] 2.835 € 34.020 € 2.415 € 28.980 €
2014[3] 2.765 € 33.180 € 2.345 € 28.140 €
2013 2.695 € 32.340 € 2.275 € 27.300 €
2012 2.625 € 31.500 € 2.240 € 26.880 €
2011 2.555 € 30.660 € 2.240 € 26.880 €
2010 2.555 € 30.660 € 2.170 € 26.040 €
2009 2.520 € 30.240 € 2.135 € 25.620 €
2008 2.485 € 29.820 € 2.100 € 25.200 €
2007 2.450 € 29.400 € 2.100 € 25.200 €
2006 2.450 € 29.400 € 2.065 € 24.780 €
2005 2.415 € 28.980 € 2.030 € 24.360 €
2004 2.415 € 28.980 € 2.030 € 24.360 €
2003 2.380 € 28.560 € 1.995 € 23.940 €
2002 2.345 € 28.140 € 1.960 € 23.520 €
2001 4.480 DM 53.760 DM 3.780 DM 45.360 DM
2000 4.480 DM 53.760 DM 3.640 DM 43.680 DM
1999 4.410 DM 52.920 DM 3.710 DM 44.520 DM
1998 4.340 DM 52.080 DM 3.640 DM 43.680 DM
1997 4.270 DM 51.240 DM 3.640 DM 43.680 DM
1996 4.130 DM 49.560 DM 3.500 DM 42.000 DM
1995 4.060 DM 48.720 DM 3.290 DM 39.480 DM
1994 3.920 DM 47.040 DM 3.080 DM 36.960 DM
1993 3.710 DM 44.520 DM 2.730 DM 32.760 DM
1992 3.500 DM 42.000 DM 2.100 DM 25.200 DM
1991 3.360 DM 40.320 DM 1.540 DM
1990 3.290 DM 39.480 DM 1.400 DM ?

Von der Bezugsgröße abhängige Werte (Auszug)[Bearbeiten]

  • 1/7 der Bezugsgröße entspricht Einkommensgrenze für die Berechtigung zur beitragsfreien Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung
  • 1/2 der Bezugsgröße ist der maßgebliche Grenzwert für das außerlandwirtschaftliche Einkommen für die Versicherungspflicht als landwirtschaftlicher Kleinunternehmer in der Landwirtschaftlichen Krankenversicherung nach § 2 Abs. 1 Nr. 2 KVLG 1989
  • Die Krankenpflegepauschale nach § 116 Abs. 8 SGB X entspricht 5 v. H. der mtl. Bezugsgröße - Schadenersatz
  • Familienversicherung, § 10 SGB V: Gesamteinkommen aus einer nicht geringfügig entlohnten Beschäftigung
  • Freiwillige Versicherung, § 9 SGB V: Verschiedene Mindestbemessungsgrundlagen zur Beitragseinstufung
  • Freibeträge zur Berechnung der Belastungsgrenze für Zuzahlungen in der Krankenversicherung und der Bezuschussung bei Gewährung von Zahnersatz
  • Verkürzte Anwartschaftszeit (sechs Monate) in der Arbeitslosenversicherung bei überwiegender Kurzzeitbeschäftigung und Arbeitsentgelt bis zur Bezugsgröße, § 123 Abs. 2 SGB III
  • 1/50 der Bezugsgröße bildet nach § 3b Abs. 1 Nr. 1 VAHRG die Grenze für das Supersplitting/Superquasisplitting/Superrealteilung im Versorgungsausgleich.
  • Mit der Neuregelung des Versorgungsausgleich ab 1. September 2009 hängt von der Bezugsgrenze die Möglichkeit des Versorgungsträgers ab, externe Realteilung ohne Zustimmung der ausgleichsberechtigten Person zu verlangen (vgl. § 14 Abs. 2 Nr. 2 VersAusglG)
  • Einstufung als leitende Angestellte "im Zweifelsfall" gemäß § 5 Abs. 4 Nr. 4 BetrVG, wenn das Jahreseinkommen das Dreifache der Bezugsgröße überschreitet
  • Kraftfahrzeug-Hilfeverordnung, § 6 KfzHV: Art und Höhe der Förderung bei der Beschaffung eines Kraftfahrzeuges
  • Berechnung des Arbeitsentgeltes und der Ausbildungshilfe für den allgemeinen Strafvollzug und den Jugendstrafvollzug
  • 1/160 der Bezugsgröße ist der Mindestbetrag bei der Entgeltumwandlung gemäß § 1a BetrAVG
  • Abfindungen von Leistungen der betrieblichen Altersversorgungen sind gemäß § 3 BetrAVG nur bis einem Betrag von 1 % der Bezugsgröße zulässig (bei Kapitalleistungen das 120-Fache davon).
  • Höhe des Zuschusses der Krankenversicherung zur stationären Hospizversorgung § 39a Abs. 2 Satz 6 SGB V.
  • Höhe des Beitrages des Bundes zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für SGB II-Bezieher (§ 251 Abs. 4 2. HS i. V. m. § 232a Abs. 1 Nr. 2 SGB V und § 18 Abs. 1 SGB IV × aktueller Beitragssatz zur GKV und GPV × 30 als Monatsbeitrag)
  • Höhe des von der Pflegeversicherung zu tragenden Beitrages einer rentenversicherungspflichtigen Pflegeperson (§ 166 Abs. 2 SGB VI i. V. m. § 18 SGB IV)
  • Versorgungsausgleich: Zwei von Hundert des auf einen Monat entfallenden Teils der am Ende der Ehezeit maßgebenden Bezugsgröße (§ 3b, Gesetz zur Regelung von Härten im Versorgungsausgleich)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sowie Ost-Berlin
  2. Sozialversicherungs-Rechengrößenverordnung 2015 vom 1. Dezember 2014, BGBl. I, Seite 1957
  3. Website der Bundesregierung - Veröffentlichung vom 29. November 2013, abgerufen am 30. November 2013