Big Four (Wirtschaftsprüfungsgesellschaften)

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Als Big Four werden die vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bezeichnet, die die überwiegende Mehrheit der börsennotierten Kapitalgesellschaften weltweit prüfen und beraten.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die Big Four Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind:

Big Four
Name Mitarbeiter
weltweit
Mitarbeiter
Deutschland[1]
Geschichte
Deloitte Touche Tohmatsu 203.000 (2013) 5.242 (2013) früher Deloitte & Touche, entstanden durch die Fusion von Touche Ross und Deloitte Haskins & Sells
PricewaterhouseCoopers (PwC) 180.529 (2012) [2] 9.302 (2012) [3] entstanden durch den Zusammenschluss von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand
Ernst & Young 175.000 (2013) 6.900 (2012) entstanden durch den Zusammenschluss von Ernst & Whinney und Arthur Young
KPMG 152.000 (2012) 8.600 (2011) entstanden durch die Fusion von Peat Marwick International und der KMG-Gruppe

Geschichte des Begriffs[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren entstand der Begriff Big Eight; er benannte die damals acht größten – und international dominierenden – Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Big Eight entstanden durch Zusammenschlüsse von regionalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den 1970er Jahren und den vorherigen Jahrzehnten. Diese Big Eight waren:

  • Arthur Andersen
  • Arthur Young
  • Coopers & Lybrand
  • Ernst & Whinney
  • Deloitte, Haskins & Sells
  • Peat Marwick International (PMI)
  • Price Waterhouse
  • Touche Ross

Seit 1987 tragen die im Jahr zuvor fusionierten Prüfungsgesellschaften PMI und KMG (Klynveld Main Goerdeler) den Namen KPMG.

Die Big Eight wurden im Jahr 1989 zu den Big Six, als Ernst & Whinney im Juni mit Arthur Young zu Ernst & Young fusionierte und Deloitte, Haskins & Sells sich im August mit Touche Ross zu Deloitte & Touche zusammenschloss.

Die Big Six wurden im Juli 1998 zu den Big Five, als Price Waterhouse mit Coopers & Lybrand fusionierte und PricewaterhouseCoopers bildete.

Infolge des Enron-Skandals im Jahr 2001 fusionierten die selbständigen Ländergesellschaften von Arthur Andersen mit verschiedenen Unternehmen. In Deutschland ging der größte Teil des Unternehmens an Ernst & Young und als eigenständige Gesellschaft bzw. Marke unter, und die Big Five wurden zu den Big Four.

Entwicklung in Deutschland[Bearbeiten]

Wer prüft wen? Übersicht über die Wirtschaftsprüfer der DAX-Konzerne.

In Deutschland gab es eine nahezu parallele Entwicklung, allerdings mit einigen Besonderheiten:[4]

  • Die „Big Four“ teilen sich 83 Prozent des Geschäfts mit den 160 großen Aktiengesellschaften und setzen in Deutschland 4,4 Milliarden Euro um. Noch vor wenigen Jahren lag ihr Anteil bei 67 Prozent. [5]
  • Es besteht im Grunde eine Big-Three-Situation, da Deloitte mit deutlichem Abstand hinter den drei großen Gesellschaften PwC, KPMG und Ernst & Young liegt. Betrachtet man nur die Prüfer der DAX-Unternehmen, gibt es nur noch Big-Two: Unter den 30 im DAX notierten großen deutschen Konzernen dominieren KPMG (prüft 16 DAX-Unternehmen) sowie PwC (9). Deloitte prüft nur noch ein einziges DAX-Unternehmen (K+S, seit September 2008 im DAX).

Ernst & Young prüft die Siemens AG (ab 2009), Beiersdorf (seit Dezember 2008 im DAX) sowie die HeidelbergCement AG (seit 2010 im DAX). Unter den Finanzkonzernen gibt es sogar nur noch eine Gesellschaft: KPMG. Nur die Commerzbank wird von PwC geprüft.

  • Hinter den Big-Three und Deloitte liegen gemäß der „Lünendonk-Studie 2011[6] wiederum mit erheblichem Abstand BDO und Rödl & Partner. Diese Gesellschaften erreichen jedoch weniger als die Hälfte bzw. nur ein Viertel des Umsatzes von Deloitte. Dicht dahinter folgen Ebner Stolz und Rölfs RP.
  • In der „Dritten Liga“ agieren drei Gesellschaften, die wiederum weniger als die Hälfte des Umsatzes der Zweitliga-Gesellschaften aufweisen: RBS RoeverBroennerSusat Gruppe, Warth & Klein Grant Thornton Gruppe und PKF Fasselt Schlage.

Daneben spielen auf dem Wirtschaftsprüfer-Markt in Deutschland noch große Netzwerke als Zusammenschlüsse mittelständischer WP-Gesellschaften eine Rolle, wie z. B. Nexia International, Moore Stephens Deutschland, Grant Thornton International, RSM Germany, PKF Pannell Kerr Forster, HLB Deutschland, Baker Tilly International, AGN International, Kreston International, DFK-International, Moores Rowland, Ecovis, Accountants Global Network oder SC International.

Bedeutung der "Big Four"[Bearbeiten]

Jeder einzelne der 30 deutschen DAX-Konzerne wird traditionell von einer der vier Firmen geprüft. Die Rolle der Prüfer ist zwar staatlich festgelegt, diese erstellen ihre Kriterien jedoch in autonomer Selbstverwaltung. Da die Prüfer von den Unternehmensleitungen bezahlt werden und zudem noch Dienstleistungen als Steuerberater anbieten, haben die Prüfer ein strukturelles Interesse, den Unternehmen bei der Steuervermeidung zu helfen.[7][8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lünendonk-Liste „Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland 2011“ (PDF; 273 kB)
  2. Deutsche PWC Website
  3. Deutsche PWC Website
  4. vgl. Meldung im Handelsblatt vom 30. September 2010
  5. Handelsblatt vom 19. Januar 2011
  6. Lünendonk-Liste „Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland 2011“ (aufgerufen am 10. November 2012; PDF; 273 kB)
  7. Werner Rügemer: Die Unterwanderte Demokratie. Blätter für deutsche und internationale Politik, 8/2013, S. 72f.
  8. Jeremy T. Schwartz. Capture! From Big Eight to Big Four to regulation. International Journal of Critical Accounting (IJCA), Vol. 5, No. 3, 2013, DOI: 10.1504/IJCA.2013.055479