Bibel

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Dieser Artikel befasst sich mit der Sammlung christlicher Schriften. Zu anderen Bedeutungen siehe Bibel (Begriffsklärung).

Als Bibel (vom griechischen Plural biblia - „Bücher“; daher auch Buch der Bücher) bezeichnet man eine Schriftensammlung, die im Judentum und Christentum als Heilige Schrift mit normativem Anspruch für die ganze Religionsausübung gilt.

Die Bibel des Judentums ist der dreiteilige Tanach, der aus der Tora (Weisung), den Nevi’im (Propheten) und Ketuvim (Schriften) besteht. Diese Schriften entstanden seit etwa 1200 v. Chr. im Kulturraum der Levante und Vorderen Orient und wurden bis 135 n. Chr. kanonisiert.

Das Christentum hat alle Bücher des Tanach übernommen, anders angeordnet und als Altes Testament (AT) seinem Neuen Testament (NT) vorangestellt. Beide Teile wurden bis zum 3. Jahrhundert kanonisiert; spätere christliche Konfessionen haben diesen Kanon leicht abgewandelt. Die zweiteilige christliche Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte, in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt.

Der Islam erkennt die jüdische und die christliche Bibel als gültiges, jedoch von Menschen teilweise verfälschtes Offenbarungszeugnis Allahs an.

Bezeichnung

Der Ausdruck „Bibel“ stammt vom griechischen Neutrum βιβλίον („Papyrus-Rolle“), abgeleitet von bíblos oder býblos („Papyrusstaude“, „Papyrusbast“). Byblos hieß die phönizische Hafenstadt, die in der Antike ein Hauptumschlagplatz für Bast war, aus dem die Papyrusrollen hergestellt wurden. Der Plural biblia („Schriftrollen, Bücher“) wurde im Kirchenlatein irrtümlich als Singular eines lateinischen Femininums aufgefasst. „Biblia“ wurde im Christentum Synonym des ebenfalls weiblichen Ausdrucks „Heilige Schrift“ (griechisch Ἁγία Γραφή, hagia graphae), der hier AT und NT bezeichnet. Die nationalen Sprachen übernahmen das Wort; im Deutschen wurde es zu Bibel. Deutschsprachige Wörterbücher definieren das Wort daher als „Gesamtheit der Bücher des Alten und Neuen Testaments“.[1]

Tanach

Handschriften

Ausschnitt der Jesajarolle, eine der ältesten und besterhaltenen Bibelhandschriften, ca. 180 v. Chr.

Antike Handschriften bestanden aus aufgerolltem Papyrus oder Leder, das mit ruß- und harzhaltiger Olivenöltinte beschrieben wurde. Eine solche Rolle konnte nur begrenzte Inhalte aufnehmen. Die ältesten bekannten Handschriften mit Fragmenten zu allen Büchern des Tanach fand man unter den Schriftrollen vom Toten Meer (etwa 200 v.Chr. bis 100 n.Chr.), darunter auch die älteste fast vollständige Einzelrolle, eine 7,34 Meter lange Niederschrift des Buchs Jesaja (um 180 v.Chr.). Die meisten dieser Handschriften sind in (paleo-) Hebräisch verfasst worden, Teile davon in Aramäisch, manche in Griechisch.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. entstand mit dem Kodex eine Handschriftenform, die auch längere Texte und Zusammenstellungen mehrerer Schriften aufnehmen konnte. Kodices konnten ebenfalls aus Papyrus oder Pergament gefertigt sein. Mit der endgültigen Kanonisierung des Tanach um 135 ergab sich die Notwendigkeit einer einheitlichen Fassung und Vokalisierung der hebräischen Konsonantenschrift. Damit begann die tausendjährige Arbeit der Masoreten. Auf ihrer Textvereinheitlichung beruhen die ersten vollständigen hebräischen Bibelhandschriften des Mittelalters, allen voran der Codex Leningradensis von 1008. Diese Version des Tanach galt seit der Renaissance als gemeinsame Urform all seiner späteren Übersetzungen. Die ältesten vollständigen masoretischen Handschriften des Tanach bilden auch die Grundlage der heutigen wissenschaftlich anerkannten hebräischen Bibelausgaben.

Der Fund ausrangierter Bibelfragmente in der Geniza von Kairo um 1850, vor allem aber der Schriftrollen vom Toten Meer (1947–1956 und 1961) widerlegte die Annahme eines einheitlichen hebräischen „Urtextes“: Vor und nach seiner Kanonisierung existierten mehrere voneinander abweichende Textvarianten parallel zueinander, neben der Septuaginta vor allem der Samaritanische Pentateuch (4. Jahrhundert v. Chr.). Hinter allen bekannten Textfassungen der Bibel und den meisten ihrer Einzelschriften standen mehrere Autoren und Redaktoren. Die gemeinsame Version der Masoreten stand erst am Ende, nicht am Anfang dieses Traditionsprozesses. Gleichwohl bestätigten die neuen Schriftfunde die große Übereinstimmung der masoretischen Versionen mit den 1000 Jahre älteren hebräischen Bibeltexten.

Kanonisierung

Hauptartikel: Bibelkanon

„Kanon“ bedeutet „Richtschnur“ oder „Richtmaß“ und meint hier die festgelegte Liste jener Bücher, die in einer bestimmten religiösen Gemeinschaft als normatives Wort Gottes gelten. Mit einer gewissen Eigendynamik tendierte die Sammlung von Schriften mit autoritativem theologischen Anspruch zu einem verbindlichen Abschluss ihres Umfangs und ihrer Inhalte. Diesen Prozess nennt man „Kanonisierung“. Die Anfänge der Kanonisierung lagen in der vorexilischen Königszeit der Reiche Israel und Juda: So berichtet 1. Kön 22 von der Auffindung eines „Gesetzbuchs“ im Jerusalemer Tempel, das den judäischen König Josia 621 v. Chr. zu einer jahwistischen Kultreform und Abschaffung des Synkretismus veranlasst haben soll. Gemeint war das 5. Buch Mose (lat. „Deuteronomium“), das seinerseits in vieler Hinsicht die Gebotsoffenbarung am Sinai (2.–3. Buch Mose) aktualisierend wiederholt. Spätestens seit dem Wiederaufbau des Tempels 539 v. Chr. war die Tora als erster und wichtigster Teil der hebräischen Bibel kanonisch; für die Samaritaner bildete sie bei ihrer Abspaltung im 4. Jahrhundert v. Chr. das einzige, maßgebende Gotteswort.

Der Tanach oder Tenach (hebräisch ‏תנ״ך‎), ein Akronym aus den drei Anfangsbuchstaben seiner Teile, wurde überwiegend auf Hebräisch, kurze Passagen auch auf Aramäisch verfasst. Er wurde nach der Zerstörung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahr 70 und der Niederlage im letzten jüdischen Krieg gegen die Römer 135 endgültig kanonisiert. Er umfasste laut Flavius Josephus 22 Bücher wie das hebräische Alphabet, laut des außerkanonischen 4. Esrabuchs dagegen 24 Bücher (die doppelte Zahl der Zwölf Stämme Israels). Dabei wurden vermutlich dieselben Schriften verschieden unterteilt.

Einteilung

Torarolle, ehemalige Synagoge Glockengasse in Köln

Die Tora bildet den ersten Teil des Tanach. Ihr Zentrum bildet der Bundesschluss am Sinai, der im Judentum das zentrale „Wort Gottes“ und damit der „Kanon im Kanon“ ist. Die Tora besteht aus den fünf Büchern Moses, die auch Chumasch, griechisch Pentateuch („fünf Buchrollen“) genannt werden. Die Einteilung beruht darauf, dass der Umfang nicht auf einer antiken Buchrolle Platz fand, erfolgte aber auch nach inhaltlichen Gesichtspunkten: Jedes der Bücher hat einen klaren Anfang und eine deutliche Zäsur am Ende.

Der Begriff „Tora“ bedeutet „Weisung“ und bezieht sich nicht nur auf die Gebote Gottes (Hauptinhalte des 2. und 3. Buchs Mose), sondern auf die gesamte Lebensordnung der Schöpfung. Die Einzelbücher heißen im Hebräischen nach ihren ersten Worten Bereshit („Im Anfang“), Schemot („Die Namen“), Wajikra („Und er rief“), Bemidbar („In der Wüste“), Devarim („Die Worte“).

Die Tora umfasst die Geschichte der Schöpfung und der Israeliten seit den Erzvätern (ab Gen 12), Israels Auszug aus Ägypten (Ex 1-15), dem Empfang der Gebote durch Mose (Ex 19 ff.) und dem Zug ins verheißene Land (Lev-Num). Ihre ältesten Stoffe entstanden im Verlauf von Wanderungsbewegungen von Nomaden im Zweistromland und aus Ägypten, die seit etwa 1200 v. Chr. in das Kulturland Kanaan einsickerten und dort sesshaft wurden. Sie wurden über Jahrhunderte zunächst mündlich tradiert. Ihre Verschriftung und Zusammenstellung begann um 1000 v. Chr., nachdem aus dem losen Stämmebund verschiedener Hebräer ein Staatswesen nach dem Vorbild antiker Monarchien geworden war. Sie wurde nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil (539 v. Chr.) bis spätestens 400 v. Chr. kanonisiert. Die Tora wird am Sabbat und an den Feiertagen abschnittweise in der Synagoge vorgelesen. Der Vorlesungszyklus beginnt und endet im Herbst mit dem Torafreudenfest.

Newiim, 1. Buch Samuel, Codex von Aleppo, 10. Jh.

Die Prophetenbücher des Tanach sind in vordere und hintere Propheten unterteilt. Zu den vorderen Propheten zählen das Buch Josua, Richter, Samuel (ein Buch, geteilt in zwei Rollen) und das Buch Könige (ein Buch). Diese Bücher erzählen die Geschichte Israels vom Tod Moses, der Landverteilung an die zwölf Stämme Israels bis zur Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels (586 v. Chr.).

Zu den hinteren Propheten zählen Jesaja, Jeremia, Ezechiel und das Zwölfprophetenbuch. Die drei großen Propheten sind nach Analogie der drei Erzväter jeweils einem Buch zugeteilt; die übrigen kleinen Propheten bilden als Analogie zu den zwölf Söhnen Jakobs das Zwölfprophetenbuch. Das erste Prophetenbuch beginnt mit der Unterordnung Josuas unter die Autorität Moses (Jos 1,5 EU) und schließt mit Maleachi als letztem der zwölf kleinen Propheten mit der Rückbindung an die Tora. Die Prophetenbücher wurden frühestens im 4. Jahrhundert v. Chr. kanonisiert, während für die damals vom Judentum abgespaltenen Samaritaner allein die Tora „Wort Gottes“ blieb. Am Sabbat und an den Feiertagen wird nach der Toravorlesung in der Synagoge jeweils in der Haftara ein Abschnitt aus den Newiim vorgelesen.

Esther-Rolle, Fès, Marokko, 13./14. Jh.

Zu den „Schriften“ (Ketuwim) gehören die Psalmen, Buch Ijob, Buch der Sprichwörter, Buch Rut, Hoheslied, Kohelet, Klagelieder Jeremias, Buch Ester, Daniel, Buch Esra, Nehemia, 1. Buch der Chronik und 2. Buch der Chronik. In diesen Werken ist eher wörtliche Rede von Menschen als von Gott überliefert. Sie sind alle nach dem Exil und später als die vorherigen „klassischen“ Propheten entstanden, überwiegend ab 200 v. Chr. Einige sind vor oder parallel zu den zwölf kleinen Propheten entstanden. Dennoch ist ihre theologische Bedeutung diesen nachgeordnet. Das zweite Chronikbuch endet mit dem Ausblick auf den Neubau des Tempels und die Anerkennung JHWHs als Herrn der ganzen Erde. Ihre Kanonisierung geschah spät, für das Buch Daniel erst 135 n. Chr. mit dem Abschluss des Tanach.

Fünf dieser Bücher werden als „Festrollen“ (Megillot) im Synagogengottesdienst verlesen und sind bestimmten Feiertagen zugeordnet:

AT

Urchristentum

Das hellenistische Judentum hatte den noch nicht kanonisierten Tanach bis 250 v. Chr. in die griechische Verkehrssprache, die Koiné, übersetzt. Diese Septuaginta genannte Übersetzung lag auch dem Urchristentum großenteils schon vor, wurde um 100 n.Chr. abgeschlossen und bildete dann die Grundlage für das christliche AT.

Das NT setzt die ganze jüdische Bibel als Basis des jüdischen Gottesdienstes voraus, etwa bei Jesu Antrittspredigt in Nazareth, die nach Lk 4,14–21 EU mit einer Lesung der „Schrift“ begann. Vom „Gesetz“ ist oft im Zusammenhang mit Tora-Auslegungen Jesu die Rede, etwa zu Beginn der Bergpredigt. Mt 5,18 EU bekräftigt die kanonische Geltung der Tora bis zur Parusie:

„Wahrlich ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis alles geschieht.“

Häufig stehen „Gesetz und Propheten“ als Kürzel für die Gesamtheit der biblischen Überlieferung vom Bundeswillen Gottes. Auch eine dreigliedrige Form des Tanach wird im Mund des Auferstandenen für die Christen verbindlich gemacht (Lk 24,44 EU):

„Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.“

Konfessionelle Kanonunterschiede

Alle christlichen Konfessionen haben die Schriften des Tanach durch ihre Aufnahme in das AT als gültiges Wort Gottes anerkannt. Zudem erkennen die Römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen auch jene Schriften der Septuaginta als kanonisch an, die das Judentum aus dem Tanach ausgeschlossen hatte:

Diese sogenannten deuterokanonischen Schriften wurden in die lateinische Übersetzung der Septuaginta aufgenommen, die Vulgata. Daher enthält das römisch-katholische AT 46 Bücher.

Der orthodoxe Bibelkanon umfasst zudem das Gebet des Manasse, ein sogenanntes 1. Buch Esra, so dass das hebräische Esra-Buch als 2. Buch Esra gilt, 3. Makkabäer, Psalm 151, 4. Makkabäer und in den slawischen Kirchen eine Esra-Apokalypse (auch bekannt als 4. Esra).

Die evangelischen Kirchen dagegen erkennen im Anschluss an die Lutherbibel nur den Tanach als kanonisch an, teilen ihn aber in 39 Bücher ein (mit dem NT also 66) und ordnen sie anders an. In dieser Form blieb der jüdische Kanon im Protestantismus gültig. Martin Luther stellte weitere von ihm übersetzte Schriften der Septuaginta als „Apokryphen“ ans Ende des AT und bewertete sie als „der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen“. In überkonfessionellen oder ökumenischen Bibelübersetzungen stehen diese Bücher optisch abgesetzt am Ende des AT.

NT

Hauptartikel: Neues Testament

Handschriften

Reste von Papyruskodices mit griechischen alt- und neutestamentlichen Texten stammen aus dem 2. und 3. Jahrhundert: Das älteste bekannte Fragment des NT überhaupt ist der Papyrus \mathfrak{P}52 aus einem Kodex mit einem Text aus dem Johannesevangelium, entstanden etwa um 125. Neutestamentliche Texte in Rollenform sind bisher nicht gefunden worden. Die ältesten bekannten Codices, die das ganze AT und ganze NT enthalten, sind der Codex Sinaiticus und der Codex Vaticanus aus dem vierten und der Codex Alexandrinus aus dem fünften Jahrhundert.

Sprache

Das NT umfasste zur Zeit seiner endgültigen Begrenzung (um 400) 27 griechische Einzelschriften. Alle zusammen erreichen insgesamt nur ein starkes Viertel des Umfangs des AT. Diese 27 Bücher entstanden wohl überwiegend zwischen 70 und 100 n. Chr. im Urchristentum. Sie sind fast durchgängig in der damaligen Umgangssprache, der griechischen Koiné, verfasst. Zudem enthalten sie einige aramäische Begriffe und Zitate. Aramäisch war die damalige Umgangssprache in Palästina und die Muttersprache Jesu.

Einteilung

Das NT besteht aus fünf erzählenden Schriften, nämlich den vier Evangelien

sowie der

und aus Briefen an christliche Gemeinden:

sowie der apokalyptischen Offenbarung des Johannes.

Die Evangelien verkünden Jesus von Nazaret nacherzählend als den im AT verheißenen Messias und bezeichnen ihn daher wie auch alle übrigen NT-Schriften als Jesus Christus. Die Apostelgeschichte erzählt von der Ausbreitung des Christentums von der Gründung der Jerusalemer Urgemeinde an bis nach Rom. Dabei bezieht sie sich ständig auf biblische Überlieferung. Die Briefe geben Antworten auf Glaubensfragen und Rat in praktischen Konflikte der verschiedenen Gemeinden.

Bei der Kanonisierung des NT bestätigte die Alte Kirche auch die Bücher des Tanach als „Wort Gottes“. Fast alle christlichen Konfessionen erkennen die 27 NT-Schriften als kanonisch an. Die syrisch-orthodoxen Kirchen erkennen einige davon nicht an. Die Johannesoffenbarung wird auch in den anderen orthodoxen Kirchen nicht öffentlich verlesen.

Verhältnis zum AT

Das Christentum nannte die viel ältere jüdische Sammlung heiliger Schriften „Altes“ Testament im Verhältnis zu seinem „Neuen“ Testament. Der lateinische Begriff testamentum übersetzt den griechischen Ausdruck diatheke, der seinerseits das hebräische berith (Bund, Verfügung) übersetzt. Er steht nicht wie in der antiken Umwelt für ein zweiseitiges Vertragsverhältnis, sondern für eine einseitige unbedingte Willenserklärung. Dies bezieht sich im AT auf Gottes Taten und Bekundungen in der menschlichen Geschichte, besonders auf seinen Bundesschluss mit dem ganzen Volk Israel am Berg Sinai nach der Offenbarung der Gebote (Ex 24 EU). Ihm gehen Gottes Schöpfungsbund mit Noach (GenEU), die Berufung Abrahams zum „Vater vieler Völker“ (Gen 12 EU) und der Bund mit Mose zur Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei voraus (ExEU). Zudem wird in der Prophetie ein „neuer Bund“ verheißen (Jer 31 EU), der alle Völker einbeziehen werde (JoelEU).

Für die Urchristen hat sich diese Verheißung in Jesus Christus als dem sterblicher Mensch gewordenen Wort Gottes erfüllt. In seinem Tod und seiner Auferstehung wurde für sie Gottes „letzter Wille“ offenbar. Dieser ersetzte Gottes Bund mit dem jüdischen Volk aber nicht, sondern erfüllte und bekräftigte ihn so endgültig. Jesus Christus habe die Tora in seiner Lebenshingabe erfüllt, so dass seine Auslegung maßgebend geworden sei. Darum bekräftigten die Urchristen einerseits die Geltung aller Gebote (Mt 5,17-20), andererseits ihre Begrenzung auf die Zehn Gebote in Jesu Auslegung, also die Konzentration auf die Gottes- und Nächstenliebe. Daher hoben sie viele andere Toragebote auf oder relativierten sie.

Schon die Judenchristen und Heidenchristen der Paulusgemeinden deuteten die Tora und ihre Rolle für den eigenen Glauben verschieden. Die Alte Kirche bewahrte den ganzen Tanach als Gottes endgültige, schriftlich fixierte Offenbarung, so dass er im Christentum Gottes Wort blieb. Die Gegenüberstellung von „altem“ und „neuem“ Bund ist besonders auf den Exodus Israels und die Kreuzigung und Auferstehung Jesu bezogen. Sie werden gemeinsam als jene Taten Gottes aufgefasst, in denen er sein volles Wesen zeigt. Sein „letzter Wille“ widerspricht seinem „ersten Willen“ nicht, sondern bestätigt und erneuert ihn für die ganze Welt.

In der Christentumsgeschichte wurde „alt“ jedoch bis 1945 meist als „veraltet“, „überholt“ und somit als Herabsetzung und Entwertung des Judentums gedeutet. Dieses galt als verblendete, zum Untergang bestimmte Religion. Das Selbstopfer Jesu Christi am Kreuz habe die Sinaioffenbarung, die Kirche habe das erwählte Volk Israel „abgelöst“; Gott habe Israel „enterbt“ und den Christen die Verheißungen übergeben, so dass Heil nur noch in der Taufe liege (siehe Substitutionstheologie). Erst nach dem Holocaust begann ein grundsätzliches Umdenken. Seit den 1960er Jahren übersetzten viele Theologen „Altes“ als „Erstes“ Testament oder ersetzten den Begriff durch „Hebräische“ oder „Jüdische Bibel“, um Vorrang und Weitergeltung des Bundes Gottes mit Irael/dem Judentum zu betonen und die Abwertung seiner Religion und Bibelauslegung zu überwinden.

Heute stimmen fast alle christlichen Konfessionen darin überein, dass beide Teile gleichberechtigt die christliche Bibel ausmachen und ihre Deutung wechselseitig aufeinander angewiesen ist. Die christliche Exegese interpretiert AT-Texte aus ihrem Eigenkontext, um eine voreilige Deutung vom NT her zu vermeiden. So sprach der Alttestamentler Walther Zimmerli von einem auch durch das NT nicht abgegoltenen „Verheißungsüberschuss“ des AT, den gerade Jesus Christus selbst durch seine anfängliche Erfüllung bekräftigt habe.[2]

Normativer Anspruch als „Wort Gottes“

Die meisten Richtungen im Christentum lehren, dass Gott die biblische Überlieferung lenkte und inspirierte, ihre Schreiber also vom Heiligen Geist bewegt und vor schwerwiegenden Fehlern bewahrt wurden. Sie fassen den Text ihrer Bibel aber nicht vollständig als direktes Ergebnis göttlicher Eingebung oder göttlichen Diktats auf, sondern als menschliches Zeugnis, das Gottes Offenbarungen enthält, reflektiert und weitergibt.

Im Katholizismus und in lutherischer Orthodoxie galt lange Zeit die Theorie der Verbalinspiration. Manche Evangelikale setzen den Bibeltext unmittelbar mit Gottes Offenbarung gleich und schreiben seinem Wortlaut daher eine „Irrtumsfreiheit“ (Inerrancy) zu. Diese Auffassung wird oft als Biblizismus oder biblischer Fundamentalismus bezeichnet. Er reagiert auf die als Angriff auf den Glauben empfundene historische Historisch-kritische Methode seit der Aufklärung.

Für alle Christen ist Jesus Christus, seine Person und sein Werk, das maßgebende, alle äußeren Worte erhellende Zentrum der Bibel. Seine Kreuzigung und Auferstehung gelten für sie als Wendepunkt der Heilsgeschichte.

Eine Analyse des Verhältnisses von „Bibel“ und „Wort Gottes“ stützt sich auf die Aussagen der Bibel und zeigt, dass der Begriff „Wort Gottes“ in der Bibel in dreifacher Weise vorkommt: für prophetische Aussprüche, für die zentrale Heilsbotschaft (d. h. das „Evangelium“) und manchmal für Jesus Christus.[3]

Für römische Katholiken erlangte die Bibel ihre Autorität als Wort Gottes erst durch das Lehramt des Papstes, der auch den Bibelkanon endgültig festgelegt habe. Für sie ist die Überwindung der Erbsünde durch Jesu stellvertretendes Sühneopfer, daraufhin das Zusammenwirken von menschlicher Bemühung und Gottes Gnadenangebot (Synergismus) zentraler Inhalt der Bibel und Maßstab ihrer Auslegung.

Für Protestanten ist es im Anschluss an Martin Luther das Gnadengeschenk Jesu Christi ohne jedes eigene Zutun. Für die Liberale Theologie ist es das menschliche Vorbild des historischen Jesus, das die grenzenlose Gottesliebe bestätigt. Die evangelischen Konfessionen betrachten die ganze Bibel als alleinigen Maßstab ihres Glaubens, als norma normans. Der Theologe Dietrich Kuessner formuliert:[4]

„Das Bekenntnis ist im Verhältnis zur Bibel nachgeordnet, eine bereits von der Schrift geprägte Norm (norma normata).“

Demnach haben sich alle Glaubensäußerungen, Bekenntnisschriften und Dogmen an der Bibel zu messen und sollen ihr daher nicht widersprechen. In der katholischen Kirche ist das päpstliche Lehramt die maßgebende und letzte Autorität zur Schriftauslegung; zudem wird die Kirchliche Tradition oft als gleich mit der Bibel angesehen. Die evangelische Kirche lehnt dieses übergeordnete Amt und die starke Stellung der Tradition ab, da beides nicht biblisch begründet sei. Hier gibt es faktisch keine einheitliche Lehre, da die Schriftauslegung nach den lutherischen und reformierten Bekenntnisschriften letztlich Sache des Heiligen Geistes bleibt. Dieser offenbare die Wahrheit des Wortes Gottes dem einzelnen Gewissen des Gläubigen.

Übersetzungen

Hauptartikel: Bibelübersetzung
Markus-Evangelium in gotischer Sprache, Codex Argenteus, 6. Jh.

Judentum

Das Judentum hat Übersetzungen der hebräischen Bibel in verschiedene Sprachen geschaffen. Die bekannteste in deutscher Sprache ist jene von Martin Buber und Franz Rosenzweig in vier Bänden: Die Schrift (ab 1925).[5] Rund hundert Jahre früher machte sich das Team von Leopold Zunz daran, den Tanach ins Deutsche zu übersetzen.[6] Im 20. Jahrhundert sind weitere deutsche Ausgaben entstanden, z.B. jene von Naftali Herz Tur-Sinai.[7]

Christentum

Während die Orthodoxen Kirchen seit etwa 200 n. Chr. Bibeln in der Landessprache verwendeten, war für die katholische Kirche seit dem Ausgang des Altertums die lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus, die sogenannte Vulgata, maßgebend, auch wenn immer wieder Bibeln in die jeweilige Volkssprache übersetzt wurden. Allerdings war die Vulgata selbst ursprünglich auch eine Übersetzung in die Volkssprache, denn als sie entstand, war Latein noch Umgangssprache. Die Wandlung des Lateinischen zu den romanischen Sprachen machte die westliche Bibel dann nicht mehr mit, und auch in den germanischen und keltischen Gebieten Westeuropas wurde die Bibel fast nur auf Lateinisch verbreitet.

Bereits im 4. Jahrhundert übersetzte der gotische Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische, die nach ihm benannte Wulfilabibel. Wulfila war allerdings nicht katholisch, sondern Arianer.

Im Spätmittelalter entstand eine Reihe von Bibelübersetzungen. Besonders die Reformatoren, aber auch schon einige ihrer Vorläufer (Petrus Waldes, John Wycliff und Jan Hus) sahen den direkten Zugang zur Bibel in der Landessprache als wesentlich für den christlichen Glauben an. Durch die Übersetzungen der Reformatoren Luther und Zwingli in den Jahren 1522 bis 1534 wurde die Bibel zum ersten Mal einer größeren Leserschaft im deutschen Sprachraum zugänglich. Maßgeblichen Beitrag dazu leistete die Erfindung des Buchdrucks. Die Lutherbibel wurde Grundlage einerseits für die weite Verbreitung der Bibel in Deutschland, andererseits für ihre kritische Lektüre vor allem seit der Aufklärung und hatte auch eine große Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Schriftsprache. Gedruckt wurde sie in der Schwabacher Schrift. Als Reaktion auf die volkssprachlichen Bibelübersetzungen der Reformierten entstanden auch katholische Übersetzungen, die sogenannten Korrekturbibeln.

Heute gibt es eine gute und vor allem große Auswahl an Bibelübersetzungen in deutscher Sprache. Neben der klassischen (inzwischen mehrfach überarbeiteten) Lutherbibel sind erwähnenswert: die sehr wortgetreue, tendenziell wortkonkordante Elberfelder Übersetzung, die ebenfalls recht wortgetreue und etwas besser lesbare Zürcher Bibel, die katholische (bzw. für die Psalmen und das NT katholisch-evangelische) Einheitsübersetzung, die eine verständliche Sprache und gute Brauchbarkeit für liturgische Zwecke aufweist, und die modernen Übertragungen „Gute Nachricht Bibel“ und „Hoffnung für Alle“, die die alten Texte durch eine freiere Übersetzung in eine zeitgemäße und sehr gut verständliche Sprache übertragen haben. Zudem sind in den letzten Jahren noch weitere freie Übersetzungen hinzugekommen, nämlich die „Neues Leben“-Übersetzung und die Basisbibel. Eine Sonderrolle nimmt die Schlachter-Bibel ein, die Genauigkeit mit einer gut verständlichen Sprache vereint, teilweise aber eine sehr umstrittene Wortwahl bietet.

Die heute in allen christlichen Bibelausgaben übliche und weitestgehend einheitliche Einteilung des Textes in Kapitel und Verse ist spät entstanden. Die Kapiteleinteilung führte Stephen Langton, Erzbischof von Canterbury, 1205 in die Vulgata ein. Die Verseinteilung des NT wurde 1551 in Genf erstmals von dem Pariser Buchdrucker Robert Estienne (dt.: Stephanus) an einer griechischen und lateinischen Bibelausgabe durchgeführt.

Ohne die sieben deuterokanonischen Bücher umfasst die Bibel 66 Bücher mit 1189 Kapiteln und mehr als 31150 Versen.[8]

Bibelkritik

Im Judentum setzt die Bibelkritik erst spät ein. Im Christentum gibt es seit etwa 1700 immer wieder Diskussionen darüber, inwiefern die biblischen Erzählungen als historische Berichte gelten können. Dabei treffen verschiedene Auffassungen aufeinander.

Die biblischen Texte als historische Dokumente

Auf Grund von Bibeltexten wie dem Beginn des Lukasevangeliums (Lk 1,1–4 EU) oder dem Ende des Johannesevangeliums (Joh 20,31 EU) betrachten konservative Theologen Bibeltexte als historische Berichte.[9] Die Haltung zur Bibel wird dann auch in Glaubensbekenntnissen festgehalten, etwa in der Basis der Evangelischen Allianz von 1970: Demnach ist die Bibel als inspirierte Heilige Schrift „in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung“ „völlig zuverlässig“.[10] Ein Teil der evangelikalen Bewegung formuliert noch schärfer und sagt, dass die Bibel „in allem, was sie lehrt, ohne Irrtum oder Fehler“ sei, und schließt dabei auch „Aussagen im Bereich der Geschichte und Naturwissenschaft“ mit ein (Biblischer Fundamentalismus).[11]

Frühe Bibelkritik: Histoire critique du vieux testament von Richard Simon, Neuauflage 1685

Die biblischen Texte als Glaubenszeugnisse

Die in der Neuzeit entwickelte historisch-kritische Exegese versucht, die jeweilige literarische Form der Texte der Bibel zu erfassen, im Rahmen der Literar- und Formkritik. Demnach erzähle die Bibel nicht Geschichte, sondern Heilsgeschichte. Der historische Gehalt der biblischen Erzählungen wird dann in ihren verschiedenen Teilen sehr unterschiedlich beurteilt; einem Teil der Bibel wird hohe geschichtliche Zuverlässigkeit zugeschrieben. Die Evangelien verstehen sich nach Meinung der Historisch-Kritischen als „Frohe Botschaft“. Ihr Ziel sei, den Glauben an den „auferstandenen Jesus Christus“ zu bezeugen. Den Evangelien sei zwar historisch zuverlässiges Material zu entnehmen, wichtiger aber sei es, die Glaubensbotschaft der Evangelien verständlich und lebendig zu machen.

Weitere Zugänge zur Bibel

Nichttheologische Wissenschaftler verstehen die Bibel häufig als ein literarisches Werk. Gattungsgeschichtlich gehören die Texte in die literarischen Kategorien Prolog, Liebeslied, Hymnus, Paradoxon, Monolog, Dialog, Rätsel, Ellipse, Gebet, Gleichnis, Parabel, Gedicht, Brief und Geschichtsschreibung. Die Texte stellen eine wertvolle Quellensammlung für die Erforschung ihrer jeweiligen Entstehungszeit dar. Die Historizität der Erzählungen selbst wird von einigen als relativ gering eingeschätzt.

Weniger weit verbreitet ist der Glaube, bei der Bibel handele es sich um ein magisches Buch, mit welchem wichtige Ereignisse in der Zukunft vorhergesehen werden könnten. Manche Menschen haben einige Zeit ihres Lebens damit verbracht, den vermuteten Bibelcode zu entschlüsseln, um an die geheimen Botschaften zu gelangen. Bislang ist die Existenz eines solchen Kodes nicht bewiesen.

Daneben gibt es eine Bibelkritik, deren Thema unter anderem die in der Bibel vertretenen moralisch-ethischen Auffassungen und die Gewalt in der Bibel sind.[12]

Islam

Der Koran übernimmt und variiert eine Reihe biblischer und apokrypher Geschichten und Lehren, die Mohammed wahrscheinlich mündlich durch die syrische Kirche überliefert wurden. Er nennt die Tora (Taurat), die Psalmen (Zabur) und das Evangelium (Indschil) „Heilige Schriften“, die von Gott stammen, aber später von Menschen verändert, teils sogar verfälscht worden seien:

„Wir haben die Herzen der Kinder Israel verhärtet, so dass sie die Worte der Schrift entstellten, und sie vergaßen einen Teil von dem, womit sie erinnert worden waren …
Und von denen, die sagten: ,Wir sind Nasara‘ [Nazarener] habe wir ihre Verpflichtung entgegengenommen. Aber dann vergaßen sie einen Teil von dem, womit sie erinnert worden waren.“

Sure 5,13f

Daher sind viele Muslime mit wichtigen Inhalten der Bibel vertraut, wenn auch in koranischer Version, die oft den biblischen Wortlaut verkürzt, verändert, paraphrasiert und von seinem Eigenkontext löst. Diese interpretierende Wiedergabe ist für sie maßgebend, entsprechend dem Anspruch des Korans, der sich als endgültige Offenbarung Allahs versteht, die alle früheren Offenbarungen aufnimmt und ihre Wahrheit wiederherstellt.

Der Koran sieht in den biblischen Geschichten, die er nacherzählt, Mohammeds Kommen und seine Berufung zum „Siegel der Propheten“ Gottes vorgebildet und prophezeit. Huseyn al-Dschisri deutete 114 Stellen in der Bibel – vor allem den paraklētos („Beistand“, „Fürsprecher“) in Joh 14,26 EU; 15,26–27 EU; 16,7–13 EU – als Hinweise auf Mohammeds Prophetentum.

Parallelen zur Urgeschichte der hebräischen Bibel sind im Koran

  • das psalmenartige Lob des Schöpfers, z. B. in Sure 87,1–3
  • die Bestimmung Adams und seiner Frau (Eva wird nie namentlich genannt) zum Stellvertreter (biblisch: Ebenbild Gottes) auf Erden und ihre Vertreibung aus dem Paradies (Sure 2,30–36)
  • ihre Wiederannahme (Sure 20,122; der Koran kennt keinen Schöpfungsfluch und keine Erbsünde)
  • der Brudermord (Sure 5,27–32)
  • die Sintflut und Noahs Rettung: Dieser ist nach Adam Gottes erster Gesandter, der vergeblich zur Abkehr von falschen Göttern ruft (Sure 40,36f).

Der Koran nennt 20 Figuren der Bibel, die dort nicht alle als Propheten gelten, als Vorläufer Mohammeds. Besonders Abraham, der „Freund Gottes“, ist für den Koran Vorbild des wahren Gläubigen. Er habe – wie auch nachbiblische jüdische Überlieferung erzählt – erkannt, dass Gott mächtiger als Gestirne ist (Sure 6,78 f). Die ihm folgten, ohne Juden oder Christen zu werden (Hanifen), sind den Muslimen gleichwertig (Sure 21,51–70). Ihm wurde auch im Koran ein Sohn verheißen, den er opfern sollte (Sure 37,99–113). Dabei deuten die Muslime diese Geschichte nicht auf Isaak, sondern auf Ismael, den von der Magd Hagar geborenen ältesten Sohn Abrahams, der als Stammvater der Araber gilt. Abraham und Ismael sollen, gemäß Sure 2,125 die Kaaba als erstes Gotteshaus in Mekka gegründet haben.

Von Joseph, Jakobs zweitjüngstem Sohn, erzählt Sure 12. Moses wird in 36 Suren erwähnt: Er ist auch im Koran der mit Gott unmittelbar redende Prophet (Sure 4,164), der sein Volk Israel aus Ägypten befreite und ihm die Tora vermittelte. Die Zehn Gebote liegen Sure 17,22–39 zugrunde. König David empfängt und übermittelt als Prophet die Psalmen; Salomos große Weisheit preist Sure 21,78 ff.

Von den Figuren des NT stellt der Koran Maryam (Maria – Mutter Jesu), Johannes den Täufer (Sure 3,38–41; 19,2–15; 21,89 f.) und Isa bin Maryam („Jesus, der Sohn der Maria“) besonders heraus. Letzterer hat die Aufgabe, das Volk Israel zum Gesetzesgehorsam zurückzurufen und den Christen das Evangelium als schriftliche Offenbarungsurkunde zu vermitteln. Er verkündet wie Mohammed Gottes kommendes Endgericht, aber nur als Mensch, der nicht gekreuzigt wurde (Sure 4,157). Seine Auferstehung wird daher nur angedeutet. Die jungfräuliche Geburt wird im Koran aber ebenso bezeugt, wie Jesus als der verhießene Messias, das Wort Gottes und ein Mensch frei von Sünde.

Als Gesandte Gottes sind diese Propheten im Koran moralische Autoritäten, sodass er von ihren in der Bibel geschilderten dunklen Seiten (z. B. Davids Ehebruch und Mord) nichts berichtet.

Verbreitung und Sammlungen

Die Bibel ist das meistgedruckte, am häufigsten übersetzte und am weitesten verbreitete Buch der Welt. Es existieren Gesamtübersetzungen in 511 Sprachen und Teilübersetzungen in 2650 Sprachen.[13][14]

Für die Verbreitung der Bibel setzen sich Bibelgesellschaften weltweit ein. In Deutschland sind dies insbesondere:

Zur Verbreitung biblischer Erzählungen tragen auch Bilderbibeln bei, also szenische Bildfolgen biblischer Geschichten mit oder ohne Text und Erläuterungen. Sie umfassen sowohl illustrierte wie lose oder gebundene Bildfolgen. Dazu gehören an Analphabeten, Mittellose und Kinder adressierte Armenbibeln und Kinderbibeln.

Die Flucht nach Ägypten, Rembrandt, 1627

Historische Bibeln werden in Bibelmuseen bewahrt und gesammelt, darunter die British Library,[15] Württembergische Landesbibliothek, die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel[16] und weitere.

Weiterführende Informationen

Siehe auch

Literatur

Bibliographie
  • Elenchus Bibliographicus Biblicus. Pontifical Biblical Institute Press, Rom 1920 ff., ZDB-ID 1838-7, (nahezu vollständige Sammlung zur Sekundärliteratur)
Überblicks- und Nachschlagewerke
Fachliteratur
  • Bernhard Lang: Die Bibel. Eine kritische Einführung. F. Schöningh, Paderborn 1990, ISBN 3-506-99409-3.
  • Hanna Liss: Tanach. Lehrbuch der jüdischen Bibel Band 8. 2., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8253-5448-0.
  • Gerhard Lohfink: Jetzt verstehe ich die Bibel. Ein Sachbuch zur Formkritik. 13. Auflage, Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1986, ISBN 3-460-30632-7.
  • Herbert Hunger: Geschichte der Textüberlieferung der antiken und mittelalterlichen Literatur. 2 Bände. (1961–1964) 2. Auflage, dtv, 1988, ISBN 3-423-04485-3.
Populärwissenschaftliches

Weblinks

 Wikisource: Bibel – Quellen und Volltexte
 Commons: Bibel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bibel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikiquote: Bibel – Zitate
  Wikiquote: Evangelium – Zitate
Bibelausgaben und -Übersetzungen
Hauptartikel: Bibelausgabe
Informationen
Literarische Rezeption

Einzelnachweise

  1. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (abg. DWDS), erstellt von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
  2. Walther Zimmerli: Grundriß der alttestamentlichen Theologie, Stuttgart 1972, S. 206 f.
  3. Franz Graf-Stuhlhofer: Worte Gottes in der Bibel. Gegen eine undifferenzierte Gleichsetzung von Bibel und Wort Gottes. In: Zeitschrift für Theologie und Gemeinde 16 (2011) 66–89.
  4. Dietrich Kuessner 2002 (RTF; 21 kB)
  5. Martin Buber, Franz Rosenzweig: Die Schrift. – Stuttgart 1992 – ISBN 3-438-01491-2. Die Buber-Rosenzweig-Verdeutschung wird in vielen Lehrhäusern und Bibelkreisen benutzt.
  6. Leopold Zunz: Die vierundzwanzig Bücher der Heiligen Schrift nach dem Masoretischen Text. 1837. Neuausgaben: Victor Goldschmidt: Basel 1995, ISBN 3-85705-002-0; Sinai Verlag: Tel-Aviv 1997, ISBN 3-929895-11-0 (hebräisch-deutsch). Wird von vielen Judaisten benutzt; der hebräische Text ist mitabgedruckt. Zunz selbst hat dabei lediglich die beiden Chronikbücher übersetzt; bis zur 17. Auflage hieß es korrekt: Unter der Redaktion von Dr. Zunz übersetzt von A. Arnheim, Dr. Julius Fürst, Dr. M. Sachs.
  7. Naftali Herz Tur-Sinai: Die Heilige Schrift, ins Deutsche übertragen. 3. Auflage, Neuhausen-Stuttgart 1997.
  8. Statistik in einem Bibel-Abschreibeprojekt
  9. So etwa Franz Graf-Stuhlhofer: Auf der Suche nach dem historischen Jesus Über die Glaubwürdigkeit der Evangelien und die Zweifel der Skeptiker. Leun 2013, S. 23f.
  10. Abgedruckt etwa bei Fritz Laubach: Aufbruch der Evangelikalen. Wuppertal 1972, S. 101.
  11. Thomas Schirrmacher (Hrsg.): Bibeltreue in der Offensive. Die Drei Chicago-Erklärungen zur biblischen Irrtumslosigkeit [1978], Hermeneutik [1982] und Anwendung [1986]. Bonn 1993, S. 19 (zusammenfassende Erklärung), S. 22 (Artikel XII).
  12. z. B. Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann. Erweiterte Neuauflage, Aschaffenburg 2004.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDie Bibel in 511 Sprachen komplett übersetzt. Abgerufen am 1. September 2014 (Quelle: Weltverband der Bibelgesellschaften (United Bible Societies), abgerufen auf der Seite der Deutschen Bibelgesellschaft. Erfasst sind alle Bibelübersetzungen, die im vergangenen Jahr neu von der UBS registriert worden sind.).
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWeltbibelhilfe, Zahlen und Fakten. Abgerufen am 1. September 2014.
  15. The British Library Catalogue of Illuminated Manuscripts
  16. Bibeln. Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Abgerufen am 21. Juni 2013.