Bibliotheca Windhagiana

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Die Bibliotheca Windhagiana ist eine reichhaltige Büchersammlung mit rund zwanzigtausend Büchern, die Joachim Enzmilner in dem von ihm errichteten Schloss Windhaag zwischen 1656 und 1670 zusammengetragen hat.

Nach dem Tod Enzmilners wurde die Bibliothek auf Grund testamentarischer Verfügung zunächst als öffentliche Bibliothek im Dominianerkonvents in Wien aufgestellt, auf dreißigtausend Bücher ausgebaut und später der Universitätsbibliothek der Universität Wien zugeordnet.

Herkunft der Bücher[Bearbeiten]

Einen Teil der Bücher hatte Joachim Enzmilner von seinem Vater geerbt. Er baute die Büchersammlung durch den Erwerb der Bibliotheken mehrerer adeliger und sonstiger Personen (unter anderem Helmhart Jörger von Schloss Steyregg) sowie durch den Kauf bei Buchhändlern aus.

Bibliothek im ehemaligen Schloss Windhaag[Bearbeiten]

Die Bibliothek umfasste bereits 1656 rund 16.000 Bücher, war somit damals die größte Bibliothek im Land ob der Enns und beanspruchte drei große, durchaus gewölbte Säle, die zu beiden Seiten mit großen Fenstern versehen waren. Die Deckengewölbe waren mit Stukkaturarbeiten und passenden Gemälden geziert.

Das Portal zur Bibliothek war mit einer eisernen Tür verschlossen, die das Gemälde des Gottes Merkur zeigt. Zu beiden Seiten der Tür standen Statuen, die Theologie und Jurisprudenz darstellten, weiter seitwärts saßen Hippokrates (als Vertreter der Medizin) und Aristoteles (als Vertreter der Philosophie). Auf dem Gesimse befanden sich rechts und links vom Windhagerischen Wappen Darstellungen der Mathematik und Ethik.

Die Bibliothek war in drei Teile gegliedert:

  • Die Bibliotheca antiqua enthielt nur Bücher aus der frühesten Zeit (Inkunabeln) bis zum Jahr 1550 und war 22 Meter lang, 6 Meter breit und 4 Meter hoch. Sie war gegliedert in zehn Abteilungen mit theologischen, juristischen, medizinischen, historischen, mathematischen, philosophischen, ethischen, rhetorischen, poetischen und sprachwissenschaftlichen Büchern. Die einzelnen Abteilungen waren mit zu den jeweiligen Themen passenden Darstellungen antiker Götter und Personen geschmückt. Zwischen den Bücherregalen, in den Gängen, standen acht gleichartige Pulte. Sie waren mit Büchern gefüllt, wobei die ersten drei Pulte versperrt waren und verbotene Bücher mit "sonderbaren geistlichen Privilegio" enthielten.
  • Die Bibliotheca nova umfasste Bücher aus den Jahren von 1550 bis 1650 und war 24 Meter lang, 6 Meter breit und 4 Meter hoch. Sie war ebenfalls in zehn Abteilungen gegliedert und mit passenden Darstellungen verziert.
  • Die Bibliotheca moderna war Aufbewahrungsort für Bücher, die seit 1650 erschienen waren. Sie war 16 Meter lang, 6 Meter breit und 4 Meter hoch.

Mit der Ordnung der Buchbestände war der Dominikanerpater Hyazinth Marianus (Fidler), der auch die Topographia Windhagiana textiert hat, jahrelang beschäftigt.

Stiftung der Bibliothek[Bearbeiten]

Auf Grund der testamentarischen Verfügung Joachim Enzmüllers wurde die Bibliothek nach seinem Tod 1678 nach Wien gebracht und in einem dem Stadttor zugelegenen Teil des Dominikanerkonvent (Wien) unter dem Namen Bibliotheca Windhagiana aufgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ein gedruckter Katalog mit dem Titel Bibliotheca Windhagiana erschien in Wien 1733. Nachdem 1764 noch weitere sechstausend Bücher der aufgehobenen Landschaftsakademie hinzugekommen waren, bestand die Bibliothek schließlich aus rund dreißigtausend Büchern. Kaiser Joseph II. verfügte die Übernahme der Bibliothek in die Universitätsbibliothek der Universität Wien.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Grüll: Geschichte des Schlosses und der Herrschaft Windhag bei Perg. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereines. 87. Band, 1937, ISSN 0379-0819, insbesondere Teil 2, PDF-Datei; 2,56 MB, PDF-Datei: 9,02 MB, PDF-Datei; 2,17 MB
  • Walpurga Oppeker: Joachim Enzmilner, Graf von Windhag (1600–1678). Fallbeispiele zum Bildungsmäzenatentum in der frühen Neuzeit in Österreich ob und unter der Enns. In: Joachim Bahlcke und Thomas Winkelbauer (Hrsg.): Schulstiftungen und Studienfinanzierung Bildungsmäzenatentum im Spannungsfeld von Konfession, Landespatriotismus und frühmodernem Nationsgedanken in den böhmischen, österreichischen und ungarischen Ländern, 1500–1800. (=Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung) Wien/München 2011, S. 197–228.
  • Walpurga Oppeker: Bucheignerzeichen des Grafen Joachim von Windhag. In: Biblos. Beiträge zu Buch, Bibliothek und Schrift. 2011/1, S. 137–150, ISSN 0006-2022.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Joseph Bouginé, Christoph August Heumann, Karl Friedrich Bouginé: Handbuch er allgemeinen Literaturgeschichte, Zürich, 1789 bis 1802