Biberacher Hütte

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Biberacher Hütte
DAV-Hütte Kategorie I
Biberacher Hütte von Süden mit Hochkünzelspitze (2397 m)
Biberacher Hütte von Süden mit Hochkünzelspitze (2397 m)
Lage Südwestlich des Schadonapasses; Vorarlberg, Österreich; Talort: Schröcken
Gebirgsgruppe Lechquellengebirge
Geographische Lage 47° 15′ 27″ N, 10° 1′ 42″ O47.257510.0283333333331846Koordinaten: 47° 15′ 27″ N, 10° 1′ 42″ O
Höhenlage 1846 m ü. A.
Biberacher Hütte (Vorarlberg)
Biberacher Hütte
Besitzer Sektion Biberach, DAV
Erbaut 1911; Umbau: 1980
Hüttentyp Hütte; Bregenzerwälderhaus
Erschließung Schotterstraße
Übliche Öffnungszeiten Mitte Juni bis Anfang Oktober
Beherbergung 11 Betten, 79 Lager
Winterraum 20 Lager
Weblink Offizielle Webpräsenz
Hüttenverzeichnis OeAV DAV

Die Biberacher Hütte ist eine Alpenvereinshütte der Kategorie I im Lechquellengebirge auf einer Höhe von 1846 m ü. A.. Sie liegt auf der Gemarkung der Gemeinde Sonntag im österreichischen Bundesland Vorarlberg.[1] Die Hütte gehört der Alpenvereinssektion Biberach an der Riß und wurde 1911 erbaut. Sie bietet inklusive Winterraum insgesamt 110 Übernachtungsplätze.

Lage und Umgebung[Bearbeiten]

Die Hütte ist südwestlich des Schadonapasses (1840 m ü. A.) gelegen, der einen historischen Übergang vom Bregenzerwald ins Große Walsertal darstellt. Der Pass befindet sich zwischen der Glattjöchlspitze (2106 m ü. A.) im Nordwesten und dem Rothorn (2239 m ü. A.) im Südosten. Weitere Gipfel in Hüttennähe sind der Gigelturm (2112 m ü. A.) und die Hochkünzelspitze (2397 m ü. A.). Neben dem Gemeindegebiet von Sonntag liegen außerdem auch die Gemarkungen von Schoppernau und Schröcken nahe der Hütte. Talorte sind im Osten Schröcken und Buchboden im Westen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Anlass für die Erbauung einer alpinen Schutzhütte durch die Sektion Biberach waren die folgenden Worte in den Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Nr. 17 aus dem September 1909: „Es gibt noch Gegenden in unseren Alpen, in denen man zwei oder mehrere Tage gehen kann, ohne weit und breit eine alpine Gaststätte zu finden. Das ist der Fall in dem zwei volle Tagesmärsche umfassenden Gebietsabschnitt BezauLangen.“[2] Daraufhin erkundeten Mitglieder der Sektion am 31. Oktober 1909 einen geeigneten Platz und entschieden sich für das Gelände um den Schadonapass. Erbaut wurde die Hütte im Stil der Bregenzerwälderhäuser, der mit seiner Schindelverkleidung bis heute größtenteils erhalten geblieben ist. Bei der Eröffnung 1911 bot die Hütte elf Betten und zehn Matratzenlager. Sie war außerdem die erste Hütte des Alpenvereins im Lechquellengebirge.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Hütte vom Österreichischen Alpenverein zwangsweise verwaltet. Für den Erhalt des Gebäudes konnte dieser nur die wenigen Einnahmen aus dem Hüttenbetrieb verwenden, worunter die Hütte zu leiden hatte. Erst am 30. Juni 1956 ging die Biberacher Hütte zurück in den Besitz ihrer Erbauungs-Sektion, die am 2. September von der Sektion Vorarlberg auch die Schlüssel zurückbekam. Eine erste bauliche Weiterentwicklung aus den Jahren zwischen 1965 und 1968 war die geordnete Wasserversorgung, eine Kläranlage und ein Generatorhaus.

Der Generalumbau der Hütte erfolgte zwischen Juli 1978 und Juli 1980 und kostete mehr als 700.000 DM. Das Material wurde fast ausschließlich mit dem Hubschrauber in rund 800 Flügen zur Baustelle geflogen. Neben der Erweiterung der Schlafmöglichkeiten auf 110 Schlafplätze, aufgeteilt in elf Bettenplätze in vier Räumen, dazu weitere drei Räume mit 32 Lagern und zwei Räumen mit 47 Lagerplätzen sowie 20 Plätze im Winterraum, wurde der Gastraum erweitert. Außerdem wurde ein Anbau errichtet, der unter anderem eine Pächterwohnung beherbergt. Zudem erhielt die Hütte einen großen Keller und verbesserte sanitäre Anlagen. Nachdem Wasser- und Windkraft sowie Solarenergie als Energielieferanten ausschieden, wurde die Biberacher Hütte bis zum Jahr 2002 an das öffentliche Stromnetz angeschlossen. Im Juli 2011 wurde das hundertjährige Hüttenjubiläum mit einem Berggottesdienst und Vorführungen der Bergwacht begangen.[3]

Zustiege[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Zugangsmöglichkeiten zur Biberacher Hütte, die sich jeweils aus dem Bregenzerwald und dem Großen Walsertal ergeben.

Der kürzeste Zustieg verläuft von Landsteg an der Bregenzerwaldstraße zwischen Schoppernau und Schröcken über den geschotterten Versorgungsweg in zwei Stunden. Weitere Möglichkeiten aus dem Bregenzerwald zur Hütte zu gelangen bieten sich von Schröcken über das Braunarlfürggele (2145 m ü. A.) in vier bis fünf Stunden, von Schoppernau über Schalzbachvorsäß und das Glattjöchl in 4,5 Stunden sowie von Au über Bodenvorsäß und das Töbelejoch (2101 m ü. A.) in ungefähr sechs Stunden. Auch vom Faschinajoch aus ist ein Zugang über die Hochschere (2013 m ü. A.) und das Ischkarneifürggele denkbar und dauert bis zu sieben Stunden.[4]

Die Zugänge aus dem Großen Walsertal beginnen in Buchboden. Der Mautstraße folgend, ergeben sich zwei Varianten über die Untere Ischkarneialpe, die zwischen drei und vier Stunden Gehzeit betragen. Zusätzlich kann die Mautstraße bis zu Metzgertobelalpe befahren werden und die Hütte über die Alpschellaalpe und die Litehütte erreicht werden. Dies dauert ohne Befahrung vier Stunden, bei Benutzung des Autos kann der Weg auf 2½ Stunden verkürzt werden. Außerdem ist ein Zustieg über die Überlutalpen in 3½ Stunden möglich.[4]

Übergang[Bearbeiten]

Einzige Nachbarhütte der Biberacher Hütte ist die Göppinger Hütte (2245 m ü. A.). Sie kann in 4½ Stunden über die Litehütte, die Alpaschellaalpen und den Gamsboden erreicht werden. Alternativ wäre der Weg zum Braunarlfürggele und von dort entweder über die Braunarlspitze (2649 m ü. A.) oder hinab zum Geislinger Jägersteig und vorbei am Butzensee zur Göppinger Hütte. Für die Varianten werden ungefähr eine Stunde mehr sowie Schwindelfreiheit und Trittsicherheit benötigt.[5] Der Abstieg von der Braunarlspitze ist ungesichert.

Alpinismus[Bearbeiten]

Gipfel und Touren[Bearbeiten]

Die Biberacher Hütte liegt an zwei verschiedenen Weitwanderwegen: dem Europäischen Fernwanderweg E4 (alpin) und der roten Variante der Via Alpina. Außerdem verläuft an der Hütte der Bregenzer-Wald-Rundwanderweg vorbei. Dazu ist sie Startpunkt der Lechquellenrunde, die weiter über die Göppinger-, Freiburger-, Ravensburger- und Stuttgarter Hütte verläuft.[6]

Der Hausberg der Hütte ist die Hochkünzelspitze. Sie kann auf einem markierten, teilweise versicherten Weg in rund zwei Stunden erstiegen werden. Dabei treten Kletterschwierigkeiten im I. Grad auf, es sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig.

Höchster Berg in der Umgebung der Hütte ist die Braunarlspitze (2645 m). Sie wird in drei bis vier Stunden über das Fürggele und den immer wieder Drahtseil versicherten Weimarer Steig bestiegen. Auch hier muss leicht im I. Grad geklettert werden, es benötigt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Über das Fürggele kann auch der Hochberg (2324 m) erreicht werden. Der am weitesten entfernte und markiert Gipfelanstieg führt über das Töbelejoch auf den Zitterklapfen (2403 m). In der Nordflanke befindet sich eine kurze Klettersteigpassage, am Gipfelgrat müssen Schwierigkeiten bis zum II. Grad beherrscht werden. Weglose Touren sind Rothorn, Glattjöchlspitze und Wasserkluppe.[7][8]

Klettern[Bearbeiten]

Kletterrouten in Hüttennähe finden sich an der Hochkünzelspitze (bis zum IV. Grad), am Schöneberg mit der Schönebergkante (VI.) und am Kilkaschrofen (bis IV.).

In unmittelbarer Umgebung der Hütte gibt es einen Übungsklettergarten (bis V.). Am Gigelturm, einem Felskopf am Weg zur Hochkünzelspitze, befindet sich ein weiterer Klettergarten mit Mehrseillängenrouten (bis VII.). Ebenfalls am Weg liegt der Klettergarten Tweety, dessen Routen bis VIII- reichen.[8][9]

Sektion Biberach[Bearbeiten]

Die Alpenvereinssektion Biberach wurde 1896 gegründet und hatte am Ende des Jahres 2011 2748 Mitglieder.[10] Neben der Hütte betreibt die Sektion eine Indoor-Kletteranlage in Biberach.

Bilder[Bearbeiten]

Panorama[Bearbeiten]

360° Panorama auf dem Schadonapass an der Biberacher Hütte. Links das Rothorn gefolgt von der Braunarlspitze, rechts die Hochkünzelspitze.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pit Schiegler, Günter Kallenberg, Andi Dick: 100 Jahre Biberacher Hütte – Behaglichkeit im Almgebirge. In: DAV Panorama – Magazin des Deutschen Alpenvereins. 63. Jahrgang, Nr. 3, 2011, ISSN 1437-5923, S. 86–89 (PDF-Datei; 361 KB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Biberacher Hütte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen Österreich: Austrian Map online (Österreichische Karte 1:50.000). Abgerufen am 24. März 2011.
  2. Pit Schiegler: 100 Jahre Biberacher Hütte – Geschichte. In: Deutscher Alpenverein Sektion Biberach: Rundschreiben Nr. 68 · 2011. 2011 (S. 5).
  3. Pit Schiegler: 100 Jahre Biberacher Hütte – Geschichte. In: Deutscher Alpenverein Sektion Biberach: Rundschreiben Nr. 68 · 2011. 2011 (S. 5-8).
  4. a b Deutscher Alpenverein Sektion Biberach: Zugänge zu Hütte. Abgerufen am 24. Juli 2011
  5. Deutscher Alpenverein Sektion Biberach: Übergänge. Abgerufen am 25. Juli 2011.
  6. Deutscher Alpenverein: Von Hütte zu Hütte – Lechquellenrunde (PDF; 3,9 MB). 2011. Abgerufen am 29. Juli 2011
  7. Deutscher Alpenverein Sektion Biberach: Gipfel. Abgerufen am 29. Juli 2011.
  8. a b Pit Schiegler, Günter Kallenberg, Andi Dick: 100 Jahre Biberacher Hütte – Behaglichkeit im Almgebirge. (S. 88).
  9. Deutscher Alpenverein Sektion Biberach: Klettern. Abgerufen am 29. Juli 2011.
  10. Deutscher Alpenverein Sektion Biberach: Rundschreiben Nr. 69 · 2012. 2012 (S. 15).