Bidi

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die indische Rauchware namens Bidi. Für die Abkürzung BiDi aus der Computertechnik siehe Bidirektionaler Text
Bidi
Bidi

Bidi (hindi: बीड़ी, Bīṛī, Biri) nennt man eine indische zigarettenähnliche Tabakware aus einem Tendublatt (Ceylon-Ebenholz, Diospyros melanoxylon) als Hüllblatt und Tabak oder anderen Kräutern als Füllung. Bidis sind sehr trocken, stark und werden häufig parfümiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Seitdem im Jahr 1605 der Tabak Indien erreichte, begann im Land die Tabakproduktion. Die ersten Bidis wurden von Arbeitern der Tabakfarmen erfunden, die Tabak in Blätter rollten. Ab den 1930er Jahren, als weltweit die Nachfrage nach Tabakware stieg, erlebte auch die Bidi-Produktion einen enormen Aufschwung. Grund für diese beispiellose Entwicklung war aber auch die Politik Gandhis, der indische Produkte und heimische Industrie politisch unterstütze. Intellektuelle und gebildete Inder zogen es auch deshalb bald vor, Beedies anstatt Zigaretten zu rauchen, um ein sichtbares Zeichen gegen Importware und britischen Einfluss zu setzen.

Bis heute werden Beedies auch geraucht, um Unabhängigkeit und indisches Nationalbewusstsein zu demonstrieren.

Konsumenten[Bearbeiten]

Aufgrund niedriger Tabaksteuern und günstiger Produktion werden Bidis gern von ärmeren Bevölkerungsschichten in Bangladesch, Pakistan, Afghanistan, Sri Lanka, Kambodscha und Indien geraucht. Im Englischen spricht man deshalb auch von einer “Poor man’s cigarette”, einer Arme-Leute-Zigarette.

Der Raucher muss, verglichen mit einer normalen Zigarette, tiefer und öfter inhalieren, um die Bidi am Glühen zu halten. Nach einer Studie des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention nimmt der Raucher im Vergleich zu einer normalen Zigarette sehr hohe Werte an Kohlenmonoxid (39 mg/Bidi) und Teer (78 mg/Bidi) zu sich.[1] In Deutschland dürfen Zigaretten nur eine Höchstmenge von jeweils 10 mg Kohlenmonoxid oder Teer im Rauch enthalten.

Herstellung und Vertrieb[Bearbeiten]

Indien produziert mehr Tabak als die Vereinigten Staaten, das Zentrum der internationalen Tabakwirtschaft. Es erstaunt deshalb, dass das Deckblatt der Bidis nicht Tabak ist, sondern ein Tendu- bzw. Schwarzholzblatt. Das Schwarzholz oder der Diospyros melanoxylon ist ein Baum, dessen Holz zu den Ebenhölzern gerechnet wird. Es werden auch Blätter von anderen Gehölzen benutzt: Diospyros exsculpta, Bauhinia racemosa, Holarrhena pubescens oder Artocarpus heterophyllus.

Die Blätter dieser Bäume werden in den Monaten April und Mai gepflückt und an der Sonne getrocknet, bevor sie zu rechteckigen Stücken geschnitten und vor dem Rollen nochmals befeuchtet werden. In das Blatt wird eine Mixtur von Tabaken eingerollt, die oft auch aromatisiert sind. Anschließend werden die Bidis in speziell geheizten Räumen eine gewisse Zeit getrocknet und in Papierbündchen zu 25 Stück abgepackt.

Bidi-Roller sind zum großen Teil Frauen, die in Heimarbeit für die Hersteller die Zigaretten rollen. Das Rohmaterial, Tendublätter, Tabak oder Kräuter, Faden und eventuell Filter, wird von der Herstellerfirma über Verteilnetze gestellt. Gesundheitliche Beschwerden bei den Heimarbeiterinnen und Heimarbeitern sind wegen des Tabakstaubs nicht selten. Es kommt vor, dass auch Kinder bei der Herstellung mitarbeiten (siehe: Kinderarbeit), um zum Familieneinkommen beizutragen, oder weil sie Waisen sind und damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Der Produzent von Mangalore Ganesh Beedies weist allerdings im Internet ausdrücklich darauf hin, dass er keine Kinder beschäftigt. Mangalore Ganesh Beedies hat den größten Anteil am europäischen Bidi-Markt. Auf der Packung dieser Rauchware befindet sich der glücksbringende Elefantengott Ganesha.

In Deutschland sind Bidis nicht mehr erhältlich, waren aber bis in die 1990er Jahre im Tabakladen zu bekommen. Anders ist es in Österreich und der Schweiz, wo sie noch heute erhältlich sind.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bidi – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. CH Watson, GM Polzin, AM Calafat, DL Ashley: Determination of tar, nicotine, and carbon monoxide yields in the smoke of bidi cigarettes. In: Nicotine Tob Res., 2003, 5, S. 747–753, PMID 14577991