Bielawa

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Bielawa
Wappen von Bielawa
Bielawa (Polen)
Bielawa
Bielawa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Dzierżoniów
Fläche: 36,20 km²
Geographische Lage: 50° 42′ N, 16° 37′ O50.716.616666666667Koordinaten: 50° 42′ 0″ N, 16° 37′ 0″ O
Höhe: 280 - 345 m n.p.m
Einwohner: 31.068
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 58-260 bis 58-263
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DDZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BreslauNowa Ruda
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 31.068
(30. Jun. 2014)[1]
Gemeindenummer (GUS): 0202011
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Ryszard Dźwiniel
Adresse: pl. Wolności 1
58-260 Bielawa
Webpräsenz: www.um.bielawa.pl

Bielawa [bʲɛˈlava] (deutsch: seit dem 17. Jahrhundert Langenbielau, vorher Bielau) ist eine Stadt im Powiat Dzierżoniowski in der Wojewodschaft Niederschlesien in Polen. Sie liegt rund 55 Kilometer südwestlich von Breslau am östlichen Fuße des Eulengebirges. Der Name leitet sich vermutlich vom tschechischen bílá oder polnischen biały („weiß“) ab.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Bielawa liegt an der Bielawica (Biele), einem linken Zufluss der Piława / Peile. Die Besiedlung beginnt zwei Kilometer südlich von Dzierżoniów (Reichenbach) und steigt in südwestlicher Richtung acht Kilometer entlang der Woiwodschaftsstraße 385 ins Gebirge an. Nachbarorte sind Bratoszów (Stolbergsdorf) im Norden, Dzierżoniów im Nordosten, Piława Dolna und Piława Górna im Osten, Owiesno im Südosten, Ostroszowice, Myśliszów (Karlswalde) und Jodłownik (Tannenberg) im Süden sowie Pieszyce und Rościszów (Steinseifersdorf) im Nordosten. Südlich der Stadt erhebt sich die 455 m hohe Góra Parkowa (Herrleinberg), im Westen die 693 m hohe Wrona (Krähenberg) und oberhalb auf 1014 m die Hohe Eule mit dem Aussichtsturm. Das Gebiet jenseits des Gebirgskamms gehört zum Powiat Kłodzki (Glatz).

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Langenbielau um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Bielau entstand in einem Gebietsstreifen am Ostrand des Eulengebirges, der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Bereich der ehemaligen Preseka besiedelt wurde. Es waren von Anfang an deutschrechtliche Waldhufendörfer, deren Mittelpunkt Reichenbach war. Erstmals erwähnt wurde es 1288, als der Breslauer Herzog Heinrich IV. u. a. 48 Zinshufen in «Bela» dem Breslauer Kreuzstifts stiftete. Ab 1290/91 gehörte Bielau zum neu gegründeten Herzogtum Schweidnitz. Wegen seiner großen Ausdehnung war es bereits 1305 in Ober- und Unter-Bielau aufgeteilt.

Nach dem Tod des Herzogs Bolko II. 1368 fiel Bielau zusammen mit dem Herzogtum Schweidnitz erbrechtlich an den böhmischen König Wenzel, der ein Sohn der Königin Anna von Schweidnitz war. Allerdings stand Bolkos II. Witwe, der Herzogin Agnes von Habsburg ein lebenslanger Nießbrauch zu. Sie verlehnte den weltlichen (säkularischen) Teil von Bielau an ritterliche Personen, deren Nachfolger auch die Gerichtsbarkeit und andere Privilegien über den ganzen Ort erwarben. Nach mehrmaligen Besitzerwechseln gelangte der weltliche Anteil von Bielau 1535 an das Adelsgeschlecht von Netz, die in Bielau ein Schloss errichteten. Seit dem 16. Jahrhundert erlangte die Hausweberei wirtschaftliche Bedeutung. Da die Heimweber billiger arbeiteten als die in der Zunft zusammengeschlossenen, verlangten die Weber von Reichenbach und Schweidnitz vom böhmischen Landesherrn Abhilfe, hatten jedoch damit keinen Erfolg, da die Heimweber von Langenbielau, Peterswaldau und Peilau von ihren Grundherren unterstützt wurden. Als die Weber von Reichenbach nach dem Dreißigjährigen Krieg wegen der Kriegsfolgen nicht genug Aufträge erhielten, ließen sie sich in Langenbielau und den umliegenden Weberdörfern nieder. Dadurch verlor Reichenbach seine Stellung als Hauptort der Weberei an Bielau, das seit Anfang des 17. Jahrhunderts als «Langen»bielau bezeichnet wurde. 1672 tauschten die Herren von Netz Langenbielau mit Adam Bogislaus von Sandretzky[2] gegen Weigelsdorf und Nieder Habendorf. Gottfried Ferdinand von Sandretzky wurde 1697 mit dem Prädikat Sandraschütz von Kaiser Leopold I. in dessen Eigenschaft als König von Böhmen in den böhmischen Freiherrenstand aufgenommen. 1713 und 1714 grassierte die Pest in Langenbielau.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Langenbielau mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Nachfolgend erhob König Friedrich II. Hans Ferdinand von Sandretzky in den preußischen Grafenstand. Dieser erwarb 1758 auch den präbendatischen Anteil von Langenbielau, so dass nun beide Anteile vereint waren. 1765 erhielt Hans Ferdinand von Sandretzky die Würde eines Erblandesmarschalls von Schlesien. Dessen Söhne Friedrich Wilhelm Ferdinand Gottlob und Hans Carl Gottlob begründeten 1778 das Majorat Langenbielau, zu dem Berthelsdorf, Harthau, Nieder Langseifersdorf, Stoschendorf, Lauterbach, Groß Ellguth sowie Nieder- und Oberpanthenau gehörten.

Seit Anfang des 18. Jahrhunderts war Langenbielau ein Zentrum der Baumwollweberei. Für das Jahr 1800 sind 282 Weber und 372 Webstühle belegt. Negative Auswirkungen hatte allerdings die 1806 verhängte Kontinentalsperre. Trotzdem entwickelten sich die 1805 in Langenbielau gegründeten Dierig-Werke nachfolgend zum größten Textilunternehmen in Schlesien.

Nach der Neugliederung Preußens gelangte Langenbielau 1816 an den neu gegründeten Landkreis Reichenbach, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Wegen der bedrückenden Arbeitsbedingungen der Heimweber kam es vom 3. bis 6. Juni 1844 im benachbarten Peterswaldau zu einem Weberaufstand, der sich auch nach Langenbielau ausbreitete. Der Aufstand wurde in Gerhart Hauptmanns Schauspiel Die Weber dargestellt.

1845 wurde Langenbielau in folgende Ortsteile gegliedert:

  • Ober-Langenbielau
  • Mittel-Langenbielau
  • Nieder-Langenbielau
  • Neubielau sowie
  • Gutsbezirk Langenbielau.

1874 wurde der Amtsbezirk Langenbielau errichtet, der aus den Landgemeinden Mittel Langenbielau, Neu Langenbielau, Nieder Langenbielau und Ober Langenbielau sowie dem Gutsbezirk Langenbielau bestand[3]. Nach dem Tod des Grundherrn Hans von Sandretzky erbte dessen Besitzungen sein Neffe Ernst Julius von Seidlitz, der 1891 zum Grafen von Seidlitz-Sandretzky erhoben wurde. 1891 wurde die Eisenbahnverbindung von Reichenbach nach Langenbielau eröffnet und im Jahre 1900 erhielt es Anschluss an die Eulengebirgsbahn, die über das Eulengebirge nach Wünschelburg unterhalb des Heuscheuergebirges führte. Im selben Jahr wurde die Preußische Fachschule für Textilindustrie eröffnet. Obwohl Langenbielau lange Zeit das größte Dorf Preußens war, bemühte es sich seit 1874 ohne Erfolg um die Erteilung der Stadtrechte. Diese erhielt es erst 1924. 1925 wurde auf dem südlich gelegenen Herrleinberg ein Aussichtsturm errichtet. 1930 erwarb die Stadt das Schloss Langenbielau, das sie als Schul- und Amtsgebäude verwendete. Um 1930 befanden sich in Langenbielau zwei Spinnereien, etwa 30 Textilfabriken, 18 Färbereien u. a. Betriebe der Textilherstellung. 1939 bestand Langenbielau aus 19.924 Einwohnern[4]. Nach 1940 befand sich in Langenbielau ein Außenlager des KZ Groß Rosen.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Langenbielau 1945 an Polen und wurde in Bielawa umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsausgesiedelte aus Ostpolen. 1975-1998 gehörte Bielawa zur Woiwodschaft Wałbrzych. 1977 wurden die Eisenbahnverbindungen von und nach Bielawa stillgelegt und durch Linienbusse ersetzt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Mariä-Himmelfahrts-Kirche
  • Das Schloss Langenbielau wurde 1598 von den Herren von Netz[5] und nach einem Brand 1739 von den Herren von Sandretzky mit Wirtschaftsgebäuden wiederaufgebaut. Nach dem Tode des Grafen Hans von Sandretzky erbte es 1886 dessen Neffe Ernst Julius von Sedlitz, der seinen Wohnsitz 1910 nach Olbersdorf[6] verlegte. Nach dessen Tod 1930 wurde das Schloss von der Stadt Langenbielau erworben, die es als Schul- und Amtsgebäude nutzte.
  • Die katholische Kirche Mariae Himmelfahrt wurde 1868–1876 nach Entwurf des Architekten Alexis Langer im Stil der Neugotik errichtet.
  • Die evangelische Fronleichnamskirche entstand 1743 im Stil des Barock. 1843 erhielt sie einen klassizistischen Turm mit Uhr. 1878–1880 wurde sie im neoromanischen Stil umgebaut. 1945 wurde sie zweckentfremdet genutzt. Seit 1972 dient sie als katholisches Gotteshaus.
  • Die beiden Dierig-Villen werden heute als Hotels genutzt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bielawa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 23. Dezember 2014.
  2. Eintrag Sandreczky u. Sandraschütz in Pierers Universallexikon
  3. Amtsbezirk Langenbielau
  4. Einwohner 1939
  5. Widersprüchliche Angaben in den Quellen: Nach Dehio S. 126 wurde es von Wolf und Heinrich Seidlitz von Schönefed erbaut.
  6. Seit 1945 Roztocznik.