Biebertal

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde in Hessen. Siehe auch: Bibertal, Bayern, und Bieberbach (Kauerbach) bei Simmern/Hunsrück, davon abgeleitet Biebertal.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Biebertal
Biebertal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Biebertal hervorgehoben
50.6330555555568.59226Koordinaten: 50° 38′ N, 8° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Gießen
Höhe: 226 m ü. NHN
Fläche: 43,92 km²
Einwohner: 9972 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 227 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35444
Vorwahlen: 06409, 06446
Kfz-Kennzeichen: GI
Gemeindeschlüssel: 06 5 31 002
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Mühlbergstraße 9
35444 Biebertal
Webpräsenz: www.biebertal.de
Bürgermeister: Thomas Bender (parteilos)
Lage der Gemeinde Biebertal im Landkreis Gießen
Niederdorfelden Biebertal Wettenberg Lollar Staufenberg (Hessen) Allendorf (Lumda) Rabenau (Hessen) Heuchelheim (Hessen) Gießen Buseck Grünberg (Hessen) Fernwald Linden (Hessen) Langgöns Pohlheim Reiskirchen Lich Hungen Laubach Wetteraukreis Vogelsbergkreis Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Marburg-Biedenkopf Lahn-Dill-KreisKarte
Über dieses Bild

Biebertal ist eine Gemeinde im Landkreis Gießen in Hessen. Sie ist nach der Bieber benannt, die das Gemeindegebiet von Nordnordwesten nach Südsüdosten durchfließt.

Geografie[Bearbeiten]

Biebertal liegt um das Wahrzeichen, den fast 500 m hohen Dünsberg herum und am Westrand eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Hessens, dem Krofdorfer Forst (auch Preußischer Wald), beides Teile des Naturraumes Krofdorf-Königsberger Forst.

Die Gemeinde liegt im Gleiberger Land an dem Ausläufern des Gladenbacher Berglandes ins Gießener Becken. Das Gemeindegebiet deckt sich fast mit dem Einzugsgebiet des Lahn-Nebenflusses Bieber, die mit ihren Quellflüssen Strupbach und Dünsbergbach sowie ihrem Nebenfluss Kehlbach die Talungen bereitstellt, an denen fast alle Ortsteile liegen. Lediglich Krumbach entwässert über den gleichnamigen Bach, die Vers und schließlich die Salzböde zur Lahn, während Frankenbach unmittelbar zwischen den Quellen von Dünsbergbach und Frankenbach (ebenfalls zur Vers) und Königsberg zwischen denen von Strupbach und Schwalbenbach (eigenständiger Lahn-Nebenfluss) liegt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Biebertal grenzt im Norden an die Gemeinden Bischoffen (Lahn-Dill-Kreis) und Lohra (Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Osten an die Gemeinde Wettenberg, im Süden an die Gemeinde Heuchelheim und die Gemeinde Lahnau (Lahn-Dill-Kreis), im Südwesten an die Stadt Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis), sowie im Westen an die Gemeinde Hohenahr (Lahn-Dill-Kreis). Biebertal bildet mit Wettenberg, Lahnau und Heuchelheim das Gleiberger Land

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Biebertal ist eine Großgemeinde, bestehend aus den Orten: Fellingshausen, Frankenbach, Königsberg, Krumbach, Rodheim-Bieber, und Vetzberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Erhaltene Lokomotive der ehemaligen Biebertalbahn

Bereits die Kelten siedelten auf dem strategisch guten Dünsberg, was zahlreiche Grabungen belegen. Die erste Erwähnung von „Biber“ erfolgte 775 nach Christus: ein Meggenheim schenkte damals Eigentum zu Biberaha (Bieber) an das Kloster Fulda. Die nächsten Erwähnungen waren 1300-1454 unter „Biberaha“. Erst 1680 hieß es erstmals „uff der Bieber“. Die Bevölkerung setzte sich aus Tagelöhnern und wenigen Bauern zusammen. Am Oberlauf des Bieberbaches gab es sieben Mühlen, um die sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenige Häuser gruppierten. Die Einwohnerzahl belief sich 1837 noch auf 190.

Die Erschließung der Erzgruben (siehe Grube Friedberg) und die Ansiedlung der Zigarrenfabrik in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte Bieber einen Boom. In der Kehlbachstraße entstand eine Art „Industriegebiet“, die Erwähnung einer Hammerschmiede erfolgt 1422. Die Entwicklung ging weiter: 1620/1622 wird der Abbau und das Brennen von Kalk erwähnt, industriell wurde Kalk ab 1941 gefördert.

In der Folge wurde 1898 die Bahnstrecke für die „Bieberlies“ (siehe Biebertalbahn) gebaut. Eine Erzverladestelle der Bahn war nahe dem 1890 gegrabenen Ida-Stollen im Baumgarten, wo noch heute das Maschinenhaus der ehemaligen Grube Eleonore zu sehen sind. 1906 wurde eine Wasserleitung (mit 70 italienischen Gastarbeitern) gelegt, 1914 kam der elektrische Strom, 1973 eine Umgehungsstraße.

Die Gemarkung von Bieber war früher dreigeteilt. Das Gebiet gehörte zu Königsberg, Fellingshausen und Rodheim. Die Versuche Biebers, eine eigene Gemeinde zu werden, scheiterten bereits 1862, als die Bürgermeister Wagner (Rodheim) und Gerlach (Fellingshausen) die Bildung der Gemarkung Bieber ablehnten. Seit dem 1. April 1933 gehörte Bieber zu Rodheim.[2]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Biebertal am 1. Dezember 1970 durch den freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Fellingshausen, Königsberg, Krumbach, Rodheim-Bieber und Vetzberg gegründet.[3] Am 1. Januar 1977 wurde per Landesgesetz die bis dahin selbstständige Gemeinde Frankenbach nach Biebertal eingegliedert.[4][5]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
35,8 %
29,9 %
15,8 %
15,6 %
2,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-2,2 %p
-4,5 %p
+9,1 %p
-5,3 %p
+2,9 %p
Parteien und Wählergemeinschaften 2011 2006
Prozent Sitze Prozent Sitze
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35,8 11 38,0 12
FWG Freie Wählergemeinschaft Biebertal 29,9 9 34,4 11
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 15,8 5 6,7 2
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 15,6 5 20,9 6
FDP Freie Demokratische Partei 2,9 1 - -
Gesamt 100 31 100 31
Wahlbeteiligung in Prozent 49,6 47,1

Gemeindevorstand[Bearbeiten]

Der Gemeindevorstand in Biebertal besteht aus sieben Beigeordneten und dem Bürgermeister.

Ortsbeiräte[Bearbeiten]

Die einzelnen Ortsteile werden jeweils durch einen Ortsbeirat vertreten. Die Ortsbeiräte Fellingshausen, Frankenbach, Königsberg, Krumbach und Vetzberg haben fünf Mitglieder, der Ortsbeirat Rodheim-Bieber sieben.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der parteilose Kandidat Thomas Bender wurde in der Stichwahl am 25. September 2005 mit 53,1 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 64,9 Prozent. Thomas Bender wurde bei der Bürgermeisterwahl am 4. September 2011 im ersten Wahlgang mit 66,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt, seine Herausforderin Ute Koch von der SPD erhielt 33,5 Prozent der Stimmen, die Wahlbeteiligung betrug 51,8 Prozent.

Parteien[Bearbeiten]

Von 1994 bis 1997 stellte die FWG mit der CDU die Mehrheit in der Gemeindevertretung. Von 1997 bis 2001 wurde die Mehrheit in der Gemeindevertretung von SPD und B90/Grünen gestellt. Von 2001 bis 2011 stellten SPD und CDU die Mehrheit in Biebertal, seit 2011 die SPD und die FWG. Weiterhin sind noch Bündnis 90/Die Grünen und die FDP in der Gemeindevertretung vertreten.

Die ehemalige Bürgermeisterin von Biebertal, Helga Lopez (SPD), vertrat in der 16. Legislaturperiode den Wahlkreis 174 Lahn-Dill + Biebertal und Wettenberg als Direktkandidatin im Deutschen Bundestag.

Wappen[Bearbeiten]

Das Biebertaler Wappen auf schwarz, rot goldenem Grund drei Symbole: Eine Krone, einen Biber und einen Fuchs.

Die Krone als Wappenzeichen Königsbergs erschien bereits im 16. Jahrhundert im Siegel der damaligen „civitas Regiomontana“. Der Fuchs wurde im Jahr 1969 als Wappensymbol für die Gemeinde Fellingshausen gewählt, weil ihre Einwohner traditionell Rotfüchse oder Rotköppe genannt wurden. Der Biber war 1968 als „redendes“, d. h. auf den Ortsnamen hinweisendes Symbol von der Gemeinde Rodheim-Bieber angenommen worden. Er weist im neuen Wappen ebenfalls auf den Namen der neu gebildeten Gemeinde hin.

Das Wappen wurde vom Heraldiker Heinz Ritt gestaltet.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Biebertal pflegt partnerschaftliche Beziehungen zu:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

  • Gesamtschule Biebertal
  • Grundschule Rodheim-Bieber
  • Grundschule Fellingshausen

Berühmte Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erco von Dietze: Archiv Evangelische Kirchengemeinde Königsberg 1578–1950. Findbuch. 1989
  • Erco von Dietze: Archiv Evangelische Kirchengemeinde Krumbach und Frankenbach 1628–1959. Findbuch. 1989
  • Erco von Dietze: Archiv Evangelische Kirchengemeinde Rodheim/Vetzberg mit ehemaligen Filialen Bieber und Fellingshausen 1539–1965. Findbuch. 1989

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Biebertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Wetzlarer Neue Zeitung: Bieber wird erstmals 775 erwähnt. 1. Juli 2006
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 379.
  4. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
  5. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 282