Biblizismus

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Der Ausdruck Biblizismus taucht vor allem in polemisch geführten kontroversen theologischen Auseinandersetzungen auf. Er bezeichnet eine rigoristische Bibelauslegung, die alle oder nahezu alle Texte der Bibel im Wortsinn zu verstehen behauptet. Biblizismus ist auch eine theologische Denkrichtung im Protestantismus des 19. Jahrhunderts.

Hermeneutik[Bearbeiten]

Vom Biblizismus zu unterscheiden ist das allgemeine Sola-scriptura-Prinzip, welches besagt, dass Lehren, die sich nicht aus der Bibel begründen lassen, abzulehnen sind. Dabei wird nicht unterschieden, ob die Aussagen überhaupt nicht in der Bibel vorkommen oder ob sie dem Gesamtzusammenhang gar widersprechen.

Der Biblizismus führt darüber hinaus. Nach dessen Auffassung ist der gesamte Text der Bibel wörtlich zu nehmen und alle Aussagen sind somit auch als historische oder naturwissenschaftliche Aussagen nicht anzweifelbar. Als Folge eines biblizistischen Verständnisses der heiligen Schrift wird oft der Kurzzeit-Kreationismus als Beispiel angeführt.

Soziologie[Bearbeiten]

An der Spitze des Biblizismus im 19. Jahrhundert steht Gottfried Menken. Als ihr bedeutsamster und wirksamster Vertreter gilt Johann Tobias Beck.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Kähler: Geschichte der protestantischen Dogmatik im 19. Jahrhundert. 2. erw. Auflage, R. Brockhaus, Wuppertal/Zürich 1989, ISBN 3-417-29343-X. S. 157-158.