Bilbao

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Dieser Artikel erläutert die baskische Stadt. Für weitere Bedeutungen siehe Bilbao (Begriffsklärung).
Bilbao
Casco Viejo de Bilbao.jpg
Wappen Karte von Spanien
Wappen von Bilbao
Bilbao (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: Baskenland
Provinz: Bizkaia
Comarca: Gran Bilbao
Koordinaten 43° 15′ N, 2° 55′ W43.25-2.91666666666678Koordinaten: 43° 15′ N, 2° 55′ W
Höhe: msnm
Fläche: 41,26 km²
Einwohner: 349.356 (1. Jan. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 8.467,18 Einw./km²
Gründung: 15. Juni 1300
Postleitzahl: 48001 - 48015
Gemeindenummer (INE): 48020 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Nächster Flughafen: Flughafen Bilbao
Verwaltung
Amtssprache: Baskisch / Spanisch Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/eigene Sprache
Bürgermeister: Iñaki Azkuna Urreta (PNV)
Website: www.bilbao.net

Bilbao (bask. auch Bilbo[2]) ist die Hauptstadt der Provinz Bizkaia (spanisch: Vizcaya) und größte Stadt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien.

Weiter ist sie die wichtigste Industrie- und Hafenstadt des Baskenlands und hat zuzüglich des Umlands fast 900.000 Einwohner. Mit 349.356 Einwohnern im Stadtgebiet[3] ist Bilbao eine der zehn größten Städte Spaniens.

Stadtflagge
Stadtplan von 1857

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Ría de Bilbao, die bei Portugalete in den Golf von Biscaya (Kantabrisches Meer) mündet. In Basauri vereinigen sich die Flüsse Nervión und Ibaizabal (baskisch für Breiter Fluss) und fließen von dort gemeinsam in die Ría. Die Gezeitengrenze liegt in der Altstadt etwa an der San-Antón-Brücke.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Bilbao gliedert sich in insgesamt acht sog. „Distritos“ (deutsch: Bezirke). Diese sind im Einzelnen:

  1. Deusto
  2. Uribarri
  3. Otxarkoaga Txurdinaga
  4. Begoña
  5. Ibaiondo
  6. Abando
  7. Rekalde
  8. Basurto–Zorroza

Geschichte[Bearbeiten]

Diego López V de Haro gründete die Stadt an der Mündung des Nervión auf dem Gebiet der Vorgängerkirche von Begoña am 15. Juni 1300. Rechtliche Grundlage war der am 15. Juni 1300 in Valladolid geschriebene und am 4. Januar 1301 durch Ferdinand IV. von Kastilien und León in Burgos bestätigte Gründungsbrief (carta puebla). In der Einleitung dieses Gründungsbriefes heißt es:

En el nombre de Dios é de la vgen vienaventurada Sancta María. Sepan por esta carta quantos la vieren é oieren como yo Diego Lope de Haro, sennor de Vizcaia, en uno con mi fijo Don Lope Diaz é con placer de todos los vizcaynos, fago en Bilvao de parte de Vegonna nuevamente población é villa qual dizen el puerto de Bilvao...(dt.: Im Namen Gottes und der seligen heiligen Jungfrau Maria. Wisst, dass durch diesen Brief, wenn ihr ihn sehen oder davon hören mögt, wie ich, Diego Lope de Haro, Graf von Vizcaya, einig mit meinem Sohne Don Lope Diaz und zur Freude aller Vizcaynos, mache in Bilvao auf dem Teil der Vegonna (Begoña) von neuem Ortschaft und Gemeinde, die man nennen Hafen von Bilvao soll...)

Casco viejo (Altstadt) mit Plaza Nueva und Turm der Catedral de Santiago

Zuvor hatte hier u. a. schon eine römische Siedlung namens Bellum Vadum existiert. Daraus soll sich über die Zwischenstufe Bilbaum[4] der heutige Stadtname abgeschliffen haben, so dass man bei Bilbao auf deutsch von Schönfurt sprechen könnte.[5][6] Weitere Theorien führen den Namen auf das baskische bi albo[7] (dt.: zwei Seiten, auf die zwei Ufer der Ría referierend) oder auf die Burg Biribilbao zurück, die sich nahe der Kirche San Anton befand.

Stadtzentrum mit Guggenheim-Museum

Zum Zeitpunkt der Gründung befand sich dort, wo heute Bilbao la Vieja steht, ein kleines Dorf von Eisenschmieden, Seeleuten und Bauern. Die ersten Straßen Bilbaos waren Somera, Artekale sowie die Tenderia.

Die Landwirtschaft verschwand mit der Zeit, aber das Eisen und das Meer haben sich als bestimmende Elemente Bilbaos im Laufe der Geschichte erhalten. Das hochwertige Eisen der nahen Bergwerke wurde schon von den Römern geschätzt und ausgebeutet. Die Tatsache, dass die Ria ein großes Stück weit schiffbar ist, machte es möglich, im darin gelegenen Hafen, der sicherer war als jene an der Küste, die Waren Kastiliens zur Ausfuhr nach Europa zu verladen.

Ein Produkt der Eisenindustrie Bilbaos, auch wenn es sich dabei um kein sehr rühmliches handelt, hat sogar den Eintrag in die Weltliteratur gefunden. So heißt es in Shakespeares Hamlet: „Methought I lay worse than the mutinies in the bilboes.“ Mit Bilboes sind eiserne Stangen gemeint, an welche die Matrosen zur Strafe mit den Füßen gefesselt wurden.

Auch wenn schon Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der ersten Hochöfen begonnen wurde, sollte die Entwicklung Bilbaos erst nach der letzten Belagerung im Karlistenkrieg in 1874 richtig anlaufen. Damals vereinigten sich die Gemeindebezirke von Abando und Begoña, es erfolgte die sich Barcelona zum Vorbild nehmende planmäßige Erweiterung (Ensanche) des Stadtkerns und so bedeutende Gebäude wie das Theater Arriaga, die Börse oder die Alhóndiga (ehem. Wein- und Spirituosenlager) wurden erstellt.

Die industrielle Entwicklung an der Ria, die Gründung von Eisenhütten und Schiffsbauunternehmen, trieben das Bankwesen und den Handel vorwärts und machte Bilbao zur Hauptstadt der baskischen Wirtschaft.

Der industrielle Niedergang ab den 1970er Jahren hat sich in der Region bemerkbar gemacht. Allerdings auch mit positiven Folgen, da Bilbao seine Aktivitäten zu diversifizieren gewusst hat und seit Anfang der 1990er Jahre von seinem Image einer hässlichen, grauen, schmutzigen Stadt abgekommen ist, das es jahrzehntelang geboten hatte.

Der inzwischen Bilbao-Effekt (auch: „Guggenheim-Effekt“) genannte Boom versetzte die durch eine hohe Arbeitslosigkeit belastete Industriestadt Bilbao in prosperierenden Taumel und wirkte sich auch auf das ganze Land aus. Voraussetzung war die Integration der sich über 15 Kilometer entlang der Trichtermündung des Nervión hinziehenden heterogenen Stadtteile, die zusammenhanglos wie in Wuppertal vor der Schwebebahn, kaum urbane Identität stifteten. Ein wichtiges Element der Modernisierung war die von Sir Norman Foster geplante Metrostrecke. Deren puristisches Design erhielt eine "Liebeserklärung": Die Bilbaínos tauften die Abgänge „Fosteritos“.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in Bilbao ist von der feuchten Meeresluft bestimmt, die von den Meeresströmungen beeinflusst wird, mit milden Temperaturen fast das ganze Jahr über. Die Windstärken sind im Frühling oder Herbst höher. Die mittlere Temperatur ist 21 °C im Sommer und 9 °C im Winter. Mit 1200 mm Niederschlag im Jahr gehört Bilbao zu den feuchtesten Großstädten Südeuropas.

Bilbao
Klimadiagramm
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6
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Bilbao Klimatabelle (vom Astronomischen Verein)[8]; AEMET
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bilbao
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 13 15 16 17 20 23 25 26 24 21 16 14 Ø 19,2
Min. Temperatur (°C) 5 5 6 7 11 13 15 17 13 11 8 6 Ø 9,8
Niederschlag (mm) 126 97 94 124 90 64 62 82 74 121 141 116 Σ 1.191
Sonnenstunden (h/d) 2,5 3,2 3,8 3,9 5,1 5,7 6,1 5,6 5,0 4,0 3,0 2,3 Ø 4,2
Regentage (d) 14 13 12 13 12 8 6 7 8 10 12 13 Σ 128
Wassertemperatur (°C) 12 12 12 13 15 18 21 22 20 17 15 13 Ø 15,9
Luftfeuchtigkeit (%) 73 70 70 72 71 72 73 75 74 74 74 74 Ø 72,7
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  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Bilbao Klimatabelle (vom Astronomischen Verein)[8]; AEMET
La Ribera

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

1970 war Bilbao die sechstgrößte Stadt Spaniens und hatte 410.490 Einwohner, bis 1981 stieg die Einwohnerzahl auf 433.115, aber danach ging sie bis 2003 auf 353.567 Einwohner zurück und 2004 weiter auf 352.317 Einwohner.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Puente Colgante, die „Hängende Brücke“
Guggenheim-Museum
Jeff Koons’ Puppy vor dem Guggenheim-Museum

In den 1990er Jahren hat Bilbao, das zuvor abseits der touristischen Routen lag, eine weitreichende Neukonzeption seiner Innenstadt unternommen. So entstand bis 1995 eine 28 km lange Metrolinie, deren Bahnhöfe fast alle von Sir Norman Foster entworfen wurden.

Einen weiteren Neubau stellt die Brücke Zubizuri des Architekten Santiago Calatrava dar, die einem aufgeblähten Segel nachempfunden ist.

Zentrum des touristischen Interesses ist neben der ältesten Schwebefähre der Welt, der Puente de Vizcaya über den Fluss Nervión (auch Puente Colgante „Hängende Brücke“ genannt), das bis 1997 nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Frank O. Gehry errichtete Museo Guggenheim Bilbao. Der spektakuläre Museumsbau aus Titan, Glas und Kalkstein ist eines der wichtigsten Beispiele avantgardistischer Architektur des 20. Jahrhunderts weltweit. Dabei korrespondiert das Museum mit der sonst oft gesichtslos-industriellen Gestalt Bilbaos, indem es etwa die benachbarte Brücke La Salve mit seinen Wänden „umschließt“. Schwerpunkt der Sammlung ist moderne, sowie zeitgenössische Kunst, die in wechselnden Ausstellungen gezeigt wird. Vor dem Museum ist ein Kunstwerk von Jeff Koons ausgestellt, der Puppy, der mit Blumen bepflanzt wird und eigentlich nur im Eröffnungsjahr dort stehen sollte. Nach Protesten der Bevölkerung durfte der Puppy aber vor dem Guggenheim-Museum stehen bleiben und wird jedes Frühjahr neu mit Blumen bepflanzt, die fortlaufend ausgetauscht werden, wenn sie abgeblüht sind.

Touristisch im Schatten dieser Neubauten befindet sich die belebte, von engen Straßen geprägte Altstadt Bilbaos (das Casco Viejo mit den Siete Calles, den sieben Straßen) und der mittelalterlichen gotischen Catedral de Santiago aus dem 14. Jahrhundert. Die Innenstadt weist eine architektonisch interessante Mischung von Alt- und Neubauten verschiedenster Stilrichtungen auf.

Weitere Museen sind das Museo de Bellas Artes „Museum der schönen Künste“, eines der wichtigsten öffentlichen Kunstmuseen Spaniens, das erst kürzlich renoviert worden ist, und das in der Casco Viejo „Altstadt“ gelegene Museo Etnográfico Vasco „Baskisches Museum“, das Museo Marítimo Ría de Bilbao „Seefahrtsmuseum“ sowie das noch junge Museo de la Industria „Industriemuseum“ in Portugalete. Eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit ist die Basilika Begoña (Basílica de Ntra. Sra. de Begoña).

Das bunt gemischte Stadtbild kann sowohl als innovativ als auch als unreglementiert bezeichnet werden, in allen Fällen ist das Resultat eine sehenswerte und lebhafte Stadt. Dazu tragen vor allem die vielen Parks und Grünflächen auf den an das Stadtzentrum angrenzenden Hängen bei, die schnell zu Fuß vom Zentrum erreicht sind und einen einmaligen Ausblick auf die Stadt erlauben.

In Bilbao spielt der äußerst populäre Fußballverein Athletic Club, der traditionell nur mit baskischen Spielern besetzt ist, eine wichtige Rolle.

1917 wurde die Deutsche Schule Bilbao, das Colegio Alemán San Bonifacio, als eine bikulturelle Begegnungsschule gegründet.

Verkehr[Bearbeiten]

Metro
Die Straßenbahn Eusko Tran

Hauptträger des öffentlichen Personennahverkehrs sind die Metro Bilbao (U-Bahn) und die Straßenbahnlinie EuskoTran. Außerdem gibt es mehrere Buslinien, die von Bilbobus und Bizkaibus betrieben werden.

Der Flughafen Bilbao liegt nicht auf dem Gebiet der Stadt selbst, sondern vier Kilometer nördlich beim Ort Loiu, und wird nach diesem Bilbao-Loiu genannt. Vom Flughafen verkehrt ein Bus-Shuttle nach Bilbao.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften bestehen zwischen Bilbao und

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bilbao – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bilbao – Reiseführer
 Wiktionary: Bilbao – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. Obwohl sowohl „Bilbo“ als auch „Bilbao“ baskische Ortsnamen sind, bevorzugt die Euskaltzaindia die erste Schreibweise [1]. Offiziell ist aber nur „Bilbao“ (http://www.bilbao.net)/
  3. laut INE 1. Januar 2013
  4. http://www.uni-mannheim.de/mateo/camenaref/hofmann/b/books/b_2084.html Johann Jacob Hofmann (1635-1706), Lexicon Universale
  5. Hugo Kastner, Von Aachen bis Zypern: Geographische Namen und ihre Herkunft, S. 57
  6. Friedrich Heinrich T. Bischoff, Johann Heinrich Möller, Vergleichendes Wörterbuch der alten, mittleren und neuen Geographie
  7. http://www.euskadi.net/contenidos/informacion/s11_folletos/de_s11/folletos/visitar_conocer/bizkaia/ale_GV_general_bilbo.pdf
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNational Institute of Meteorology. Normal weather values between 1971-2000. Airport Bilbao. Abgerufen am 6. Juli 2007.
  9. Website von Bordeaux, abgerufen am 16. August 2012.
  10. Convenios de hermanamientos, Gobierno de Buenos Aires, abgerufen am 16. August 2012.
  11. Sister Cities International, Pennsylvania USA
  12. España hacia Asia y el Pacífico (PDF; 6,5 MB), abgerufen am 16. August 2012.
  13. Website Tiflis (englisch), abgerufen am 16. August 2012.
  14. „Bilbao se hermana con Milán“, abgerufen am 16. August 2012.