Bibliothekar

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Dieser Artikel behandelt das Berufsbild. Siehe auch Bibliothecarius (Familienname), Der Bibliothekar (Scheibenwelt) (ein fiktiver Charakter aus den Scheibenwelt-Romanen).
Giuseppe Arcimboldo, Der Bibliothekar, ca. 1570

Bibliothekare sind Betreuer und Verwalter von Bibliotheken. Ihnen obliegt die fachliche Erschließung von Wissensgebieten und Beständen der Bibliothek sowie bibliothekarische Managementaufgaben. Bei der Bestandsvermittlung erschöpft sich das Wissen des Bibliothekars nicht allein darin, über den Standort der Medien in seiner Bücherei/Bibliothek Bescheid zu wissen, sondern er vermittelt dem Benutzer auch weitere Quellen, z. B. Datenbanken oder Webseiten, zu denen dieser ansonsten keinen Zugriff hat. Bibliothekare sorgen darüber hinaus auch oft für die notwendige Pressearbeit, organisieren Lesungen und unterstützen die Leseförderung.

Ausbildung und Berufsgruppen[Bearbeiten]

Grundlegend wurde in der Ausbildung in der jüngeren Vergangenheit zwischen Bibliothekaren an öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken unterschieden sowie eine Einteilung auf drei Ebenen vorgenommen:

Ausbildung in der Schweiz[Bearbeiten]

Die Ausbildungsmöglichkeiten in der Schweiz zu den so genannten I+D Berufen, welche unter anderem die traditionellen Berufsbezeichnungen Bibliothekarin/Bibliothekar, Archivarin/Archivar und Dokumentalistin/Dokumentalist beinhaltet, können sehr vielfältig sein. Zu diesem Zweck findet man hier einen eigenen Artikel zum Thema „Ausbildung im I+D-Bereich in der Schweiz“.

Geschichtliche Aspekte[Bearbeiten]

In Deutschland erhielten Frauen um 1900 Zugang zum Arbeitsbereich der Bibliotheksarbeit.[1] Die erste deutsche Bibliothekarin war Bona Peiser.

Das Berufsbild war in Österreich zumindest bis zum Zweiten Weltkrieg vorwiegend eine Männerdomäne. Ähnlich dem „Lehrerinnenzölibat“ galt für Bibliothekarinnen im österreichischen Öffentlichen Dienst laut gesetzlichen Bestimmungen bis zum Beginn der Ersten Republik, in der Praxis weit länger, dass sie ihre Stellung aufgeben mussten, wenn sie durch Eheschließung finanziell abgesichert waren. Diese Regelung wurde durch die „Doppelverdienerverordnung“ von 1933 wieder hergestellt.[2]

Berühmte Bibliothekare[Bearbeiten]

Zahlreiche historische Persönlichkeiten waren als Bibliothekar tätig, darunter z. B. Gottfried Wilhelm Leibniz, Immanuel Kant, Giacomo Casanova, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm, Johann Andreas Schmeller, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Friedrich Engels, Adolf von Harnack, Pius XI., Alfred Wotquenne und Jorge Luis Borges.

Für die Entwicklung von Bibliothekswesen und Bibliothekswissenschaft wichtig waren unter anderem S. R. Ranganathan, Melvil Dewey und Martin Schrettinger.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottfried Rost: Der Bibliothekar. Schatzkämmerer oder Futterknecht? (Historische Berufsbilder). Edition Leipzig, Leipzig 1990, ISBN 3-361-00265-6.
  • Rainer Strzolka: Der Bibliothekar. Informationsspezi oder Bücherwurm. Manager oder armer Poet?. Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2008, ISBN 978-3-940862-08-2.
  • Ina Kießling: Image und Status von Bibliothekaren und Archivaren. Analyse, Ursachen und Wege zur Verbesserung. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-8364-6786-5, (Zugleich: Potsdam, Fachhochsch., Diplomarbeit, 2007).
  • Katharina Perlbach: Das Image von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren im Spiegel deutscher und niederländischer belletristischer Darstellungen. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2009, ISBN 978-3-639-21765-0.
  • Irmgard Siebert, Thorsten Lemanski (Hrsg.): Bibliothekare zwischen Verwaltung und Wissenschaft – 200 Jahre Berufsbilddebatte. Klostermann, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-465-04208-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Bibliothekar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bibliothekare – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helga Lüdtke: Arbeit aus Liebe zur Sache? Zu den Anfängen des Berufes der Bibliothekarin in Deutschland, 1895–1920. Verein für Geschichte und Sozialkunde, abgerufen am 25. März 2009. Erschienen in: Beiträge zur historischen Sozialkunde, Nr. 4/95, 25. Jahrgang. S. 120–125.
  2. Ilse Korotin (Hrsg.): Österreichische Bibliothekarinnen auf der Flucht. Verfolgt, verdrängt, vergessen? Wien: Praesens Verlag 2007 (biografiA, Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung, 4). 214 S. Zitiert nach der Buchbesprechung von Christine Kanzler, In: DÖW Mitteilungen 184, S. 8f. (Online, PDF, abgerufen am 21. März 2013)