Bilder auf Masonit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bilder auf Masonit
Joan Miró, 1936
Öl auf Masonit, 78 × 108 cm
Privatsammlungen, verschiedene Museen

Link zum Bild
(Bitte Urheberrechte beachten)

Die Bilder auf Masonit, katalanisch Pintures damunt masonita, sind eine Serie von 27 abstrakten Gemälden von Joan Miró aus dem Jahr 1936.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Werke der Serie wurden von Miró in Mont-roig del Camp[1] und Barcelona geschaffen.[2] Er begann sie unmittelbar vor Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs am 18. Juli 1936. Kurz nach dem Miró die Reihe vollendete, verließ er Spanien im Herbst 1936, um nach Paris zu gehen, wo er vier Jahre lang blieb.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Bilder, die alle 78,3 Zentimeter hoch und 107,7 Zentimeter breit sind, wurden in einer Mischtechnik aus Ölfarbe, Teer, Kasein und Sand auf Masonit (einer Holzfaserplatte) gefertigt. Die Materialien, die nie das gesamte Format bedecken, überlagern sich dabei teilweise, Bereiche des Untergrundes sind zudem durch Ritzungen abgetragen. Die nicht gegenständlichen Bilder aus Linien, Farbflächen, Vertiefungen und aufgetragenen Materialien stellen einen Bruch zu den surrealen Werken früherer Schaffensperioden Mirós dar und gehören in die Phase der „wilden Malerei“ – eine Bezeichnung die er selbst wählte, um seine Werke der Jahre 1934 bis 1936 zu klassifizieren.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Kunstkritikerin, Miró-Expertin und Direktorin der Fundació Joan Miró in Barcelona, Rosa Maria Malet, vergleicht die Bilder auf Masonit mit den auf Kupfer und anderen Materialien gemalten wilden Gemälden, unmittelbare Vorgänger dieser Serie.

„Am 18. Juli wurde der Bürgerkrieg erklärt. Angesichts dieses Ereignisses malte Miró keine Tatsachenbilder, sondern eine Art gewalttätigen und direkten Exorzismus, die 27 Bilder auf Masonit. Das Wilde an dieser Bilderserie sind nicht die Darstellungen, sondern der Akt des Malens selbst. Die Monster werden ersetzt durch den Angriff des Malers auf das Trägermaterial, das ihm als Stimulus dient. Der Bildgrund, das Masonit, wird dabei nie vollständig verdeckt. Zu oberst legte Miró das Weiß des Kaseins, das Schwarz des Teers, Sand […]. Die Bilder auf Masonit haben die Kraft eines Schreis.“

Rosa Maria Malet[3]

Das Museum of Modern Art in New York betont ebenfalls das Gewaltsame der verwendeten Maltechnik:

„[…] Es wurde lange Zeit nahegelegt, dass diese Werke Mirós Antwort auf den emotionalen und physischen Aufruhr seines Heimatlandes darstellen, obwohl der Künstler selbst darauf bestand, dass sie ‚trotz der gegenwärtigen Ereignisse‘ produziert worden waren. In diesen Werken ist die Narrative ersetzt durch eine Betonung der Texturen und Materialien – Öl- und Emailfarbe, Kasein, Teer, Sand und Kieselsteine. Teilweise griff Miró die Masonit-Platten heftig an, ritzte Krater in die faserartige Matrix, die irreversible Zeichen hinterließen und einen Eindruck von rauer Unmittelbarkeit vermitteln.“

Pressenotiz des MoMA[4]

Die Serie[Bearbeiten]

Werk Entstehungsdatum Technik Maße (cm) Museum/Sammlung Stadt Ref.
Bild I Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild II Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild III Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild IV Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild V Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild VI Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild VII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild VIII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild IX Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Nagasaki Präfektur Kunstmuseum Nagasaki [5]
Bild X Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XI Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XIII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XIV Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 108 × 78 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XV Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Israel-Museum Jerusalem [5]
Bild XVI Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XVII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 108 × 78 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XVIII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XIX Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XX Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XXI Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Fundació Joan Miró Barcelona [6]
Bild XXII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XXIII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Art Institute of Chicago Chicago [5]
Bild XXIV Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 108 × 78 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XXV Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]
Bild XXVI Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung London [5]
Bild XXVII Sommer 1936 Öl, Teer, Kasein und Sand auf Masonit 78 × 108 cm Privatsammlung unbekannt [5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jordi J. Clavero: Fundació Joan Miró. Guia de la Fundació. Ediciones Polígrafa, Barcelona 2010, ISBN 978-84-343-1242-5.
  •  Jacques Dupin, Ariane Lelong-Mainaud: Miró. Paintings II. 1931–1941. Juni 2000, ISBN 2868820379, S. 158–175.
  •  Rosa Maria Malet: Joan Miró. Edicions Polígrafa, Barcelona 1983, S. 14–15.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatOnline-Führer zur Miró-Ausstellung, Saal 5. Tate Modern, London, abgerufen am 26. August 2011.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMichele Leight, The City Review: Joan Miró: Painting and Anti-Painting 1927–1937. 2008, abgerufen am 6. Oktober 2011 (englisch).
  3.  Rosa Maria Malet: Joan Miró. Edicions Polígrafa, Barcelona 1983, S. 14–15.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatMoMA Presents the First Major Museum Exhibition to Focus on the Transformative Decade of Joan Miró’s Work between 1927 and 1937. Museum of Modern Art, New York, abgerufen am 6. Oktober 2011.
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z  Jacques Dupin, Ariane Lelong-Mainaud: Miró. Paintings II. 1931–1941. Juni 2000, ISBN 2868820379, S. 158–175.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAusstellung Joan Miró. L’escala de l'evasió. Fundació Joan Miró, abgerufen am 6. Oktober 2011 (katalanisch, spanisch, englisch).