Bildungsferne

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Bildungsferne bezeichnet allgemein die Abwesenheit von Bildung in einem Personenkreis oder einer Bevölkerungsschicht. Der Begriff stellt einen Euphemismus dar; das Wort „bildungsfern“ soll z. B. oft das Wort „ungebildet“ beschönigend ersetzen (s. Euphemismus-Tretmühle).

Eine einheitliche Definition dieses umstrittenen Begriffs besteht jedoch nicht. Teilweise wird versucht, die Gruppe dieser Personen über persönliche Eigenschaften wie Geschlecht, Herkunft oder Erstsprache zu definieren. Andere Ansätze gehen in die Richtung, sie formal z.B. durch eine vergleichsweise geringe Anzahl an Bildungszertifikaten zu bestimmen. An Bekanntheit gewann der Begriff u.a. durch die Verwendung der Begriffe Bildungsnähe und Bildungsferne im Zusammenhang mit den Detailauswertungen der PISA-Studien; dort wurde festgestellt, dass Kinder bildungsferner Eltern im deutschen Schulsystem durchschnittlich deutlich schlechtere Ergebnisse erzielen als Kinder von Akademikern.

Die Nationale Armutskonferenz bezeichnete den Begriff als diskriminierend, da er die Schuld den Betroffenen zuschiebe. Man solle lieber von "vom Bildungswesen nicht erreichten Personen" sprechen. Sie nahm ihn in die Liste der "sozialen Unwörter" auf.[1]

Begriff[Bearbeiten]

Bildungsferne in diesem Sinne bedeutet, dass die betreffende Person über keinen oder nur einen niederen Schulabschluss verfügt und folglich auch keine Kenntnis des Lehrstoffs besitzt, der an Hochschulen unterrichtet wird, in der Konsequenz also weder in der Lage ist, ihren Kindern das für das „höhere“ Bildungssystem nötige Wissen zu vermitteln, noch die dort herrschenden Möglichkeiten und Praktiken.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Axel Bolder, Wolfgang Hendrich: Fremde Bildungswelten. Alternative Strategien lebenslangen Lernens. Leske + Budrich, Opladen 2000, ISBN 3-8100-2884-3 (Studien zu Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung 18).
  • Pierre Bourdieu, Patrick Champagne: Die intern Ausgegrenzten. In: Pierre Bourdieu u. a.: Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft. UVK, Konstanz 1997, ISBN 3-87940-568-9, S. 527–533 (Edition discours 9).
  • Heinz Bude: Die Ausgeschlossenen. Das Ende vom Traum einer gerechten Gesellschaft. Carl Hanser, München 2008, ISBN 978-3-446-23011-8.
  • Helmut Dornmayer: Weiterbildung für „bildungsferne“ ArbeitnehmerInnen. Forschungsbericht des IBE. Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung an der Universität Linz, Linz 2002.
  • Ingolf Erler: Der Bildung ferne bleiben. Was meint „Bildungsferne“? In: MAGAZIN erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs. 10, 2010 (PDF; 3,6 MB).
  • Peter Faulstich: Lernen und Widerstände. In: Peter Faulstich, Mechthild Bayer (Hrsg.): Lernwiderstände. Anlässe für Vermittlung und Beratung. VSA-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-89965-150-2, S. 7–25.
  • Birgit Hammerer: Thematische Handreichung: Neue Lernkulturen. Institute for Future Studies 2006.
  • Daniela Holzer: Widerstand gegen Weiterbildung. Weiterbildungsabstinenz und die Forderung nach lebenslangem Lernen. LIT-Verlag, Münster u. a. 2004, ISBN 3-8258-7507-5 (Arbeit – Bildung – Weiterbildung 3).
  • Monika Kastner: BiKoo – Bildungskooperative Oberes Waldviertel. Evaluation des Ziel-3-Projektes „BildungseinsteigerInnen“. Bundesministerium für Bildung – Wissenschaft und Kultur – Abt. Erwachsenenbildung V/8 Wien 2006 (Materialien zur Erwachsenenbildung. 1, 2006), online (PDF; 1,58 MB).
  • Monika Kastner: Angebote für Bildungsferne als Instrument Lernender Regionen. In: ÖIEB (Red.): Handbuch Lernende Regionen. Band 3: Bundesweite Instrumente. 3. Auflage. BMLFUW, Wien 2008, S. 89–97.
  • Ingo Mörth, Susanne Ortner, Michaela Gusenbauer: Niedrigqualifizierte in Oberösterreich – der Weg in die Weiterbildung. (Unter Mitarbeit von Sandra Kettner, Andrea Palmetshofer und Alfons Stadlbauer). Universität Linz, Linz 2005.
  • Netzwerk Mensch zuerst: Dafür kämpfen wir: Wir wollen „Menschen mit Lernschwierigkeiten“ genannt werden! 2005–2008.
  • Bernhard Obermayr: Bildungsferne Gruppen – Definition und Indikatoren. o. J.
  • Erich Ribolits: Wer bitte sind hier die Bildungsfernen? In: Eveline Christof u. a. (Hrsg.): schriftlos = sprachlos? Alphabetisierung und Basisbildung in der marktorientierten Gesellschaft. Studien Verlag, Innsbruck u. a. 2008, ISBN 978-3-7065-4556-3, S. 133–121 (Schulheft. Heft 131).
  • Ulla Sladek, Doris Kapeller, Ingeborg Pretterhofer: Aus Erfahrungen lernen. Zielgruppenerreichung, Weiterbildungsbarrieren und Lernen aus der Sicht ehemals lernungewohnter Frauen. Empirische Untersuchung und Entwicklung neuer Strategien. Eb Projektmanagement GmbH, Villach 2006 (learn forever).

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Nationale Armutskonferenz. 25. Februar 2013. Liste der sozialen Unwörter