Bill Gates

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Bill Gates in Berlin (2013)
Unterschrift von Bill Gates

William „Bill“ Henry Gates III, KBE [ˈwɪljəm bɪl ˈhɛnɹɪ geɪts] (* 28. Oktober 1955 in Seattle) ist ein US-amerikanischer Unternehmer, Programmierer und Mäzen. Bill Gates ist seit 2013, laut der Bloomberg-Liste, mit einem geschätzten Vermögen von 72,7 Mrd. US-Dollar wieder der reichste Mensch der Welt.[1] Darüber hinaus hat er bisher 28 Milliarden Dollar der von ihm und seiner Frau gegründeten Bill & Melinda Gates Foundation gespendet.[2] Gates gründete 1975, gemeinsam mit Paul Allen, die Microsoft Corporation. Er besitzt etwa 501 Millionen Aktien von Microsoft[3] (etwa 16 Mrd. US $), was knapp 6 % des Grundkapitals entspricht, ist Chairman of the Board (vergleichbar mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden) und war bis 2006 Leiter der Entwicklungsabteilung (Chief Software Architect) des Unternehmens. Seit Dezember 2004 ist er auch Mitglied des Aufsichtsrats (Board of Directors) von Berkshire Hathaway.

Am 12. September 2007 verabschiedete er sich auf der Unternehmensversammlung offiziell von seiner Firma, am 27. Juni 2008 arbeitete er zum letzten Mal ganztägig bei Microsoft.[4]

Frühe Jahre und Ausbildung

Gates wurde als zweites von drei Kindern des wohlhabenden Rechtsanwalts William H. Gates II (* 30. November 1925) und der Lehrerin Mary Maxwell Gates (1929–1994) geboren. Er hat mit Kristianne Gates eine ältere und mit Libby eine jüngere Schwester.

Bill Gates brillierte in der Grundschule vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften und ging mit 13 Jahren auf die private Lakeside School in Seattle. Als er in der achten Klasse war, wurde in der Schule ein Fernschreiber des Typs ASR-33 angeschafft, mit dem die Schüler bei General Electric Computerzeit nutzen konnten. Bill Gates fand Interesse daran, den GE-Rechner mit BASIC-Programmen zu programmieren und wurde zur Förderung seiner Interessen teilweise vom Mathematikunterricht freigestellt. Später konnten die Schüler auf einer PDP-10-Anlage der Digital Equipment Corporation arbeiten. Nachdem die Schüler Programmfehler in die Systeme eingeschleust hatten, die ihnen mehr freie Zeit an den Rechnern ermöglichten, wurde ihnen die Arbeit an den Rechensystemen für einen Sommer verboten, danach einigten sich Bill Gates, Paul Allen, Ric Weiland und Kent Evans mit den Betreibern darauf, dass sie Softwarefehler suchten und korrigierten und dafür Computerzeit zur Verfügung gestellt bekamen. Bill Gates beschäftigte sich nachfolgend mit verschiedenen Programmiersprachen, um an dem System arbeiten zu können. Dabei handelte es sich neben BASIC auch um FORTRAN, LISP und die Maschinensprache.

Die Vereinbarung mit der Computer Center Corporation endete 1970 und im folgenden Jahr wurde das Schulteam von der Information Sciences Inc. beauftragt, ein Lohn- und Gehaltslisten-Programm in COBOL zu schreiben. Zusammen mit seinem Schulfreund Paul Allen gründete Bill Gates mit 14 Jahren seine erste Firma Traf-O-Data. Sie entwickelten ein System zur Messung von Verkehrsströmen, welches auf dem Prozessor Intel 8008 lief und ihnen 20.000 US-Dollar einbrachte.

1973 ging Gates an die Harvard University, um dort zu studieren, verbrachte seine Zeit aber überwiegend im Computerraum. Dort lernte er auch seinen späteren Geschäftspartner Steve Ballmer kennen. Im Dezember 1974 entwickelte er zusammen mit Allen innerhalb weniger Wochen den für den neu auf den Markt kommenden Heimcomputer Altair 8800 gedachten BASIC-Interpreter Altair BASIC, der später als Microsoft BASIC auch für verschiedene weitere Heimcomputer angepasst und weiterentwickelt wurde.

Microsoft

Hauptartikel: Microsoft

1975 brach Gates sein Studium ab, um sich ganz der Führung seiner Firma Microsoft Corporation zu widmen. Schon wenige Jahre danach gelang ihm der große Coup, als er IBM das Betriebssystem MS-DOS lieferte. Den Posten des Chief Executive Officers (CEO) gab er im Januar 2000 an Steve Ballmer ab und war seitdem Aufsichtsratsvorsitzender und Chefentwickler der Firma. Am 15. Juni 2006 kündigte Gates an, sich bis zum Juli 2008 aus dem Tagesgeschäft von Microsoft zurückzuziehen und den Chefentwicklerposten dem bisherigen Technikchef Ray Ozzie zu überlassen, um sich dann verstärkt seiner Stiftung für wohltätige Zwecke anzunehmen. Er ist jedoch weiterhin Chairman (Aufsichtsratsvorsitzender) und unterstützt Microsoft mit Ideen und Visionen.

Im November 2007 wurde Bill Gates von der Computing Technology Industry Association, CompTIA, zur einflussreichsten Person der IT-Welt der letzten 25 Jahre gewählt.[5]

Nach Microsoft

Wie am 23. Oktober 2008 bekannt wurde, hat Bill Gates ein neues Unternehmen mit dem Namen bgC3 gegründet.[6] Von dem Think Tank (laut Trademark-Anmeldung) sind jedoch keinerlei Aktivitäten öffentlich bekannt.

Privatleben

Bill Gates’ Wohnsitz am Lake Washington
Bill Gates mit Ehefrau Melinda 2009

Gates ist seit 1994 mit der Programmiererin Melinda French verheiratet, welche damals Projektmanagerin des Betriebssystemzusatzes Microsoft Bob war. Mit ihr hat er zwei Töchter (* 1996 und 2002) sowie einen Sohn (* 1999). Er lebt mit seiner Familie in Medina am Lake Washington in einem Anwesen, das von dem Architekten James Cutler entworfen wurde.

Bill Gates ist Eigentümer der größten Bildagentur der Welt, Corbis. Er ist ein leidenschaftlicher Golf- und Bridge-Spieler. Bill Gates galt nach der Rangliste 2003 der Financial Times als angesehenster Unternehmer der Welt. Während seine unternehmerische Leistung unumstritten ist, sind Firmenpolitik und Qualität seiner Produkte häufige Kritikpunkte.

Bill & Melinda Gates Foundation

Westlicher Flügel des Hauptsitzes der Bill & Melinda Gates Foundation

Bill Gates und seine Frau Melinda unterhalten gemeinsam die Stiftung Bill & Melinda Gates Foundation, die über ein geschätztes Vermögen von annähernd 29 Milliarden US-Dollar verfügt. Diese hat bis heute etwa 7,5 Milliarden US-$ des Privatvermögens für wohltätige Zwecke gespendet, meist für die Bereitstellung von Impfstoffen und weitere Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern in Afrika und Asien. Die im Dezember 2004 an Gates ausgeschüttete Sonderdividende von knapp drei Milliarden US-$ floss ebenfalls in diese Stiftung ein.

Aktueller Schwerpunkt der Tätigkeit der Stiftung ist die Bekämpfung der Malaria sowie der Poliomyelitis (Kinderlähmung). Für ersteres hat Gates im Oktober 2005 eine Spende von 258,3 Mio. US-Dollar angekündigt. Im Januar 2009 kündigte er eine Spende von 255 Mio. US-Dollar an Rotary International zur Unterstützung des Rotary-Programms zur weltweiten Ausrottung der Poliomyelitis an.[7]

Am 29. Januar 2010 gaben Bill und Melinda Gates bekannt, dass sie in den nächsten 10 Jahren insgesamt 10 Milliarden US-$ für Impfstoffe spenden wollen.[8]

Bis zu seinem Tod will Gates nach eigenen Aussagen 90 bis 95 Prozent seines Gesamtvermögens spenden, „lediglich“ 0,02 % seines Gesamtvermögens wird er jedem seiner Kinder zukommen lassen: nämlich 10 Millionen US-Dollar. Diese Zahlen sind allerdings nicht bestätigt. Einem Interview mit Gates Frau Melinda zufolge haben sie noch nie Zahlen dazu genannt. Sie bestätigt lediglich, dass das Erbe für Ihre Kinder relativ gering ausfallen wird.[9]

Für seine vorbildliche „Generosität und Philanthropie“ wurde Bill Gates zusammen mit seiner Frau 2006 der Prinz-von-Asturien-Preis für Internationale Zusammenarbeit verliehen. Auch Warren Buffett hat einen großen Teil seines Vermögens für die Stiftung in seinem Testament zugesagt.[10]

Vermögen

Nach Schätzungen des Forbes Magazine führte Gates zwischen 1994 und 2014 15 Mal die Liste der reichsten Menschen der Welt an. Im März 2014 wurde sein Vermögen auf 76 Milliarden US-Dollar geschätzt.[11]

Im Juni 2010 startete Gates zusammen mit Warren Buffett die Initiative The Giving Pledge, in der die sogenannten US-amerikanischen „Superreichen“ Geld an wohltätige Zwecke spenden sollten. Im August 2010 verschrieben sich dieser Kampagne bereits 40 US-Milliardäre.[12] Laut dem Forbes Magazine stieg ihre Zahl bis zum im März 2014 auf über 100 an.[11]

Ehrungen

Im Februar 2002 erhielt Bill Gates die Ehrendoktorwürde der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm.[13]

Am 2. März 2005 wurde Bill Gates von der britischen Königin Elisabeth II. zum Knight Commander des Order of the British Empire erhoben. Den Titel bekam er nach Angaben des Außenministeriums in London für seine umfangreichen Spenden zur Bekämpfung von Armut und Krankheiten und für seine Verdienste um die britische Wirtschaft. Als Amerikaner bleibt ihm jedoch das Tragen des Titels „Sir“ verwehrt. 2005 war er gemeinsam mit seiner Ehefrau Person des Jahres des Time Magazine.

Am 8. Juni 2007 wurde Bill Gates die Ehrendoktorwürde durch die Harvard-Universität verliehen.[14] Ebenfalls 2007 erfolgte die Auszeichnung von Bill und Melinda als Ritter des Ordens vom Aztekischen Adler (Mexiko).

Im August 2009 erhielten Bill und Melinda Gates gemeinsam eine Ehrendoktorwürde von der University of Cambridge, für 2013 wurde beiden der Lasker~Bloomberg Public Service Award der Lasker Foundation zugesprochen.

Am 14. November 2013 erhielten Bill und seine Ehefrau Melinda den Bambi in der Kategorie "Millennium" für die Bill & Melinda Gates Foundation.

Kontroversen

Bill Gates (rechts) mit Steve Jobs (2007) auf der D5: All Things Digital-Konferenz im Silicon Valley

Oft wird Bill Gates als Gründer und prägender Manager der Firma Microsoft persönlich für eine aggressive Expansionsstrategie des Konzerns verantwortlich gemacht.[15] Er steht mit seinen Geschäftspraktiken dabei immer wieder im Fokus der Kartellbehörden. Zeitweilig drohte sogar eine Zerschlagung des Konzerns. Kritiker bemängeln, er strebe ein illegales Monopol an;

Der Journalist Greg Palast wirft Gates vor, mit seiner Stiftung unlauter zu handeln. Gates unterstützt das TRIPS-Abkommen, welches international verschärfte Standards geistiger Eigentumsrechte einfordert. Kritiker behaupten, dass das TRIPS-Abkommen zur Verteuerung von Medikamenten in Entwicklungsländern führe und die Herstellung von Generika enorm erschwere. Dadurch, so die Kritiker, würden für weit mehr Menschen lebensnotwendige Medikamente unzugänglich werden, als durch Gates’ Stiftung finanziert werden könnten. Andererseits lässt sich entgegenhalten, dass ohne Regeln über geistiges Eigentum wie in TRIPS formuliert weniger Forschung im medizinischen Bereich stattfände und viele Medikamente daher erst gar nicht entwickelt würden.

Im Rahmen eines Interviews mit dem US-Magazin Rolling Stone brachte er seine Abneigung gegenüber dem Whistleblower und ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zum Ausdruck, da dieser das Gesetz gebrochen habe und nicht im Land geblieben ist. Er habe kaum Anerkennung für ihn.[16]

Schriften

  • Digitales Business. Wettbewerb im Informationszeitalter. Aus dem Amerikanischen von Raymond Hinrichs und Andreas Model. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-15859-8 (in Zusammenarbeit mit Collins Hemingway).
  • Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft. Aus dem Amerikanischen von Friedrich Griese und Hainer Kober. Völlig überarbeitete und aktualisierte Taschenbuchausgabe. Heyne, München 1997, ISBN 3-453-12296-8 (in Zusammenarbeit mit Nathan Myhrvold und Peter Rinearson).

Literatur

  • Wendy Goldman Rohm: Die Microsoft Akte. Der geheime Fall Bill Gates 1998. ISBN 3-430-17869-X
  • Janet Lowe: Bill Gates. Sein Erfolgsgeheimnis. TM-Börsenverlag 2000. ISBN 3-930851-49-0
  • Jennifer Edstrom, Marlin Eller: Barbarians led by Bill Gates. Microsoft von innen betrachtet. vmi-Buch. ISBN 3-8266-0506-3
  • James Wallace, Jim Erickson: Mr. Microsoft, die Bill-Gates-Story. Verlag Ullstein 1993. ISBN 3-550-06808-5

Einzelnachweise

  1. Patrick Welter: Zuckerberg verdoppelt Vermögen: Bill Gates ist wieder der reichste Mann der Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. November 2013, Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  2. Billionaire Bill Gates to miss out on top spot in Forbes rich list after giving away $28bn, Daily Mail, 8. März 2011, abgerufen am 10. März 2012 (Englisch).
  3. Insider Trades of GATES WILLIAM H III, NASDAQ (Englisch)
  4. Steve Lohr: Microsoft Seeks Path Beyond Gates’s Legacy, New York Times, 27. Juni 2008 (Englisch)
  5. Thomas Claburn: Bill Gates, Steve Jobs, Michael Dell Top List of IT Influencers. In: InformationWeek. 7. November 2007, abgerufen am 29. September 2014 (englisch).
  6. Ina Fried: Bill Gates' new venture: A think tank?, CNET News, 22. Oktober 2008 (Englisch)
  7. Arnold R. Grahl, Dan Nixon: Bill Gates announces new US$255 million grant for ending polio, Rotary International News, 21. Januar 2009 (Englisch)
  8. Für Kinder in Entwicklungsländern: Bill Gates spendet zehn Milliarden Dollar für Impfstoffe, Stern.de, 29. Januar 2010
  9. Dagmar von Taube, Philipp Hedemann: Was Luxus bedeutet: Auch Milliardärin Melinda Gates achtet auf Preise, Die Welt, 7. April 2012
  10. Bill Gates spendet 258 Millionen Dollar für Malaria Forschung, Die Welt, 31. Oktober 2005
  11. a b Forbes Profil: Bill Gates. Archiviert vom Original am 4. März 2014. Abgerufen am 4. März 2014.
  12. Initiative von Gates und Buffett:: 40 Superreiche spenden Hälfte ihres Vermögens, Spiegel Online, 4. August 2010
  13. Liste der Ehrendoktoren der Königlich Technischen Hochschule, KTH (Englisch)
  14. David Goeßmann, Cambridge: Bill Gates in Harvard: Lametta für den verlorenen Sohn, Spiegel Online, 8. Juni 2007
  15. Irmintraud Jost: Bill Gates spielt mit seiner Macht, Die Welt, 22. Juli 1995
  16. Jeff Goodell: [ARCHIVE Bill Gates: The Rolling Stone Interview (Page 2)] (Englisch, HTML) In: Rolling Stone. 13. März 2014. Archiviert vom Original am 14. März 2014. Abgerufen am 14. März 2014.

Weblinks

 Commons: Bill Gates – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Bill Gates – Zitate
 Wikinews: Bill Gates – in den Nachrichten