Bhil

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Die Bhil sind das zahlenmäßig zweitstärkste Volk unter den über 420 indigenen Stämmen (scheduled tribes) Indiens, denen in der Verfassung besondere Schutzrechte zugestanden werden. Als ihre Urheimat gelten die Bereiche des Aravalligebirges und des westlichen Vindhya. Ihre heutigen Siedlungsgebiete verteilen sich über ganz Westindien, mit Schwerpunkt in den Bundesstaaten Gujarat, dem südlichen Rajasthan und Madhya Pradesh in dessen Distrikten Jhabua und Dhar sie die Mehrheit stellen. Seit dem 19. Jahrhundert wurden viele als billige Arbeitskräfte auf Teeplantagen angeworben, so dass sich größere Gruppen heute auch im Nordosten (Tripura, Andhra Pradesh) und Karnataka finden. Eine Gruppe siedelt im pakistanischen Sind. Bei Volkszählungen bezeichnen sich etwa 99 % als Hindus. Sie haben im Laufe der Zeit eine Sprache mit zahlreichen Dialekten, das Bhili, das sich vom Gujarati, einer indoarischen Sprache ableitet, entwickelt.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine etymologische Deutung des Begriffs Bhil führt diesen auf das dravidische Wort billu „Bogen” zurück. Diese Hauptwaffe der Bhil, in deren Umgang sie als geschickt geschildert werden, findet sich heute noch häufig. Es ist auch spekuliert worden, ob der Name vom Sanskrit bhilla „Wilder eines bestimmten Stammes“ kommt. Ob sie mit den Munda gemeinsame Vorfahren haben, ist vermutet worden, gilt aber nicht als gesichert.

Die geographisch weite Zerstreuung über ein großes Gebiet führte zur Bildung unterscheidbarer Subgruppen. Allein in der Region Malwa sind dies Bhilala und die Patelia, die sich beide mit rajputischen Vorfahren vermischt haben, Barela, Tadvi, Rathia, Mankar u. a. Letztere sind in der Regel Lohn- und Landarbeiter oder Fallensteller. Am Nabada wohnen die Dhankas. Die Rawat Mina (in Rajasthan), Damur und andere seit längerer Zeit im Flachland und damit näher am Mainstream der indischen Gesellschaft lebende, betrachten sich nicht mehr dem Stamm zugehörig. Die Grasia (in Maharashtra) sollen ebenfalls vor langer Zeit zu den Bhil gehört haben.

Ursprung

Es gibt unterschiedliche Legenden ihres Ursprungs. Die am häufigsten erzählte führt den Ursprung des Volkes auf den Gott Mahadeo zurück, der mit einer Frau, die er im Wald traf, zahlreiche Kinder hatte. Ein bösartiger hässlicher Bub, Nishad, tötete den Bullen seines Vaters und wurde dafür in die Wälder verbannt. Seine Nachfahren bilden den Stamm. Eine andere Legende, besonders um Dungarpur verbreitet, erzählt von einem strengen Raja Vadra, der sein Volk zwang, ihn anzubeten. Darüber entsetzte Rishis töteten ihn durch Rezitationen von Mantras, woraufhin im Land Chaos ausbrach. Die Rishis schufen daraufhin aus dem Körper des Toten zwei Söhne, die zu den Stammvätern wurden.

Verdrängung

Das ursprüngliche Wohngebiet der nicht-arischen, dunkelhäutigen und körperlich kleinen Bhil war das gesamte heutige südliche und westliche Rajastan und Teile Gujarats. Sie wurden von den zuwandernden Rajputen in unzugängliche, bewaldete Gebiete vertrieben. Soweit sie Ackerbau betrieben, blieb ihnen wenig ertragreiches Land. Eine der Folgen des Abdrängens in marginale Gebiete war, dass man als Schutzmechanismus sich aggressiv gegenüber Außenstehenden zeigte. Zur Sicherung ihres Unterhalts, besonders in Jahren mangelnden Monsunregens, waren sie zu Viehdiebstählen und Raubzügen ins Umland gezwungen. Besonders durch den geschickten Gebrauch von Pfeil und Bogen, vielfach auf dem Rücken liegend abgeschossen, erwarben sie den Ruf hartnäckiger Gegner.

Nach dem Tod des letzten Hindukönigs Prithviraj III. Chauhan von Delhi (1192) flohen etwa 200000 Chauhan-Rajputen vor Muizz ud-Din nach Mewar (Udaipur). Als diese Gebiete um Chittor 1303 von Ala ud-Din erobert wurden zogen sich viele Rajputen in das Vindhyagebirge zurück. Sofern sie sich mit ansässige Bhil paarten, verloren sie ihre Kastenzugehörigkeit. Ihre Nachfahren bilden die Untergruppen der Patelia[1] und Bhilala.

Mahraten

Den in die Wohngebieten der Bhil vordringenden Truppen des Peshwa gelang es im 18. Jahrhundert nicht, die Eingeborenen militärisch zu unterwerfen. Man griff daher zum Verrat. Bei einem Fest aus Anlass eines Friedensschlusses wurden tausende Bhil gemeuchelt. In den folgenden Jahren wurden von Mahrata-Beamten ergriffene Bhil, unter Anwendung ausgesuchtester Foltern, ohne jeden Anlass zu Tode gebracht. Es wurden regelrechte Hetzjagden veranstaltet, gefangene Bhil zu Tode gepeitscht.[2] Die einer weiteren Mahrata-Invasion folgende Hungersnot 1802–1803 führte zur weiteren Zunahme von Überfällen und Straßenraub der in ihrer Existenz in den bewaldeten Bergen bedrohten Bhil. Diese Situation hielt auch dann noch an als die Briten im Jahr 1817 den Peshwar besiegten.

Kolonialzeit

Zur Befriedung des Gebietes kam es zur Aufstellung eines ersten Bhil Corps[3] und der Gründung von Bhil Agencies (1825). Einzelne Häuptlinge wurden gegen Bezahlung für die Sicherheit der Straßen ihrer Gebiete verantwortlich gemacht. Viehdiebstähle und Raubzüge hörten aber auch die nächsten hundert Jahre nie ganz auf. Die Hauptsiedlungsgebiete lagen im Süden der Rewa Kantha Agency, den besonders rückständigen Dangs im Distrikt Khandesh[4] der Präsidentschaft Bombay. Am Sepoy-Aufstand nahmen die Bhil nicht teil, nutzten jedoch sich bietende Gelegenheiten ausgiebig zu plündern. In den Dangs galt weiterhin ein besonderes Strafrecht für Bhils, die im Schnellverfahren durch den Standortkommandanten zu Geldstrafen und Auspeitschungen abgeurteilt werden konnten. Einige der Fürstenstaaten so Dungarpur, Kota, Deolia, Banswara und besonders Jhabua galten als Bhil-Staaten, auch wenn ihr Herrscher aus einer höheren Kaste stammten. Als Teil des Ritus wurde der Raja bei der Inthronisation mit dem Blut eines Bhil gesalbt.

Die Forderung der Kolonialherren, dass Steuern, Abgaben und Gebühren der Waldnutzung in barem Geld zu zahlen seien, zwang viele Bhil, die kaum von der Landwirtschaft leben konnten, weiterhin zu Diebstählen und Überfällen, so dass sie pauschal als „Wilde“ und „kriminell“ beschrieben werden. Zwangsläufig nahm ihre wirtschaftliche Ausbeutung und somit auch Schuldknechtschaft zu. Eine erste politische Organisation, die auf Besserung der wirtschaftlichen Situation abzielte, war die 1923 von Amritlal Thakkar (*1869) ins Leben gerufene Bhil Seva Mandal.

Bereits seit 1905 gab es im Mewar eine Bewegung gegen übermäßige Steuern, Zwangsarbeit und Abgaben. Als die Belastungen durch die kriegsbedingte Inflation 1918–1920 und die Dürrejahre 1920–1923 noch drückender wurden, versuchten Agitatoren auch die Bhil in die Bauernbewegung zu integrieren. Die Bijolia-Bewegung der 1920er stellte dem Raja von Udaipur einen Forderungskatalog, der nicht nur ein Ende des britischen Opiummonopols sondern auch Aufhebung aller Zwangsdienste (begar) und von Polizeiwillkür forderte. Nach einigen Zugeständnissen kam es dann im Dezember 1921 zu einzelnen Ausschreitungen und einem Steuerboykott als Teil der Satyagraha. Unter der Führung des Gewürzhändlers Motilal Tejawat ging der Streik bis Juni auch im Staat Sirohi weiter. Bereits im April begannen Beschlagnahmen durch eingerückte Truppen. In einem Dorf kam es zu einem Massaker. Die Unruhe schwelte einige Jahre weiter. Nach Motilal wurde ab 1925 gefahndet. 1929 wurde er in Indore verhaftet. Motilal wurde erst 1936 gegen Kaution entlassen. Sein Aufenthalt blieb bis 1947 auf Merwar beschränkt.[5][6]

Seit 1947

Wie alle Tribals (der Hindi-Ausdruck Adivasi wird als diskriminierend abgelehnt) werden die Bhil weiterhin benachteiligt. Ihr Bildungsgrad ist allgemein noch immer gering. Sie gehören zum ärmsten Teil der Bevölkerung. Die Lal Nishan Party (LNP) und die ihr verbundenen Gewerkschaften begannen ab 1967 die Interessen der Tribals zu vertreten. Die im Rahmen der grünen Revolution zunehmende Mechanisierung führte zu einer weiteren Verschlechterung ihrer Situation weil Arbeitsgelegenheiten als Landarbeiter wegfielen.[7] Zwar ist die indische Zentralregierung seit dem Tod Indira Gandhis weniger autoritär, jedoch nehmen die besitzenden Klassen immer noch wenig Rücksicht auf Minderheiten. In den 1980ern kam es mehrfach zu Massakern von Tribals, die versuchten ihre garantierten Minderheitenrechte einzufordern.

Die grundlegenden entwicklungspolitischen Probleme werden auch ökologisch nicht gelöst.[8] So wurden z.B. im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zahlreiche Tribals für den Sardar Sarovar-Damm des Narada und das südlich davon gelegene Shoolpaneshwar Wildlife Sanctuary vertrieben.[9][10]

Bevölkerungszahl[Bearbeiten]

Die Bhil leisteten gegen die Volkszählung 1881 Widerstand und wurden bei den Volkszählungen vor 1901 nur ungenau erfasst. Der Zensus 1901 stellte insgesamt 1,199 Mio. Bhil fest, davon für die Präsidentschaft Bombay 482188 hinduistische, 9918 muslimische und 77742 animistische. Es wurde geschätzt, dass sich ihre Zahl in der vorhergehenden Hungerdekade um 43% verringert hatte.[11] Für die gesamte indische Union wurde ihre Zahl 1971 mit knapp 5,2 Mio. festgestellt. Davon lebten in Madhya Pradesh 1,6 Mio., fast alle in der Malwa-Region. Jeweils etwas unter 1,5 Million wohnten in Gujarat und Rajasthan. Bis 2001 hatte sich die Bevölkerung in etwa verdoppelt: Gujarat 3441945, Madhya Pradesh 4619068, Maharashtra 1818792, Rajasthan 2805948.[12] Die Bhil machen etwa 1,1% der indischen Bevölkerung aus. Ihr Anteil an den scheduled tribes ist fast 15%.

Gesellschaft und Kultur[Bearbeiten]

Anthropologen der Kolonialzeit unterschieden drei Arten von Bhil: 1. in den Dörfern lebende, 2. in den Ebenen Ackerbau betreibende (kothul) und 3. die „wilden“ in den Bergen und Dschungels unter eigenen Häuptlingen (naik) lebenden. Letztere lebten halb-nomadisch und betrieben vielfach Brandrodungsfeldbau. Sie heiraten nicht in die anderen beiden Gruppen.

Reine Bhil-Siedlungen bestehen aus verstreuten Einzelhöfen. Der Vorsteher (jadvi) eines Dorfes ist einflussreich. Wo sie mit anderen Gruppen in Dörfern leben, halten sie sich getrennt in eigenen Weilern. Innerhalb des Kastensystems gehörten sie zur untersten Klasse. Ein Zweifach Geborener akzeptiert aus ihrem lotha kein Wasser. Tote werden verbrannt, einige verbleibende Knochen in den Fluss geworfen, wobei der Zusammenfluss von Mahi und Som bei Banswara als besonders heilig gilt.

Religion

Geisterglauben, Totemismus und (Tier-)Opfer sind verbreitet, obwohl sich fast alle Bhil auch als Hindus bezeichnen. Katzen galten als Hexen und wurden in Häusern nicht geduldet. Frauen, meist ältere Witwen, die als Hexe „erkannt“ worden waren, wurden früher oft mit dem Kopf nach unten hängend an einen Baum geknüpft und zu Tode „geschaukelt.“ Der Glaube an Wiedergeburt ist wenig verbreitet. Auf die von Lasodia im späten 19. Jahrhundert begründete messianische Bewegung zur Verehrung Ramas ist es zurückzuführen, dass die Bhil um Dungarpur als vegetarische Abstinenzler leben. Eine ähnliche Bewegung, Nathpanthi genannt, die ihren Ursprung in der verheerenden Hungersnot 1900–1902 hatte, wurde von Vinda geführt, der sich ab 1909 Govindgiri nannte. 1911 zog er sich mit seinen Anhängern in die Mangarh-Berge zurück und terrorisierte die Umgebung. Die Briten schlugen den Aufstand im November 1912 nieder, Govindgiri wurde lebenslänglich verbannt, aber nach acht Jahren begnadigt. Er starb einige Jahre später. Die Bewegung besteht noch heute fort.[13] Im weiteren 20. Jahrhundert trugen die von Gulia, Visvanath Maharaj und Mavaji (Beneshwar-na-bhagat verstärkt ab 1980) geführten Reformbewegungen, denen allen das Verbot von Fleisch- und Alkoholgenuss gemeinsam ist, zur schleichenden Hinduisierung der Bhil bei.[14] Die in amtlichen Werken vorgenommene Einteilung in Animisten und/oder „Hindus“ ist problematisch, da sich ergebende Definitionsprobleme nicht gelöst sind.

Ehe

Die Auswahl von Ehepartnern, früher üblicherweise durch die Eltern, erfolgt unter Beachtung von Kastenregeln. Kinderheiraten waren selten. Je weiter südlich man gelangt, umso stärker werden die Wünsche der Braut mit berücksichtigt. Einzelne der etwa 40 Klans unterscheiden sich dadurch, ob endogam, dann häufig eine Cousine, oder exogam geheiratet wird, wobei auf der mütterlichen Seite Inzesttabus von 2-7 Generationen bestehen.

Zur Verlobung, mit Daru begossen, wird ein geringes Brautgeld gezahlt. In der Woche vor der Hochzeit werden gewisse Riten durchgeführt. Am Hochzeitstag, der aufgrund günstiger astrologischer Omen bestimmt wird, erhält der Brautvater, oft in Naturalien, einen weiteren Brautpreis (dapa). Das gemeinsame Weglaufen eines Liebespaars ist nicht selten. Nach einigen Tagen kehrt man zurück und die Eltern einigen sich wie üblich über den Brautpreis. Scheidungen und Wiederheirat der Frau, die anders als sonst in Indien durchaus älter als ihr Mann sein kann, sind möglich. Witwen werden oft mit dem jüngeren Bruder des Verstorbenen verheiratet, sollte die Frau nicht zustimmen, muss ihr ein (anderer) neuer Mann der Familie des ersten eine Abfindung (zagda) zahlen. Unter den an den Südhängen der Satpurakette lebenden Tadvi finden sich zahlreiche Muslime, deren Familien patrilinear organisiert sind; Hochzeit mit Cousinen und vereinzelt Polygynie sind üblich.

Kleidung

Es gab für Männer zwei traditionelle Kleidungsstile, zum einen mit Hüfttuch, kurzem Kittel (oder Hemd) und Turban, dessen Stil und Farbe – meist rot oder weiß – die gesellschaftliche Stellung anzeigt. Andere, besonders in den Bergen, hatten lediglich einen Lendenschurz und ein Tuch am Kopf. Frauen tragen üblicherweise Sari mit kurzem Unterrock und einfachem Mieder.

Alkohol

Die Bhil gelten als sehr trinkfreudig, neben Palmwein (toddy) ist Schnaps (country liquour) beliebt. Dieser Selbstgebrannte (daru, „country liquour“) aus Mahuwa-Blüten (einer Dornmelde Bassia latifolia[15]) hat anfangs 7-10 % Alkohol und wird üblicherweise auf 15-30 % hochdestilliert. Von der Einführung der Besteuerung von Palmen zur Weingewinnung (toddy) und der nach 1878 sukzessiven Errichtung eines Alkolmonopols[16] waren sie besonders betroffen. Der traditionelle Alkoholkonsum beschränkte sich jedoch meist auf Toddy in der nahrungsmittelarmen Zeit vor der ersten Ernte. Toddy war hierbei eine wichtige (kostenlose) Kalorienquelle. Weiterhin war er – im Gegensatz zu den Brunnen mit in der Trockenzeit häufig brackigen Wassern – steril. Daru wurde meist während der zweimonatigen Blütezeit, Familienfesten und zu den großen hinduistischen Festtagen wie Holi, Dashahara und Diwali, dann aber exzessiv, genossen.[17]

Landwirtschaft

Seit der Stamm in marginale Gebiete verdrängt wurde, bebauen die Bhil meist wenig ertragreiches Land. Wo sie mit anderen Ethnien in Orten leben, gehören sie selten zu den Landbesitzern, sondern müssen sich als Landarbeiter verdingen. In traditioneller Lebensweise ernährten sich die Bhil zusätzlich noch durch Jagd und Flussfischerei (mit Netzen, Dämmen oder Gift). Düngung und Bewässerung war bei der traditionellen Lebensweise kaum üblich. Feldbestellung erfolgte durch Hacken, selten in der Ebene durch Pflug. Mit der verstärkten Einbindung in das koloniale Ausbeutungssystem, das seit etwa 1880 die Bezahlung von (Grund-)Steuern in barem Geld und daher den Anbau von cash crops erforderte, begann oft auch eine Pauperisierung, an der die im indischen Dorf vertretenen Geldverleiher, meist Parsen, die gleichzeitig die örtliche Schnapslizenz hielten, durch Wucherzinsen wesentlich mit beteiligt sind.

Die Kabadis bildeten eine eigene Klasse von Flößern auf dem Nambada. Die Barela, die hauptsächlich im Distrikt Khargone leben, verdingen sich als weit umherziehende Brennholzhändler, wenn die von ihnen bebauten mageren Ackerflächen nicht für den Lebensunterhalt eines Jahres reichen.


Anthropologische Forschung[Bearbeiten]

Die Forschung zu den Bhil ist vergleichsweise umfangreich, beginnt aber erst spät. Erste detaillierte Beschreibungen finden sich in den Auswertungen von Volkszählungsdaten (erstmals für 1901 zuverlässig[11]) und den Gazetteers der Kolonialzeit. Die zur Kolonialzeit erschienene und vom Zeitgeist des viktorianischen Puritanismus durchwehte Literatur beschreibt die Bhil durchwegig als individualistisch und ehrlich aber versoffen, lernunwillig und faul, ohne den geringsten Sinn für Sparsamkeit. Der Versuch einer ersten Bhili-Grammatik stammt vom Missionar C. S. Thompson 1895.[18] Egon von Eickstedt klassifizierte 1931 den Stamm als zu den Weddiden (Alteuropide) gehörig.[19]

Umfangreichere Arbeiten erschienen nach dem Zweiten Weltkrieg, wobei T. B. Naik (1956) und Wilhelm Koppers (1948) besonders einflussreich waren. Der Versuch des letzteren aus einigen Sanskrit-Wörtern in der Sprache die Herkunft der Bhil zu konstruieren wurde von anderen Wissenschaftlern kritisiert.[20][21] Weitergehende Studien oft zu einzelnen Aspekten der Bhil wurden ab den 1980ern vom Anthropological Survey of India (Ministry of Human Resource Development) unter der Leitung von Lok Nath Soni durchgeführt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carstairs, G.; The Bhils of Kotra Bhomat; Eastern Anthropologist, Vol. III
  • Deliège, Robert; Division and hierachy among Bhil; Man in India, Vol. 60, S. 38-50
  • Deliège, Robert; The Bhils of Western India: some empirical and theoretical issues in anthropology in India; New Delhi 1985
  • Doshi, Jainendra Kumar; Social structure & cultural change in a Bhil village; Delhi 1974; (Zugl. Diss. Saugar 1970)
  • Gazetteers:
    • Gazetteer of the Bombay Presidency; Bombay 1880, Vol. VI, S. 26
    • Hunter, W. W. (Hrsg.); Imperial Gazetteer of India; Oxford 1908–31, Vol. VIII, S. 101ff (Volltext)
    • Government of India; Rewa Kantha District Gazetteer; Bombay 1880
  • Hardiman, David; The Bhils and Shahukars of Eastern Gujarat; in: R. Guha; Subaltern Studies, Vol. 5, Oxford University Press, Delhi.
  • Hardiman, David; The coming of the Devi: adivasi assertion in western India; Delhi u.a. 1987; ISBN 0-19-561957-9
  • Haque, M.; The Bhil and the Garasia of South Rajasthan: an anthropometric study; Calcutta 2002; Sert.: Anthropological Survey of India: Memoir, 104; ISBN 81-85579-61-X
  • Haekel, Josef; Some Aspects of the Social Life of the Bhilala in Central India; Ethnology, Vol. 2, No. 2 (Apr., 1963), S. 190-206
  • Koppers, Wilhelm; Jungblut, Leonhardt; Betrothal Rites among the Bhil of North-Western Central India; Artibus Asiae, Vol. 9, No. 1/3 (1946), S. 5-33
  • Koppers, Wilhelm; Die Bhil in Zentralindien; Wiener Beiträge zu Kulturgeschichte und Linguistik, Vol. VII (1948)
  • Kumar, Bachchan; The Bhils: an ethno-historic analysis; Delhi 1997; ISBN 81-85616-47-7
  • Luard, C. E.; The Jungle Tribes of Malwa; Lucknow 1909
  • P. C. Mahalanobis, D. N. Majumdar, M. W. M. Yeatts, C. Radhakrishna Rao; Anthropometric Survey of the United Provinces, 1941: A Statistical Study; Sankhyā: Indian Journal of Statistics, Vol. 9 (1949), No. 2/3, S. 89-324
  • Majhi, Anita Srivastava; Tribal culture, continuity, and change: a study of Bhils in Rajasthan; New Delhi 2010; ISBN 978-81-8324-298-1; (Zugl. Diss. Delhi)
  • Naik, T. B.; The Bhil: A Study; Delhi 1956
  • Soni, Lok Nath; Bhil sub-groups in caste milieu; Calcutta 1993; Sert.: Anthropological Survey of India: Memoir, 90
  • Varma, S. C.; The Bhil Kills; Delhi 1978

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Etymologie: von bitle „verseucht.“ Soni (1993), S. 8
  2. detailliert beschrieben in: Syed Siraj ul Hassan; The castes and tribes of H.E.H. the Nizam's dominions; Bombay 1920, S 68-70 (Volltext)
  3. Benjamin N.; Mohanty, B. B.; Imperial Solution of a Colonial Problem: Bhils of Khandesh up to c. 1850; Modern Asian Studies, Vol. 41, 2 (2007), S. 343–67
  4. Geschichte vgl. Historical sketch of the Bheel tribes inhabiting the province of Khandesh; accompanied by an outline, down to the year 1843, of the principles of the conciliatory line of policy which has been observed towards these rude tribes, by the Bombay Government, from the year 1825 included in rough notes containing historical, statistical, and other information connected with the petty states of Junjeera, and Jowar, in the Tanna collectorate; Sucheen, Dhurumpoor, and Bansda, in the Surat collectorate; Cambay, in the Khaira collectorate, Penth in the Nasik sub-collectorate; and the petty native states under the control of the collectorate of Khandesh; historical narrative of the city of Cambay, from Sanskrit and Persian books, and oral tradition; comprising also, a brief sketch of the province of Guzrat at various periods; observations on the ‘bore’ or rushing tide in the northern parts of the Gulf of Cambay, and the entrances of the Mahee and Suburmutee rivers; proceedings connected with the question of succession to the Penth estate, in consequence of the death, in the year 1837 without male issue of Dulput Rao, raja of that petty principality; historical sketch of the Bheel tribes inhabiting the province Khandesh, accompanied by an outline, down to the close of the year 1855, of the principles of the conciliatory line of policy which from the year 1825, has been observed towards these rude tribes by the Bombay Government; in: Thomas, Hughes R.; Selections from the Records of the Bombay Government (New series); Bombay 1856, No. 26, S. 206
  5. Singh, C. S. K.; Bhils' Participation in Politics in Rajasthan in the 1920's; Social Scientist, Vol. 13, No. 4 (Apr., 1985), S. 31-43
  6. A Forgotten Massacre: Motilal Tejawat and his Movement amongst the Bhils; in: Hardiman, David (Hrsg.); Histories for the Subordinated; New Delhi 2006, London 2007; ISBN 978-1-905422-37-1
  7. The Bhil Movement in Dhulia; Economic and Political Weekly, Vol. 7, No. 5/7, Annual Number (Feb., 1972), S. 205-7
  8. Rahul; Reasserting Ecological Ethics: Bhils' Struggles in Alirajpur; Economic and Political Weekly, Vol. 32, No. 3 (Jan. 18, 1997), S. 87-91
  9. Whitehead, Judy; Repopulating the Landscape: Space against Place in Narmada Valley; Economic and Political Weekly, Vol. 37, No. 14 (Apr. 6-12, 2002), S. 1363-9
  10. vgl. auch: Asad Bin Saif; Eviction of Landless Tribals in Ahmadnagar; Economic and Political Weekly, Vol. 38, No. 36 (Sep. 6-12, 2003), S. 3759–62
  11. a b Bannermann, A. D. (Hrsg.); Census of India 1901 Vol. XXV: Rajputana, Part I: Report; Lucknow 1902, S. i, 111, 142-4
  12. Census of India 2001: Data Highlights the Scheduled Tribes
  13. vgl.: 小西 公大; 「トライブ」に関するヒストリオグラフィーのポリティクス : ゴーヴィンドギリのバガット運動を事例として; Shien Vol. 66 (2) (2006), S. 58-81
  14. vgl. Fuchs, Stephen; Rebellious Prophets: A Study of Messianic Movements in Indian Religions; Bombay 1965 (auch als: Messianic Movements in Primitive India; Asian Folklore Studies, Vol. 24, No. 1 (1965)
  15. vgl. Butterbaum
  16. Bombay Abkari Act, 1878 immer wieder verschärft bis zum Bombay Prohibition Act, 1949
  17. Hardiman, David; Histories for the subordinated; Basingstoke [u.a.], Macmillan, 2007; VIII, 396 S.; ISBN 978-1-905422-37-1
  18. Rudiments of the Bhil Language; Ahmedabad 1895
  19. Der Zentral-Dekkan und die Rassengliederung Indiens; Anthropologischer Anzeiger, Vol. VIII (1931), S. 89-103
  20. Dorothy Spencer, in: American Anthropologist, Vo. 51, No. 3, S 477
  21. W. Eberhard, in: Oriens, Vol. 2 (1949)S. 163-5

Weblinks[Bearbeiten]