Biblis

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Biblis
Biblis
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Biblis hervorgehoben
49.6840972222228.450833333333389Koordinaten: 49° 41′ N, 8° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Kreis: Bergstraße
Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 40,44 km²
Einwohner: 8812 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 218 Einwohner je km²
Postleitzahl: 68647
Vorwahl: 06245
Kfz-Kennzeichen: HP
Gemeindeschlüssel: 06 4 31 003
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Darmstädter Straße 25
68647 Biblis
Webpräsenz: www.biblis.eu
Bürgermeisterin: Hildegard Cornelius-Gaus
Lage der Gemeinde Biblis im Kreis Bergstraße
Groß-Rohrheim Zwingenberg (Bergstraße) Biblis Viernheim Lampertheim Bürstadt Einhausen (Hessen) Lorsch Bensheim Lautertal (Odenwald) Lindenfels Heppenheim (Bergstraße) Heppenheim (Bergstraße) Fürth (Odenwald) Grasellenbach Rimbach (Odenwald) Mörlenbach Wald-Michelbach Birkenau (Odenwald) Abtsteinach Gorxheimertal Hirschhorn (Neckar) Neckarsteinach Michelbuch (gemeindefreies Gebiet) Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg Kreis Groß-Gerau Landkreis Darmstadt-Dieburg OdenwaldkreisKarte
Über dieses Bild
Bürgermeisterin Hildegard Cornelius-Gaus (März 2011)

Biblis ist eine Gemeinde im Kreis Bergstraße im Süden Hessens. Überregionale Bekanntheit hat sie vor allem aufgrund des hier befindlichen Kernkraftwerkes Biblis erlangt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Es befindet sich in der Oberrheinischen Tiefebene westlich des Odenwalds zwischen Darmstadt im Norden und Mannheim im Süden bzw. nördlich von Bürstadt. Biblis liegt direkt nördlich vom Unterlauf der Weschnitz, die nur wenige Kilometer nordwestlich der Gemeinde in den Rhein mündet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Biblis grenzt im Norden an die Gemeinde Groß-Rohrheim und Gernsheim, im Osten an die Gemeinde Einhausen, im Süden an die Städte Bürstadt und Lampertheim sowie im Westen an die kreisfreie Stadt Worms (Rheinland-Pfalz).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Biblis besteht aus den drei Ortsteilen Biblis, Nordheim und Wattenheim. Für Nordheim und Wattenheim wurden per Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den seitherigen Gemarkungsgrenzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Biblis wurde im Jahre 836 zum ersten Mal urkundlich im Codex des Lorscher Klosters als „Bibifloz“ (Siedlung am Wasser) erwähnt, als König Ludwig der Deutsche seine Güter in Biblis, Wattenheim und Zullestein seinem getreuen Vasallen Wernher schenkte, der sie 846 dem Kloster Lorsch vermachte. Von 1461 bis 1623 war das Gebiet an die Pfalz verpfändet und wurde im Gefolge der Reformation protestantisch, nach der Rückgliederung rekatholisiert. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort mehrfach verwüstet und die Bewohner durch die Pest stark dezimiert. Im Gefolge der Säkularisation 1803 fiel der Ort an das spätere Großherzogtum Hessen und wurde dem rheinhessischen Kreis Worms unterstellt. 1945 wurde es von Worms, das zum neuen Bundesland Rheinland-Pfalz kam, abgetrennt und dem Kreis Bergstraße angegliedert.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Nordheim und Wattenheim eingegliedert.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Biblis (Ort) Nordheim Wattenheim zusammen
1600 500
1806 1355 762 283 2400
1961 5335 1165 550 7050
1970 5605 1316 716 7637
1980 5888 1450 930 8268
1996 6287 1716 1069 9072
2002 6350 1755 1146 9251
2009 6308 1892 1147 9347
2011 8863

Quelle: Gemeinde Biblis[3], 1961 und 1970: Volkszählungsergebnisse[2]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die unabhängige, von der SPD unterstützte, Hildegard Cornelius-Gaus ist seit 2001 Bürgermeisterin von Biblis und wurde am 4. November 2007 mit 63,1 % der Stimmen im ersten Wahlgang wiedergewählt.

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Kommunalwahl in Biblis 2011
 %
50
40
30
20
10
0
43,3 %
34,0 %
22,7 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-7,0 %p
+1,1 %p
+12,5 %p
-6,6 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis: [4]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 43,3 10 50,3 12 47,4 15
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 34,0 8 32,9 8 38,7 12
FLB Freie Liste Biblis 22,7 5 10,2 2 6,0 2
BBF Bibliser Bürger Forum 6,6 1 7,9 2
Gesamt 100 23 100 23 100 31
Wahlbeteiligung in % 48,2 43,9 53,8

Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen ist aufgelöst.[5]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde 1950 der Gemeinde Biblis gewährt und zeigt oben einen silbernen Pflug und unten eine silberne Wasser-Lilie (Seerose) auf blauem Grund. Das alte Bibliser Wappen stellt den zähen Kampf der Bibliser Vorfahren gegen den Sumpf dar. Sie machten mit damals noch primitiven Gerätschaften schilfiges Gelände urbar. Die Wasserrose versinnbildlicht den Sumpf, während der Pflug die Rodung des Landes symbolisiert. Die Farben entstammen dem Wappen der Wittelsbacher, die die Pfalz regierten, zu der Biblis von 1461 bis 1623 gehörte.

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten]

Die katholische St. Bartholomäuskirche

Die katholische Gemeinde St. Bartholomäus[Bearbeiten]

Die St. Bartholomäuskirche stammt aus dem Jahr 1865. Die Vorläuferkirche wurde durch die stark angewachsene Einwohnerzahl zu klein. Die Pläne zur jetzigen Kirche erstellte der damalige großherzoglich-hessische Kreisbaumeister Christian Horst. Er entwarf die Kirche als neu-frühgotische dreischiffige Säulenbasilika mit Chor und Querhaus nach dem Vorbild der Marburger Elisabethkirche [6].

Die katholische Gemeinde Biblis gehört zur katholischen Pfarrgruppe Biblis. Diese besteht aus den Pfarrgemeinden

  • St. Bartholomäus Biblis
  • St. Christophorus Wattenheim
  • St. Theresia v.K.J. Groß-Rohrheim
  • St. Antonius Nordheim

Die evangelische Gemeinde Biblis[Bearbeiten]

Das einstmals reformierte Biblis wurde 1623 durch gegenreformatorische Maßnahmen römisch-katholisch. Nachdem 1634 der letzte protestantische Pfarrer Zarlen das Dorf verlassen musste, war Biblis für die nächsten Jahrhunderte ein rein katholischen Dorf.

Erst nach der letzten Jahrhundertwende gab es in Biblis wieder einige wenige evangelische Christen. So wurden im Jahre 1910 83 Protestanten gezählt. Am 14. Oktober 1925 wurde aufgrund der Initiative von Pfarrer Körbel aus Groß-Rohrheim, die evangelische Kirchengemeinde Biblis gegründet. Der erste evangelische Gottesdienst konnte nach fast 300 Jahren am 1. November 1925 mit der Feier des heiligen Abendmahls im festlich geschmücktem Rathaussaal gefeiert werden. An dem Festgottesdienst nahmen 62 Erwachsene und 12 Kinder teil. Im Januar 1927 wurde für 1750 Mark ein Kirchenbauplatz am damaligen Ortsausgang Richtung Groß-Rohrheim gekauft. Dieser Bauplatz wurde im Zuge der Feldbereinigung von 1935/1936 gegen einen wesentlich größeren Platz unter Aufzahlung eines Betrages von 2568,05 Mark eingetauscht. Es war der Platz, auf dem heute die evangelische Kirche steht. Im Jahre 1936 wurde ein Architekt beauftragt, einen Plan für eine kleine Kirche auszuarbeiten. Das Bauvorhaben wurde im November 1938 abgelehnt. Der erste Spatenstich zum Bau der Kirche wurde schließlich am 9. September 1951 vorgenommen und am 13 September 1953 fand die Einweihung der Kirche durch den Kirchenpräsidenten Martin Niemöller statt. Die Zeit der Provisorien und der räumlichen Enge der Gottesdienststätten war zu Ende, die evangelische Kirchengemeinde, eine unierte Gemeinde, hatte ein eigenes Gotteshaus.

Erster Pfarrvikar für Biblis wurde im Dezember 1963 Pfarrer Machmar. Der Antrag zur Umwandlung der Pfarrvikarstelle in eine eigenständige Pfarrstelle wurde durch die Kirchenleitung abgelehnt. Im September 1973 beschloss eine Versammlung der Kirchenvorstände von Biblis und Nordheim mit Dekan Schulten und Probst Schmidt, dass Nordheim Sitz der Pfarrstelle blieb und Biblis als Pfarrvikarstelle von dort mitverwaltet wurde. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Pfarrstelleninhaber ist derzeit Pfarrer Arne Polzer, Pfarrvikarstelleninhaber ist Pfarrer Dr. Klaus Wetzel. Im Jahre 1978 wurde das Gemeindezentrum gebaut.

Die jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

In Biblis bestand vom 18. Jahrhundert an bis 1938 eine jüdische Gemeinde. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten etwa 200 Einwohner der jüdischen Gemeinde an (etwa 8 % der Gesamteinwohnerschaft). Unter Rabbiner Salomon Bodenheimer (1813–1886) wurden eine Talmud-Tora-Schule und weitere Einrichtungen gegründet, die für die Judenschaft einer weiteren Umgebung große Bedeutung hatten. Die Synagoge der Gemeinde (Grundstück Enggasse 6) wurde 1832 erbaut, beim Novemberpogrom 1938 durch SA-Leute geschändet und im Inneren völlig verwüstet, danach zweckentfremdet genutzt und 1981 abgebrochen. Ein Gedenkstein erinnert noch an das vergangene Bauwerk. Mindestens 13 frühere jüdische Einwohner von Biblis wurden nach den Deportationen in Vernichtungslagern ermordet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Regionalbahn im Bibliser Bahnhof auf dem Weg nach Worms

Biblis liegt an der B 44 und der Landesstraße 3261. Autobahnanschlüsse sind in Lorsch, Heppenheim und Gernsheim in etwa 10 km Entfernung. In Biblis gibt es über den Bahnhof Biblis Direktverbindungen über die Riedbahn nach Mannheim (halbstündlich) und Frankfurt am Main (stündlich) sowie über die Nibelungenbahn nach Worms (stündlich).

Das KKW Biblis aus südlicher Richtung betrachtet
Die Sendeanlage von Radio Free Europe

Bildung[Bearbeiten]

  • Katholische Kindertagesstätte Sonnenschein (Biblis)
  • Kindertagesstätte Pusteblume (Biblis)
  • Kindertagesstätte Glückskäfer (Ortsteil Wattenheim)
  • Evangelische Kindertagesstätte Nordheim
  • Schule in den Weschnitzauen (Grund und Hauptschule Biblis)
  • Steinerwaldschule Nordheim und Wattenheim

Kernkraftwerk[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Kernkraftwerk Biblis.

Biblis ist Standort des Kernkraftwerks Biblis mit den zwei Blöcken Biblis A (1974 bis 2011 in Betrieb) und Biblis B (1976 bis 2011 in Betrieb).

Das Kraftwerk ist für die wirtschaftliche Situation des Ortes von zentraler Bedeutung. Das Medium Spiegel Online verwendete den Ort im September 2010 als Beispiel für eine mit der Kernkraft verbundene wirtschaftliche Macht und die auf dieser begründete Abhängigkeit und Loyalität einer Region zur Atomenergie.[5]

Sonstige Anlagen[Bearbeiten]

  • Etwa 2,5 Kilometer östlich von Biblis befindet sich südlich der Landesstraße 3261 eine Kurzwellen-Sendeanlage, die vom US-amerikanischen International Broadcasting Bureau betrieben wird und der Ausstrahlung der Programme von Radio Free Europe und Radio Liberty dient.
  • Bei Nordheim kreuzen drei parallel verlaufende Freileitungen des Hochspannungsnetzes auf bis zu 103 Meter hohen Masten den Rhein.
  • Die Sporthalle Pfaffenau, Trainingsstätte der Handballer der TG Biblis wurde durch eine Spende der RWE ermöglicht.[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 348.
  3. http://www.gemeinde-biblis.de/p/d2.asp?artikel_id=1045&liste=&tmpl_typ=Detail&l=1
  4. Hessisches Statistisches Landesamt
  5. a b c AKW-Pläne – Biblis feiert den Atom-Deal, Spiegel Online,18. September 2010.
  6. Pfarrkirche St. Bartholomäus Biblis

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Biblis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien