Biasca–Acquarossa-Bahn

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Biasca–Acquarossa-Bahn
Triebwagen BCe 4/4 Nr. 4 vor dem Bahnhof in Biasca
Triebwagen BCe 4/4 Nr. 4 vor dem Bahnhof in Biasca
Streckenlänge: 13,8 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem: 1200 V =
Maximale Neigung: 35 
Minimaler Radius: 133 m
Bahnstrecke Biasca–Acquarossa
   
0,0 Biasca FFS 292 m ü. M.
   
1,0 Biasca-Borgo 304 m ü. M.
   
Vallone
   
3,4 Loderio 353 m ü. M.
   
   
4,8 Leggiuna 365 m ü. M.
   
5,6 Brugaio 359 m ü. M.
   
6,5 Malvaglia Chiesa 366 m ü. M.
   
   
7,7 Malvaglia Rongie 380 m ü. M.
   
9,6 Motto-Ludiano 441 m ü. M.
   
10,4 Marogno 452 m ü. M.
   
11,5 Dongio 479 m ü. M.
   
   
12,6 Corzoneso 505 m ü. M.
   
13,8 Acquarossa 538 m ü. M.

Die Biasca–Acquarossa-Bahn, abgekürzt BA, italienisch Ferrovia Biasca–Acquarossa, auch Bleniotalbahn, Ferrovia elettrica Biasca–Acquarossa (–Olivone) oder Sonnenthalbahn[1] genannt, war eine Schmalspurbahn im Kanton Tessin in der Schweiz. Sie verfügte über eine 13,8 Kilometer lange, meterspurige Strecke zwischen den Ortschaften Biasca und Acquarossa im Bleniotal.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Biasca–Acquarossa-Bahn wurde 1906 gegründet, um das Bleniotal mit der bestehenden SBB-Linie über den Gotthard zu verknüpfen. Nachdem die wichtigste Nord-Süd-Eisenbahnverbindung der Schweiz nicht - wie zeitweise geplant - über den Lukmanierpass ins Blenio, sondern über die besagte Gotthardroute geführt wurde, war das Tal in den Verkehrsschatten geraten.

Am 6. Juli 1911 wurde die Bahnlinie zwischen Biasca und dem im mittleren Blenio gelegenen Acquarossa eröffnet. Pläne, die Strecke talaufwärts bis nach Olivone zu verlängern, zerschlugen sich. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich die Schmalspurbahn zufriedenstellend, wozu vor allem die Transporte für die in Dangio angesiedelte Schokoladenfabrik Cima Norma beitrugen. Die 1940er- und 1950er-Jahre brachten einen Verkehrsaufschwung, doch ab 1968 verschlechterte sich die Lage zunehmend. 1973 wurde der Bahnbetrieb eingestellt, die Gleisanlagen abgebrochen und die Fahrzeuge verkauft oder verschrottet (siehe unten). Seither wird die Strecke Biasca–Acquarossa–Olivone von Autobussen bedient.

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Erster Abschnitt: Biasca–Acquarossa[Bearbeiten]

Die 1911 fertiggestellte «erste Sektion» vom Bahnhofsplatz vor dem SBB-Bahnhof in Biasca über Vallone, Loderio, Brugaio, Malvaglia, Motto, Dongio und Corzoneso in den Kurort Acquarossa blieb der einzige Abschnitt, der in Betrieb genommen wurde. In Biasca befanden sich auch die Depotanlagen (siehe unten) und somit das betriebliche Zentrum der Bahn. Die mit 1200 Volt Gleichstrom elektrisch betriebene Strecke war 13,8 km lang und stieg dabei um 235 m. Die Maximalsteigung betrug 35 Promille. Die Strecke verfügte über einen 21 m langen Tunnel und mehrere Brücken, deren längste (43 m) über den Fluss Brenno führte.

Zweiter Abschnitt: Acquarossa–Olivone[Bearbeiten]

Obwohl konkrete Pläne und auch bereits eine Konzession für die Weiterführung der Linie über Lottigna, Torre–Dangio und Aquila nach Olivone vorlagen, wurde dieser Streckenabschnitt niemals gebaut. Möglicherweise hätte die Bahn in diesem dichter besiedelten Teil des Tales wesentlich bedeutender werden können. Damit musste auch die Schokoladenfabrik auf einen direkten Anschluss verzichten; sie wurde ab Acquarossa mit Lastwagen bedient.

Dritter Abschnitt: Olivone–Disentis[Bearbeiten]

Bereits um 1850 wurde der Plan einer Lukmanierbahn diskutiert, jedoch später zugunsten der Gotthardbahn verworfen. Es gab jedoch immer wieder Bestrebungen, die Bahn von Olivone über den Lukmanierpass nach Disentis im Kanton Graubünden weiterzuführen und dort an das bereits bestehende Meterspurnetz der Rhätischen Bahn und der Furka-Oberalp-Bahn (heute Matterhorn-Gotthard-Bahn) anzuschliessen. Für den dritten Abschnitt existierten jedoch zu keiner Zeit konkrete Pläne.

Rollmaterial[Bearbeiten]

Die Triebwagen BCFe 2/4 (Nummern 1-3)[Bearbeiten]

Die von SWS/BBC gebauten drei Elektrotriebwagen 1-3 gingen im Juli 1911 in Betrieb. Die grün-weiss lackierten Fahrzeuge wiesen eine Leistung von 118 kW auf. Nur zwei der vier Achsen waren angetrieben. Wäre es zum Bau der Bahn über den Lukmanier gekommen, hätte man eine stärkere Motorisierung nachrüsten müssen. Es gab 8 Sitzplätze der zweiten und 24 der dritten Klasse, hinzu kamen 10 Stehplätze. Alle Wagen blieben während ihrer gesamten Dienstzeit im Bleniotal nahezu im Urzustand. Von den drei Fahrzeugen überlebte zuerst noch Triebwagen 3, welcher lange Zeit in Acquarossa als Denkmal am ehemaligen Bahnhof stand, aber schliesslich doch abgebrochen wurde. Die Wagen 1 und 2 wurden bereits 1973 verschrottet.

Die Triebwagen BCe 4/4 (Nummern 4-5)[Bearbeiten]

In den Jahren 1948 und 1963 kam jeweils ein weiterer Triebwagen des Typs BCe 4/4 zu den bereits vorhandenen Triebwagen hinzu. Die von SWS/SAAS gelieferten Triebfahrzeuge zeichneten sich durch 280 kW Leistung und Allachsantrieb aus. Auf das Gepäckabteil verzichtete man, so dass 56 Sitzplätze vorhanden waren. Fortan übernahmen die Neubauwagen die meisten Transportaufgaben, die Wagen 1-3 wurden ergänzend eingesetzt. Nach der Einstellung des Bahnbetriebs konnten beide Triebwagen verkauft werden: Heute verkehrt Wagen 4 als Be 4/4 1002 bei der Montreux–Berner Oberland-Bahn (MOB) und Nummer 5 wurde als Be 4/4 80 bei der Aare Seeland mobil (ASm), auf dem Streckennetz der ehemaligen Oberaargau-Jura-Bahnen (OJB) und der Biel–Täuffelen–Ins-Bahn (BTI) als Be 4/4 521 eingesetzt. Inzwischen ist er wieder nahe seiner Heimat als Triebwagen 5 bei der Ferrovia Mesolcinese im Tessin stationiert. Beide Wagen befinden sich noch immer in gutem Zustand.

Wagen[Bearbeiten]

Bei ihrer Eröffnung besass die Bahn zwei kleine Personenwagen, drei gedeckte und vier offene Güterwagen sowie einen Flachwagen, sämtlich von der SWS gebaut. 1932 kaufte sie zwei gebrauchte Post-/Gepäckwagen, in den 1950ern kamen zwei weitere Personenwagen (Dreiachser, zuvor Brünigbahn) und einige Güterwagen hinzu. Ausserdem verfügte die Bahn über Dienstwagen zum Unterhalt der Gleisanlagen und der Fahrleitung.

Gebäude[Bearbeiten]

Altes Depotgebäude in Biasca[Bearbeiten]

Das erste Depotgebäude befand sich nahe dem Bahnhof in Biasca. Hier wurde auch der Strom in die Oberleitung eingespeist. Das Gebäude mit angebauter Werkstatt bot in einer dreigleisigen Einstellhalle genug Platz für die Triebwagen. Seit 1927 waren hier auch die Verwaltung und zwei Dienstwohnungen untergebracht. Nachdem im Jahre 1962 die neu gebaute Umfahrungsstrasse das Depot von der Strecke trennte, mussten die Fahrzeuge einige Jahre lang im Bahnhof von Acquarossa gewartet werden. Die alten Depotanlagen wurden 1969 verkauft, später abgerissen und durch ein Einkaufszentrum ersetzt.

Neues Depotgebäude in Biasca[Bearbeiten]

Das 1967 eingeweihte neue Gebäude entstand nur unweit des alten auf der anderen Seite der Umfahrungsstrasse. Seine Konzeption erlaubte, es nach einer möglichen Auflösung der Bahn als Autobusdepot zu verwenden. Diesem Zweck dient es bis heute.

Bahnhöfe und sonstige Bauten[Bearbeiten]

Im Zuge des Streckenbaus entstanden weitere Gebäude und Anlagen entlang der Strecke. Der grösste Bahnhof der Strecke (in Acquarossa) verfügte neben dem Aufnahmegebäude auch über Remisen und Schuppen.

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Kummer: Die elektrische Bahn Biasca-Acquarossa. In: Schweizerische Bauzeitung, Nr. 58 (1911).
  • Hans Waldburger: Ferrovia elettrica Biasca-Acquarossa. In: Schweizer Eisenbahn-Revue 5/1982 und 1/1983.
  • Hans Waldburger: Biasca–Acquarossao BA[2] in: Eisenbahn Amateur (Zeitschrift) Nr. 6, 2011, Seiten 290 bis 294

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Biasca–Acquarossa-Bahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel Hans Waldburger: Biasca–Acquarossao BA in: Eisenbahn Amateur (Zeitschrift) Nr. 6, 2011, Seiten 290 bis 294
  2. Im Artikel Biasca–Acquarossao BA wiederholt als Biasca–Acquarossa-Bahn bezeichnet