Bildungsverein Soziales Lernen und Kommunikation

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Hauptsitz der Einrichtung im Stadtteil Oststadt

Der Bildungsverein Soziales Lernen und Kommunikation e. V. ist eine gemeinnützige Einrichtung der Erwachsenenbildung in Hannover und nach dem niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz (NEBG) als Volkshochschule anerkannt. An seinen drei Lernorten in den hannoverschen Stadtteilen Oststadt, List und Linden-Nord bietet er pro Jahr über 1700 Kurse, Seminare, Bildungsurlaube und Arbeitskreise mit insgesamt rund 80.000 Unterrichtsstunden an.

Sitz der in Hannover auch kurz „Bildungsverein“ genannten Einrichtung[1] ist die denkmalgeschützte[2] Villa Köhler[1] in der Wedekindstraße 14[3] im Stadtteil Hannover-Oststadt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bildungsvereine sind erstmals innerhalb der Arbeiter- und Volksbildungsbewegung ab 1870 gegründet worden. Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und verschiedene weltanschaulich geprägte Gruppen und Interessenverbände haben im Laufe der Geschichte häufig ihre eigenen Bildungseinrichtungen entwickelt. Der Bildungsverein Soziales Lernen und Kommunikation ist parteipolitisch, religiös und weltanschaulich unabhängig, doch sein Entstehen ist ohne die sozialen Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre nicht erklärbar. An erster Stelle ist dies die soziokulturelle „Szene“, die durch Schlagworte wie „Kultur für alle“, „Kultur von allen“, Verbindung von Bildung, Kultur und Alltag, „Kulturarbeit ist Politik“, Selbstverwaltung und vieles mehr geprägt war. Dies kristallisierte sich in Hannover im selbstverwalteten Pavillon heraus. Aus diesem Kontext und mit teilweise den gleichen Initiatoren entstand 1981 der Bildungsverein Soziales Lernen und Kommunikation e.V. Die Kombination aus Entwicklungsgeschichte, Trägerschaft, Organisationsstruktur, Angebotsvielfalt und Arbeitsumfang macht den Bildungsverein deutschlandweit einmalig. Heute (2014) ist der Bildungsverein die zweitgrößte Volkshochschule in Niedersachsen. Jährlich werden ca. 1.700 Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 80.000 Unterrichtsstunden von über 20.000 Personen besucht.

Zielsetzung und Rechtsstellung[Bearbeiten]

Seine Definition von Erwachsenenbildung übernahm der Bildungsverein direkt aus dem § 1 des niedersächsischen Erwachsenenbildungsgesetz (NEBG) und füllte die dortigen Deklamationen mit neuem Leben: „Die Erwachsenenbildung ist ein eigenständiger, gleichberechtigter Teil des Bildungswesens und umfasst die allgemeine, politische, kulturelle und berufliche Bildung. Den Inhalt der Erwachsenenbildung bestimmen die Bildungsbedürfnisse der Erwachsenen. Die Erwachsenenbildung soll alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht und Alter, ihrer Bildung, sozialen und beruflichen Stellung, ihrer politischen und weltanschaulichen Orientierung und ihrer Nationalität, die Chance bieten, sich für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Mitgestaltung der Gesellschaft erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten anzueignen.“

Aufgrund seiner erfolgreichen Arbeit erhielt der Verein am 25. September 1984 mit Wirkung zum 1. Januar 1985 den Anerkennungsbescheid als finanzhilfeberechtigte örtliche Einrichtung der Erwachsenenbildung gemäß § 3 NEBG und hat seitdem den Rechtsstatus einer Volkshochschule. In Niedersachsen gibt es derzeit 60 örtlich anerkannte Einrichtungen, davon führen 58 den Namen „Volkshochschule“. Die meisten sind von Kommunen oder Landkreisen getragen.

Organisationsstruktur[Bearbeiten]

Seminarräume im Stadtteil List

Das geschäftsführende pädagogische Leitungsteam besteht aus vier Personen, die alle zu den Mitbegründern des Vereins zählen. Auf diesem kollektiven Gesamtverantwortungskonzept aufbauend, sind bestimmte Geschäftsführungsaufgaben und die pädagogischen Fachbereiche einzelnen Leitern zugeordnet. Es gibt weitere pädagogische Mitarbeiter, die für verschiedene durch Drittmittel finanzierte Projekte verantwortlich sind. Sieben Verwaltungskräfte sind für die verwaltungsmäßige Abwicklung der Bildungsveranstaltungen und des sonstigen Geschäftsbetriebes verantwortlich. Die größte Gruppe von Akteuren in der Einrichtung sind die über 300 Dozenten. Sie sind als freie Mitarbeiter tätig und erhalten jeweils Werkverträge für ihre einzelnen Kurse, Seminare oder Bildungsurlaube, die sie in Absprache mit der pädagogischen Fachbereichsleitung durchführen. Der Bildungsverein führt seine Veranstaltungen an drei Lernorten mit insgesamt 43 Seminarräumen in Hannover durch.

Konzeption[Bearbeiten]

Grundlage der konzeptionellen Überlegungen ist die gesellschaftliche Aufgabe von Erwachsenenbildung:

  • Lebenslanges Lernen
  • Politisch-demokratische Kompetenz
  • Soziale und kulturelle Teilhabe
  • Personale und soziale Kompetenz
  • Sprachliche Kompetenz in einem vereinten Europa mit zunehmender weltweiter Verflechtung
  • Bewältigung neuer Aufgaben und Herausforderungen im Lebensalltag
  • Integration von Migrant/innen und Flüchtlingen durch entsprechende Bildungsangebote
  • Berufliche Weiterqualifikation über Betriebsnotwendigkeiten hinaus
  • Vielschichtige Teilnahmegruppen

Daraus wurde das Profil des Bildungsvereins Soziales Lernen und Kommunikation entwickelt. Neben den Bildungsinhalten werden die sozialen und kommunikativen Aspekte des Lernens für besonders wichtig erachtet. Bildungsangebote schaffen Orte und Anlässe, an denen Menschen verschiedener Herkunft und Nationalität in einen persönlichen Kontakt treten. Der Bildungsverein versteht sich dabei als Orientierungsfeld in einer sich rasch verändernden Gesellschaft.

Zugehörigkeiten[Bearbeiten]

Der Bildungsverein ist Mitglied im Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB), im Landesverband der Volkshochschulen Niedersachsen und in der Kulturpolitischen Gesellschaft. Er ist Geschäftsstelle des Niedersächsischen Integrationsrats, der Theaterpädagogischen Gesellschaft Niedersachsen und der AG Stadtleben – Verein zur Erforschung und Diskussion des Verhältnisses von Stadt und Kultur.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bildungsverein Soziales Lernen und Kommunikation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Detlef H.O. Kopmann: Die Wedekindstraße - Vom Villenviertel zur Durchgangsstraße, in: Oststadt Journal, Ausgabe Februar 2007; online auf der Seite hannover-oststadt.de, hrsg. von Eckhard von Knorre, Achim Sohns, Uwe Brennenstuhl (Stadtteil-Informationssystem Hannover-Oststadt), zuletzt abgerufen am 25. Februar 2013
  2. Gerd Weiß: Östliche Seitenstraßen der Bödekerstraße, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 1, [Bd.] 10.1, hrsg. von Hans-Herbert Möller, ISBN 3-528-06203-7, S. 165, sowie Anlage Oststadt, in: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt - Institut für Denkmalpflege, S. 11f.
  3. Vergleiche etwa dieses Foto

52.3857579.752802Koordinaten: 52° 23′ 9″ N, 9° 45′ 10″ O