Bibliotheca Amploniana

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Aus der Amploniana: Blatt einer Handschrift des Hippokrates mit Kommentar von Galen in der Übersetzung des Constantinus Africanus; entstanden vermutlich in Italien um 1350

Die Bibliotheca Amploniana ist die größte heute beinahe geschlossen erhaltene Handschriftensammlung eines spätmittelalterlichen Gelehrten weltweit und zählt zu den bedeutendsten Handschriftensammlungen Deutschlands.

Der Arzt, Gelehrte und zweite Rektor der alten Universität Erfurt Amplonius Rating de Berka, der diese Bibliothek zusammengetragen hat, übergab 1412 seine Sammlung von 633 Bänden, von denen heute noch etwa 430 in Erfurt vorhanden sind, an das von ihm zur Versorgung und Förderung von Studenten an der Universität Erfurt gestiftete “Collegium Porta Coeli”. Durch Zustiftungen der Stipendiaten des Collegiums wuchs einerseits der Bestand an Handschriften fast auf das Doppelte an, andererseits gingen im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Codices verloren oder gelangten auf unterschiedlichsten Wegen in anderes Eigentum.

Heute enthält die Bibliotheca Amploniana insgesamt 979 Handschriftenbände sowie zahlreiche Inkunabeln und Drucke. Zahlenmäßig und inhaltlich ragen aus diesem Bestand die theologischen, philosophischen und medizinischen Handschriften heraus, jedoch finden sich auch zahlreiche Codices zu Grammatik, Rhetorik, Dichtkunst und klassischen Autoren sowie zu Zivil- und Kirchenrecht oder der Mathematik.

Amplonius schützte seine Bücherstiftung durch verschiedene Rechtskonstruktionen, die über viele Jahrhunderte hinweg sowohl die Stadt als auch die Universität Erfurt daran hinderten, die Bestände in Besitz zu nehmen. Nach der Schließung der alten Erfurter Universität und der faktischen Auflösung des Collegiums im 19. Jahrhundert, gelangte die Amploniana in die Königlich Preußische Bibliothek Erfurt, die 1908 von der Stadt Erfurt angekauft wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Leiterin der Wissenschaftlichen Bibliothek, Elfriede Trott, die Amploniana vor dem Zugriff der sowjetischen Besatzungsmacht retten können.[1]

Im Dezember 2001 wurde die Bibliotheca Amploniana als Dauerleihgabe an die wiedergegründete Universität Erfurt übergeben, wo sie in der Universitätsbibliothek Erfurt als Teil der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha fachmännisch betreut und wissenschaftlich erschlossen wird. Im Stadtmuseum Erfurt wird seit 2012 jeweils ein Exemplar in der Dauerausstellung präsentiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Brigitte Pfeil: 1412–2012. 600 Jahre „Bibliotheca Amploniana“ in Erfurt. Anmerkungen zu einem Jubiläum. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt, Bd. 74 (2013), S. 69–94, ISSN 0943-299X
  • Thomas Bouillon und Brigitte Pfeil: Amplonius Rating de Berka und seine Büchersammlung. Bedeutung, Geschichte und zukünftige Perspektiven der Bibliotheca Amploniana. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt Bd. 70 (2009), S. 31–53, ISSN 0943-299X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ruth und Eberhard Menzel: Amploniana vor Militär gerettet. In: Thüringische Landeszeitung vom 3. November 2012.

Weblinks[Bearbeiten]