Bibelstudium
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Unter Bibelstudium versteht man eine tiefergehende Beschäftigung mit den Texten der Bibel als Heilige Schriften des Glaubenslebens im Christentum. Dabei ist hier vor allem die private Beschäftigung mit der Bibel gemeint, weniger die liturgische im Gottesdienst und auch nicht das akademisch-fachwissenschaftliche Studium. Im Judentum spricht man analog vom Tora-, im Islam vom Koran-studium. Zum wissenschaftlichen Bibelstudium siehe Biblische Hermeneutik und Biblische Exegese.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Gründe für das Bibelstudium
Die Bibel kann aus unterschiedlichen Motiven studiert werden:
- auf der Suche nach Orientierung und Lebenssinn und Trost[1]
- um Gott bzw. die Grundlagen der abrahamitischen Offenbarungsreligionen „kennenzulernen“ oder Gottes Willen zu erfahren[2]
- zur Vorbereitung gemeindlicher Dienste wie Predigt, Seminar, Bibelstunde, Liturgie[3]
- in der Ausbildung für geistliche Berufe oder Dienste, um theologische Fragen beantworten zu können[4]
- als Quelle für historische Ereignisse der Antike[5][6]
- der Urtext bzw. alte Übersetzungen als Quelle für Sprachwissenschaftler[7]
- als Werk der Weltliteratur um die Allgemeinbildung zu verbessern[8]
- als Teil der Religionskritik, um echte oder vermeintliche Widersprüche aufzudecken[9]
Bei der Auslegung kommt es auf das Vorverständnis der Bibel an, das sehr unterschiedlich sein kann: Die Bandbreite reicht von einem buchstäblichen-fundamentalistischen bis zu einem bibelfeindlichen Ansatz.
[Bearbeiten] Äußerer Rahmen des Bibelstudiums
Im christlichen Alltag findet privates Bibelstudium allein oder in Kleingruppen (z.B. Hauskreis, Seelsorge) statt. Viele Gemeinden bieten Kurse mit schwerpunktmäßigen biblischen Themen an. Vertiefende Studien sind als Ferienkurse, Abendkurse oder Fernunterricht auch für Laien möglich. Alle modernen Medien werden genutzt. Auftauchende Glaubensfragen werden auch spontan in privater Atmosphäre anhand der Bibel geklärt.
In Ländern, in denen die Ausübung des christlichen Glaubens gesetzlich eingeschränkt ist (z.B. Nordkorea, Malediven), findet Bibelstudium auch im Geheimen statt.
[Bearbeiten] Hilfsmittel zum Bibelstudium
Nützlich auch beim privaten Studium der Bibel ist die Verfügbarkeit mehrerer Bibelübersetzungen, sodass ein Vergleich bei schwer verständlichen Passagen oder fraglichen Übersetzungen möglich ist. Dabei ist es hilfreich, wenn man ein Grundverständnis der verschiedenen dort verwendeten Übersetzungsmethoden (text-, struktur-, wirkungs- oder sinntreu) hat. In Zweifelsfällen an der Angemessenheit der Übersetzung einer Passage ist eine Urtext-Ausgabe (auch Interlinearausgabe genannt) hilfreich, in der die Originalsprache und die Zielsprache spaltengleich nebeneinander stehen. Für die vier Evangelien des neuen Testamentes wäre dies entsprechend auf der linken Seite die griechische Originalfassung (beispielsweise der Ausgabe des Nestle-Aland-Textes) und auf der rechten Seite die deutschsprachige Übertragung. Ebenso kann es hilfreich sein, mehrere verschiedene Übersetzungen, insbesondere solche mit unterschiedlichen Ansätzen, einander gegenüberzustellen.
Studienbibeln bieten Erklärungen zum Text, Hinweise auf ähnliche oder aufeinander bezogene Textabschnitte (Parallelstellen), kartographische Materialien und Stichwortregister zum schnellen Auffinden gesuchter Aussagen. Die meisten Studienbibeln sind von einem bestimmten konfessionellen Standpunkt geprägt, daher kann es auch hier hilfreich sein, mehrere verschiedene Versionen zu vergleichen.
Konkordanzen ermöglichen einen schnellen Einblick über den Gebrauch von bestimmten Worten in verschiedenen Kontexten. Außerdem helfen sie, Textpassagen, an die man sich erinnert, bequem wiederzufinden.
Bibel-Lexikon und Bibel-Atlas leisten nützliche Dienste bei der Klärung von Fragen, die sich beim Bibelstudium ergeben. Computer-Programme ermöglichen einen schnellen Zugriff auf Textstellen. Mehrere Übersetzungen können gleichzeitig angezeigt werden. Komfortable Suchfunktionen, integrierte Lexika und Wörterbücher sowie grammatische Analysefunktionen erlauben eine tiefgehende Beschäftigung.
Auch die "Bibelstudien"-Kurse der Institute und Fortbildungseinrichtungen verschiedener Glaubensgemeinschaften, Volkshochschulen und Bildungshäuser ermöglichen und bereichern private Bibelstudien.
Neben Internet-Recherchen über gängige Suchmaschinen gibt es auf biblische Themen spezialisierte Internetseiten. Eine Chance ist dies auch für Menschen in Gegenden, in denen Bibeln und entsprechende Literatur legal nicht zu beschaffen sind. (Siehe auch Web-Links).
Bücher zu biblischen Themen beleuchten bestimmte Aspekte aus biblischer Sicht (Ethik, Erziehung, Gebet etc.). Auch lohnt es sich, Gedankengänge über jahrhundertelang diskutierte Fragen nachzulesen. Darüber hinaus kann die Lektüre historischer und wissenschaftlicher Literatur das Bibelstudium bereichern.
Das Erlernen der Urtextsprachen (hebräisch, aramäisch, griechisch) sowie der fachwissenschaftlichen Methoden einer biblischen Exegese eröffnet die Möglichkeit, einzelne Aspekte biblischer Texte sachgemäß und tiefer zu beleuchten.
[Bearbeiten] Möglichkeiten für Behinderte
Mit Sprachsoftware ausgestattete Personalcomputer können Texte vorlesen, so dass mit der passenden Bibel-Software auch blinden und stark sehbehinderten Gläubigen ein Bibelstudium möglich ist. Darüber hinaus sind Teile der Bibel in vorgelesener Form als Audioaufnahme erhältlich.
Für Gehörlose existieren zudem Hilfsmittel in Gebärdensprache, die auf Videomedien zur Verfügung stehen. Vor allem in den nordischen Ländern werden diese Medien eingesetzt, und auch in deutschsprachingen Ländern werden seit einigen Jahren ähnliche Medien entwickelt (Religiöse Gebärdenlexika, Bibel in Gebärdensprache auf DVD u.a. m). Führend ist hier die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Gehörlosenseelsorge (DAFEG [1]). Außerdem gibt es Unterstützungen durch Selbsthilfegruppen (CGG), welche sowohl die Personen unterstützen, die die Bibel verstehen möchten, als auch Gehörlose, die an einem Bibelstudium interessiert sind.
[Bearbeiten] Methodik des Bibelstudiums
Die Vorgehensweise bei einem Studium der Heiligen Schrift hängt von dem Ziel, der persönlichen Vorbildung, der verfügbaren Zeit, dem religiösen Hintergrund, den zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln und weiteren Umständen ab.
Im Alltag der Gläubigen geht es in der Regel darum, den Text (gegebenenfalls mit Hilfsmitteln, siehe oben) in Beziehung zum eigenen Leben zu setzen und daraus Entscheidungshilfen abzuleiten. Aus der Betrachtung der biblischen Schilderungen und deren Helden gewinnen sie Einsichten über Gott und das Leben. Das Bibelstudium verbinden viele Gläubige mit Gebet und betrachten es als Dialog mit ihrem Gott. Sie empfangen dabei Trost und Ermutigung für im Alltag anstehende Aufgaben.
Drei Methoden sind gebräuchlich:
- Bibellesepläne legen Textstellen fest, die nach der Reihe oder nach Datum durchgearbeitet werden. (z.B. Losungen, Jahresbibel)
- Die Bibel wird systematisch durchgelesen, wobei es darum geht, möglichst alle oder zumindest die wichtigsten Texte kennenzulernen.
- Die Bibel wird auf ein Thema hin studiert - nach dem Motto‚ was sagt die Bibel zu...‘ (z.B. Barmherzigkeit, Stolz oder einer biblischen Person). Besonders hier wird von den oben genannten Hilfsmitteln Gebrauch gemacht.
Wenn keine Bibel verfügbar ist, kann das Nachsinnen über Passagen, an die man sich erinnert, einen Ersatz bieten. Dies geschieht oft in Notsituationen, z.B. in Zeiten und Gebieten, in denen Gläubige verfolgt werden und das freie Glaubensleben nicht möglich ist.
[Bearbeiten] Bibelstudium in der Geschichte
[Bearbeiten] Altes Israel
Das Studium der Heiligen Schrift war für die Juden der Antike schon in der Zeit vor Christi Geburt eine heilige Pflicht. Sie besuchten, vor allem am Sabbat, die Synagogen, wo die Schriftrollen der Tora vorgelesen wurden. Im sogenannten Königsgesetz heißt es:
- "Und es soll geschehen, wenn er auf dem Throne seines Königreichs sitzt, so soll er sich eine Abschrift dieses Gesetzes in ein Buch schreiben, aus dem, was vor den Priestern, den Leviten, liegt. Und es soll bei ihm sein, und er soll alle Tage seines Lebens darin lesen, auf daß er Jehova, seinen Gott, fürchten lerne, um zu beobachten alle Worte dieses Gesetzes und diese Satzungen, sie zu tun; damit sein Herz sich nicht über seine Brüder erhebe und damit er von dem Gebote weder zur Rechten noch zur Linken abweiche, auf daß er die Tage in seinem Königtum verlängere, er und seine Söhne, in der Mitte Israels." (5. Mose 17, 18-20, zitiert nach der Elberfelder Bibel, Ausgabe 1871)
Jüdische Eltern waren nach dem Mosaischen Gesetz verpflichtet, ihre Kinder aus der Tora zu belehren. Dazu heißt es in 5. Mose 6,6+7:
- "Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst" (zitiert nach der Schlachter-Bibel, Ausgabe 2000).
Auf diese Weise ist wahrscheinlich auch Jesus von Nazareth von seinen Eltern gelehrt worden, so dass er bereits als Zwölfjähriger die Schriftgelehrten im Tempel von Jerusalem über sein Bibelwissen in Erstaunen versetzte. Das Lukasevangelium berichtet:
- "Er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und stellte ihnen Fragen. Alle, die zuhörten, staunten über sein Verständnis und seine Antworten." (Luk 2,46+47, zitiert nach der Neuen evangelistischen Übertragung).
Letztlich war die Betonung des Schriftstudiums im Judentum auch ein Grund für den hohen Alphabetisierungsgrad des Volkes, der weit über dem Durchschnitt anderer Nationen der damaligen Zeit lag. So ist es auch zu erklären, dass die Apostel von Jesus, die einfache Berufe wie Fischer ausübten, des Lesens und Schreibens kundig waren.
[Bearbeiten] Zeit Jesu und frühes Christentum
Nach den Berichten der Bibel appellierte Jesus in seinen Reden immer wieder an die Bibelkenntnisse seiner Zuhörer und setzte sie bei ihnen offenbar voraus, indem er betonte: „Denn es steht in der Heiligen Schrift ...“.
Jesus erwartete geradezu von den Menschen ein Studium der Schriften des Altes Testaments, wobei er ihnen oft geradezu vorwurfsvoll vorhielt: „Habt ihr nie gelesen ...?“.
Darüberhinaus bezog sich Jesus gemäß den Evangeliumsberichten häufig auf alttestamentliche Ereignisse.
Dass Jesus diese Geschehnisse ohne weitere Erläuterungen erwähnte, beweist, dass er auf das Wissen seiner Zuhörer baute. Er verglich gar die Kenntnis der Schrift mit der Nahrungsaufnahme: "Es ist geschrieben: Der Mensch soll nicht allein vom Brote leben, sondern von jeglichem Wort jeglicher Rede, das durch den Mund Gottes ausgeht." (Mat 4,4) Auch nach seiner Auferstehung soll er seinen Jüngern seinen himmlischen Auftrag anhand der Auslegung der Schriften erklärt haben.
- Lk 24,27
Die ersten Christen besuchten weiterhin die jüdischen Synagogen und hörten dort die Lesungen der Tora, die sie auch in ihren eigenen Gottesdiensten pflegten und bald durch Lesungen aus Briefen der Apostel und den Evangelien ergänzten. Diese Lesungen waren in der griechischen Umgangssprache gehalten. Im lateinischsprachigen Westen des Römischen Reiches gab es schon im 2. Jahrhundert Übersetzungen davon, die Vetus Latina. Während wegen der hohen Buchpreise die wenigsten Christen privat eine Heilige Schrift besaßen, kannten sie diese durch die häufigen Lesungen oft auswendig. Dazu kamen im Gottesdienst ausführliche Predigten über die gelesenen Texte. Im Katechumenat wurden Texte aus dem Alten und Neuen Testament ausgelegt, um den neuen Christen, von denen die meisten keinen jüdischen Hintergrund hatten, die Lehre beizubringen und das Taufbekenntnis zu erläutern.
[Bearbeiten] Spätes Römisches Reich
Waren die Christen in den ersten drei Jahrhunderten eine kleine Minderheit im Römischen Reich und häufig Verfolgungen seitens der Behörden ausgesetzt, so war das Bekenntnis zum Christentum eine bewusste Entscheidung des Einzelnen, die meist nach reiflichen Studien erfolgte. Das änderte sich im 4. Jahrhundert, als das Christentum zunächst gleichberechtigt und dann schließlich Staatsreligion im Römischen Reich wurde. Damit war jeder römische Bürger automatisch Kirchenmitglied, ohne dass dazu bewusste Entscheidungen, Gottesdienstbesuche oder gar ein Studium der Bibel notwendig waren.
Durch diese Veränderung und auch aufgrund des geringen Alphabetisierungsgrades verlagerte sich das Studium der Bibel teilweise in die neu entstandenen Klöster. Dies geschah nicht zuletzt auch durch das Wirken Basilius des Großen, der das Bibelstudium zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Mönchsregel machte, die bis heute in der orthodoxen Kirche in Gebrauch ist. Dadurch bekamen auch einfache Leute Gelegenheit, Lesen und Schreiben zu lernen und sich in die Heilige Schrift zu vertiefen.
Aber auch die nichtmönchischen Prediger der Spätantike betonten immer wieder die Notwendigkeit des Bibelstudiums. Johannes Chrysostomos etwa forderte seine Hörer auf, sich zumindest Kopien der vier Evangelien anzuschaffen und darin häufig zu lesen. Das genaue Bibelstudium durchzog seine gesamte Predigttätigkeit.
[Bearbeiten] Mittelalter (Westeuropa)
Während im ostkirchlichen Bereich der Alphabetisierungs- und Volksbildungsgrad recht hoch blieb, beschränkte sich im Westen im frühen Mittelalter das Bibelstudium auf die Klöster und Klosterschulen. Verwendet wurde die Vulgata (Hl. Hieronymus 347-420), die in der damaligen Kirchen- und Gelehrtensprache Latein geschrieben war. In den romanischen Gebieten (Italien, Spanien und Südfrankreich) war Latein damals auch für ungebildete Menschen noch teilweise verständlich, in den germanischen und keltischen Ländern dagegen nicht. Abgesehen von Geistlichen konnte im Frühmittelalter sogar im höheren Adel kaum jemand lesen und schreiben.
Auch im Hochmittelalter wurden Bibeln von Hand abgeschrieben und waren teurer als ein gutes Fachwerkhaus, also nur für Kirchen, Klöster, Universitäten, reiche Bürger, wohlhabende Adlige, Herzöge, Fürsten und Könige erschwinglich.
Andererseits bekam das Vorlesen der Bibel, insbesondere der Evangelien, in der Liturgie eine immer wichtigere Stellung. Ebenso wurden die Kirchen mehr und mehr mit biblischen Darstellungen geschmückt, die dem einfachen Volk die biblischen Inhalte näherbrachten.
Die Reformbewegungen des 9. bis 11. Jahrhunderts betonten die Wichtigkeit des Bibelstudiums sowohl für Mönche wie auch für Weltpriester.
Bibelübersetzungen in die Volkssprache gab es im späteren Mittelalter bei den Waldensern, bei den Katharern, bei den Lollarden (Wyclif) und den Hussiten, während in der Römisch-Katholischen Kirche Bibelübersetzungen über Jahrhunderte teils erbittert bekämpft wurden.
In den Klöstern gab es jedoch seit dem 12. Jahrhundert die Lectio divina, eine Methode der betenden Meditation über Bibeltexten.
[Bearbeiten] Reformationszeit
Durch die Erfindung des Buchdrucks konnte die Bibel erstmals wesentlich preiswerter in großen Stückzahlen hergestellt werden und sich dadurch viel weiter verbreiten. 1452 druckte Johannes Gutenberg das erste Mal eine lateinische Bibel. Ein neues Interesse an der Bibel erwachte im Humanismus und im Zuge der Reformation, insbesondere in der Schweiz durch Ulrich Zwingli, in Holland durch Erasmus von Rotterdam, in Frankreich (siehe Hugenotten) und in Deutschland durch Martin Luther.
Getreu dem Motto der Reformation sola scriptura -- allein die Schrift war ein neues Interesse an den Heiligen Schriften erwacht. Die Bibel wurde im Urtext wiederentdeckt. Die griechische Ausgabe von Erasmus erschien 1516 im Druck und verbreitete sich wie ein Lauffeuer an den Universitäten. Das Studium der hebräischen Sprache, welches bis dahin fast ausschließlich von jüdischen Gelehrten betrieben wurde, setzte nun auch unter den Christen ein.
Es erschienen zahlreiche Bibelübersetzungen: Lutherbibel, Zürcher Bibel und Piscator-Bibel in Deutsch, Tyndale und King James Bibel in Englisch, Diodati-Bibel in Italienisch, Olivetan-Bibel in Französisch. Durch den Buchdruck fanden diese Bibeln weite Verbreitung, hauptsächlich in protestantischen Gegenden. Das ausgiebige Studium der Bibel brachte neue christliche Bewegungen hervor (z.B. Täuferbewegung)
In den Volksschulen wurde daraufhin mit der verbreiteten Bibel lesen gelernt.
[Bearbeiten] Neuzeit
Ein weit verbreitetes Bibelstudium, dies auch im einfachen Volk, entstand unter den Christen in der Neuzeit. Als Gegenbewegung zur Aufklärung und der Biblischen Exegese der Theologie geschah dies erst im 18. Jahrhundert. Insbesondere seien der Pietismus (Deutschland), der Methodismus (England) und die "First Awakening" (USA) genannt. Im Pietismus wie im Methodismus gehörte das intensive, nichtwissenschaftliche Bibelstudium der Gläubigen in kleinen Gruppen zur Glaubenspraxis. In den Vereinigten Staaten entwickelte sich die Sonntagsschule, wo zumeist evangelikale Erwachsene und Kinder vor und nach dem Gottesdienst die Bibel studierten.
Auch in den Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts und den sich daraus entwickelnden Freikirchen spielte das Bibelstudium eine wichtige Rolle.
Im 20. Jahrhundert hat in vielen Teilen Europas das Interesse an der Bibel deutlich abgenommen, während in Osteuropa seit dem Fall des Eisernen Vorhangs (1989) der gegenteilige Trend spürbar ist.
Die Großkirchen haben zusätzlich zum schulischen Religionsunterricht unter anderem den Konfirmandenunterricht bzw. eine religiöse Unterweisung vor der Firmung eingeführt, um dabei auch Bibelkenntnisse zu vermitteln. Theologen beklagen allerdings zunehmend, dass Konfirmanden und Firmlinge häufig nicht einmal in der Lage sein sollen, einzelne Bibelbücher aufzuzählen, das Vaterunser sowie das Glaubensbekenntnis aufzusagen.
Um dem Desinteresse und der mangelnden Bibelkenntnis entgegenzuwirken, wurde 2003 von mehreren kirchlichen wie im weiteren Sinn christlichen Trägern zum „Jahr der Bibel“ ausgerufen und in diesem Rahmen zahlreiche Angebote gemacht, um zum vermehrten Studium der Bibel anzuregen. Hierzu gibt es auch diverse Internetadressen (siehe unter Weblinks).
Ferner wollen vor allem Freikirchen durch Evangelisationen zum Studium besonders des Neuen Testaments anregen; dazu gehören auch im zwei- bis dreijährigen Turnus europaweit durchgeführte Großveranstaltungen wie ProChrist.
Verschiedene christliche Gemeinschaften, vorwiegend Evangelikale und andere christliche Gruppen sowie die Zeugen Jehovas, führen auch "missionarische" Haus- und Straßeneinsätze durch. Dies bedeutet, dass sie von Tür zu Tür gehen, Büchertische organisieren oder Leute auf der Straße ansprechen, um sie für das Buch der Bücher zu interessieren. Sie begründen diese Tätigkeit meist mit dem Missionsbefehl Jesu, der die Taufe ihrer Ansicht nach untrennbar mit einer Kenntnis der Heiligen Schrift verbindet. Zusätzlich trafen sich Zeugen Jehovas nach eigenen Angaben 2006 weltweit mit knapp 6,3 Millionen privaten Gruppen oder Einzelpersonen, um mit ihnen die Bibel anhand eigener Bibelstudienmaterialien der Gemeinschaft zu studieren[10].
Nicht ungefährlich ist ein Bibelstudium auch heute noch in bestimmten islamischen Ländern, weil Bibeln und religiöse Literatur dort nicht eingeführt werden dürfen - nach Saudi-Arabien und Brunei nicht einmal zum persönlichen Gebrauch. Bei illegalem Einschmuggeln von Schrifttum und verbotenem Zusammenfinden zum Bibelstudium drohen Ausländern teilweise hohe Haftstrafen, einheimischen Moslems in Einzelfällen gar die Todesstrafe.
[Bearbeiten] Bibel- und Koranstudium im Vergleich
Während die Bibel im Rahmen von christlichen Bibelstudien meist in modernen, immer wieder überarbeiteten und dem veränderlichen Sprachgebrauch angepassten Übersetzungen gelesen wird, betont man im Islam die Bedeutung des arabischen Originals für das Studium des Korans, der heiligen Schrift der Muslime. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Bibel großenteils in gewöhnlicher Prosa verfasst ist, der Koran aber in poetisierter und rhythmischer Reimprosa, die sich nur schwer in anderen Sprachen wiedergeben lässt. Allerdings muss man hinzufügen, dass im Judentum auch die hebräische Bibel bevorzugt in den Originalsprachen hebräisch und aramäisch studiert wird.
In islamischen Ländern gilt es als normal, dass Kinder und Jugendliche Koranschulen besuchen, wo jedoch - sofern es sich nicht um ein arabisch-sprachiges Land handelt - zuerst das Erlernen des Arabischen - zumindest die Aussprache - höchste Priorität hat. Im Anschluss wird im Gegensatz zur Bibel, bei deren Studium meist die Auslegung (Exegese) im Mittelpunkt steht, sehr viel Wert auf richtiges Rezitieren gelegt. Dabei rezitieren zahlreiche nichtarabische Leser die Texte, verstehen aber oft gar nicht die Inhalte. Entweder reichen ihre Sprachkenntnisse nicht aus, oder es befremdet sie die arabische Sprache des 7. Jahrhunderts, in der der Koran abgefasst ist. Dennoch ist das Rezitieren für Moslems ein wichtiges Ritual. Zum Thema Exegese des Koran siehe unter Ilm_at-tafsir.
Es ist für gläubige Moslems nicht ungewöhnlich, vor allem in der Zeit des Ramadan, einzelne Suren oder auch den ganzen Koran im arabischen Original auswendig zu lernen, was als sehr verdienstvoll und als notwendig für die Bewahrung der mündlichen Form des Korans gilt. Durch die poetische Form des Korans ist der Text relativ leicht erlernbar. Bei Bibellesern dürfte das eine seltene Ausnahme sein, dort beschränkt man sich meist auf die Kenntnis wichtiger Verse oder die Wiedergabe bestimmter Passagen in eigenen Worten; im Judentum ist das auswendige Vortragen heiliger Schriften sogar ausdrücklich verboten. Koranübersetzungen gelten aus der Sicht islamischer Theologen als unmöglich (Koranübersetzung), da jede Übersetzung gleichzeitig eine Interpretation ist. Sie sind daher auch nicht in so großer Vielfalt erhältlich, wie dies bei der (christlichen) Bibel möglich ist.
[Bearbeiten] Literatur
- Einführung in die Bibel:
- Bernhard Lang: Die Bibel. Paderborn, München u.a.: F.Schöningh Verlag / UTB 1594, 1990, ISBN 3-506-99409-3
- Gerhard Lohfink: Jetzt verstehe ich die Bibel Stuttgart:Verlag Katholisches Bibelwerk 1986 in 13. Aufl., ISBN 3-460-30632-7
- Annemarie Ohler: dtv-Atlas Bibel, München (dtv) 2004 (ISBN 3-423-03326-6)
- Erich Zenger: Der Gott der Bibel. Sachbuch zu den Anfängen alttestamentlichen Gottesglaubens Stuttgart:Verlag Katholisches Bibelwerk 1979, ISBN 3-460-31811-2
- Winfried Vogel: "Bestseller Bibel. Warum eigentlich?", Advent-Verlag, ISBN 3-8150-7701-X.
- Bibelstudium:
- Gordon D. Fee, Douglas Stuart: Effektives Bibelstudium, (ICI) 1996 (ISBN 3-923924-27--5)
- Georg Fischer: Wege in die Bibel, Stuttgart (Kathol. Bibelwerk) 2000 (ISBN 3-460-32434-1)
- Howard G. Hendricks u. William D. Hendricks: Bibellesen mit Gewinn. Handbuch für das persönliche Bibelstudium, Dillenburg (Christl.Vlgsges.) 2002 (ISBN 3-894-36088-7)
- Alfred Kuen: Bibel lesen praktisch, Mannheim (Brockhaus) 1979 (ISBN 3-417-21060-7)
- William MacDonald: Fragen, Forschen, Finden. Effektives Bibelstudium, (CLV) 2002 (ISBN 3-893-97482-2) (PDF)
- Peter Müller: Verstehst du auch, was du liest? Lesen und Verstehen im Neuen Testament, Darmstadt (WBG) 1997
- Siegfried Wittwer: 'Konkret gefragt, konkret geantwortet', Advent Verlag, ISBN 3-8150-1863-3
- Studienbibeln und Bibelkonkordanzen:
- Herbert Hartmann: Kleine Konkordanz zur Lutherbibel, Neukirchen-Vluyn (Aussaat) 2002 (ISBN 3-761-55284-X)
- John MacArthur: MacArthur Studienbibel - Schlachter 2000 2.Aufl., (CLV) 2003 (ISBN 3-893-97017-7)
- Stuttgarter Altes & Neues Testament 3. Aufl., Stuttgart (Kath. Bibelwerk) 2005 (ISBN 3-460-31950-X)
- Stuttgarter Erklärungsbibel, Stuttgart (Dt. Bibelges.) 2005 (ISBN 3-438-01123-9)
- (Themenindex (ähnlich Konkordanz)) (Einzeln zum Download hier)
- Thompson Studienbibel (mit Konkordanz), Holzgerlingen (Hänssler) 2003, (ISBN 3-775-11586-2
- Bibelkommentare und -lexika:
- Handbuch theologischer Grundbegriffe zum Alten und Neuen Testament (HGANT), Darmstadt (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) 2006 (ISBN 3-534-15138-0)
- Fritz Rienecker, Gerhard Maier: Lexikon zur Bibel, Mannheim (Brockhaus) 1998, (ISBN 3-417-24678-4)
- Reclams Bibellexikon 7. Aufl., Stuttgart (Reclam) 2004 (ISBN 3-15-010555-2)
- Merrill F. Unger: Ungers Großes Bibelhandbuch, (CLV) 1990, (ISBN 3-893-97317-6)
- Bibelatlanten:
- Marcus Braybrooke, James Harpur: Der große Bibelatlas, (Pattloch) 1998 (ISBN 3-629-00838-0)
- Tim Dowley: Bibelatlas kompakt, Mannheim (Brockhaus) 2004, (ISBN 3-417-24780-2)
- PC Bibelatlas. CD-ROM für Windows. Mit Originallexikon., Mannheim (Brockhaus) 2001
- "Tübinger Bibelatlas" 29 großformatige Karten, mit ausführlichen Register (Deutsche Bibelgesellschaft), (ISBN (ISBN 3-438-06022-1))
[Bearbeiten] Referenzen
- ↑ http://www.leben-sinn.de/beziehung.html
- ↑ http://www.glauben-und-bekennen.de/besinnung/begriffe-b/bibelles.htm#sinn
- ↑ http://www.fiit.uni-heidelberg.de/fiit/index.php?option=com_content&task=view&id=66&Itemid=118
- ↑ http://www.agduesseldorf.de/unterricht/faecher/rel/rel.htm#sem5
- ↑ http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/bibel_und_archaeologie.html
- ↑ http://www.kath.de/nd/kmf/akng/tagung99/bibel99.htm
- ↑ http://www.hfjs.uni-heidelberg.de/studium/fachgebiete/sprachwissenschaft/ http://www.hfjs.uni-heidelberg.de/studium/fachgebiete/sprachwissenschaft/
- ↑ http://www.artikelweb.de/db/artikel_wissenswertes_zur_bibel.html http://www.artikelweb.de/db/artikel_wissenswertes_zur_bibel.html
- ↑ http://www.kreudenstein-online.de/Religionskritik/Religionskritik.htm http://www.kreudenstein-online.de/Religionskritik/Religionskritik.htm
- ↑ http://www.jw-media.org/people/statistics.htm
[Bearbeiten] Siehe auch
- Liste biblischer Bücher
- Bibelübersetzungen
- Bibelausgabe
- Bibelprogramme (für den Computer)
- Durch die Bibel (Bibelstudien-Radio-Sendereihe)
- Schriftstudien
- Evangelikale Exegese
[Bearbeiten] Weblinks
- die-bibel.de Allgemeines Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft
- bibelwissenschaft.de Wissenschaftliches Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft
- Bibellesen (Praktische Hinweise zum Bibellesen)
- Widersprüche in der Bibel
- Links zum Thema Bibelstudium im Open Directory Project

