Bicheris

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Namen von Bicheris
Baka3.png
Kalksteinblock mit Arbeitergraffito aus Saujet el-Arjan. Er zeigt den schwer zuzuordnenden Kartuschennamen eines Königs[1]
Goldname
G8
nb
Nubhedjet.png
Neb-hedjet-nub
Nb-ḥdḏt-nwb
Herr der goldenen Krone
Eigenname
Hiero Ca1.svg
G29 D28 Z1
Hiero Ca2.svg [2]
Baka
B3 k3
Seele (Ba) und Ka
Hiero Ca1.svg
E10 D28 Z1
Hiero Ca2.svg
Baka
B3 k3
Seele (Ba) und Ka
Hiero Ca1.svg
E20 D28 Z1
Hiero Ca2.svg
Sethka
St. k3
Seth ist sein Ka
Königspapyrus Turin (Nr.III./13)
V10A HASH HASH V11A G7
[3]
Erhalten ist nur das Namensideogramm für einen König, das den Horusfalken darstellt.
Griechisch
Manetho-Varianten:



bei Eratosthenes:

Africanus: Bicheris [A 1]
Eusebius: fehlt
Eusebius, AV: fehlt


Biuris [4]

Bicheris ist die gräzisierte Namensform des vorgeblich fünften altägyptischen Königs (Pharao) der 4. Dynastie im Alten Reich. Eine sichere Gleichsetzung des Namens mit zeitgenössisch und/oder archäologisch nachgewiesenen Horus- und Kartuschennamen erweist sich als schwierig, da unbekannt ist, auf welcher Originalschreibung „Bicheris“ gründet. Sie mag, nach Meinung der Mehrheit der Ägyptologen, Baka gelautet haben, doch auch dies ist nicht unwidersprochen.

Name und Identität[Bearbeiten]

Die einzigen möglicherweise zeitgenössischen Namensnennungen stammen aus der ihm zugeschriebenen, unfertig gebliebenen Pyramidenanlage in Saujet el-Arjan. In der dortigen Ausschachtung wurden mehrere Arbeiter-Graffiti entdeckt, die mehrheitlich eine Königskartusche enthalten. Ebendiese Kartuschen sind Gegenstand lebhafter Kontroversen, da der Ausgräber der Pyramidenanlage, Alexandre Barsanti, die Graffiti in seiner Grabungspublikation nicht als Faksimiles wiedergab, sondern lediglich als grobe Skizzen. Somit ist zwar das zweite Zeichen in den Kartuschen eindeutig als Ka-Symbol zu erkennen, das erste Zeichen ist hingegen so undeutlich wiedergegeben, dass es bis heute nicht eindeutig identifiziert werden konnte.[5]

Die mittlerweile verbreitetste Lesung ist die als Baka, wobei das erste Zeichen als Storch mit dem Lautwert Ba (oder Bi) zu lesen ist. Auf dieser Lesung basiert auch die Gleichsetzung von Bicheris mit einem Sohn von Pharao Radjedef, welcher auf einer in Abu Roasch gefundenen Statue dieses Königs genannt wird. Dieser Königssohn hieß zwar Baka, jedoch wurde sein Name nicht mit einem Storch, sondern mit einem Widder geschrieben, der aber ebenfalls den Lautwert Ba (oder Bi) hat. Der Name Baka könnte dann im weiteren Verlauf der ägyptischen Geschichte zu Ba-ka-Re entstellt worden sein, wovon sich die griechische Namensform Bicheris ableitete.[6] Einen ähnlichen Vorschlag machte bereits George Andrew Reisner. Er ging davon aus, dass bereits Bicheris selbst seinen Geburtsnamen Baka nach der Thronbesteigung in Ba-ka-Re änderte.[7]

Aidan Dodson schlug 1985 eine Lesung des Königsnamens als Sethka vor. Demnach würde die umstrittene Hieroglyphe ein Seth-Tier darstellen.[8] Nach Dodson wäre es möglich, dass der Name Sethka nur eine Abänderung des ähnlich klingenden Setka ist. Unter diesem Namen ist ein weiterer Sohn des Radjedef bekannt.[9]

Wolfgang Helck hat versucht, Bicheris mit dem Prinzen Horbaef (Baefhor), wahrscheinlich ein Sohn des Cheops, zu identifizieren. Dieser soll nach der Thronbesteigung seinen Namen in Rabauef (Bauefre) geändert haben. Unter diesem Namen wäre er dann noch im Mittleren Reich bekannt gewesen, wie eine Felsinschrift im Wadi Hammamat belegen soll, auf der die Namen von Cheops, Chephren, Radjedef, Bauefre und Hordjedef in Kartuschen geschrieben sind. Helcks Vorschlag wird jedoch in der Forschung weitgehend abgelehnt.[10]

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Namenslesungen, die allerdings keine eindeutige Einordnung von Bicheris in die Königsfamilie der 4. Dynastie zulassen. So las Kurt Sethe den Namen als Nebka[11], Gaston Maspero als Nefer-Ka[12], Jean-Philippe Lauer als Bikka oder Hor-ka[13], Klaus Baer als Wehemka[14] und Peter Kaplony als Schena-Ka.

Im Grabschacht wird außerdem der mutmaßliche Goldname des Bicheris genannt. Allerdings sind Lesung und Zugehörigkeit dieses Namens genauso umstritten. Kaplony beispielsweise sieht darin den möglichen Horusnamen des Huni.[15]

Herrschaft[Bearbeiten]

Die genaue Regierungsdauer von Bicheris ist unbekannt. Der Königspapyrus Turin, der im Neuen Reich entstand und ein wichtiges Dokument zur ägyptischen Chronologie darstellt, ist an der entsprechenden Stelle stark beschädigt, so dass sich weder der Name noch die Angabe der Regierungsjahre erhalten haben.[16] Der im 3. Jahrhundert v. Chr. lebende ägyptische Priester Manetho schreibt Bicheris ganze 22 Regierungsjahre zu. Dies wird in der modernen Forschung jedoch allgemein als Schreibfehler angesehen[10] und die meisten Forscher gehen aufgrund der sehr geringen Anzahl zeitgenössischer Denkmäler von einer wesentlich kürzeren Regierungsdauer aus. So geht etwa Jürgen von Beckerath von sieben Jahren aus,[17] andere Forscher sogar von noch weniger. Wolfgang Helck nimmt lediglich zwei Jahre an[18] und Peter Janosi hält auch eine Regierungsdauer von weniger als einem Jahr für möglich.[10]

Grundriss des Pyramidenkomplexes

Weitere Belege[Bearbeiten]

Der antike Chronist Manetho führt zwar in seinem Geschichtswerk Bicheris’ Namen auf, weiß aber offenbar nichts Genaueres über ihn zu berichten.

Grabmal[Bearbeiten]

Hauptartikel: Baka-Pyramide

Die unvollendete Pyramide von Zaujet el-Arjan wird Baka zugeordnet. Ihre Grundfläche beträgt 200 m x 200 m. Im mit Granitblöcken gepflasterten Fundament ist ein 21 m tiefer Schacht als Grabkammer mit eingelassenem Sarkophag vorhanden. Spuren einer Bestattung sind ersichtlich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 1984, ISBN 3-422-00832-2.
  • Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. Die Zeitbestimmung der ägyptischen Geschichte von der Vorzeit bis 332 v. Chr. (= Münchner ägyptologische Studien. 46). von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7.
  • Aidan Dodson: On the date of the unfinished pyramid of Zawyet el-Aryan. In: Discussion in Egyptology. Nr. 3, Oxford 1985.
  • Aidan Dodson, Dyan Hilton: The Complete Royal Families of Ancient Egypt. The American University in Cairo Press, London 2004, ISBN 977-424-878-3.
  • Zahi Hawass: Die Schätze der Pyramiden. Weltbild, Augsburg 2003, ISBN 3-8289-0809-8.
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. von Zabern, Mainz 1985, ISBN 978-3-534-09403-5.
  • Rainer Stadelmann : Die großen Pyramiden von Giza. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz 1990, ISBN 3-201-01480-X.
  • Nabil M. A. Swelim: Some Problems on the History of the Third Dynasty (= Archaeological and historical studies, vol. 7). Archaeological Society of Alexandria, Cairo 1983.
  • Miroslav Verner: Die Pyramiden. Rowohlt, Reinbek 1999, ISBN 3-499-60890-1.
  • Miroslav Verner: Archaeological Remarks on the 4th and 5th Dynasty Chronology. In: Archiv Orientální, Bd. 69, Prag 2001, S. 363–418 (PDF; 31 MB).
  • Dietrich Wildung: Die Rolle ägyptischer Könige im Bewußtsein ihrer Nachwelt. Teil I: Posthume Quellen über die Könige der ersten vier Dynastien (= Münchener Ägyptologische Studien, Bd. 17) Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin, 1969.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Regierungsdauer 22 Jahre.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe Alessandro Barsanti In: Annales du service des antiquités de lÉgypte - Súppleménts Nr. VII.. Institut Français d'Archéologie Orientale, Kairo 1908, S.266, Graffito Nr. 21.
  2. Das erste Zeichen ist spiegelverkehrt zu lesen.
  3. Alan H. Gardiner: The royal canon of Turin. Bildtafel 2; Die hier von den sonst üblichen Syntax für Hieroboxen abweichende Darstellung des Eintrags im Turiner Papyrus ist auf den Umstand gemünzt, dass im Hieratischen offene Kartuschen zur Verwendung kamen. Das abwechselnde Mal-fehlen-mal-vorhandensein bestimmter Namenselemente ist auf Materialschäden im Papyrus zurückzuführen.
  4. Alan B. Lloyd: Herodotus, book II.. S. 77ff.
  5. siehe hierzu Verner: Archaeological Remarks.
  6. Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. S. 158.
  7. George Andrew Reisner: A History of the Giza Necropolis. Bd. I, Harvard University Press, Harvard 1942, S. 28 (PDF; 249,8 MB).
  8. Aidan Dodson:On the date of the unfinished pyramid of Zawyet el-Aryan. S. 22.
  9. Dodson/ Hilton: Complete Royal Families. S. 61.
  10. a b c Peter Jánosi: Giza in der 4. Dynastie. Die Baugeschichte und Belegung einer Nekropole des Alten Reiches. Bd. I: Die Mastabas der Kernfriedhöfe und die Felsgräber. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, S. 64–65, ISBN 3-7001-3244-1.
  11. Jaroslaw Černý: In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Nr. 16, 1958, S. 26.
  12. Gaston Maspero: Fouilles de Zaouiét el-Aryân (1904–1905). In: Annales du Service des Antiquités. Nr. 7, 1906, S. 257 (PDF; 20 MB).
  13. Jean-Philippe Lauer: Sur l'âge et l'attribution possible de l'excavation monumentale de Zaouiêt el-Aryân.'# In: Revue d'Égyptologie. Nr. 14, 1962, S. 34f.
  14. vgl. Nabil Swelim: Some Problems on the History of the Third Dynasty. 1983, S. 143.
  15. Peter Kaplony: Die Rollsiegel des Alten Reiches. Bd. I, Fondation Egyptologique, Brüssel 1981, S. 146-155.
  16. Turin kinglist
  17. Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. S. 157, 159.
  18. Wolfgang Helck: Untersuchungen zu Manetho und den ägyptischen Königslisten (= Untersuchungen zur Geschichte und Altertumskunde Ägyptens. Bd. 18). Leipzig/ Berlin 1956, S. 52f.


Vorgänger Amt Nachfolger
Chephren König von Ägypten
4. Dynastie
Mykerinos