Bilderberg-Konferenz

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Hotel de Bilderberg in Oosterbeek
Heft zur ersten Bilderberg-Konferenz 1954

Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle, private Treffen von einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Militär, Politik, Medien, Hochschulen und Adel.[1]

Die Teilnahme an der jährlich stattfindenden Konferenz ist abhängig von einer Einladung durch den Vorsitzenden und die beiden ehrenamtlichen Generalsekretäre, die nach Beratung und Empfehlung des Lenkungsausschusses erfolgt. Die Teilnehmer werden nach Bekanntgabe der offiziellen Organisatoren so ausgewählt, dass eine wohlinformierte, ausgeglichene Diskussion über die vorgegebenen Tagesordnungspunkte sichergestellt werde. Die Geschäftssprache ist Englisch. Es gilt wie beim ähnlich global ausgerichteten und diskret operierenden Council on Foreign Relations die Chatham House Rule. Es kann in allgemeinen Begriffen berichtet, aber niemals mit Namen zitiert werden.

Die meisten Teilnehmer kommen aus NATO-Staaten; seit 1989 nehmen zunehmend Personen aus anderen Staaten an den Konferenzen teil. Eventuelle Einigungen werden nicht veröffentlicht. Bei der Bilderberg-Gruppe (international auch als Bilderberg-Club bekannt) handelt es sich um keine formelle Organisation. Es existieren, soweit bekannt, weder ein Status der Mitgliedschaft noch ein Gründungsvertrag. Die Tagesordnungspunkte sowie die Teilnehmerlisten werden erst nach einem Treffen den internationalen Presseagenturen zugänglich gemacht.

Zum ersten Mal wurde die Konferenz im Mai 1954 auf Einladung von Prinz Bernhard der Niederlande in dessen Hotel de Bilderberg in Oosterbeek, Niederlande veranstaltet.[1] Der Name Bilderberg wurde vom ersten Tagungsort übernommen.

Dieses erste Treffen hochgestellter Persönlichkeiten erwuchs aus der Befürchtung, dass Westeuropa und Nordamerika möglicherweise nicht so eng zusammenarbeiteten, wie es die ernsten Probleme, mit denen sich die Staaten zu diesem Zeitpunkt konfrontiert sahen, erforderlich zu machen schienen.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Impuls zur Gründung der Bilderberg-Konferenz ging von Józef Retinger aus. Bereits während des Zweiten Weltkrieges hatte Retinger als Berater der polnischen Exilregierung in London Tagungen zwischen Vertretern von Exilregierungen und Außenministern europäischer Staaten organisiert. In diesen Konferenzen, die zwischen Oktober 1942 und August 1944 stattfanden, wurde das Nachkriegs-Zollabkommen zwischen den Benelux-Staaten geboren.

Nach dem Krieg legte Retinger während einer Konferenz im Chatham House seine Position hinsichtlich einer europäischen Einigung dar: „The end of the period during which the white man spread his activities over the whole globe saw the Continent itself undergoing a process of internal disruption.“

Zu diesem Zeitpunkt war Retinger Generalsekretär der unter der Leitung des belgischen Premierministers Paul van Zeeland stehenden Economic League for European Cooperation (ELEC), aus der später die Europäische Bewegung hervorging. Bald nach seiner Londoner Rede machte er die Bekanntschaft von W. Averell Harriman, dem amerikanischen Botschafter in Großbritannien, der ihm einen USA-Aufenthalt arrangierte, bei dem Retinger für die Unterstützung der dortigen Regierung für die ELEC werben wollte. Unter anderem nahm Retinger in den USA Kontakt mit Adolf Berle Jr. und John Foster Dulles auf.

In der Folge erhielt die Europäische Bewegung beträchtliche finanzielle Zuwendungen sowohl von Seiten der US-Regierung/CIA als auch aus privaten Quellen über das American Committee for a United Europe (ACUE) und andere Institutionen. 1952 legte Retinger sein Amt als Generalsekretär der Europäischen Bewegung nieder und begann verstärkt inoffizielle und vertrauliche Zusammenkünfte zwischen europäischen und US-Politikern und Wirtschaftsführern zu fördern. Besonders sollten diese Gespräche die aufkeimenden Spannungen zwischen den europäischen Staaten und den USA beseitigen.

Er konsultierte den ehemaligen belgischen Premierminister Paul van Zeeland, der zu diesem Zeitpunkt Präsident der OEEC war, sowie Paul Rykens, den damaligen Vorsitzenden der Unilever und vormaligen Berater der in London exilierten niederländischen Regierung, und entwarf mit ihnen Pläne für eine wiederkehrende Konferenz. Als Vorsitzenden und Symbolfigur für diesen transatlantischen Dialog gewann Retinger Prinz Bernhard der Niederlande.

Die Idee für die neue Gesprächsplattform war es, jeweils zwei Personen aus den bedeutenderen europäischen Staaten zu finden, um so den konservativen und liberalen Blickwinkel offenzulegen. Durch Bernhards Stellung und Retingers Verbindungen waren in kurzer Zeit zehn Personen gefunden:

Worin die Vorbehalte der europäischen Staaten gegenüber den USA bestanden, wurde auf der ersten Konferenz der europäischen Kerngruppe am 25. September 1952 erörtert. Eine Zusammenfassung sollte den Amerikanern überbracht werden. Auf vertraulichem Wege gelangte das Papier in die Vereinigten Staaten, wo jedoch die Präsidentschaftswahlen des Jahres 1952 in vollem Gange waren. Für die Belange Prinz Bernhards war in dieser hektischen Situation kein Raum, so dass ein erneuter Versuch für die Zeit nach den Wahlen sinnvoll erschien. Aber erneut wurde die Idee zurückgewiesen, ehe sich Bernhard an Walter Bedell Smith wandte. Smith war zu diesem Zeitpunkt CIA-Direktor und informierte seinerseits C. D. Jackson, den Sonderberater des US-Präsidenten, über die Angelegenheit.

In Zusammenarbeit mit John S. Coleman und dem Committee for a National Trade Policy wurde ein Antwortschreiben formuliert. Weitere Personen wurden einbezogen, so Joseph E. Johnson (Carnegie Endowment for International Peace), Dean Rusk (Direktor der Rockefeller-Stiftung) sowie David Rockefeller und Jack Heinz. Dennoch dauerte es noch bis 1954, ehe alle organisatorischen Fragen geregelt werden konnten.

Max Brauer und Rudolf Mueller übernahmen die Aufgabe, für Deutschland sieben Personen für die Teilnahme an der „vertraulichen Tagung” zu benennen. Anfang Mai 1954 wurden die personellen Fragen gelöst. Am Nachmittag des 28. Mai trafen sich die Mitglieder der Gruppe im niederländischen Soestdijk Palace zu letzten abschließenden Besprechungen.

Am folgenden Morgen um 10 Uhr wurde die erste Konferenz im Hotel de Bilderberg durch Prinz Bernhard eröffnet. Auf der Tagungsordnung des Treffens wurden die Standpunkte gegenüber „dem Kommunismus und der Sowjetunion“, „den Kolonien und ihren Bevölkerungen“, „den Wirtschaftspolitiken und ihren Problemen“ sowie „die europäische Integration und die Europäische Verteidigungsgemeinschaft“ thematisiert. Es ging dabei nicht um eine „Lösung“ der Fragen, sondern um einen Austausch der jeweiligen Standpunkte. Obgleich die Themen für die Tagung vorgegeben waren, kamen die Europäer während der Konferenz doch immer wieder auf die anti-kommunistische Kampagne von Senator Joseph McCarthy zu sprechen. Einige sahen in seinem Eifer die Gefahr, dass die USA sich zu einer Diktatur entwickle, was von den US-Vertretern aber zurückgewiesen wurde.

„Offensichtlich“, so Retinger, müssen die Teilnehmer an den jährlich stattfindenden Bilderberg-Konferenzen „einflussreich und allgemein respektiert sein sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung“ verfügen, um durch ihre „persönlichen Kontakte und ihren Einfluss in nationalen wie internationalen Kreisen den von Bilderberg gesetzten Zielen“ genügen zu können. Die Teilnehmer sollten von großer Offenheit sein, keine offensichtlich nationalen Überzeugungen vertreten und nicht mit Vorurteilen belastet sein, sowie die westlichen kulturellen und ethischen Werte teilen, um so dem Ziel, so viele Personen wie möglich aus den verschiedensten Kreisen zu erreichen, entsprechen zu können. Die Organisatoren achten darauf, parteipolitisches Gleichgewicht zu halten, denn „es kann nicht schaden, wenn Kontroversen auch im Rahmen […] [dieser] Konferenz polar ausgetragen werden“. Für die jeweilige Zusammensetzung jedes Treffens, so Retinger, wird ein Gleichgewicht angestrebt, welches so gut wie möglich die vorherrschende Meinung des jeweiligen Landes zu den vorgegebenen Themen widerspiegelt.

Das ehemalige Mitglied des Steering Committees, George C. McGhee, sagte dem Biographen von Prinz Bernhard über die Kompetenzen der Teilnehmer der Bilderberg-Konferenzen: Ich glaube, sie können sagen, dass die Römischen Verträge, welche den Gemeinsamen Markt einleiteten, auf diesen Tagungen geboren wurden.

Prinz Bernhard der Niederlande führte bis zur Aufdeckung seiner Verwicklung in den Lockheed-Bestechungsskandal den Vorsitz. Wie alle Bilderberg-Aktivitäten, wurde auch Bernhards Verstrickung äußerst diskret gehandhabt, so dass das für den 22. bis 25. April 1976 angesetzte Treffen in Hot Springs, Virginia, abgesagt wurde, um der öffentlichen Aufmerksamkeit wegen seiner langjährigen Funktion zu entgehen. Prinz Bernhard legte schließlich im August desselben Jahres sein Amt nieder. Im April 1977 wurden dann die informellen Konferenzen unter dem Vorsitz von Alec Douglas-Home wieder aufgenommen sowie unter mehrfach geändertem Vorsitz bis zum heutigen Tag fortgeführt.

Organisation[Bearbeiten]

Ablauf[Bearbeiten]

Bilderberg-Konferenzen dauern in der Regel drei Tage. Es werden vor allem Fragen der Weltwirtschaft und der internationalen Beziehungen besprochen. Die Gespräche münden nicht in einer Abschlusserklärung und werden auch nicht im Wortlaut veröffentlicht.

Nach jeder Konferenz bekommt jeder Teilnehmer sowie alle, die früher an einer Bilderberg-Konferenz teilgenommen haben, ein Protokoll des Treffens zugesandt. Diese Protokolle sind keine Wortprotokolle, sondern nur Zusammenfassungen der Besprechungen, in denen Aussagen niemals einem bestimmten Teilnehmer, sondern immer nur dessen Herkunftsland zugeordnet werden. Seit 1963 erhalten die Teilnehmer zusätzlich eine erläuternde Schrift, um das Bild einer solchen Konferenz zu vervollständigen. Diese Papiere sind besonders vertraulich zu behandeln. Die Bilderberg-Treffen finden üblicherweise in hochklassigen Hotels statt.

Willy Claes, ehemaliger NATO-Generalsekretär und zweimaliger Teilnehmer an der Bilderberg-Konferenz, bestätigte dieses Prozedere in einem Interview auf dem belgischen Sender Radio 1 (VRT): Die Konferenzteilnehmer erhalten demnach zu einem bestimmten Thema je zehn Minuten Zeit für einen Vortrag, wobei eine spezifische Sitzung von einem Rapporteur begonnen wird, gefolgt von Beiträgen der anderen Teilnehmer. Das Bilderberg Steering Committee übermittelt die Diskussionsergebnisse in Form von Synthesen an alle Teilnehmer, die im Laufe des folgenden Jahres die in den Synthesen ausgegebenen Strategien im jeweiligen politischen, unternehmerischen oder anderen Umfeld in ihren Heimatländern implementieren sollen.[2]

Leitung, Organe[Bearbeiten]

Die Leitung der Bilderberg-Konferenzen obliegt einem Vorsitzenden.

1954 bis 1976 hatte Prinz Bernhard der Niederlande den Vorsitz inne, obwohl er in der Öffentlichkeit wegen verschiedener Skandale umstritten war (siehe auch Abschnitt Entstehungsgeschichte).

1976 bis 1980 trat seine Nachfolge der frühere britische Premierminister Alec Douglas-Home an.

1980 übergab Lord Home während der Aachener Bilderberg-Konferenz den Vorsitz an Walter Scheel, den früheren Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.[3]

1985 übernahm Eric Roll, Baron Roll of Ipsden, einer der früheren Präsidenten des Bankhauses S.G. Warburg, den Vorsitz.

1989 übergab Lord Roll während der Konferenz den Vorsitz an Peter Carington, 6. Baron Carrington, den früheren Generalsekretär der NATO. Dieser hatte den Posten für zehn Jahre inne.

Danach übernahm Étienne Davignon, ein früheres Mitglied der Europäischen Kommission den Vorsitz.[4]

2010 übernahm Henri de Castries,[5] Vorstandsvorsitzender (CEO) des französischen Versicherungskonzerns AXA und persönlicher Freund von Nicolas Sarkozy[6], den Vorsitz der Bilderberg-Konferenzen.[7] Über die AXA konzerneigene AllianceBernstein LP Vermögensverwaltung besteht darüber hinaus ein enger Kontakt zu Goldman Sachs.[8]

Der Vorsitzende wird in seiner Arbeit durch zwei ehrenamtliche Generalsekretäre unterstützt, nämlich einen für Europa und Kanada sowie einen für die USA. Dementsprechend bestehen Sekretariate in Leiden und New York. Weiter gibt es einen ehrenamtlichen „Leiter für Finanzen“.

1956 wurde überdies ein achtköpfiger Lenkungsausschuss (Steering Committee) eingesetzt. Lenkungsausschussmitglieder können jeder Konferenz und jedem sonstigen Treffen beiwohnen. Beim Steering Committee handelt es sich nicht um einen gewählten Ausschuss. Die Mitglieder werden vom Vorsitzenden der Konferenz ernannt und, nach Rücksprache mit diesen Mitgliedern, werden die Teilnehmer auf der jeweils kommenden Konferenz ausgewählt. Zwischen den jährlichen großen Bilderberg-Konferenzen finden nur zu wichtigen Anlässen weitere Zusammenkünfte des Steering Committees statt.

1959 kam schließlich ein Beratungsgremium (Advisory Group) hinzu. Wie verlautbart, trifft es sich dann, „wenn für notwendig empfunden”, in den ersten Dekaden meist im Soestdijk Palace, dem Stammsitz von Prinz Bernhard der Niederlande.

Teilnahme[Bearbeiten]

Für gewöhnlich nehmen rund 130 Personen teil, wobei eine geographische und funktionelle Besonderheit erkennbar wird: Zwei Drittel stammen aus Westeuropa und ein Drittel aus Nordamerika. Etwa zwei Drittel der geladenen Teilnehmer kommen aus dem Finanzsektor, der Industrie, Hochschulen und Medien und etwa ein Drittel aus Regierungen oder politischen Institutionen.

Seit 1954 besuchten die Konferenz ca. 2.500 Personen. Sie kamen aus etwa 28 Staaten und gehörten etwa 15 Internationalen Organisationen an. Seit 1972 nehmen auch Frauen an den Veranstaltungen teil.

Alle Beteiligten nehmen an den Konferenzen ausschließlich als Privatpersonen und nicht in ihrer offiziellen Position teil, obgleich ihre Stellung im öffentlichen Leben eine entscheidende Rolle bei diesen Kooptationen spielen kann.[9]

Zum engsten Kreis der Teilnehmer gehören seit Beginn die englischen und belgischen Königshäuser, Bankiers sowie die politischen und militärischen Strategen des nordatlantischen Bündnisses.

Als aktivste Teilnehmer gelten Giovanni Agnelli (Fiat) und David Rockefeller (Chase Manhattan Bank), welche jeweils bei ca. 20 Bilderberg-Konferenzen anwesend waren und auch der Advisory Group angehörten.

Eine starke Stellung auf den Treffen genießt ferner der ehemalige US-Minister Henry Kissinger.

Zu den deutschen Teilnehmern zählt zum Beispiel Jürgen Schrempp.[10][11] Aus Deutschland sind im Steering Committee seit den 60er Jahren stets ein Vertreter der Deutschen Bank (etwa Hilmar Kopper und Josef Ackermann) sowie ein Vertreter der Wochenzeitung Die Zeit (etwa Helmut Schmidt und Christoph Bertram) anwesend.

Bundeskanzler Helmut Schmidt bat während der 25. Kabinettssitzung am 6. Mai 1981 darum, dass „zumindest ein Kabinettmitglied an der international bedeutsamen Bilderberg-Konferenz vom 15. bis 17. Mai teilnimmt“.[12]

Konferenzorte und -frequenz[Bearbeiten]

Die jährliche große Konferenz ist das wichtigste Ereignis, welches die Bilderberg-Organisatoren veranstalten.

Bis Mitte der 1960er Jahre waren die Treffen der Bilderberg-Gruppe weltweit weitestgehend unbekannt.

Von 1954 bis 2009 fanden 57 Konferenzen statt. Bis 1957 wurden zwei Treffen pro Jahr abgehalten, heute nur noch eines. 1960 wurde der Name von Bilderberg-Gruppe zu Bilderberg-Konferenz geändert. Jede vierte Konferenz findet in Nordamerika statt, um den amerikanischen und kanadischen Teilnehmern entgegenzukommen.

Die letzten Konferenzen fanden in Frankreich (2003, Versailles), Italien (2004, Stresa), Deutschland (2005, Rottach-Egern), Kanada (2006, Ottawa), Türkei (2007, Istanbul), USA (2008, Chantilly, Virginia), Griechenland (2009, Athen), Spanien (2010, Sitges)[13], USA (2011, Chantilly, Virginia)[14], in der Schweiz (2011, St. Moritz)[15], im Vereinigten Königreich (2013, Watford[16]) und Dänemark (2014, Kopenhagen)[17] statt.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Auslagen für das Sekretariat der Bilderberg-Konferenz werden nach eigenen Angaben der Konferenz vollständig durch private Zuwendungen gedeckt; die Finanzierung der durch die Bewirtung der einzelnen Konferenzteilnehmer entstehenden Kosten verantworten diejenigen Mitglieder des Lenkungsausschusses, die aus dem Land stammen, in dem die jeweilige Konferenz stattfindet.[18] Wie bei der Konferenz 2011 in der Schweiz bekannt wurde [19] haben sich der Veranstalter und der Bund die Kosten für die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen geteilt. Wie hoch diese Kosten waren und wie das bei anderen Konferenzen gehandhabt wurde ist nicht bekannt. Die Kosten für die Anreise zur Konferenz sollen die Teilnehmer selbst tragen. Im Jahr 2008 wurde bekannt, dass die Reisekosten von Eckart von Klaeden (Teilnehmer der CDU) vom Deutschen Bundestag übernommen wurden.[20] Nachdem der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) im darauffolgenden Jahr an der Konferenz teilnahm gab es eine parlamentarische Anfrage über Details zu den Inhalten der Konferenz sowie der Motivation und Finanzierung von Faymanns Konferenz-Teilnahme. Jener antwortete ausweichend.[21]

Einordnung[Bearbeiten]

Medienpräsenz in Deutschland[Bearbeiten]

Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für praktische Journalismusforschung in Leipzig Uwe Krüger[22], der eine Dissertation über Elite-Journalismus und die Netzwerke, in denen er sich bewegt, veröffentlicht hat, überschrieb 2007 einen der wenigen Berichte, die über die Bilderberger in Deutschland erschienen sind, in der Medienzeitschrift Message mit: Alpha-Journalisten embedded.[1][23]

Der Münchener Mediensoziologe und Publizist Rudolf Stumberger äußerte über die Bilderberg-Konferenz 2010, er habe kein Verständnis dafür, „dass verantwortliche Redakteure etwa der Wochenzeitung Die Zeit schon über viele Jahre eng mit den Bilderbergern verflochten sind und dennoch wie alle anderen teilnehmenden Journalisten nie auch nur eine Zeile über die Konferenzen berichten“. Er gehe davon aus, dass es hier um persönliche Eitelkeiten geht.[1] Seither wurden die Treffen in einzelnen Artikeln der Zeit erwähnt, so u. a. 2011,[24][25][26] aber auch schon 1988.[27]

Auswirkungen[Bearbeiten]

Aufgrund des rechtlich informellen Charakters des Treffens können keine ausführbaren Beschlüsse getroffen werden. Durch die Diskussionen soll jedoch ein Konsens über eine gemeinsame Denk- und Handlungslinie erreicht werden.[28] Um den Einfluss der Treffen ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien, nur wenige Auswirkungen sind tatsächlich belegbar bekannt:

Die Trilaterale Kommission wurde auf Anraten Rockefellers bei einer Bilderberg-Konferenz gegründet. Die Einführung des Euro geht nach Angaben des belgischen Unternehmers und Ehrenvorsitzenden Etienne Davignon auf eine Bilderberg-Konferenz zurück. Bei der Gestaltung der Römischen Verträge zur Gründung der EWG kam nach Angaben des ehemaligen US-Botschafters in Berlin, John McGhee, den Bilderberg-Konferenzen eine „wichtige Rolle“ zu.[28]

Für den Ökonom und zeitweiligen Indienbotschafter unter John F. Kennedy, John Kenneth Galbraith, rechtfertigt die Bilderberg-Konferenz dagegen kein einziges jener Geheimnisse, die um sie gemacht werden – außer einem: „Niemand glaubt ernsthaft daran, von diesen Treffen könne irgendeine Wirkung ausgehen. In Wirklichkeit sind sie nur eins: Freizeitgestaltung in ihrer distinguiertesten Form“.[29]

Geheimhaltung[Bearbeiten]

Die Tagungshotels werden für die Zeit der Bilderberg-Konferenzen üblicherweise für andere Gäste gesperrt. Am 9. Juni 2011 wurde der italienische EU-Parlamentarier Mario Borghezio von der Polizei in Gewahrsam genommen und befristet des Kantons Graubünden verwiesen, nachdem er versucht hatte, das Bilderberg-Tagungshotel Suvretta House in St. Moritz zu betreten. Der Vorfall führte zu diplomatischen Verwicklungen zwischen Italien und der Schweiz.[30]

Auch das Weltwirtschaftsforum in Davos, die Atlantikbrücke, die Münchner Sicherheitskonferenz oder die Treffen der Trilateralen Kommission sind so genannte „privat“ organisierte Treffen.[31] Rudolf Stumberger (s. o.) wundert sich über diese Auffassung von „privaten Treffen“, bei denen praktisch kein Blatt Papier mehr zwischen die Welt der Wirtschaft und derjenigen der Politik passe. Er ordnet die praktizierte Geheimhaltung anders ein:

"Tendenzen der Re-Feudalisierung. Das heißt, dass neben den offiziellen, demokratischen Strukturen die inoffiziellen Strukturen zunehmend wieder an Gewicht gewinnen. Und diese Eliten, diese selbst ernannten Eliten, die oben sitzen, die schotten sich zunehmend ab."[1]

Eckart von Klaeden (s. o.):

"Auf der Konferenz können Sie ungehindert und offen über aktuelle Probleme der Weltpolitik und -wirtschaft diskutieren. Daher ist die Tagung auch vertraulich und findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dies ist die Vereinbarung unter allen Teilnehmern …"[1][32]

Hans-Jürgen Krysmanski[33], Anhänger der Power Structure Research (sozialwissenschaftlichen Forschung, die den Blick von unten nach oben richtet), Soziologe und Autor u. a. der Studien Wem gehört die EU?[34] sowie Hirten & Wölfe – wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen,[35] ordnet die Bilderberger in die übrigen Begegnungen der Reichen und Mächtigen ein:

"Über Hartz-IV-Empfänger weiß man so ziemlich alles, dafür sorgen schon die Kontrolle der Ämter und eine begleitende Sozialforschung. … Über die Reichen und Mächtigen dagegen weiß man nahezu gar nichts."

Dabei seien diese es, die wirklich die Macht in den Händen halten:

"… Macht hat auch etwas mit dieser Geld-Macht-Dimension zu tun und insofern können Politiker auch gar nicht die Ebene darüber, die Finanzeliten etwa, kontrollieren. Das hat Herr Tietmeyer ja schon 1996 sehr deutlich gesagt, die Politiker machten sich gar keine Vorstellungen davon, wie sehr sie von den Finanzmärkten abhängig sind."[1]

Kritik[Bearbeiten]

Die strenge Geheimhaltung der Gesprächsthemen der Konferenzen lieferte häufig Stoff für Verschwörungstheorien.[36]

Im Sommer 2012 war Jürgen Trittin Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz im amerikanischen Chantilly (Virginia), was in seiner Partei gespaltene Reaktionen hervorrief.[37][38]

Verschwörungstheorien[Bearbeiten]

Des Griffin behauptet in seinem Buch Die Herrscher – Luzifers fünfte Kolonne (englischer Originaltitel: The Fourth Reich of the Rich – übersetzt: Das Vierte Reich der Reichen), die Bilderberger strebten eine „Weltdiktatur” im Sinne einer Neuen Weltordnung an und würden ihre diesbezüglichen Pläne „erbarmungslos weiterentwickeln“.[39]

Der deutsche Autor Andreas von Rétyi spekuliert darüber, ob sie hinter den Morden an Alfred Herrhausen und Olof Palme stecken würden, die sich angeblich gegen sie gestellt hätten. Auch schreibt er den Bilderbergern die Verantwortung für eine ganze Reihe einschneidender Ereignisse der Nachkriegsgeschichte zu, wie etwa:

1991 soll Bill Clinton, damals noch Gouverneur von Arkansas, an der Konferenz teilgenommen haben und dort auf das Projekt des nordamerikanischen Freihandelsabkommens eingeschworen worden sein. Er habe Unterstützung zugesagt.[1]

Für die rechtsextreme amerikanische Zeitschrift The Spotlight war im Mai 1993 die Tatsache, dass von den Treffen der Bilderberger trotz der hohen Prominenz der Teilnehmer nichts veröffentlicht wird, Anlass, über ihre Macht auch über die Medien zu spekulieren: Die Bilderberger sind zu mächtig und zu allgegenwärtig, als dass man öffentlich über sie berichten könnte.[41] Die Anti-Defamation League beklagt, dass sich die Kritiker in ihrer Polemik gegen eine angebliche Verschwörung der Familien Rockefeller und Rothschild, die internationalen Banken und eine sich angeblich anbahnende „geheime Weltregierungantisemitischer Stereotype bedienen.[42]

Im August 2010 wurden nach einer Meldung von AFP zwei Kommentare von Fidel Castro veröffentlicht, nach denen die Jugend der Welt aufgrund der Verschwörung einer Weltregierung einem atomaren Holocaust geopfert werden solle. Hinter dieser Weltregierung stehe die Bilderberg-Konferenz. Castro beruft sich dabei auf das Buch des russischen Journalisten Daniel Estulin über die „wahre Geschichte der Bilderberger“, das 2007 auf Deutsch im Kopp-Verlag erschienen war.[43]

2013 veröffentlichte der Bremer Autor Martin de Wolf einen Roman unter dem Titel „Das 500 Millionen Komplott“, in dem die Bilderberger als die wahren Machthaber der Welt dargestellt werden, die sich zumeist während eines G7-Gipfeltreffens versammeln, so dass die Weltpresse von ihnen abgelenkt würde.[44]

Gesellschaftswissenschaften[Bearbeiten]

Der belgische Soziologe Geoffrey Geuens von der Université de Liège widmete den Bilderbergern ebenfalls ein Kapitel in einem seiner Bücher. Obwohl Geuens die zwanghafte Geheimhaltung der Bilderberger missbilligt, schließt er sich keiner Verschwörungstheorie an. Er benutzt das Beispiel der Bilderberger, um aufzuzeigen, wie Macht funktioniert und welche engen Beziehungen zwischen Politik, Wirtschaft und den Medien bestehen.[10]

Der Hamburger Historiker Bernd Greiner, Bereichsleiter am Hamburger Institut für Sozialforschung und Experte für den Kalten Krieg, meint: „Wir haben es mit einer, Luhmann würde sagen, funktionalen Ausdifferenzierung von Staatlichkeit zu tun. Und wir sind weit davon entfernt, diese Zuständigkeiten so gebündelt zu sehen, wie es bisweilen unterstellt wird. Es gibt dieses eine, steuernde Zentrum weder in der Ökonomie noch in der Politik. Die Ratlosigkeit der Politik angesichts einer Krise wie Griechenland oder die verminderten Interventionspotenziale spiegeln genau das Problem.“[1]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bilderberg-Konferenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Allgemeine[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Detlef Grumbach: Re-Feudalisierung und Privatisierung der Macht? - Zur Bilderberg-Konferenz 2010, Deutschlandfunk, Hintergrund, Sendung vom 2. Juni 2010.
  2. „Luister naar Willy Claes“ (Interview): „2 tot en met 6 juni: Bilderbergconferentie in Sitges, Spanje“, Feiten en Fillet: De dag in zestig minuten (Radio 1 / VRT), 4. Juni 2010. Transkript.
  3.  Hörbare Vertalkung. In: Der Spiegel. Nr. 15, 1987, S. 238b–242a (online).
  4. BBC News vom 29. September 2005: Inside the secretive Bilderberg Group
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatProfil von Henri De Castries. In: corporationwiki.de. 17. Mai 2012, abgerufen am 7. Oktober 2012.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHolger Alich: AXA-Chef Henri de Castries: Der Machtmensch. In: Handelsblatt. 9. Oktober 2009, abgerufen am 7. Oktober 2012.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBilderberg Meetings – Governance. Abgerufen am 7. Oktober 2012.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPeter S. Kraus – Chairman of the Board and Chief Executive Officer. In: AllianceBernstein.com. Abgerufen am 7. Oktober 2012.
  9. Romano Prodi im Namen der Europäischen Kommission am 15. Mai 2003
  10. a b Asia Times (10. Mai 2005): Bilderberg strikes again, von Pepe Escobar (abgerufen am 2. Juni 2007)
  11. Deutschlandradio (29. Mai 2004): Erste Bilderberger Konferenz vor 50 Jahren
  12. Bundesarchiv Koblenz: Kabinettsprotokolle der Bundesregierung
  13. 58. „Bilderberg“- Konferenz: Das Geheimnis von Sitges Die Presse 5. Juni 2010 (Abgerufen am 8. Juni 2010), The Bilderberg „Blackout“ slate.com 9. Juni 2008 (Abgerufen am 9. Juni 2010).
  14. http://www.guardian.co.uk/world/2012/may/30/bilderberg-2012-technocrats-are-rising
  15. Frankfurter Rundschau 14. Juni 2011
  16. Der Club der Mächtigen: Bilderberg-Gruppe trifft sich nahe London. spiegel.de, 7. Juni 2013, abgerufen am 7. Juni 2013.
  17. Bilderberg-Konferenz in Kopenhagen: Die Mächtigsten der Welt beraten sich im geheimen Zirkel focus.de, 30. Mai 2014, abgerufen am 30. Mai 2014.
  18. Bilderberg Meetings. The official Website (abgerufen am 14. Juni 2012).
  19. http://www.blick.ch/news/schweiz/hier-tagt-die-welt-elite-id77224.html
  20. abgeordnetenwatch.de: Eckart von Klaeden (CDU)
  21. parlament.gv.at, Parlamentarische Anfrage der FPÖ zur Teilnahme von Werner Faymann an der Bilderberg-Konferenz 2009
  22. Journalismusforschung.de: Diplom-Journalist Uwe Krüger
  23. Archivfrontseite message, Ausgabe 3-2007, aufgerufen am 3. Juni 2010, 15:19 MESZ.
  24. Heike Faller: Endzeitstimmung. Rette sich, wer kann! ZEITmagazin, 24. Februar 2011
  25. Peer Teuwsen: Management. „Verantwortung ist Spaß“ DIE ZEIT, 22. Juni 2011
  26. Heike Faller, Max Otte: Finanzkrise. Der alte Mann und das Mehr ZEITmagazin, 4. August 2011
  27. Theo Sommer: Weltbühne. Schlaflose Gendarmen DIE ZEIT, 10. Juni 1988
  28. a b Marcus Klöckner: Bilderberg-Konferenz: Geheimes Treffen der Elite, Frankfurter Rundschau, 7. Juni 2010, aufgerufen am 10. April 2011, 15:30 MESZ
  29. John Kenneth Galbraith: „Herrschaft der Bankrotteure“, Hamburg: Hoffmann und Campe, 1992, S. 136
  30. Schweizer Fernsehen am 11. Juni 2011 – Italien fordert Aufklärung nach Bilderberg-Vorfall.
  31. Rudolf Stumberger: Die privaten Treffs der Reichen und Mächtigen, heise.de, 23. Januar 2008, aufgerufen am 3. Juni 2010, 15:32 MESZ
  32. Kostenübernahme durch den Bundestag – Auskunft von Eckart von Klaeden auf www.abgeordnetenwatch.de
  33. stern.de, 24. Januar 2008, Hans-Jürgen Krysmanski: Davos ist „wie eine Bambi-Gala“, aufgerufen am 3. Juni 2010, 16:56 MESZ
  34. Wem gehört die EU?. In: Sahra Wagenknecht (Hrsg.): Armut und Reichtum heute. Eine Gegenwartsanalyse. Edition Ost, Berlin 2007, ISBN 978-3-360-01084-1
  35. Hirten & Wölfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen oder: Einladung zum Power Structure Research. Westfälisches Dampfboot, Münster 2004, ISBN 3-89691-602-5; 2. gründlich bearbeitete und stark erweiterte Ausgabe ebd. 2009, ISBN 978-3-89691-602-0
  36. Marlon Kuzmick: Bilderbergers. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 123 f.
  37. Trittin und sein Bilderberg-Problem auf Spiegel Online
  38. Matthias Kamann, Michael Stürmer: Trittin nach Bilderberg-Konferenz in Erklärungsnot. welt.de, 5. Juni 2012, abgerufen am 6. Juni 2012.
  39.  Des Griffin: Die Herrscher. Luzifers fünfte Kolonne. VAP – Verlag für Außergewöhnliche Perspektiven, Wiesbaden 1980 (Originaltitel: The Fourth Reich of the rich), S. 138.
  40. Vgl. F. William Engdahl, Mit der Ölwaffe zur Weltmacht, Kopp Verlag, Rottenburg 2006.
  41. zit. nach Robert Anton Wilson und Miriam Joan Hill, Everything is under Control. Conspiracies, Cults and Cover-Ups, New York: HarperPerennial 1998, S. 76ff
  42. Debunking the Bilderberg Myth auf der Webseite der Anti-Defamation League, Zugriff am 7. Februar 2013; Marlon Kuzmick: Bilderbergers. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 124.
  43. http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/auch-das-noch-xkw2427qx--34481504.html Rubrik AUCH DAS NOCH: Fidel Castros Magical Mystery Tour.
  44. http://www.martindewolf.de/komplott.htm