Bibliothek von Pergamon

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Die Bibliothek von Pergamon wurde um 200 v. Chr. gegründet und umfasste einen Bestand von rund 200 000 Rollen.

Die Bibliothek von Pergamon, der Hauptstadt der hellenistischen Dynastie der Attaliden, war – nach der Bibliothek von Alexandria – die zweitbedeutendste Bibliothek der Antike. Gemeinsam mit dieser prägte sie die Philologie in der Antike.

Das Gründungsdatum der Bibliothek von Pergamon ist unbekannt. Es wird vermutet, dass die Einrichtung bereits auf König Attalos I. (241–197 v. Chr.) zurückgeht. Über den Buchbestand gibt es keine zuverlässigen Quellen. Die antike Nachricht, Marc Anton habe Kleopatra aus dem Bestand der Bibliothek von Pergamon 200 000 Buchrollen geschenkt, gilt in der Fachwissenschaft als legendär. Bezeugt ist ein Katalog, die pergamenischen Tafeln („Pinakes“), nach dem Vorbild von Alexandria. Dass der Philosoph und Grammatiker Krates von Mallos mit der Einrichtung der Bibliothek von Pergamon betraut war, ist vermutet worden, lässt sich aber nicht sichern. Als Bibliothekar namentlich bezeugt ist lediglich der Stoiker Athenodoros von Tarsos im frühen 1. Jahrhundert v. Chr. Bereits im Jahre 133 v. Chr. war das Reich von Pergamon und mit ihm die Bibliothek als Erbschaft in den Besitz Roms übergegangen. Über das Ende der Bibliothek von Pergamon ist nichts bekannt.

Plan der Ausgrabungen mit Athena-Tempel und Bibliothek

Bei der Ausgrabung der antiken Ruinen auf dem Burgberg von Pergamon durch deutsche Archäologen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auch das Athena-Heiligtum freigelegt. In seiner nördlichen Säulenhalle wird die Bibliothek lokalisiert. Das Athena-Heiligtum wurde unter König Eumenes II. (197–158 v. Chr.) erbaut. Am Obergeschoss der Säulenhalle liegt ein etwa 13×16 Meter großer Saal mit umlaufendem Podium, in dem eine über 3 Meter hohe Marmorstatue der Göttin gestanden hat, die sich heute im Pergamonmuseum in Berlin befindet (dort auch Architekturproben der Säulenhallen des Heiligtums). Es wird angenommen, dass auf dem Podium hölzerne Schränke für die Buchrollen aufgestellt waren. Man hat auch vermutet, dass zwei marmorne Nischenarchitekturen mit dorischen und ionischen Säulen (ebenfalls im Pergamonmuseum) Wandbücherschränke darstellen, denen die auf dem Podium frei aufgestellten Holzschränke in der Form entsprochen hätten. Ein solcher Holzschrank ist nachgeschreinert und auf verschiedenen Ausstellungen gezeigt worden; ob die antike Form tatsächlich getroffen ist, bleibt unsicher. Drei an den Podiumssaal anschließende kleinere Räume werden für Magazinräume gehalten.

Die Identifizierung der Bibliothek in der Nordhalle des Athena-Heiligtums ist, da eindeutige Hinweise auf die Nutzung fehlen, nicht unbestritten geblieben. Am Beginn des 20. Jahrhunderts haben Ausgrabungen im Gymnasion von Pergamon zwei Inschriften zutage gefördert, in denen Bibliotheken erwähnt werden. Deshalb hat man die Bibliothek auch dort vermutet, ohne ihr bestimmte Räume zuweisen zu können.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Bohn: Das Heiligtum der Athena Polias Nikephoros. Spemann, Berlin 1885, (Altertümer von Pergamon; Bd. 2.), S. 56ff.
  • Rudolf Pfeiffer: Geschichte der klassischen Philologie. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1970, S. 286ff. ISBN 3-4995-5344-9 (rowohlts deutsche enzyklopädie)
  • Harald Mielsch: Die Bibliothek und die Kunstsammlungen der Könige von Pergamon. In: Archäologischer Anzeiger 1995, S. 765-779
  • Wolfram Hoepfner: Zu griechischen Bibliotheken und Bücherschränken. In: Archäologischer Anzeiger 1996, S. 25-36
  • Otto Mazal: Griechisch-römische Antike. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1999, S. 38, ISBN 3-201-01716-7 (Geschichte der Buchkultur; Bd. 1)
  • Severin Corsten, Stephan Füssel, Günther Pflug (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens. Bd. 5. Hiersemann, Stuttgart 1999, ISBN 3-7772-9904-9
  • Die griechische Klassik. Idee oder Wirklichkeit. Ausstellungskatalog Berlin und Bonn 2002. Zabern, Mainz 2002, S. 408, Nr. 277 (Nachbau eines Bücherschranks) ISBN 3-8053-2854-0
  • Wolfram Hoepfner: Die Bibliothek Eumenes' II. in Pergamon. In: Wolfram Hoepfner (Hrsg.): Antike Bibliotheken. Zabern, Mainz 2002, ISBN 3-80-53284-6X, S. 31–38;
  • Volker M. Strocka: Noch einmal zur Bibliothek von Pergamon. In: Archäologischer Anzeiger 2000, S. 155–165.

Weblinks[Bearbeiten]

Wikisource-logo.svg Bibliotheken / Pergamenische Bibliothek in Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft.