Big Four (Wirtschaftsprüfungsgesellschaften)

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Als Big Four werden die vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bezeichnet, die die überwiegende Mehrheit der börsennotierten Kapitalgesellschaften weltweit prüfen und beraten.

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Die Big Four Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind:

Name Mitarbeiter
weltweit
Mitarbeiter
Deutschland[1]
Geschichte
Deloitte Touche Tohmatsu 203.000 (2013) 5.000 (2013) [2] früher Deloitte & Touche, entstanden durch die Fusion von Touche Ross und Deloitte Haskins & Sells
Ernst & Young 190.000 (2014) 7.920 (2013) [3] entstanden durch den Zusammenschluss von Ernst & Whinney und Arthur Young
PricewaterhouseCoopers (PwC) 184.235 (2013) [4] 9.299 (2013) [4] entstanden durch den Zusammenschluss von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand
KPMG 155.000 (2013) 8.700 (2013) [5] entstanden durch die Fusion von Peat Marwick International und der KMG-Gruppe

Geschichte des Begriffs[Bearbeiten]

In den 1980er Jahren entstand der Begriff Big Eight; er benannte die damals acht größten – und international dominierenden – Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Big Eight entstanden durch Zusammenschlüsse von regionalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den 1970er Jahren und den vorherigen Jahrzehnten. Diese Big Eight waren:

  • Arthur Andersen
  • Arthur Young
  • Coopers & Lybrand
  • Ernst & Whinney
  • Deloitte, Haskins & Sells
  • Peat Marwick International (PMI)
  • Price Waterhouse
  • Touche Ross

Seit 1987 tragen die im Jahr zuvor fusionierten Prüfungsgesellschaften PMI und KMG (Klynveld Main Goerdeler) den Namen KPMG.

Die Big Eight wurden im Jahr 1989 zu den Big Six, als Ernst & Whinney im Juni mit Arthur Young zu Ernst & Young fusionierte und Deloitte, Haskins & Sells sich im August mit Touche Ross zu Deloitte & Touche zusammenschloss.

Die Big Six wurden im Juli 1998 zu den Big Five, als Price Waterhouse mit Coopers & Lybrand fusionierte und PricewaterhouseCoopers bildete.

Infolge des Enron-Skandals im Jahr 2001 fusionierten die selbständigen Ländergesellschaften von Arthur Andersen mit verschiedenen Unternehmen, insbesondere den anderen großen Prüfungsgesellschaften. In Deutschland ging der größte Teil des Unternehmens an Ernst & Young, ebenso unter anderem in Großbritannien und Spanien[6]. Als eigenständige Gesellschaft bzw. Marke ging Arthur Andersen unter, und die Big Five wurden zu den Big Four.

Entwicklung in Deutschland[Bearbeiten]

Wer prüft wen? Übersicht über die Wirtschaftsprüfer der DAX-Konzerne.

In Deutschland gab es eine nahezu parallele Entwicklung, allerdings mit einigen Besonderheiten:[7]

  • Die „Big Four“ teilen sich 83 Prozent des Geschäfts mit den 160 großen Aktiengesellschaften und setzen in Deutschland 4,4 Milliarden Euro um. Noch vor wenigen Jahren lag ihr Anteil bei 67 Prozent.[8]
  • Es besteht im Grunde eine Big-Three-Situation, da Deloitte mit deutlichem Abstand hinter den drei großen Gesellschaften PwC, KPMG und Ernst & Young liegt. Betrachtet man nur die Prüfer der DAX-Unternehmen, gibt es nur noch Big-Two: Unter den 30 im DAX notierten großen deutschen Konzernen dominieren KPMG (prüft 17 DAX-Unternehmen) sowie PwC (9). Deloitte prüft nur noch ein einziges DAX-Unternehmen (K+S, seit September 2008 im DAX).

Ernst & Young prüft die Siemens AG (ab 2009), Beiersdorf (seit Dezember 2008 im DAX) sowie die HeidelbergCement AG (seit 2010 im DAX). Unter den Finanzkonzernen gibt es sogar nur noch eine Gesellschaft: KPMG. Nur die Commerzbank wird von PwC geprüft.

Daneben spielen auf dem Wirtschaftsprüfer-Markt in Deutschland noch große Netzwerke als Zusammenschlüsse mittelständischer WP-Gesellschaften eine Rolle, wie z. B. Nexia International, Moore Stephens Deutschland, Grant Thornton International, RSM Germany, PKF Pannell Kerr Forster, HLB Deutschland, Baker Tilly International, AGN International, Kreston International, DFK International, Moores Rowland, Ecovis, Accountants Global Network oder SC International.

Bedeutung der "Big Four"[Bearbeiten]

Jeder einzelne der 30 deutschen DAX-Konzerne wird traditionell von einer der vier Firmen geprüft. Die Rolle der Prüfer ist zwar staatlich festgelegt, diese erstellen ihre Kriterien jedoch in autonomer Selbstverwaltung. Da die Prüfer von den Unternehmensleitungen bezahlt werden und zudem noch Dienstleistungen als Steuerberater anbieten, haben die Prüfer ein strukturelles Interesse, den Unternehmen bei der Steuervermeidung zu helfen.[10][11] (siehe auch: Luxemburg-Leaks)

Kritik[Bearbeiten]

Prem Sicca (Professur für Rechnungswesen, University of Essex) kritisierte die Steuerberatungstätigkeit der Big Four in Zusammenhang mit den Luxemburg Leaks scharf. Ihre Steuervereinbarungen, welche die Verringerung der Steuerzahlungen in erheblicher Höhe ermöglichen, habe zur Folge, "dass normale Menschen höhere Steuern zahlen müssen, weil ihre Steuervermeidungsschemata große Konzerne und reiche Menschen entlasten“. Er fordert die Macht der großen Prüfungsgesellschaften zu beschränken, andernfalls würden diese weiterhin ihre Macht nutzen, „um die Demokratie, das Recht und das Wohlergehen der Menschen zu untergraben.“[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lünendonk-Liste „Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland 2011“ (PDF; 273 kB)
  2. http://www2.deloitte.com/de/de/pages/about-deloitte/articles/about-deloitte.html
  3. http://www.ey.com/GL/en/Newsroom/News-releases/News-EY-reports-2014-global-revenues-of-27-4-billion-dollars#.VCVmUWd_vms
  4. a b Deutsche PWC Website
  5. http://www.kpmg.com/DE/de/ueber-kpmg/Standorte/Seiten/default.aspx
  6. British Unit Of Andersen Is Defecting To Deloitte, NYT, 11. April 2002
  7. vgl. Meldung im Handelsblatt vom 30. September 2010
  8. Handelsblatt vom 19. Januar 2011
  9. Lünendonk-Liste „Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland 2011“ (aufgerufen am 10. November 2012; PDF; 273 kB)
  10. Werner Rügemer: Die Unterwanderte Demokratie. Blätter für deutsche und internationale Politik, 8/2013, S. 72f.
  11. Jeremy T. Schwartz. Capture! From Big Eight to Big Four to regulation. International Journal of Critical Accounting (IJCA), Vol. 5, No. 3, 2013, DOI: 10.1504/IJCA.2013.055479
  12. Süddeutsche Zeitung, Luxemburg-Leaks – Warum ein Professor PwC für eine Gefahr für die Gesellschaft hält