Bilfinger (Unternehmen)

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Bilfinger (Unternehmen)
Logo von Bilfinger
Rechtsform Societas Europaea
ISIN DE0005909006
Gründung 1880
Sitz Mannheim, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 74.276 (31. Dezember 2013)[1]
Umsatz 8.509 Mio. EUR (2013)[1]
Branche Dienstleistungen, Bau
Website www.bilfinger.com

Die Bilfinger SE ist ein börsennotierter, international tätiger Dienstleistungs- und Baukonzern, der in den Bereichen Industrieservice, Immobilien und Infrastruktur tätig ist. Bis zum Herbst 2012 firmierte das Unternehmen als Bilfinger Berger.[2]

Das Unternehmen liefert Beratung, Entwicklung, Planung und Finanzierung über betriebsfertige Erstellung bis hin zu Instandhaltung und Betrieb. Bilfinger hält im europäischen Ranking von Baugesellschaften den achten Platz.[3] Bilfinger ist seit einigen Jahren infolge zahlreicher Akquisitionen und Verkäufe kein klassischer Baukonzern mehr, sondern vor allem Anbieter von Dienstleistungen für Industrieanlagen, Kraftwerke und Immobilien.[4] So hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 rund 80 Prozent der Leistung mit Dienstleistungen erbracht, die restlichen 20 Prozent im Baubereich.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Bilfinger entstand 1975 durch die Fusion mehrerer Baugesellschaften, deren historische Wurzeln zurück bis ins Jahr 1880 reichen. August Bernatz realisierte im damals deutschen Lothringen sein erstes größeres Projekt. 1883 ließ sich der Baumeister in Mannheim nieder. Aus seinem Unternehmen ging die Grün & Bilfinger AG hervor. Die anderen Vorläuferunternehmen von Bilfinger, die Julius Berger Tiefbau AG und die Berlinische Boden-Gesellschaft, wurden beide im Jahr 1890 gegründet.

Die Dresdner Bank war an allen drei Unternehmen als Aktionär beteiligt. Unter der Ägide von Jürgen Ponto, ihres späteren Vorstandssprechers, reifte in den 1960er Jahren der Plan, ein großes, international konkurrenzfähiges Bauunternehmen zu schaffen. Der erste Schritt war die 1969 vollzogene Fusion der Julius Berger AG mit der Bauboag, die aus der Berlinischen Boden-Gesellschaft hervorgegangen war. An diesem neuen Unternehmen erwarb die Grün & Bilfinger AG 1970 eine Mehrheitsbeteiligung. Im Jahr 1975 erfolgte schließlich die Fusion zur Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft, die im Zuge der strategischen Neuausrichtung zu einem Dienstleistungsunternehmen ihre Firma im Jahr 2001 in Bilfinger Berger AG änderte.

Bilfinger erwarb am 6. Oktober 2009 alle Anteile an der MCE Beteiligungsverwaltungs GmbH, Linz, Österreich für 350 Mio. Euro. Die Gesellschaften der MCE-Gruppe, die 2008 bei etwa 900 Mio. Euro Umsatz einen Gewinn von rund 45 Mio. Euro oder 5 % Umsatzrendite nach EBIT erzielte, sind wie Bilfinger Industrial und Bilfinger Power auf Planung, Errichtung und Wartung von Anlagen der Prozessindustrie und der Energiewirtschaft ausgerichtet.[6]

Am 8. Oktober 2010 wechselte Bilfinger die Rechtsform zur Aktiengesellschaft europäischen Rechts (SE, Societas Europaea).[7] Im März 2011 verkaufte Bilfinger seine australische Beteiligungsgesellschaft Valemus Australia (ehemals Bilfinger Berger Australia) und reduzierte damit weiter den Anteil der Bauaktivitäten am Konzernumsatz.[8]

Im Juli 2011 wurde der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch Nachfolger des bisherigen Konzernchefs Herbert Bodner.[9] Im Herbst 2012 wurde der Unternehmensname in Bilfinger geändert.[10]

Kontroversen[Bearbeiten]

Im Februar 2010 wurde der Verdacht auf Betrug durch Mitarbeiter von Bilfinger beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn in Köln laut. Dabei ging es um den Vorwurf von gefälschten Messprotokollen bei der Erstellung der Schlitzwände an der Baugrube sowie um nicht eingebaute Teile der Stahlbewehrung in den Schlitzwänden.[11][12] Der Vorwurf wurde von Bilfinger am 24. Februar 2010 als zutreffend erklärt.[13] Ende Februar 2010 folgte ein Verdacht auf gefälschte Protokolle beim Bau der ICE-Trasse Nürnberg–München[14] sowie beim U-Bahn-Bau in Düsseldorf.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Im Geschäftsjahr 2010 erbrachte das Unternehmen eine Gesamtleistung von 8,123 Mrd. Euro. Davon entfielen 2,932 Mrd. Euro auf den Industrieservice, 1,106 Mrd. Euro auf den Kraftwerksservice, 2,333 Mrd. Euro auf Gebäude- und Immobiliendienstleistungen sowie 1,725 Mrd. Euro auf den Ingenieurbau.[15] Das operative Ergebnis (EBIT) des Unternehmens hat 2010 auf 343 Mio. Euro zugenommen.[16]

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Konzernsitz in Mannheim

Bilfinger passte 2012 die Geschäftsfeldstruktur an, die sich seit 2010 an den veränderten Schwerpunkten des Konzerngeschäfts orientierte. Neun direkte Tochtergesellschaften verteilten sich auf die Unternehmensbereiche Industrial, Power, Building and Facility, Construction und Concessions aufteilten. Nach der Trennung vom Konzessionsgeschäft Ende 2013 und einer erneuten Umstrukturierung gliedern sich die bestehenden Geschäftsfelder in den Bereichen Industrie, Energie und Immobilien in 15 Divisionen.

Unternehmensbereich Schwerpunkte
Industrial Planung, Fertigung und Errichtung von Industrieanlagen
Industriedienstleistungen (Prozessindustrie, Energiewirtschaft)
Power Planung und Bau von Kraftwerkstechnik
Building and Facility Planung, Schlüsselfertigbau und Sanierung im Hochbau
Facilitymanagement, Immobilienmanagement, Gebäudetechnik, sowie Catering und Gebäudereinigung
Construction Planung und Bau von Ingenieurbauwerken für Energiewirtschaft und Infrastruktur
Ingenieurbauleistungen für den Verkehrswegebau (Straßen-, Brücken- und Gleisbau) mit Fokus auf die Märkte in Polen und Deutschland

Organe der Gesellschaft[Bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten]

  • Roland Koch (Vorsitzender seit 2011)
  • Joachim Müller (seit 2008)
  • Joachim Enenkel (seit 2010)
  • Jochen Keysberg (seit 2012)
  • Pieter Koolen (seit 2013)

Aufsichtsrat[Bearbeiten]

  • Bernhard Walter (Vorsitz)
  • Herbert Bodner (seit 1. Juli 2013)
  • Stephan Brückner (stellvertretender Vorsitz seit 21. Mai 2008)
  • Volker Böhme (seit 21. Mai 2008)
  • John Feldmann (seit 21. Mai 2008)
  • Lone Fønss Schrøder
  • Thomas Kern
  • Ingo Klötzer
  • Rainer Knerler
  • Udo Stark
  • Jens Tischendorf
  • Marek Wróbel

Ehemalige Manager[Bearbeiten]

  • Jürgen Hambrecht (Aufsichtsrat bis 21. Mai 2008)
  • Jürgen M. Schneider (Vorstand von 1990 bis zum 31. Juli 2009)
  • Herbert Bodner (Vorstand seit 1997, Vorsitzender 1999–2011)

Aktie[Bearbeiten]

Die Aktie des Unternehmens ist unter der ISIN DE0005909006 (WKN 590900) notiert und ist Bestandteil des MDAX.

Aktionärsstruktur[17]
Anteil Anteilseigner
12 % Privatanleger
24 % Institutionelle Anleger Deutschland
25 % Institutionelle Anleger Schweiz
15 % Institutionelle Anleger Großbritannien
11 % Institutionelle Anleger Vereinigte Staaten
3 % Institutionelle Anleger Skandinavien
3 % Institutionelle Anleger Benelux
2 % Institutionelle Anleger Frankreich
1 % Weitere Institutionelle Anleger
4 % Bilfinger SE (Aktien im eigenen Bestand)

Stand: 30. Juni 2013

Größter Einzelaktionär ist Cevian Capital mit 18,9 %.[17]

Großprojekte[Bearbeiten]

Europastraße 18 in Norwegen
Schiffshebewerk Niederfinow Nord

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Stier und Martin Krauß: Drei Wurzeln – ein Unternehmen. 125 Jahre Bilfinger Berger AG. verlag regionalkultur, ISBN 978-3-89735-411-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bilfinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bilfinger SE: Geschäftsbericht 2013. Abgerufen am 29. April 2014 (PDF; 7,4 MB).
  2. Welt online 10. Mai 2012
  3. European Powers of Construction 5. Januar 2011 (portugiesisch)
  4. n-tv online,Abkehr vom Baugeschäft: Bilfinger Berger im Umbruch (13. März 2011), zuletzt abgerufen am 24. August 2011
  5. M.Gassmann, Bilfinger hält Lage für stabil, Financial Times Deutschland/Börse Online (12. August 2011), zuletzt abgerufen am 24. August 2011
  6. DGAP-Adhoc: Bilfinger Berger AG übernimmt MCE-Gruppe
  7. Bilfinger Berger SE: Formwechsel abgeschlossen
  8. Dow Jones Deutschland, Bilfinger Berger schließt Verkauf von Valemus Australia ab (10. März 2011), zuletzt abgerufen am 25. August 2011
  9. Bilfinger Berger SE:Roland Koch wird neuer Vorstandsvorsitzender von Bilfinger Berger, 29. Oktober 2010
  10. Welt online 10. Mai 2012
  11. Andreas Damm und Detlef Schmalenberg Da ist mit System gefälscht worden, Kölner Stadt-Anzeiger vom 16. Februar 2010, letzter Zugriff 18. Februar 2010
  12. Nikolaus Hammerschmidt und Michael Gassmann: Bilfinger wehrt sich gegen VorwürfeVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, Financial Times Deutschland vom 8. März 2010, zuletzt abgerufen am 17. Juni 2010; Pfusch am Bau: Bilfinger setzt Experten ein, heute.de magazin vom 8. März 2010, letzter Zugriff am 17. Juni 2010
  13. Jochen Hilgers: Vertrauen restlos aufgebraucht, Westdeutscher Rundfunk vom 25. Februar 2010, letzter Zugriff 27. Februar 2010
  14. siehe auch Süddeutsche Zeitung Durchsuchung wegen U-Bahn-Bau und ICE-Trasse und Focus Pfusch an ICE-Trasse München-Nürnberg?
  15. Bilfinger SE: Geschäftsbericht 2010, S. 79, online abgerufen am 25. August 2011
  16. Bilfinger SE: [1], S. 80, online zuletzt abgerufen am 25. August 2011
  17. a b Bilfinger SE: Website, online zuletzt abgerufen am 4. Februar 2014
  18. Geschäftsbericht Ingenieurbau 2
  19. Schrott-Autobahn A1: Dem Pfusch auf der Spur, NDR Magazin Markt, 22. März 2010
  20. a b Roland Kirbach: Deutschlands gefährlichste Straße. In: Die Zeit Nr. 29 vom 15. Juli 2010, S. 13-15
  21. Todesfalle Autobahnbaustelle: Enge Fahrspuren führen zu vielen Unfällen, NDR Magazin Markt, 9. November 2009
  22. Berliner Morgenpost